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Wim Wenders

...über Drogenerfahrungen und Männerfreundschaften

10 Fragen an den Kult-Regisseur

Seit über 40 Jahren im Filmbusiness, dreimal für den Oscar nominiert und einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure: Wim Wenders im Gespräch mit Playboy...

1. Playboy: Herr Wenders, nachdem Sie viel in den USA gearbeitet haben, leben Sie nun schon lange in Berlin. Inspiriert die Stadt Sie immer noch? 
Wenders: Auch in meiner amerikanischen Phase hatte ich hier stets ein Büro und eine Wohnung. Die Stadt ist für mich keineswegs auserzählt. Ich bin hier oft mit dem Fahrrad unterwegs und sehe ständig neue Aspekte meiner Traumstadt. 

2. Playboy: „Every Thing Will Be Fine“ ist ein intimes Seelendrama, gedreht in 3-D – einer Technik, die in Hollywood normalerweise für Animations- oder Actionfilme genutzt wird. 
Wenders: Die 3-D-Technik erlaubt glücklicherweise verschiedene Herangehensweisen. Die amerikanische Art ist um den Effekt bemüht. Bei uns ist es genau andersherum. Das sogenannte Natural-Depth-Verfahren versucht, das, was das menschliche Auge sieht, möglichst genau zu übersetzen. Ich möchte, dass der Zuschauer möglichst dicht an die Figuren herankommt. Im Idealfall vergisst man, dass man gerade einen Film in 3-D sieht.

3. Playboy: Einer Ihrer größten Erfolge war „Buena Vista Social Club“, nicht nur wegen der Oscar-Nominierung, der Film löste weltweit einen Boom kubanischer Musik aus... 
Wenders: ...dabei war die Chance, dass der Film ins Kino kommt, äußerst gering. Wir hatten zu Beginn weder einen Verleiher noch irgendwelche Verträge. Doch die Musik dieser agilen alten Männer hat mich so fasziniert, dass ich dachte: Alle Welt muss die kennen! Dieser unbescheidene Wunsch ist sogar Wirklichkeit geworden. 

"Sich selbst in Frage stellen zu können ist männlich"

Wim Wenders

4. Playboy: Musik spielt in Ihrem Werk eine elementare Rolle. Woher rührt das? 
Wenders: Ich bin mit einer einzigen Musikquelle aufgewachsen: unserem Küchenradio. Bei einem Freund habe ich dann zum ersten Mal Radio Luxemburg gehört, die spielten ganz andere Musik als die Schlager, die meine Mutter hörte – Rock ’n’ Roll aus den USA. Das war Musik, die direkt zu mir sprach. Später auf dem Gymnasium hatte ich dann einen wunderbaren Musiklehrer. Der hat uns Spirituals vorgespielt. Auch da war ich wie vom Donner gerührt. 

5. Playboy: Es heißt, Sie wollten sogar Priester werden. 
Wenders: Was will man als Jugendlicher nicht alles werden! Die Wünsche, Maler und Architekt zu werden, haben länger angehalten. Ich habe Tausende Entwürfe von Häusern gezeichnet, fürs Kunststudium bin ich sogar nach Paris gegangen. 

Ein Leben für den Film

Geboren als Wilhelm Ernst Wenders 1945 in Düsseldorf, hegte er als Jugendlicher zunächst den Wunsch, Priester zu werden. Doch die weltlichen Verlockungen sind größer: Wenders lebt in den 60ern als Künstler in Paris und besucht später die Hochschule für Fernsehen und Film in München. Zu seinen frühen Erfolgen zählen "Der amerikanische Freund" (1977), "Paris, Texas" (1984) und "Der Himmel über Berlin" (1987). Für den Oscar nominiert wurden sein Welterfolg "Buena Vista Social Club" (1999), sein erstes 3-D-Werk "Pina" (2011) - und in diesem Jahr die Dokumentation "Das Salz der Erde" über den Fotografen Sebastiᾶo Salgado. Bei der Berlinale 2015 wurde Wenders für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

6. Playboy: Verarbeiten Sie das Thema Religion dafür heute in Ihren Filmen? In „Everything Will Be Fine“ sucht James Franco nach Erlösung von einer Schuld. 
Wenders: Als trauernde Mutter sagt Charlotte Gainsbourg zwar zu dem Mann, der unverschuldet ihr Kind überfahren hat: „Wir beten für Sie.“ Das bedeutet aber vor allem auch: „Wir werfen Ihnen nichts vor.“ Der Film handelt von der Schuld, die man sich selbst gibt. Wie lernt man, sich selbst zu verzeihen? Und hat man das Recht, Erfahrungen, die auch andere betreffen, und vor allem deren Leiden, kreativ wie in einem Roman zu verarbeiten? 

7. Playboy: Sind Sie selbst anfällig für Drogen und Rauschzustände gewesen? 
Wenders: Ich hatte meine Drogenerlebnisse in meiner Studentenzeit. Doch ich habe dann rechtzeitig gemerkt: Das bringt mich weder als Mensch noch als Künstler weiter. Es ist eine Sackgasse. Meine einzigen Exzesse sind daher mein Musikkonsum und meine Arbeitswut. Und beide wären beeinträchtigt, wenn ich trinken oder Drogen konsumieren würde. 

8. Playboy: Sie sagten, Dennis Hopper wurde ein guter Freund. Heute sind Sie eng mit Campino von den „Toten Hosen“ befreundet – was bedeuten Ihnen Männerfreundschaften? 
Wenders: Es ist gut, ein paar Freunde zu haben, mit denen man sowohl mal hemmungslos über Fußball reden kann als auch über die ernsteren Dinge des Lebens, genauso rückhaltlos. 

9. Playboy: Was macht Männlichkeit für Sie aus? 
Wenders: Meine ersten Helden und Vorbilder – Musiker und Kinostars, auch mein Vater –, die leben alle längst nicht mehr. Auch dieses Männerbild ist verschwunden. Dafür ist es heute möglich, die weiblichen Anteile, die jeder Mann in sich trägt und die er emotional auch unbedingt braucht, auszuleben. Sich selbst in Frage stellen zu können, ist für mich eine echt männliche Tat. 

10. Playboy: Sie werden häufig als Kopfmensch beschrieben. Stört Sie das? 
Wenders: Das ist ja fast ein tragisches Missverständnis. Ich entscheide eigentlich alles aus dem Bauch. Nur wenn ich schreibe, schaltet sich der Kopf ein.

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