Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

James Last

... über attraktive Frauen

Abschied von einer Musiklegende

Der Bandleader James Last ist im Alter von 86 Jahren in Florida gestorben. 70 Jahre stand der Entertainer auf der Bühne und begeisterte mit seinen Big-Band-Arrangements Millionen Fans. Mit uns sprach der Musiker im großen Playboy-Interview 2006 über Groupies, Günter Grass — und was Frauen wirklich attraktiv macht

Er ist einer der erfolgreichsten Bandleader der Welt. Mit seinem unverwechselbaren Sound verkaufte James Last weltweit mehr als 80 Millionen Platten. Der Musiker über Groupies, Günter Grass — und was Frauen wirklich attraktiv macht

Playboy: Ihre Musiker haben Ihnen einmal ein Playboy-Centerfold in die Mappe geschmuggelt. Wie haben Sie reagiert, als Sie statt der Haydn-Noten eine Playmate ausklappten? 
Last: Ich musste lachen, durfte mir aber nichts anmerken lassen. Für das Dirigieren war das jedoch kein Problem, die Band spielt immer von allein. 

Playboy: Wie bitte? Ihr weltberühmtes Schnippen mit dem Gesicht zum Publikum hat mit Dirigieren nichts zu tun? 
Last: Ich sehe mich auf der Bühne nicht als Dirigent, sondern als Übersetzer vom Orchester zum Publikum. Sämtliche Stücke sind von mir arrangiert oder geschrieben, da kann doch nichts mehr schief gehen. Nur wer nicht genügend geprobt hat, steht verkrampft auf der Bühne. 

Playboy: Was machen Sie, wenn Musiker nicht bei der Sache sind? 
Last: Ich drehe mich nur kurz um und schaue ihnen in die Augen, dann wissen sie Bescheid. Es wäre doch Quatsch, wenn ich sie mit dem Taktstock eins, zwei, drei, vier anweisen müsste. Das sind erwachsene Menschen. 

Playboy: Sie haben 40 Jahre lang Platten im bewährten Stil gemacht und brachten 2004 dann plötzlich in ganz neuer Optik die CD „They call me Hansi“ heraus — mit Künstlern wie RZA vom New Yorker Wu-Tang-Clan oder Herbert Grönemeyer. Warum? 
Last: Die Zusammenkunft mit jungen Musikern war dabei die zentrale Idee. Ich wollte damit neue Impulse bekommen. Es war schon bei meiner Zusammenarbeit mit dem Fetten Brot vor sieben Jahren umwerfend, wie intensiv diese Jungs arbeiten. Viel mehr als mancher Orchestermusiker, der über Popmusik meckert, aber einen Job wie ein Beamter macht. 

Playboy: Sie arbeiten also lieber mit jungen Leuten als mit Gleichaltrigen zusammen? 
Last: Ja, weil es Spaß macht, sich mit ihnen zu unterhalten. Wenn ich dagegen Ehemalige aus dem NDR-Orchester treffe, dann erzählen die mir heute noch den gleichen Stuss wie vor 30 Jahren. Weil sie sich für gute Jazzer gehalten haben, fanden sie auch die Beatles damals scheiße. Viele sind nicht reifer geworden.

"Die Spritze, die mir eine Tournee verpasst, bekomme ich bei keinem Arzt der Welt"

James Last

Playboy: Tragen Sie deshalb einen Ohrring? Als Zeichen Ihrer Jugendlichkeit? 
Last: Nein, das ist seit 1998 mein Ehering. Ich trage ihn im Ohr, weil ich mich nie an Fingerringe gewöhnen konnte, schließlich war ich früher Bassist. 

Playboy: Und dann haben Sie sich noch mit 70 Jahren einen Ohrring stechen lassen? 
Last: Ja, wenn Sie so wollen, bin ich seither gepierct.

Playboy: Aber nur im Ohr, oder? 
Last: Ansonsten ist alles unversehrt. 

