Ursula Karven . Titel 04/2012

Ursula Karven

Salon der Sinne

Ein altes Londoner Town House: knarzende Treppen, schwere Vorhänge, zerwühlte Betten. Die geheimnisvolle Schöne bittet uns hinauf in die Gemächer. Hier zeigt Schauspielerin Ursula Karven uns gleich: die Kunst der Verführung …

Interview

„Mein Körper ist mein Instrument“

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Ich mag Männer, die wild sind
Playboy: Frau Karven, um es mal vorsichtig auszudrücken: Sie sind ja unglaublich gut in Form. Was ist Ihr Geheimnis?
Karven: Yoga. Ich bin sonst, sportlich gesehen, eher der Typ „faule Abteilung“. Was Yoga einem zusätzlich zum Glücksgefühl zurückgibt, ist ein trainierter Körper.

Playboy: Zeigt man mehr in der Öffentlichkeit, wenn man sich gefällt?
Karven: Ich bin Schauspielerin, und für mich ist mein Körper mein Instrument. Je besser es gestimmt ist, desto besser fühlt es sich an. Es gehört einfach zu meinem Beruf: die Nacktheit der Seele wie auch manchmal die Nacktheit des Körpers.

Playboy: Die Location des Shootings war ein altes Town House in London, wo Teile von „The Kings Speech“ und das „Rehab“-Video von Amy Winehouse gedreht wurden. Wie war das für Sie?
Karven: Sehr spannend. Auch Kate Moss, die ich ja wirklich cool finde, wurde hier oft fotografiert. Wenn der Raum gefüllt ist mit Anekdoten, macht das Spaß. Man fühlt sich kreativ und inspiriert.

Playboy: Inspiriert scheint das Ambiente dort von den 60er- und 70er-Jahren zu sein. Woran haben Sie gedacht?
Karven: Natürlich habe ich mir Bilder von Jane Fonda und Brigitte Bardot aus dieser Zeit angesehen und dachte mir: Hey, das hat Klasse! Die Ästhetik der 60er und 70er war immer eine, die mich angesprochen hat. Ich dachte an Retro-Classic und habe mich fallen lassen.

Playboy: Das heißt, Sie waren nicht nervös – kriegten keine kalten Hände?
Karven: Die Fotografin ist eine Freundin von mir – also keine kalten Hände. Wir mussten wirklich viel lachen. Bei den Fotos auf dem Bett behielt ich unter der Decke dennoch mein Höschen an, aber sie sagte irgendwann: „Meine Güte, tu doch endlich mal das Ding weg!“ Wenn das ein fremder männlicher Fotograf zu mir gesagt hätte, hätte ich das mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht so lustig gefunden (lacht).

Playboy: Sie gehen viel auf die Bedürfnisse von Frauen ein: Yoga-DVDs und -Bücher, die Kindermarke Bellybutton, ein Kochbuch ... Verstehen Sie die Männer auch so gut?
Karven: Das Prinzip Mann habe ich zwar immer noch nicht ganz begriffen – aber eins ist sicher: Männer bedienen nicht mehr nur das Bild des muskelgestählten, unter dem Auto liegenden Superhelden. Sie dürfen mittlerweile Schwächen haben, Sanftheit ausstrahlen, sich zu Ängsten oder Burn-out bekennen.

Playboy: Wie kann ein Mann Sie für sich gewinnen?
Karven: Wenn er ein bisschen wild ist. Mein schwedischer Lebensgefährte rast in Skandinavien bei Minusgraden mit seinem Raftingboot über das Meer, und ich winke im Skianzug vom Ufer. Ein Mann sollte irgendwie frei sein: offen in seiner Wahrnehmung für die Frau, offen in seiner Wahrnehmung für das Leben. Und er sollte zuhören können und Humor haben.

Playboy: Sie winken heute vom sicheren Ufer aus – haben Sie noch wilde Momente?
Karven: Also ich kann immer noch gut feiern, und da kann es auch mal wild werden, aber es ist ausgelassen, saulustig und leicht, nicht exzessiv. Die wildesten Exzesse erlebe ich wahrscheinlich in meiner Arbeit als Schauspielerin.

Playboy: Wie wählen Sie als Schauspielerin Ihre Rollen aus?
Karven: Ich suche Rollen danach aus, ob eine Figur wächst, eine Entwicklung durchmacht – sei es in einer Familienkomödie oder in einem Thriller.

Playboy: Und Sie staubsaugen gern. Muss ein Mann für Sie ein Saubermann sein?
Karven: Er darf kein Schlamper sein, obwohl ich 16 Jahre mit einem verheiratet war. Ein frisch gesaugter Teppich, in dem sich die Bahnen des Staubsaugers ausmachen lassen – herrlich! Vielleicht kommt das auch aus einem früheren Leben ...

Playboy: Was waren Sie da?
Karven: Teppichhändler aus Persien oder vielleicht der Staubsauger des Teppichhändlers? Wer weiß? (lacht)

Playboy: Bei den unterschiedlichen Rollen, die Sie haben, als Schauspielerin, Buchautorin usw.: Was, würden Sie sagen, ist Ihre eigentliche Hauptrolle?

Playboy: Irgendetwas zwischen Kindergärtnerin, Prinzessin und Försterin.
 

Biographie

Die Vielseitige

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Ursula Karven, 1964 in Ulm geboren, feierte als Schauspielerin in den 80er-Jahren mit der Serie „Blaues Blut“ ihren Durchbruch. Sie ist Teil­haberin der Marke Bellybutton, Bestsellerautorin von Yoga-Büchern und -DVDs, Kochbuchautorin und Markenbotschafterin von DHU Schüßler-Salze. Am 23. März strahlt die ARD um 20.15 Uhr ihren neuesten Film „Nicht mit mir, Liebling“ (Szenenfoto mit Henning Baum) aus. Karven ist seit 2008 mit dem schwedischen Unternehmer Mats Wahlström liiert.

Moritz Pontani