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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Jürgen Vogel: "Ötzi hatte die schöneren Tattoos"

Jürgen Vogel ist Ötzi - zumindest in seinem neusten Film. Am 30. November startet "Der Mann aus dem Eis" in den deutschen Kinos. Wir haben den Hauptdarsteller schon vorher in München getroffen und mit ihm über seinen neuen Film, Autos und das Älterwerden gesprochen. 

Herr Vogel, in Ihrem nächsten Kinofilm spielen Sie Ötzi. Wer hat die schöneren Tattoos – er oder Sie?

(Lacht) Für die damalige Zeit hatte er die schöneren Tätowierungen, würde ich sagen. Auf jeden Fall hatte er unheimlich viele. Mein Tätowierer sagt, dass Ötzi der erste tätowierte Mensch war. Das ist schon beeindruckend. Vor 5000 Jahren!

Stimmt es, dass es im Film fast keinen Text gibt?

Ja, wir reden da sehr wenig. Es gibt zwar eine Sprache, aber Ötzi macht sich im Film auf, seine Familie zu rächen, und trifft dabei eben nicht viele Leute.

Was können Sie gut mit wenigen Worten – eine Frau rumkriegen?

Das ist nicht unbedingt der Ehrgeiz, den ich habe, das war nie mein Ziel. Ich glaube, man kann das mit wenigen Worten schaffen, aber dann muss man eben viel tun. Zum Beispiel massieren können.

... oder ein schickes Auto fahren?

Bei Autos stellt sich da immer die Frage: Geht es der Frau um den Stil oder um das Geld?

Sie werben für einen Jaguar mit Elektroantrieb, fahren außerdem ein Elektrorad und einen Elektroroller. Eine ganze E-Flotte sozusagen – was gefällt Ihnen daran?

Ich finde das ganz geil. Das ist praktisch für die Stadt und für das Gewissen. Und es macht irre Spaß.

Sie sind auch passionierter Motorradfahrer. Wäre sogar ein E-Motorrad etwas für Sie?

Ich glaube, für die Zukunft ist das schon eine Vision. Ich fahre ja selber noch Ducati. Aber in den USA hat Harley-Davidson ein ziemlich cooles Elektromotorrad entworfen.

Was ist mit dem Sound?

Der ist geil. So wie man sich als Kind die Zukunft vorgestellt hat: ssssssss ...

Vogel als "Ötzi": "Wenn jemand mir was Böses tut, will ich das auch zurücktun"

Aber muss ein Motorrad nicht laut sein und stinken?

Die Lösung wird folgendermaßen aussehen: In der Garage hat man noch ein altes Oldtimer-Motorrad und vielleicht auch eine laute Karre. Aber für den alltäglichen Gebrauch wird man sich an den elektronischen Antrieb gewöhnen. In 20 Jahren wird die Mehrheit dann einen Elektromotor genauso gut finden, wie wir heute auf Ducatis und den F-Type abfahren. Aktuell fahre ich den F-Pace, aber der elektrische I-Pace ist schon bestellt.

Sind Sie eigentlich eher Selberschrauber oder Richtenlasser?

Sagen wir mal so, ich wünschte, ich wäre einer, der selber schraubt, weil das natürlich immer cool kommt. Aber das ist Quatsch. Ich habe leider keine Zeit dafür. Ich bin eher jemand, der das von einer Vertrauensperson machen lässt.

Sind Sie gern mit dem Auto unterwegs?

Auf jeden Fall. Ich mag es, viel dabeizuhaben, dann bin ich flexibel und kann selber entscheiden, wann ich wohin fahre. Für mich ist das Auto auch ein Stück Zuhause.

Sie sind also ein Zumüller?

(Lacht Playboy-Redakteurin Mareike Opitz an) Interessant, dass Sie als Frau denken, dass man von Müll spricht, wenn man sagt, ein Stück Zuhause! Das ist wirklich sehr lustig. Weil ich oft denke, wenn ich in Autos von Damen gucke: Oh, wie kam denn dieses Papier dahin ...?

Inwiefern ist Ihr Auto dann Ihr Zuhause?

Zum Beispiel weil ich immer verschiedene Taschen packe. Da gibt es eine mit dicken Jacken drin, dicken Schuhen und Sachen, die man nur im Worst Case braucht. Die lasse ich dann im Auto und muss sie nicht hin- und herschleppen. Deswegen Zuhause, das ist sozusagen mein Ersatzschrank. Außerdem telefoniere ich sehr viel beim Fahren. Da kann man sich Zeit nehmen, die man sonst nicht hat.

