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Credit: The Archive of Contemporary Music, New York

Musikgeschichte - bewahrt für die Ewigkeit

Ein New Yorker Musik-Archiv stellt 50.000 Titel zum Download bereit - kostenlos.

50.000 Schallplatten zum freien Download

Für das Archive of Contemporary Music in New York ist es ein Kampf gegen die Zeit – und gegen das Vergessen. Um das musikalische Erbe des letzten Jahrhunderts vor dem Verfall zu bewahren, digitalisieren die Mitarbeiter unter dem Projekt-Namen "The Great 78 Project", die Titel hunderttausender Schellack-Schallplatten. Jetzt haben sie über 50.000 Schallplattenklassiker zum Download bereitgestellt - völlig kostenlos.

Im Büro von Bob George riecht es nach Geschichte. Genauer genommen nach Musikgeschichte. Es ist das typische Odeur von altem Papier, Druckerschwärze und Wachs. Für manche Menschen unbedeutend, doch für Musik-Liebhaber ein elysisches Bouquet der Raritäten. Es ist der Geruch von Schallplatten, Covern und allem Erdenkbaren, das die Musikindustrie in den letzten Dekaden ausgespuckt hat.

Im ARC findet sich alles – ob Post-Punk, Folk oder Blues aus den 50ern

Vinyl, Vinyl, Vinyl – so weit das Auge reicht. Tonnenweise davon. Die Regale ragen bis hoch zur Decke. Darin finden sich, fein säuberlich sortiert in Kisten und Kartons, Schallplatten aus fast 100 Jahren Musik. Alleine der Anblick ist beindruckend: wildeste Plattencover, teils signiert von den Künstlern selbst, lagern zwischen abgegriffenen Schellackplatten, Bootlegs, Single-Auskopplungen von Bands und Künstlern, von denen noch nie jemand gehört hat, und unzähligen anderen Obskuritäten.

Credit: The Archive of Contemporary Music

Ob avantgardistischer Post-Punk aus den 90ern, deutscher Hip-Hop, 30er-Jahre Blues, Afrikanische Folklore, Blues, Rock'n'Roll, Singer & Songwriters-Mucke oder stampfender Heavy Metal -  im ARC gibt es nahezu alles, was die Sucht des Dezibel-Junkies stillt.

Das größte Musik-Archiv der Welt

Bob George ist der Direktor und Mitbegründer des „New York Archive of Contemporary Music (ARC)“. Zusammen mit seinem Freund David Wheeler gründete er 1985 das „ARC“ mit dem Ziel, die „ultimative Pop-Sammlung der Welt“ zu erschaffen und das musikalische Erbe ganzer Generationen zu präservieren.

Bob George in seinem "Büro" / Credit: The Archive of Contemporary Music

George und Wheeler lernten sich während ihrer Studienzeit kennen. George, ein Musikologe und Redakteur für das Magazin „Volume“, begeisterte den Vinyl-süchtigen Wheeler sofort, als er ihm von seiner Idee erzählte: „etwas völlig bizarres und neues“ zu gründen. Beide hatten zu dieser Zeit bereits beträchtliche Plattensammlungen von über 40.000 Tonträgern.

„Unsere Idee war es, ein reines Rock'n'Roll Archive auf die Beine zu stellen – inklusive der Genre Rythm & Blues, Western und Jazz“, erzählt George in einem damaligen Interview mit der Zeitung „Newsweek“. Das war kurz nach der Gründung - im Jahr 1985. Inzwischen hat sich viel getan – und auch das Archiv ist um einiges gewachsen: Mit über fünf Millionen Tonträgern gilt es als die größte Musiksammlung der Welt.

Das ganze Unterfangen finanziert sich hauptsächlich durch den Verkauf von Platten im eigenen Laden, Spenden und durch Unterstützer. Darunter auch Keith Richards von den Rolling Stones, Martin Scorsese, Paul Simon, Lou Reed und David Bowie um nur einige Namen zu nennen.

Knapp fünf Millionen Tonträger lagern im Archiv. Credit: The Archive of Contemporary Music

Das Archiv befindet sich in einem Warenhaus, direkt über einer Bar in Manhattan. Doch nicht nur Tonträger gehören zur Sammlung, sondern auch Bücher, Autogramme, Fotografien, Videos, DVDs, Pressematerialien und Liebhaberstücke.

Über 200.000 der gespendeten Aufnahmen bestehen aus Schellack-Platten, die meisten davon aus den Fünfzigerjahren. Schellack ist ein sprödes Material, das leicht zerbrechen kann. Es wurde 1960 für die Produktion von Tonträgern eingestellt. Damit die vielen, teilweise geschichtsträchtigen Aufnahmen für die Nachwelt erhalten bleiben, hat es sich das ARC zur Aufgabe gemacht, die Platten aufwändig zu digitalisieren.

Credit: The Archive of Contemporary Music

Dabei geht es dem Team um George nicht um das Remastern der Aufnahmen, sondern tatsächlich um die reine Digitalisierung ohne Nachbearbeitung. George sieht die Aufnahmen als „Artefakt von hohem historischen Wert“ an, weshalb auch alles im Original-Sound gehalten wird. Bisher konnten knapp 50.000 der alten Tonträger digitalisiert werden.

Das Ergebnis kann sich hören lassen: Kostenfrei und zum Download bereitgestellt, dürfen sich nun Musikliebhaber, Nostalgiker und Raritäten-Jäger an der großen Auswahl bedienen.

"Du kannst digitale Musik nicht auf die gleiche Art und Weise lieben, wie die von physikalischen Tonträger"

Obwohl die Nachfrage für alte Originale immer geringer wird und die Auswahl immer kleiner, ist George für die Zukunft des Archivs optimistisch eingestellt: „Ich glaube, dass die Musik immer einen besonderen Wert haben wird – entweder aus nostalgischer oder materieller Sicht“, so George gegenüber der „NY-Times“.

Das Internet habe inzwischen sehr viel verändert – nicht nur zum negativen. „Du kannst digitale Musik nicht auf die gleiche Art und Weise lieben, wie physikalische Tonträger – man besitzt ja eigentlich auch nichts", sagt George. Doch in Anbetracht der immensen Sammlung und der damit verbundenen – bis unters Dach vollgestopften – Lagerhalle sei es "irgendwo auch praktischer", gibt er zu.

Hier geht es zu den digitalisierten Platten des Archivs.

Autor: Max Marquardt, Playboy
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