Playboy: War das Ablehnen einer Festanstellung beim Rundfunk Anfang der 1960er so etwas wie ein Akt der Rebellion? 
Last: Nein, ich würde mich nicht als rebellischen Menschen bezeichnen. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch.

Playboy: Sind Sie mit dieser Freiheitsliebe je an Grenzen gestoßen? 
Last: Ja, 1972 in der Sowjetunion. Die Parteioberen wollten in unser Programm eingreifen. Nur meine Drohung, die Tournee abzusagen, konnte sie überzeugen. „Let the Sunshine in“ bekam auf dem Notenblatt einfach einen anderen Titel. Diesen Trick hatte ich schon in der Heeresmusikschule erfolgreich angewandt. In Moskau spielten wir trotzdem als Zugabe „Power to the People“, und die Genossen drehten einfach den Strom ab. Aber sie hatten die Rechnung ohne ihr Volk gemacht. Mehr als 15.000 Zuschauer sangen den Text einfach mit. 

Playboy: War es nicht gefährlich, Swing-Noten in die Heeresmusikschule zu schmuggeln? Immerhin galten Benny Goodman & Co. den Nazis als „entartete Musik“. 
Last: Ach was, gefährlich. Obwohl es schon sehr streng an der Schule war. Die Übungszimmer wurden ständig überwacht, und wir durften nur spielen, was sie uns vorgelegt haben. Wir haben sehr viele Swing-Stücke umbenennen müssen. 

Playboy: Aber Sie wären um ein Haar trotzdem noch eingezogen worden. 
Last: Ich hatte einfach Glück: Ich bin 17 Tage nach dem Stichtag, am 17. April 1929, geboren. 

Playboy: Wie verfolgen Sie vor diesem Hintergrund die Debatte um Günter Grass? 
Last: Ich finde das sehr unangenehm für ihn, aber seine Leistung darf das nicht schmälern. Für mich ist er durch dieses Bekenntnis kein anderer Mensch geworden. 

Playboy: Sie stehen kurz vor Ihrer „Last Tour“ — wie geht es Ihnen gesundheitlich? 
Last: Sehr gut, auch wenn mir die „Bild“-Zeitung vor Jahren schon eine Krankheit angedichtet hat, die es gar nicht gibt: Nasenkrebs.

Playboy: Es war immerhin Hautkrebs.
Last: Den habe ich nun seit mehr als 20 Jahren, und es lässt sich reparieren. Inzwischen kennt die Medizin ja die dollsten Sachen. Ich gehe jedes halbe Jahr zur Kontrolle und bin mittlerweile mit meinem Hautarzt befreundet. 

Playboy: Ist die anstehende Tournee mit 31 Auftritten kein Gesundheitsrisiko für Sie? 
Last: Touren ist mein Leben. Das ist der positivste Stress, den ich mir vorstellen kann. Die Spritze, die mir eine Tournee verpasst, bekomme ich bei keinem Arzt der Welt. 

Playboy: Wie hat man sich eine James-Last-Konzertreise vorzustellen: Sex, Drugs, Rock'n'Roll — oder nur ein paar Mal eine Playmate in den Noten? 
Last: Auch wir hatten Groupies. 

Playboy: Und, haben Sie es genossen? 
Last: Immer. 

Playboy: Fiel es Ihnen schwer, treu zu sein? 
Last: Nein, eigentlich nicht. Es kommt darauf an, wie man Treue definiert. 

Playboy: Ihre Musiker sind auf Tourneen auch in einschlägigen Clubs gelandet, schreiben Sie in Ihrer Autobiografie. Und James Last mittendrin? 
Last: Natürlich, auch mal für ein paar Tage verschollen.

Playboy: Wo gibt es die schönsten Mädchen der Welt? 
Last: Die schönsten vielleicht auf den Philippinen. Was da rumläuft ... 

Playboy: An schönen Frauen hat es Ihnen nie gemangelt? 
Last: Sagen wir interessanten Frauen. 

