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PLAYBOY-Interview mit RB-Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl

Als Trainer von RB Leipzig hat Ralph Hasenhüttl den Aufsteiger zum Vizemeister gemacht. Jetzt muss er sich an der Spitze beweisen. Ein Gespräch über Druck, Charakter und einsame Stunden am Klavier.

Überall Bullen. Auf dem Heck des Taxis, auf dem Dach des Stadions, an dem es vorbeifährt, und, klar, über dem Eingang des Trainingszentrums von RB Leipzig, vor dem es hält. Drinnen, in einem kahlen Sitzungsraum, sitzt Ralph Hasenhüttl, 50, und hat gute Laune. Weil er erstens gern gute Laune hat und zweitens allen Grund dazu.

Im Sommer 2016 aus Ingolstadt gekommen, hat er die Aufsteiger von RB nicht nur zur Vizemeisterschaft gecoacht, sondern sie dabei auch einen Fußball spielen lassen, der selbst harte „Brause-Club“-Kritiker staunen ließ. Wie jeder in seiner Branche liebt Hasenhüttl den Erfolg, wie nur wenige interessiert er sich aber auch für die Ästhetik des Spiels.

Playboy: Herr Hasenhüttl, Sie lieben klassische Musik, spielen selbst Klavier. Mit welchem Musikstück ließe sich Ihre vergangene Saison mit RB Leipzig vergleichen?

Hasenhüttl: Mit dem dritten Satz der „Mondscheinsonate“. Der geht sehr impulsiv los, ist dynamisch, sehr temporeich, fast schon nicht mehr spielbar. Das würde die Art, wie wir auf dem Platz aufgetreten sind, sehr gut beschreiben.

Playboy: Verstehen Sie sich als Trainer in gewisser Weise auch als Komponist?

Hasenhüttl: Eher als Dirigent. Ich habe hier ein Orchester zu leiten, das aus Spielern, Trainern und Betreuern besteht. Die einen sind die Streicher, die anderen die Bläser, aber die Musik funktioniert nur, wenn alle im richtigen Moment einsetzen.

Dirigent am Spielfeldrand: Ralph Hasenhüttl

Playboy: Mit welchem Gefühl sind Sie 2016 nach Leipzig gegangen, um Ihren Dirigenten-Job anzutreten?

Hasenhüttl: Mit einem etwas mulmigen Gefühl. Weil ich natürlich nicht wusste, was mich hier erwartet. Der große Unterschied zu meinen vorherigen Stationen war, dass ich dort übernommen habe, als sich der Verein in einer schlechten Situation befand ...

Playboy: Wie ist ihr Gefühl jetzt zu Beginn der Saison?

Hasenhüttl: Natürlich ein anderes, weil wir als Team schon ein paar gemeinsame Erfolge vorzuweisen haben. Allerdings haben wir uns die Latte selbst sehr hoch gelegt. Platz zwei ist für mich wie eine Meisterschaft, die wir gewonnen haben, weil Bayern in einer eigenen Liga spielt. Das kann man eigentlich nicht toppen. Das müssen wir aber auch nicht. Es geht jetzt erst einmal darum, mit der Doppelbelastung umzugehen, Bundesliga und Champions League. Wir müssen jetzt auf mehreren Hochzeiten tanzen und versuchen, sorgenfrei zu bleiben und die Mannschaft weiterzuentwickeln.

Playboy: Dafür haben Sie auch einige neue Spieler verpflichtet. Wenn Sie einen potenziellen Neuzugang zum ersten Mal treffen, gibt es da eine Frage, die Sie jedes Mal stellen?

Hasenhüttl: Ich möchte von einem Spieler gern als Erstes etwas über seine Defizite hören und wie er sie selbst sieht. Weil es viel über den Charakter eines Menschen aussagt, wie kritisch er sich wahrnimmt, wie ehrlich er zu sich ist. Ich habe auch schon Spieler erlebt, die gesagt haben: „Ich habe keine Schwächen.“

Playboy: Wie reagieren Sie da?

Hasenhüttl: Es ist kein definitives Ausschlusskriterium, aber wenn ich das Gefühl habe, einem Spieler nicht weiterhelfen zu können, weil er denkt, er könne schon alles, wird es schwierig. Selbst bei Ronaldo lässt sich wahrscheinlich die eine oder andere Schwäche finden. Selbstvertrauen ist gut, aber Demut und Bescheidenheit helfen enorm, wenn man sich weiterentwickeln möchte.

Playboy: Bleibt es bei RB Leipzig bei der Gehaltsobergrenze von drei Millionen Euro?

Hasenhüttl: Wir haben sie nach dem sportlichen Erfolg der letzten Saison nach oben angepasst, aber auch wieder eine klare Linie gezogen. Wir machen keine verrückten Dinge. Umso mehr ist auch wertzuschätzen, was wir in der letzten Saison geschafft haben. Wir haben auch davor schon manche Spieler nicht bekommen, weil sie woanders mehr verdienen konnten oder weil wir ab gewissen Ablöse- und Gehaltssummen ausgestiegen sind. Diesen Weg gehen wir weiter. Der Vorteil daran ist: Die Spieler, die zu uns kommen, wollen das zu 100 Prozent.

