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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Bob Dylan vs. Axl Rose

Poet vs. Proll

Einer von uns: Bob Dylan. Keiner von uns: Axl Rose

Am 24. Mai wird er 75 – und bringt ein neues Album heraus. Solch verlässlicher Wandel hat Bob Dylan zur Legende gemacht. Was hingegen von Senior-Rockstars wie Axl Rose einmal bleiben wird? Der Eindruck, dass sie sich bloß lautstark behaupten mussten 

Einer von uns: Bob Dylan

Zwar sträubte er sich stets dagegen, eine Legende zu werden, doch wer hätte dieses Prädikat verdient, wenn nicht dieser kleine, widersprüchliche Mann, der eigentlich kaum singen kann und doch besser als jeder andere? Dieser Junge, der einst mit Wandergitarre und Mundharmonika auszog, die Welt zu erobern – und dabei im Vorbeigehen die Musik revolutionierte? Geboren als Robert Allen Zimmermann, eiferte er Ende der 50er seinen Folk-Vorbildern nach, nur um sie bald zu überholen und in seinen Schatten zu stellen. Als Bob Dylan vereinnahmte er die friedensbewegte Jugend, sang gegen den Krieg und kämpfte zugleich gegen den Status als Stimme einer Generation. Bloß kein Denkmal werden! Denn im Stillstand, das weiß Dylan, lauert der künstlerische Tod. 

All die Pfiffe und Buhrufe warfen den tapferen Poeten nicht aus der Bahn

Er rollte wie der von ihm besungene „Rolling Stone“, der kein Moos ansetzt, und wuchs bald zu jenem Giganten, der die ruhige Folkmusik in eine Zwangsehe mit dem Rock presste – unbeirrt durch das Echo seiner Anhänger, die gegen ihr einstiges Idol rebellierten. All die Pfiffe und Buhrufe warfen den tapferen Poeten nicht aus der Bahn. Er drehte einfach die Verstärker lauter und spielte so lange, bis auch der Letzte verstand, was hier passierte: eine Revolution der Popmusik. Selbst die Beatles ließen sich von ihm beeinflussen. Und nebenher brachte Dylan ihnen das Kiffen bei. 

Auch mit 75 Jahren noch kreist dieses Naturereignis Dylan auf seiner „Never Ending Tour“ um den Erdball und bleibt nicht zu fassen. Gleich sechs Schauspieler brauchte man, um ihn in seiner Leinwand-Biografie darzustellen. War Bowie das Chamäleon, dann ist Dylan die Hydra.
Trotz seiner Erhabenheit noch immer ein unermüdlich schöpferischer Mann, der sich neben der Musik nur einem Ziel verschrieben hat: er selbst zu sein. Wer immer er gerade sein will.

Keiner von uns: Axl Rose

Der Vater ein Monster, der Stiefvater ein Schläger, eine Jugend zwischen Drogenflucht und Polizeigewahrsam: Man muss es dem Guns-N’-Roses-Sänger hoch anrechnen, sich mit Hilfe seiner hochfrequenten Sirenenstimme selbst aus diesem Sumpf gerettet zu haben. Doch dem Elend konnte William Rose, so der bürgerliche Name, bis heute nicht vollends entfliehen. Und man hätte das bereits 1991 ahnen können, als er und seine Band, plötzlich die Könige der Welt, an einem Tag gleich zwei Doppelalben voller Kitsch, Bombast und Selbstbeweihräucherung herausbrachten. Nie zuvor hatte eine Band so sehr auf dicke Hose gemacht. Deshalb glaubte man ihnen gern. Und kaufte Rose seine schreiende Selbstbehauptung ab. 

Er glänzte nur noch durch Übergewicht, blonde Rastazöpfe und irgendwann durch Abwesenheit

Dahinter jedoch: Leere. Abgrund. Bald ging es steil wieder runter. Konzerte wurden abgesagt, Fans verprügelt, Selbsthilfe-Gurus engagiert. Nach dem Misserfolg der Platte „The Spaghetti Incident?“ floh Rose nach vorn und kündigte ein neues Album an. Doch was folgte, war ein Treppenwitz der Musikgeschichte: Bandmitglieder wurden entlassen oder gingen freiwillig. Und Rose, mittlerweile 1-Mann-Band, verschob die Platte namens „Chinese Democracy“ 14 Jahre lang wie ein Schuljunge die Hausaufgaben. Glänzte nur noch durch Übergewicht, blonde Rastazöpfe und irgendwann durch Abwesenheit. Die Produktion verschlang 13 Millionen Dollar. Als sie 2008 doch noch auf den Markt kam, zuckten die Fans nur müde mit den Achseln. 

Und nun? Wieder „Axlzucken“: der nächste Versuch einer Guns-N’-Roses-Reanimation. Fast in Originalbesetzung – an so eine Behauptung hat jetzt wirklich keiner mehr geglaubt. Da gibt es nur eine News, die noch etwas verrückter klingt: Axl Rose soll als Ersatz für den erkrankten AC/DC-Frontman Brian Johnson herhalten. Wir wünschen von Herzen gute Besserung! 

Autor: David Goller, Playboy
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