Playboy: Was heißt interessant in diesem Zusammenhang? 
Last: Wenn die Frauen ihren natürlichen Sex-Appeal auch erkannt haben. Ich finde es wunderbar, wenn eine Frau weiß, wie sie ihn betont. Und dann sage ich es diesen Frauen auch. 

Playboy: Sie schreiben des Weiteren darüber, dass immer munter getrunken wurde ...
Last: ... wie ist das bei Ihnen, trinken Sie nie einen? 

Playboy: Doch. Aber wir können uns kaum vorstellen, dass die James-Last-Band bis heute so ein Rock'n'Roll-Zirkus ist. 
Last: Auf Tour ist es einfach so, dass wir aus dem Bus steigen, einen Soundcheck machen, dann wird das Essen serviert, und wir bringen uns mit einem schönen Wein ein bisschen in Stimmung. Oder einem Wodka Tonic nach dem Konzert. Früher habe ich Gin Tonic bevorzugt, aber der macht aggressiv. 

Playboy: Wie äußerte sich das? 
Last: Ich war ungerecht gegenüber Menschen in meiner Umgebung.

Playboy: Wie sind Sie mit der britischen „last order“ klargekommen, wenn Kellner um 23 Uhr die letzte Runde ausschenken wollten? 
Last: Ich wusste mir zu helfen. Einmal habe ich 150 Mai Tai auf Vorrat für uns bestellt. Der Barkeeper hat nicht mit der Wimper gezuckt — da war er ganz Engländer und diszipliniert — und stand bis drei Uhr morgens hinterm Tresen. 

Playboy: Was tun Sie gegen einen Kater? 
Last: Ich kenne keinen Kater, ich weiß, wann genug ist. Und auch meine Musiker sind alt genug, um zu wissen, wann sie ins Bett müssen. 

Playboy: Zwischen Ihren ersten Auftritten 1948 und Ihrem ersten Plattenvertrag 1964 liegt eine Ewigkeit. Heute wird diese Spanne in vier Wochen absolviert. Wie sehen Sie die vermeintlichen „Superstars“? 
Last: Ich schaue mir das manchmal an und finde es oft grausam für die, die gewinnen. Sie meinen, sie seien jetzt ganz große Stars. Sie sind es nicht. 

Playboy: Was läuft da Ihrer Ansicht nach verkehrt?
Last: Dass man sie in eine Richtung zwängt, die sie nicht lange einhalten können. Weil sie nicht sie selbst sind. Sie werden gehetzt und müssen sich noch von Dieter Bohlen beleidigen lassen. 

Playboy: Würden Sie selbst gern einmal am Jury-Tisch Platz nehmen?
Last: Es würde mir schwer fallen. Ich würde den jungen Leuten raten, auch mal Luft zu holen bei ihrer Show. Man müsste sich die Zeit nehmen, die Künstler kennen zu lernen, und nicht gleich rufen (imitiert Bohlen): „Du bist klasse, machn wir ne Pladde?“ 

Playboy: Sprechen Sie über dieses Phänomen mit Ihrer Plattenfirma?
Last: Ach wo. Die haben alle Recht, und ich bin ein alter Mann. In der Musikindustrie sitzen heute 20-Jährige hinter den Schreibtischen. Die haben keine Ahnung, was ich veröffentlicht habe, wissen aber alles besser.

Playboy: Sehen Sie sich als Musiker von illegalen Downloads bedroht?
Last: Ja, als Komponist wird auch mein Urheberrecht durch Tauschbörsen im Netz verletzt.

Playboy: Hat die Musikindustrie geschlafen?
Last: Nicht nur die. Es herrscht diesbezüglich eine Doppelmoral. Manche Plattenfirma wehrt sich gegen Raubkopien, während die Hardware-Abteilung der gleichen Firma CD-Rohlinge und -Brenner auf den Markt wirft. 