"Timo Werner war fast ein Schnäppchen"

Playboy: Einer der größten Aufsteiger in Ihrem Team war in der vergangenen Saison Timo Werner. Erinnern Sie sich noch an das erste Gespräch mit ihm?

Hasenhüttl: Ja, ich habe ihm gesagt, dass er perfekt in unser System passen wird und wir unser Spiel auf ihn abstimmen werden. Und dass so seine Stärken zum Tragen kommen werden. Die Saison hat gezeigt, dass wir Wort gehalten haben.

Playboy: Waren Sie dennoch überrascht, wie positiv seine Entwicklung tatsächlich verlief?

Hasenhüttl: Mit 21 Toren konnte man nicht rechnen. Aber ich wusste, dass er für unser Spiel der perfekte Stürmer ist. Darum waren wir auch so schnell bei seiner Verpflichtung. Wir haben ihn im Sommer 2016 für zehn Millionen Euro geholt. Fast ein Schnäppchen, wenn man die Preise heute sieht. Viele hätte ihn damals verpflichten können.

Playboy: Sagt ein Spieler nach so einer Saison auch mal: „Danke, Trainer“?

Hasenhüttl: Nein. Genauso gut könnte ich ja auch mal „Danke, Spieler“ sagen. Ich liebe meine Jungs, aber gerade deshalb gehe ich auch kritisch mit ihnen um. Ich möchte sie nicht in so einer Wohlfühlatmosphäre wähnen. Das wäre nicht gut.

Playboy: Sie haben, bis Sie 37 Jahre alt waren, selbst als Profi gespielt, sind unter anderem für Austria Wien, den 1. FC Köln und zuletzt die zweite Mannschaft des FC Bayern auf Torejagd gegangen. Hätte der Spieler Hasenhüttl beim Trainer Hasenhüttl eine Chance gehabt?

Hasenhüttl: Was die Einstellung angeht, ja. Weil ich immer meinen eigenen Erfolg hinter den des Teams gestellt habe. Ich persönlich war vielleicht nicht ganz so erfolgreich, aber meine Mannschaften schon. Ich glaube, dass ich durch meine Art immer dafür gesorgt habe, dass ein sehr gutes Klima in meinen Teams herrschte. Aber fußballerisch? Da käme der Spieler Hasenhüttl maximal als Joker in Frage. Das konnte ich ganz gut.

Playboy: Was haben der Spieler und der Trainer Hasenhüttl gemeinsam?

Hasenhüttl: Den Siegeswillen. Und ein gesundes Maß an Reflexion: Wo stehe ich, was kann ich, was muss ich noch lernen?

"Ich war kein angenehmer Spieler"

Playboy: Ihre Frau hat Ihnen prophezeit, dass Sie als Trainer mal besser sein würden als als Spieler. Wie kam sie darauf?

Hasenhüttl: Vermutlich weil ich ihr immer erzählt habe, was der Trainer wieder falsch gemacht hat. Ich war kein angenehmer Spieler, glaube ich.

Playboy: Inwiefern?

Hasenhüttl: Ich habe alles kritisch hinterfragt. Wenn ich drei Runden laufen sollte, wollte ich wissen, warum. Das Training damals war noch etwas anders geartet als heute bei uns. Da konntest du nicht bei jeder Einheit Sinn und Zweck erkennen. Das hat mich gestört. Und dann habe ich halt gefragt: Warum soll ich drei Runden laufen, wenn ich den Ball nicht stoppen kann?

Playboy: Wahre Geschichte, dass später Uli Hoeneß persönlich dafür gesorgt hat, dass Sie am Trainer-Lehrgang des DFB teilnehmen durften?

Hasenhüttl: Ja, der Lehrgang war eigentlich schon voll. Er hat dann beim DFB angerufen, und ich durfte nachrücken.

Playboy: Was hat er denn gesagt?

Hasenhüttl: Ich saß zwar bei dem Gespräch daneben, aber das weiß ich nicht mehr genau. Die Stimme von Uli Hoeneß hat eben Gewicht. Und wenn er sagt: „Der hat Potenzial als Trainer, der muss jetzt da dabei sein“, dann hilft das schon. Wobei er damals natürlich nicht wissen konnte, dass ich mich so entwickeln würde.

"Du kriegst nicht viele Chancen in diesem Job"

Playboy: Waren Sie selbst davon überzeugt, dass Sie es als Trainer schaffen würden?

