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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers

... über Männerfreundschaften und Ehrlichkeit

"Freundschaft zu Männern ist wie Liebe ohne Sex"

Die gute Nachricht: Es gibt noch echte Kerle im deutschen Kino. Zwei von ihnen haben wir bei einer launigen Herrenrunde getroffen: Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers über Männerfreundschaften

Eine Suite im Berliner „Grand Hyatt“-Hotel. Sobald man eintritt, fühlt es sich ein bisschen an wie Landschulheim: Wotan Wilke Möhring raucht noch schnell eine am Fenster, Jan Josef Liefers lümmelt in einem Sessel, krempelt sich die Hose hoch. Ein bisschen im Playboy blättern, ein paar routinierte Zoten - ein Gespann, das funktioniert. Umso besser, schließlich sind wir heute hier, um vor allem über eines zu reden: die Männerfreundschaft.

Playboy: Wenn Sie per Annonce nach einem besten Freund suchen würden - was müsste der haben?
Möhring: Geduld. Weil es in unserem Beruf schwierig ist, Regelmäßigkeiten aufzubauen, die ja zu einer Freundschaft dazugehören. Außerdem müsste er Humor haben. Und natürlich ein schnelles Auto, ist klar.
Liefers: Bei mir würde im Text stehen: „Suche jemanden, der mich seit 20 Jahren kennt und trotzdem mag, obwohl ich so bin, wie ich bin.“ Tatsächlich ist es bei mir so, dass meine besten Freunde auch die ältesten sind.
Möhring: Ist bei mir auch so. Es ist schon schwer genug, die wenigen Freundschaften, die man hat, zu pflegen. Da noch Zeit für etwas Neues zu finden - das muss wirklich was ganz Besonderes sein.

Playboy: Sie sagten gerade: „pflegen“. Muss man an einer Männerfreundschaft arbeiten wie an einer Ehe?
Liefers: ...mit dem ganzen Sexkram?
Möhring: ...mit Öl und so?

Playboy: Vom Sex jetzt natürlich mal abgesehen.
Liefers: Also, wenn ich so drüber nachdenke, würde ich schon sagen: Freundschaft zu Männern ist wie Liebe ohne Sex. Meine Freunde sind mir einfach sehr nahe, auch wenn wir uns manchmal monatelang nicht sehen. Das ist etwas, das nicht verloren geht, wenn der andere es nicht verloren gibt. Wenn ich das verspielen würde, weil ich anfange, ein Arschloch zu werden, oder weil ich mich gar nicht mehr drum kümmere, würde mich das sehr deprimieren. Das ist eine wichtige Säule des Lebens.

„Gute Freunde sind die Einzigen, die dir wirklich mal die Wahrheit um die Ohren hauen können“

Wotan Wilke Möhring

Möhring: Für meine wenigen, intensiven Männerfreundschaften gilt auch: Sie sind erwartungsfrei. Gute Freunde sind die Einzigen, die dir wirklich mal die Wahrheit um die Ohren hauen können. Die dir ihre Meinung aus dem einzigen Beweggrund sagen, weil du ihr Freund bist. Und nicht, weil sie irgendwas von dir wollen.
Liefers: Natürlich ist dabei nicht ganz unwichtig, dass alte Freundschaften aus einer Zeit stammen, als alle noch auf Augenhöhe waren. Wo es keine Gründe gab, darüber nachzudenken, wieso der eine in einer 4-Zimmer-Wohnung wohnt und der andere noch in einer WG. Das kann nämlich belastend für eine Freundschaft sein, ich hab das schon erlebt. Einer meiner Freunde kam zu mir und sagte: „Weißt du was, du Arschgeige, ich muss ehrlich sagen, ich bin manchmal tierisch neidisch auf dich.“
Möhring: Es ist aber wichtig, dass man das sagt.
Liefers: Ja, dann ist das auch kein Problem mehr. Danach war alles wieder in Ordnung.