Klingt sehr organisiert, fast ein bisschen spießig ...

Meine Interpretation von Spießigkeit ist Verschlossenheit. Das bin ich nicht. Die andere Form von Spießigkeit, also sonntags das Auto waschen, schauen, dass alles seine Ordnung hat, da gehöre ich voll dazu. Ich bin auch so ein kleiner Hausmeister. In dieser Hinsicht würden meine Kinder mich wohl schon als Spießer bezeichnen.

Dürfen Ihre Töchter eigentlich auch mal ans Steuer?

Klar, ich lasse mich gerne von Frauen fahren.

Jürgen Vogel als Hauptrolle in "Der Mann aus dem Eis" (VÖ 30.11.2017)

Sind Sie ein guter Beifahrer?

Bestimmt nicht der beste, ich würde mich da fast als Klugscheißer bezeichnen. Aber ich arbeite daran – für den Hausfrieden. Ich sage immer wieder, komm, fahr du. Weil ich das auch schön finde, danebenzusitzen.

Was tun Sie sonst noch so für den Hausfrieden? In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie es unmännlich finden, wenn ein Vater sein Kind nicht wickeln kann.

Ja, finde ich. Definitiv. Wenn man darüber redet, was Männlichkeit in dieser Welt bedeutet, muss die Antwort lauten: Verantwortung zu übernehmen – auch für ein Kind. Und das mit allem Drum und Dran. Das heißt auf dem Spielplatz sein, wickeln, Essen machen, sauber machen. Das, was man sich ja auch von einer Frau erhofft. Und das nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil man will, dass das jeder Mensch schafft.

Väter allerdings werden oft für Dinge gefeiert, die bei Müttern als selbstverständlich gelten.

Das hängt auch damit zusammen, dass man als Frau mit mehr als zwei Kindern in der Realität gesellschaftlich und politisch an den Herd gefesselt wird. Es fängt ja schon damit an, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Solange das so ist, brauchen wir über einen leichteren Berufseinstieg nach der Elternzeit überhaupt gar nicht zu diskutieren. Außerdem: Wer kriegt wohl die schlechtere Steuerklasse?

Können Frauen heutzutage also unmöglich Mutter sein und gleichzeitig gut verdienen?

Unmöglich ist es wahrscheinlich nicht. Aber es ist als Frau total schwer, da hinterherzukommen. Und das soll ja so sein. So funktioniert das System, leider. Um jetzt auf die Frage zurückzukommen, warum manches bei Vätern mehr Aufmerksamkeit bekommt: Wenn ein Mann jetzt in der Funktion des Alleinversorgers ist und er in seiner freien Zeit auf dem Spielplatz sitzt, Essen macht und wickelt, dann ist da die Bestätigung eben ein bisschen größer. Die Hauptverantwortung trägt aber immer noch die Frau.

Ist man erst als Vater ein richtiger Mann?

Nein, das kann man nicht sagen. Aber es rennen viele Männer um die 30 rum, die sich noch so unschlüssig sind und bei denen ich mich frage, wann wirst du denn erwachsen? Wenn du mit 30 keine Verantwortung für ein Kind übernehmen kannst, kannst du es mit 40 auch nicht. Wann willst du denn dann Vater werden und vor allem: mit welcher Frau?

Einer jüngeren?

Genau. Diese Einstellung setzt schon voraus, dass du später auf jeden Fall eine jüngere Freundin haben wirst. Also, mach dir mal Gedanken, was das auch in deiner Partnerschaft bedeutet, wenn du eine Freundin in deinem Alter hast und mit 32, 33 als Mann sagst, na, ich weiß nicht, ich bin noch nicht so weit. Das heißt dann eigentlich für sie: Du entscheidest gerade darüber, dass sie wahrscheinlich kein Kind kriegen kann. Wobei du selbst natürlich endlos Zeit hast. Eine sehr kindliche Einstellung als erwachsener Mann.

Also sind Sie auch kein Freund von großen Altersunterschieden?

Das hat damit nichts zu tun. Es geht darum, dass die Frau, die jetzt an deiner Seite ist, nicht die Frau ist, mit der du Kinder kriegst. Du lebst aber vielleicht schon seit acht Jahren bequem in einer Beziehung und gaukelst ihr ja eigentlich was vor. Denn wegen deiner Unentschlossenheit planst du insgeheim schon, mit einer Jüngeren ein Kind zu kriegen. Das ist scheiße. Richtig arschlochmäßig.

