Wintersportlerinnen . Titel 03/2013

Schneller, höher, heisser

Sie jagen im Schnee Bestwerten hinterher – leider stets gehüllt in dicke Daunen. Für uns legten sie alles ab. Skispringerin Melanie Faißt, Ski-Cross-Fahrerin Sabrina Weilharter und die frischgebackene Snowboard-Weltmeisterin Isabella Laböck zeigten uns im Hotel „Das Kronthaler“ am Achensee: die schönsten Winterspiele des Jahres

Sabrina Weilharter

Ski-Cross

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Playboy: Frau Weilharter, Ski-Cross ist die neue Trendsportart des Winters. Was ist so aufregend daran?
Weilharter: Es ist einfach ein Unterschied, ob ich zu viert auf der Piste bin oder allein wie bei den Alpinen. Es sind die Kurven, die Wellen und Sprünge, die die Rennen so attraktiv und aufregend machen.

Playboy: Das heißt, den klassischen Ski­fahrern fehlt der Mumm?
Weilharter: Das kann man so nicht sagen. Bei den Abfahrtsgeschwindigkeiten braucht man auch viel Mut, aber zu viert auf einer Piste ist doch noch etwas anderes.

Playboy: Vergangene Saison gab es bei den Herren einen tragischen Todesfall. Klingt eher nach Himmelfahrtskommando . . .
Weilharter: Bis zu diesem Unglück habe ich mir nie Gedanken über die Gefahren gemacht. Aber wenn ich jetzt immer nur denke, es passiert was, dann kann es ja nur schiefgehen. Ski-Cross ist nicht gefährlicher als andere Disziplinen.

Playboy: Eine mutige junge Frau mit einem riskanten Job, die mit gerade mal 21 Jahren im Playboy ihren Skianzug auszieht. Sie wissen offenbar ganz genau, was Sie wollen.
Weilharter: Ich dachte mir, ich kann ruhig mal zeigen, wofür ich mich sieben Tage die Woche quäle. Die Fotos beweisen, dass Spitzensportler sehr schöne Körper haben. Nur meine Teamkollegen werden überrascht sein, weil ich privat eher schüchtern bin. Die kennen mich so nicht.

Playboy: Schüchtern? Sie?
Weilharter: Okay, auf der Rennstrecke bin ich alles andere als schüchtern.

Playboy: Und bei den Männern? Wenn Sie zum Beispiel die Chance hätten auf ein Date mit dem coolsten Skirennfahrer der Welt, sagen wir: Felix Neureuther, Bode Miller oder Hermann Maier – wen wählen Sie?
Weilharter: Keinen der drei. Dann nehme ich lieber Ted Ligety. Super Typ, süßer Kerl. Von seiner Technik kann ich noch einiges lernen.

Playboy: Technik?
Weilharter: Nicht, was Sie denken. Seine Technik im Riesenslalom, er hat ganz viel Skigefühl …

Playboy: Wie gefühlig ist eigentlich das Verhältnis der Skifahrer untereinander? Slalom-Olympiasiegerin Maria Riesch spricht von „Pornozirkus“. Wissen Sie mehr?
Weilharter: Sorry, aber der Zirkus ist noch nicht zu mir durchgedrungen.

Sabrina Weilharter, 1991 geboren, fährt für den Skiclub Traunstein in der Disziplin Ski-Cross. Ihr bestes Saisonergebnis: 5. Platz beim Weltcup im Januar 2013 in Les Contamines, Frankreich. Und bald darf es ruhig den nächsten Titel geben.

TV-Tipp: die Skicross-Weltmeisterschaft am 9. und 10. März in Voss, Norwegen (live auf Eurosport 2)
 

Melanie Faißt

Skispringen

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Playboy: Frau Faißt, warum kommen fast alle bekannten Skispringer aus dem Schwarzwald, auch die weiblichen?
Faißt: Ich glaube nicht, dass es im Schwarzwald ein eigenes Springer-Gen gibt. Eher einen Vorbildschub. Das Highlight des Jahres in Hinterzarten ist das Mattenspringen im Sommer. Da haben sich schon viele junge Mädchen ein Autogramm von Sven Hannawald oder Martin Schmitt geholt. Ich natürlich auch. Das spornt an.

Playboy: Skispringen ist eine klassische Männerdomäne. Werden die Frauen inzwischen akzeptiert?
Faißt: Mittlerweile respektieren sie uns. Früher wurden wir stark belächelt, weil wir einfach zehn, elf Balken im Schnitt mehr Anlauf brauchen, um die gleiche Geschwindigkeit beim Absprung zu bekommen wie die Männer. Es gibt heute ja auch viel mehr von uns, die von den großen Schanzen springen (ca. 100 Frauen weltweit; d. Red.). Seit letztem Sommer gibt es im Weltcup einen Mixed-Wettbewerb, jetzt können sich die Männer solche Chauvi-Sprüche nicht mehr erlauben.