Playboy: Aber es darf manchmal auch krachen und wehtun?
Liefers: Ich würde nicht so weit gehen zu sagen: Der beste Freund ist der, der dir immer die Wahrheit sagt, egal, wie es gerade um dich bestellt ist.
Möhring: Es muss dosiert sein.
Liefers: Es gibt diese Menschen, die sagen: „Weißt du was, ich bin immer ehrlich. Immer! Immer! Weißt du?!“ Die hauen dir das um die Ohren.
Möhring: Das sind aber auch die, die ganz schnell einsam sind.
Liefers: Du könntest sie aus dem Fenster schmeißen. Es geht ja nicht um Ehrlichkeit per se. Sondern du musst sehen, wo der andere gerade steht. Du musst zärtlich sein miteinander. Das gilt nicht nur für den Umgang mit Frauen, sondern auch für den Umgang mit Männern. Oder mit Haustieren. Mit allem, was lebt.
Möhring: Diese Zärtlichkeit kann sogar so weit gehen, dass man den anderen kurz mal belügt, weil das für ihn gerade besser ist. Dass man sagt: „Du hast alles richtig gemacht“, obwohl er alles voll verkackt hat. Aber wenn es ihm in dem Moment einen Stich versetzen würde, dann macht man das nicht als Freund. Man hat ja eine Verantwortung. Zärtlichkeit? Verantwortung? So kurz nach „Sexkram mit Öl“-Witzen? Aber sie meinen es ernst, kein Grinsen, kein ironisches Augenbrauenhochziehen. Der Film scheint bereits abgefärbt zu haben: Auch unter den Leinwand-Freunden geht es recht gefühlig zu. Und es wird viel geredet - mit einer Ernsthaftigkeit und Ausführlichkeit, die man sonst eher von Frauen kennt.

Playboy: „Mann tut was Mann kann“ wirkt stellenweise wie „Sex and the City“ für Männer: Jedes Detail kommt auf den Küchentisch.
Möhring: Dass auch Männer Austausch suchen, ist hoffentlich längst bekannt. Der Film zeigt, dass sie auch auf einer Metaebene miteinander reden, mit geradezu philosophischen Fragen. „Zu welcher Frau würdest du gehen, wenn du nur noch eine Stunde zu leben hättest?“ Dieses verdammte Problem beschäftigt sie die ganze Nacht!
Liefers: Aber man merkt doch, dass man da nicht so die Übung hat. Das ist eher eine Frauendomäne, über Gefühle zu reden. Bei Männern ist es immer hart an der Kante: Das wird schnell kitschig, so schlagermäßig, oder zu sentimental.

Playboy: Wie wichtig sind gemeinsame Erlebnisse für eine Freundschaft? Herr Liefers, Sie sind mit Ihrem besten Freund auf dem Motorrad durch Südamerika gefahren.
Liefers: Wir haben so was vorher schon mal gemacht. Wir kommen beide aus Ostberlin, der Tobias und ich. Das war schon immer eine irre, ganz enge Freundschaft. Es gab sogar eine Zeit, da haben Leute, die uns nicht kannten, gedacht, wir wären schwul. Kaum war die Mauer weg, sind wir nach Vancouver geflogen und von dort mit dem Fahrrad bis nach Los Angeles gefahren, immer die Westküste lang.
Möhring: Da wart ihr ja ewig unterwegs!
Liefers: Ja, da hat man auch das Fahrrad mehrfach in den Busch geschmissen und gesagt, leck mich am Arsch. Wir haben auf Matten in Bushaltestellen gepennt, aber es war unglaublich, gemeinsam so eine Tour zu machen. Davon kann man lange zehren. Und als nicht mehr viel davon übrig war, ergab sich diese Motorradreise. Also, ich würde das total unterschreiben, dass gemeinsame Erlebnisse eine gute Basis für jede Art von Paarung sind: für Freundschaften zwischen Männern, zwischen Frauen, zwischen Männern und Frauen, wie auch immer.
Möhring: Es kann auch sein, dass du von so einer Reise zurückkommst und denkst, mit dem will ich nie wieder was zu tun haben. Aber ich glaube, dieses Wagnis muss man in jeder Beziehung in Kauf nehmen. Zu sagen, ich bin bereit, wirklich alles an dir kennen zu lernen.
Liefers: Absolut. Auch beim Sport lernt man viel übereinander. Manche behaupten, Sport würde den Charakter bilden. Aber in Wahrheit verrät Sport eher den Charakter. Spiel mal mit jemandem um Punkte oder um einen Sieg oder so was . . .
Möhring: . . . völlig unentspannt!
Liefers: Ich habe viel Fußball gespielt, Amateurliga, Freundschaftsspiele, da geht’s um nichts. Aber was meinst du, wie viele Freunde von mir da voreinander standen und sich ins Gesicht gespuckt haben. Freunde!

 

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