Jürgen Vogel auf einer Pressekonferenz

Greifen Sie manchmal ein, wenn Sie so ein Verhalten beobachten?
Ich muss das ganz oft machen. Diese Masche ist echt Alltag. Und die Frauen haben schon ein bisschen verlernt, darüber nachzudenken.

Also haben Sie bereits ein paar Typen die Tour versaut?

Ja, genau. So könnte man es nennen. Aber ich finde das okay. Denn wenn man mal genau drüber nachdenkt, ist das eigentlich auch sehr geil, früh Kinder zu kriegen und Verantwortung zu übernehmen. Das hält einen von viel Quatsch ab.

Was für Quatsch?

Ich kenne ganz viele Männer Mitte 30, mit denen ich nicht tauschen möchte. Ich habe keinen Bock, jeden Abend in einer Cocktailbar zu sitzen oder mich zum Tischfußball zu verabreden.

Sie selbst sind mit 20 das erste Mal Vater geworden und könnten theoretisch sogar schon Opa sein ...

Ich bin Opa.

Oh, das haben wir bei der Interview-Vorbereitung nirgends gelesen.

Nee, das weiß ja auch keiner. Ich rede da nicht drüber, es sei denn, ich werde gefragt.

Na dann, herzlichen Glückwunsch!

Danke schön. Sie können mich Opa Jürgen nennen.

Fühlt sich das komisch an?

Nein, megacool, ich freue mich darüber. Aber ich finde auch Älterwerden gut und fühle mich wohl in meiner Haut. Ich tue ja auch was dafür, versuche, gesund zu leben und Sport zu machen. Ich kann echt auch noch sehr, sehr viele Liegestütze. Zu 70 Prozent schlage ich Jungs, die 20 Jahre jünger sind.

Wie viele schaffen Sie?

Also 100 am Stück sicher. Wenn jemand mich herausfordert – und das ist der Trick –, lasse ich den anderen immer vorlegen. Dann mache ich auf jeden Fall mehr. Egal, wie viele. Wir können es ausprobieren!

Challenge accepted. Jürgen Vogel lässt vorlegen. 49 Liegestütze schafft Playboy-Mitarbeiter Max Krones, 24, mit letzter Kraft. Jürgen Vogel steht daneben, feuert an, aber zählt ganz genau mit. Danach geht er auf den Boden der schicken Hotellobby, schüttelt seine Liegestütze aus den gespannten Ärmeln und hört gnädigerweise bei 70 auf.

(Keuchend) Man merkt, dass Sie seit über 30 Jahren Kampfsport betreiben. Schon mal ans PromiBoxen gedacht?

Nein. Das ist ein anderes Level. Das hat auch mit dem Sport nichts zu tun. Das ist Vorführen.

Sind Sie ein friedlicher Typ?

Ja, würde ich schon sagen. Wenn man sich viel mit Kämpfen auseinandergesetzt hat, dann ist man sowieso prinzipiell friedlich. Aber das heißt nicht, dass man nicht trotzdem für etwas einstehen kann. Auch körperlich. Das finde ich völlig in Ordnung. Wenn jemand mir was Böses tut, will ich das auch zurücktun.

Auf Ihren Unterarm haben Sie sich das Wort „Halunke“ tätowieren lassen. Ist ein Halunke friedlich?

Ja, für mich ist das ein schönes, altes Wort. Wenn man jemanden so bezeichnet, ist das nie ganz böse gemeint. Es hat immer einen leichten Schmäh, ein bisschen was Grinsendes.

Früher waren Sie mal Türsteher. Auch als Paketbote und Küchenjunge haben Sie schon gearbeitet. Wenn Sie plötzlich auf einen Ihrer früheren Jobs zurückgreifen müssten, wo würden wir Sie dann treffen?

Am Herd. Das ist so ein Traum von mir. Vielleicht mache ich das mit 60, dann reise ich ein Jahr durch die ganze Welt, arbeite in verschiedenen Küchen, völlig unbekannt, wohne in kleinen Klitschen und bin ganz unluxuriös unterwegs. Danach habe ich ein tierisches Bedürfnis.

"Der Mann aus dem Eis" startet am 30. November in den Kinos.

Interview Mareike Opitz und Maximilian Krones

Autor: Mareike Opitz
Autor: Maximilian Krones
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