Playboy: Rein theoretisch: Können Frauen genauso weit springen wie Männer?
Faißt: Ganz klar: ja. Im Prinzip spricht nichts dagegen, außer dass uns die FIS (Skiweltverband; d. Red.) das Skifliegen noch nicht erlaubt. Meine Bestweite liegt bei 138 Metern, aber mein absoluter Traum sind 200 Meter. Das ist die magische Grenze für jeden Skispringer. Aber das geht nur, wenn wir endlich Skifliegen dürfen.

Playboy: Kompliment für Ihren wunderschönen, sehr fraulichen Körper. Wir dachten, nur Hungerhaken fliegen weit?
Faißt: Stimmt schon, weibliche Rundungen sind eher selten. Wenn man eine richtige Frau ist, ist es, was das Gewicht angeht, nicht immer einfach. Da muss man eben disziplinierter sein. Aber es gibt ja auch noch ein Leben neben dem Sport, und darüber bin ich ganz froh.

Playboy: Stimmt es, dass Ihre Trainer regelmäßig Ihren Body-Mass-Index überprüfen?
Faißt: Wenn man über seinem BMI liegt, dann legen die Trainer Wert darauf, dass er wieder runterkommt. Figurprobleme kennen wir so eigentlich nicht, wir ticken eher wie Top-Models: Wer groß und leicht ist, fliegt weiter!

Playboy: Ist es wahr, dass Ihr Freund nicht begeistert war von der Idee, dass Sie sich uns in Ihrer ganzen Schönheit präsen­tieren?
Faißt: Ex-Freund. Seit dem Sommer war es schwierig, aber spätestens mit den Fotos ist es jetzt eh vorbei. Aber ich suche jetzt auch nicht mehr, da hatte ich in der Vergangenheit kein so glückliches Händchen. Ich mache es mir ab sofort einfacher: Ich lasse mich finden.

Melanie Faißt, 1990 in Titisee-Neustadt geboren, begann im Alter von sieben Jahren mit dem Skispringen. Bisher wurde sie zweimal Deutsche Meisterin von der Normalschanze (Bestwert: 138 Meter).

TV-Tipp: Nordische Ski-WM vom 20.2. bis 3.3. in Val di Fiemme, Italien (ARD/ZDF live)
 

Isabella Laböck

Snowboard

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Playboy: Frau Laböck, kaum auf dem Playboy-Titel, sind Sie Weltmeisterin. Ist das reiner Zufall?
Laböck: Das Shooting hat meinem Selbstbewusstsein wahnsinnig gutgetan, das hilft mir natürlich auch im Sport. Dass ich jetzt noch einen draufsetzen konnte, bestätigt Ihre These. Jetzt habe ich zweimal die Katze aus dem Sack gelassen, als Frau und Sportlerin, ein besseres Timing geht nicht.

Playboy: Gab es Bedenken gegen die Fotos von Seiten des Verbands?
Laböck: Wenn ich etwas machen will, dann mache ich das auch. Das lasse ich mir nicht nehmen. Da bin ich wohl ein typischer Widder-Sturkopf.

Playboy: Ist es schon mal vorgekommen, dass ein Athlet wegen Nacktfotos sein Olympia-Ticket zurückgeben musste?
Laböck: Kann ich mir nicht vorstellen. Warum auch? Soweit ich weiß, haben schon die alten Griechen in Olympia nackt gekämpft.

Playboy: Snowboarder waren mal die Rockstars des Winters. Ist das noch so?
Laböck: Finde ich schon. Wir sind nicht so spießig und verbohrt wie die Skifahrer. Wenn bei unseren Konkurrenten mal ein Schraubenzieher fehlt, kein Big Deal, da wird geholfen. Wir sind unkonventionell, aber wir sind auch knallharte Leistungssportler. Bei uns fährt keiner nur aus einer Gaudi heraus.

Playboy: Wenn Sie im Spind von Shaun White hängen: schönes Kompliment oder eher unangenehm berührt?
Laböck: Kompliment natürlich. Wenn mich der beste Snowboarder der Welt aufhängt, gehe ich davon aus, dass ich ihm auf den Fotos gefalle. Den Jungs in der Szene werden die Bilder sicher eh gefallen. Bei den Mädels weiß man nie, was kommt. Ich bin stolz, dass ich die Gelegenheit bekommen habe.

Playboy: Bedauern Sie, dass Sie immer nur schwer vermummt auf dem Board stehen können?
Laböck: Das ist der schöne Nebeneffekt: zu zeigen, was unter der Ver­packung steckt. Warum sollte man ein schönes Gesicht, einen ästhetischen weibli- chen Körper nicht zeigen dürfen? Ich kann mich in meinem Sport schließlich nicht wie eine Beachvolleyballerin präsentieren.

Isabella Laböck, 1986 in Prien am Chiemsee geboren, stand das erste Mal auf einem Snowboard, als sie sechs Jahre alt war. Seit 2006 ist sie in der deutschen Snowboard-Nationalmannschaft. Größter Erfolg bisher: Weltmeisterin im Parallel-Riesenslalom bei der WM 2013 in Kanada.

TV-Tipp: Weltcup-Finale der Snowboarder in der Sierra Nevada vom 19. bis 25. März (Eurosport 2)
 

Thilo Komma-Pöllath