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Joachim Löw

… über Partys im Mannschaftsquartier

20 Fragen an den Bundestrainer

Der Mann, der in Brasilien seine Karriere als Bundestrainer krönen will, über Partys im Mannschaftsquartier, den Umgang mit Maulwürfen und was ein guter Coach mit einem guten Koch gemeinsam hat

 

Playboy: Herr Löw, es heißt, Sie essen zwei Tafeln Schokolade am Tag: Wir nehmen an, Ihr Vorrat ist auf eine Finalteilnahme ausgelegt? 
Löw: Zwei Tafeln?! 

Playboy: Übertrieben? 
Löw: Deutlich übertrieben. Aber Sie können sicher sein: Alle unsere Vorräte sind so ausgelegt, dass sie bis zum Finale reichen. 

Playboy: Gut, denn es scheint, als würde der Erfolg bei dieser WM darüber entscheiden, wie man später auf die Ära Löw zurückblicken wird. Irgendwie ungerecht, oder? 
Löw: Wenn es so wäre, wäre es ungerecht. 

Playboy: Aber ist es nicht so? 
Löw: Das ist sicherlich für einen Teil der Medien interessant, bringt Diskussionen, Auflage. Wir Trainer wissen hingegen, wie positiv sich der deutsche Fußball in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Wir wissen aber auch, was bei einem Turnier alles passieren kann und was dazugehört, um einen Titel zu holen. 

Playboy: Wie bewältigen Sie diesen Druck? 
Löw: Da halte ich mich an einen früheren DFB-Präsidenten, der gesagt hat: Wer die Hitze nicht verträgt, kann nicht Koch werden. Demzufolge kann auch nicht Bundestrainer werden, wer nicht mit Druck umgehen kann. 

"Manche Spieler ziehen Kraft aus dem Geist - andere aus der Badewanne"

Joachim Löw

Playboy: Und wie gehen Sie mit dem Druck um? 
Löw: Mir persönlich hilft das Gefühl, die Mannschaft optimal auf ihre Aufgabe vorbereitet zu haben. Und ganz nebenbei: Aus meiner Sicht gibt es viele Berufe, in denen viel mehr Druck herrscht. 

Playboy: Sie scheinen in jüngerer Zeit als Trainer strenger geworden zu sein. Braucht es für große Titel letztlich doch Härte und Disziplin? 
Löw: Wenn es so einfach wäre, wäre ich sicher schon 2010 so hart und streng gewesen. Das ist vielleicht die Außenwahrnehmung. 

Playboy: Und wie sieht Ihre Wahrnehmung aus? Als Trainer geht es darum, die zur Verfügung stehenden Spieler als Team optimal auf die Aufgabe vorzubereiten. Da gibt es verschiedene Situationen und folglich auch verschiedene Maßnahmen. 

Playboy: Eine WM hat ihre eigenen Gesetze: Was erklären Sie einem WM-Debütanten über so ein Turnier, das alte Hasen schon wissen? 
Löw: Die meisten WM-Debütanten haben schon ähnliche 
Turniere im Juniorenbereich erlebt. Wir müssen den Spielern halt immer wieder klarmachen, wie wichtig es ist, sich über einen solch langen Zeitraum auf das Wesentliche zu konzentrieren, und dass eine solche Chance nur alle vier Jahre kommt. 

Playboy: Sie treffen im Spiel gegen die USA auf Ihren Vorgänger als Nationaltrainer und Ex-Chef Jürgen Klinsmann. Worin unterscheiden sich die Trainer Klinsmann und Löw vor allem? 
Löw: Der eine wohnt in Kalifornien, der andere im Schwarzwald. 

Playboy: Ach, Herr Löw… 
Löw: Nein, im Ernst: Das sollen andere beurteilen. 

Playboy: Grundsätzlich: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? 
Löw: Ich sehe mich als einen Trainer, der die Aufgaben positiv, offensiv und optimistisch angeht – und sich trotzdem der großen Verantwortung bewusst ist. 

Playboy: Bei der EM 2012 mussten Sie auf Maulwurfjagd gehen, weil Interna in den Medien landeten. Wie verhindern Sie das diesmal? 
Löw: Das ist eher eine Legende. Bei einer EM hat ein Trainer so viele Aufgaben, dass er nicht auch noch auf Maulwurfjagd gehen kann. Es ist klar, dass man im heutigen Zeitalter der Kommunikation die Dinge nicht mehr geheim halten kann. Darauf müssen sich Trainer einstellen. 

Playboy: Vor und während der WM sind Team und Betreuer wochenlang eng beieinander. Wie schafft man es da, Konflikte zu minimieren? 
Löw: Ich glaube, dass dies bei der heutigen Generation nur gelingt, wenn man alle Beteiligten mitnimmt. Man muss sie vom Weg zum Ziel überzeugen und ihnen Möglichkeiten aufzeigen. Man muss die Spieler individuell so behandeln, dass sie ihre Leistung in die Gemeinschaft einbringen. Das ist nicht immer ganz einfach, aber wenn man glaubwürdig vorangeht, gelingt das. 

Playboy: Kann es da auch mal nützlich sein, ein wenig Brasilien am Pool des Mannschaftsquartiers zuzulassen: Caipirinha, Churrasco & Co.? 
Löw: Natürlich, warum nicht? Wir werden wohl kaum die Wochen während der WM auf unseren Zimmern mit Mineralwasser und Spaghetti verbringen. Da kann keine Leistung gedeihen. 

Playboy: Es gibt also auch mal eine Party? 
Löw: Wenn es für das allgemeine Befinden besser ist, kann es sicher auch mal ein Grillfest am Pool geben. 

Playboy: Ihr persönliches Rezept, um mal abzuschalten? 
Löw: Beim Joggen oder Radfahren schalte ich am besten ab. 

Playboy: Welches Buch empfehlen Sie Ihren Spielern als WM-Lektüre? 
Löw: Da fällt mir ein Spruch von Christian Streich ein... 

Playboy: Dem Trainer des SC Freiburg? 
Löw: Ja, er meinte: Manche Spieler ziehen Kraft aus dem Gebet – andere aus der Badewanne. Mit anderen Worten: Wir haben es mit unterschiedlichen Individuen zu tun. Auf diesem Gebiet gibt es deshalb keine Empfehlungen von mir. 

Playboy: Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um die Karriere als Nationaltrainer zu beenden, als nach einem gewonnenen WM-Titel? 
Löw: Vielleicht nach zwei gewonnenen Titeln?

Autor: Moritz Aisslinger
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