Tina Ruland

Ein Wunder der Natur

Vor 25 Jahren führte uns Tina Ruland zum ersten Mal in Versuchung. Kurz darauf sahen wir sie mit „Manta, Manta“ im Kino wieder. Was ist aus der schönen Schauspielerin geworden? Ein Wiedersehen mit einem Männertraum

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Hier ist eine Frau von 46, die ganz bei sich selbst ist und an der alle Teile gleich alt sind. So wie die Natur mich gewollt hat.
Solides, altes Westberlin. Gründerzeitvillen und kopfsteingepflasterte Parkstreifen, da­rauf ein paar Range Rover und einschlägige Familienkisten. Hier hat Tina Ruland ihre zweite Playboy-Verabredung, eine Woche nach dem Shooting auf Mallorca. Sie wohnt gleich in der Nähe und hat ein lauschiges Café als Treffpunkt vorgeschlagen. Es ist später Vormittag, auf der Terrasse nur Frauen, die so aussehen, als wären sie der Wisteria Lane bei „Desperate Housewives“ entsprungen. Tina Ruland, 46, trägt eine Wildlederjacke und das Haar zum Pferdeschwanz zusammengebunden, und man muss sagen: Für ein Playboy-Model fällt sie hier kaum auf.
Playboy: Frau Ruland, wie fühlt man sich nach einem Vierteljahrhundert als Sexsymbol?
Ruland: Vierteljahrhundert klingt schon nach einem ganz schön langen Zeitraum. Sexsymbol? Das liegt im Auge des Betrachters, wenn Sie das so sehen ...

Playboy: Na ja, immerhin waren Sie zum ersten Mal vor 25 Jahren nackt im Playboy zu sehen.
Ruland: Ich finde es schön zu wissen, dass eine Frau in meinem Alter da nicht fehl am Platz ist. Das sind ja sehr ästhetische Bilder, und ich genieße Foto-Shootings als Erlebnis an sich. Als kölsches Mädchen liebe ich es, mich zu verkleiden, zu spielen, und in diesem Shooting verkleide ich mich eben ohne Kostüm. Ich entblöße ja nicht mich als Person, sondern erzähle eine Geschichte.

Playboy: Was ist die Geschichte?
Ruland: Ich will dem Jugendwahn und dem Operationsirrsinn etwas entgegenstellen. Hier ist eine Frau von 46, die ganz bei sich selbst ist und an der alle Teile gleich alt sind. So wie die Natur mich gewollt hat.

Playboy: Es geht also um ein gesellschaftliches Statement? Einen Appell auch an Ihre Schauspiel-Kolleginnen?
Ruland: So hoch würde ich nicht greifen, aber dieser Botox-Blödsinn macht mich fassungslos. Schon 30-Jährige fangen damit an. Das will doch niemand sehen. Jedes Fältchen ist erlebt, wir erzählen Geschichten, mit unserem Körper, unserem Gesicht. Das im wahrsten Wortsinn auszuradieren ist nicht gut. Ich gehe mit meinem Körper entspannt um. Ich finde, das drücken die Bilder auch aus. Zufriedenheit, Selbstvertrauen und vor allem – Lebensfreude.

Playboy: Ist dieser OP-Wahn Unsicherheit?
Ruland: Vermutlich. In meinem Alter macht man sich frei vom Urteil anderer. Der Philosoph Kierkegaard sagt: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Ich habe auch Tage, an denen ich mir äußerlich nicht gefalle. Dann schaue ich halt weniger in den Spiegel.

Playboy: Heute betrachten wir unseren Körper ja als Investitionsgut. Speziell in Ihrem Beruf ist das so. Was tun Sie dafür?
Ruland: Ich gebe ihm permanent positiven Input. Im Sinne von positiver Energie. Viele Leute treiben wie verrückt Sport, ernähren sich nach 1000 verschiedenen Regeln, stopfen ein Programm in sich rein, damit möglichst viel Gesundheit rauskommt. Nicht mein Ding. Ich habe in meinem Leben nie eine Diät gemacht. Auch nach meiner Schwangerschaft hatte ich nicht den Anspruch, sechs Wochen später wieder so auszusehen wie jetzt. Mir war es wichtiger, mein Baby im Arm zu halten.

Playboy: Haben Sie auch deshalb fast zwei Jahre lang keinen Film mehr gedreht?
Ruland: Wenn man mit 44 noch mal Mama wird, ist das ein Geschenk. Das wollte ich auch annehmen und leben. Außerdem erlaube ich mir den Luxus, nur in Filmen mitzuspielen, die ich auch selber sehen möchte.

Playboy: Was muss ein Mann draufhaben, um Vater Ihrer Kinder zu werden?
Ruland: Er muss humorvoll sein, intelligent, familienorientiert und zuverlässig. Und da hab ich den perfekten schon gefunden.

Playboy: Wenn man Ihnen so zuhört, klingt das nach souveräner Spießigkeit.
Ruland: Wäre der Begriff nicht so negativ besetzt, würde ich sagen – stimmt. Ich bin eine ganz normale Frau mit einer ganz normalen Familie.

Playboy: Eine ganz normale Mutti, nackt im Playboy. Wann sehen wir Sie hier wieder?
Ruland: „Natürlich“ in 25 Jahren!
 

Die Zeitlose

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Geboren 1966 in Köln, machte Tina Ruland nach dem Abitur eine Lehre als Immobilienkauffrau – und ihre ersten Playboy-Fotos als Miss März 1988. In der Rolle der Prolette Uschi gelang ihr der schauspielerische Durchbruch 1991 mit „Manta, Manta“ an der Seite von Til Schweiger (Foto). Im September 1995 zierte sie zum ersten Mal das Playboy-Cover (Foto). Über Beziehungskomödien spielte sie sich ins Sonntagabend-Programm des ZDF, wo sie zuletzt oft in Rosa­munde-Pilcher-Verfilmungen zu sehen war und auf dem Traumschiff. Seit zwei Jahren wohnt sie mit ihrem Lebensgefährten und ihren zwei Söhnen in Berlin.

interview markus götting