Hasenhüttl: Es war relativ alternativlos. Ich musste erfolgreich sein. Es gibt nicht so viele Jobs nach einer Fußballer-Karriere. Wenn du bis 37 Fußball spielst, ist jeder andere in deinem Alter in irgendeinem Bereich weiter als du. In fast jedem anderen Beruf – außer vielleicht Spielerberater, aber ich bin keiner, der gern verhandelt – wäre ich also hoffnungslos hinterher gewesen. Da lag es auf der Hand, dass ich Trainer werde. Aber mir war auch klar, dass ich von Anfang an erfolgreich sein muss, denn viele Chancen bekommst du in dem Job nicht. Und als Österreicher in Deutschland schon gar nicht.

Playboy: Als Österreicher? Haben Sie wirklich den Eindruck, dass das eine Rolle gespielt hat?

Hasenhüttl: Klar, zu der Zeit damals war kein einziger österreichischer Profi-Trainer in Deutschland aktiv. Ich war der einzige. In der dritten Liga. Es sind bis heute nur zwei: Peter Stöger und ich. Wir hatten in Österreich lange Zeit ja kaum Erfolge mit dem Fußball. Und am Anfang meiner Karriere war das schon ein Thema. In Aalen hat man gesagt: Muss jetzt wirklich ein Österreicher kommen, um uns die Saison zu retten?

Playboy: Stimmt es, dass Sie früher gern unerkannt in Dortmund, Nürnberg und anderswo beim Training zugesehen haben?

Hasenhüttl: Ja. Auch als ich schon Cheftrainer war. Bei interessanten Kollegen habe ich gern zugesehen. Um mein Repertoire zu erweitern. Ich wollte meinen Spielern schon immer eine breite Palette an Trainingsinhalten anbieten. Dafür brauchte ich neue Inputs.

Playboy: Von wem haben Sie am meisten über Fußball gelernt?

Hasenhüttl: Am meisten habe ich aus der täglichen Arbeit als Trainer gelernt. Ich habe immer sehr viel probiert und aus Versuch und Irrtum die größten Erkenntnisse gewonnen. So bin ich zu dem geworden, der ich heute bin. Ich bin jetzt schon beim vierten Verein und habe bei jedem Erfolg gehabt. Aber jedes Mal mit einer anderen Spielweise, weil ich immer andere Spieler zur Verfügung hatte. Mittlerweile hat sich eine Spielweise herauskristallisiert, die ich bis zum heutigen Zeitpunkt als mein Optimum bezeichnen würde. Ich weiß allerdings auch nicht, was alles noch kommt.

Playboy: Wenn Sie sich drei Männer aussuchen könnten, um mit ihnen ein Abendessen lang über Fußball zu sprechen: Wer wäre eingeladen?

Hasenhüttl: Mit Jürgen Klopp wäre das sicher spannend. Uns hat immer eine gewisse Ähnlichkeit verbunden, was unseren Spielstil angeht. Wir haben auch zusammen den Trainerschein gemacht, und mit Jürgen zu reden ist auch einfach sehr unterhaltsam. Ich fände auch spannend zu erfahren, was es bedeutet, eine Nationalmannschaft zu trainieren, weil das etwas ist, das mich auch mal interessieren könnte. Deshalb würde ich auch Jogi Löw einladen. Und dann vielleicht jemanden aus dem internationalen Fußball, Arsene Wenger oder Alex Ferguson.

Mit Löw würde Hasenhüttl gerne mal über den Job des Nationaltrainers sprechen

Playboy: Bei RB wird viel Wert auf innovative Trainingsmethoden gelegt: Man analysiert die Augenbewegungen der Spieler, versucht sogar, deren Schlaf zu optimieren. Waren Sie anfangs selbst überrascht, was da alles getan wird?

Hasenhüttl: Zum Teil schon, ich kannte das in dieser Form nicht. Dahinter steht die Überzeugung, dass viele Bereiche im Fußball schon ausgereizt sind, aber einige noch nicht. Und wir wollen diese schlummernden Ressourcen aktivieren. Im modernen Fußball bekommst du immer weniger Zeit und Raum und musst damit umgehen können. Dazu musst du die kognitiven Fähigkeiten, die Handlungsschnelligkeit steigern. Wenn man in dieser Richtung neue Wege geht – und da sind wir dabei, zum Beispiel mit Computerlernsystemen –, ist das durchaus möglich.

Playboy: Sehen Sie das Klavierspielen auch als Training für Ihre kognitiven Fähigkeiten?

Hasenhüttl: Da geht es mir eher ums Abschalten. Und ich mag es, einzutauchen in die Musik und vielleicht sogar in die Idee, die der Künstler gehabt hat, als er das Stück schrieb. Mich in seinen Kopf hineinzudenken, das finde ich faszinierend.

Playboy: Was ist für Sie als Zuschauer der größere Genuss: ein Klassikkonzert oder ein Champions-League-Finale?

Hasenhüttl: Beides ist höchste Kunst und deshalb faszinierend. Wir Künstler, und da zähle ich auch uns Fußballer dazu, versuchen vor allem eines: Menschen zu begeistern. Darum geht es im Grunde, das ist der Antrieb.

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