Playboy: Sie haben 80 Millionen Tonträger weltweit verkauft. Sind Sie reicher als Robbie Williams?
Last: Ich weiß nicht, wie er sein Geld ausgibt. Ich lebe gut und kann machen, was ich will. Zum Beispiel mit 120 Leuten auf Tour gehen. Aber ich habe auch viel Geld verloren in den 1980er-Jahren.

Playboy: Wie viel?
Last: Einen zweistelligen Millionenbetrag. Ich habe mich zu Projekten überreden lassen, die sich im Nachhinein als Luftschlösser entpuppten. Ich besaß angebliche Weingüter in Kalifornien, auf denen keine einzige Rebe zu sehen war. Aber es hatte auch sein Positives.

Playboy: Was denn?
Last: Als die gleichen Experten nach dem Mauerfall wieder an mich herantraten und von Investitionen schwärmten, habe ich nur „Nein, danke“ gesagt.

Playboy: Auf welchen Luxus möchten Sie nicht mehr verzichten?                                                           Last: Champagner oder so etwas ist nichts für mich. Was ist schon Luxus? In manchen Momenten kann auch ein Apfel ein Luxus für mich sein.

Playboy: Sie waren als Jazzer Anfang der 1950er dreimal „Bassist des Jahres“. Bekannt wurden Sie aber in den 1960ern als Unterhaltungskünstler, der aktuelle Popsongs in einem unverwechselbaren Sound präsentierte. Fiel Ihnen der Schritt schwer?                                                                                                     Last: Wieso wird Musik immer in Schubladen einsortiert? Das ist Swing, das ist Rock, und das ist Klassik. Ich kenne keine Grenzen. Man muss offen sein für alles.

Playboy: Das Klassiklabel Deutsche Grammophon wollte 1968 Ihre Version der „Dreigroschenoper“ mit Helmut Qualtinger und Karin Baal nicht haben.
Last: Die bestanden auf der Einteilung in E- und U-Musik. Weil es von mir war, konnte es sich nicht um ernsthafte Kunst handeln. Mir war das wurscht, denn die Aufnahme wurde mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet.

Playboy: Hat Brecht heute noch eine Bedeutung?
Last: Absolut, ich würde die „Dreigroschenoper“ gern noch einmal neu aufnehmen. Zum Beispiel mit Xavier Naidoo.

Playboy: Warum Naidoo?
Last: Ich habe ihn vor Jahren bei einer Preisverleihung kennen gelernt. Er war der Einzige, der mit einem Orchester auftrat. Naidoo ist einer, der musikalische Grenzen überschreitet und es wissen will. Er ist der legitime Nachfolger von Udo Lindenberg, der ja seinerzeit mit seinen deutschen Texten die deutsche Popmusik revolutioniert hat.

Playboy: Ihr Song „Der einsame Hirte“ wurde von Quentin Tarantino in „Kill Bill“ verwendet. Ehrt Sie diese späte Anerkennung?
Last: Natürlich. Aber nicht nur er, sondern auch andere haben mich wieder entdeckt. Einmal lag ich im Krankenhaus, als mich mein Musikverlag anrief, weil einer was mit einer Trompete von mir machen wollte. Puff Daddy, P. Diddy oder so hieße er. Ich musste erst mal nach Luft schnappen. Klar haben wir das gemacht.

Playboy: Für wen würden Sie gern noch arbeiten?
Last: Wenn Tarantino sich melden würde, jederzeit wieder. Und ich hätte gern mit Fassbinder gearbeitet.

Playboy: Ihre lebensbejahende Musik in einem Fassbinder-Film?
Last: Obwohl ich ein positiver Mensch bin, birgt das Leben Abgründe, wie sie Fassbinder aufgezeigt hat. Davor kann ich mich nicht verschließen. Eine meiner Streicherinnen ist eine Russin, die seit zwölf Jahren in Hamburg lebt. Die soll jetzt ausgewiesen werden. Sie bekommt keine Aufenthaltsgenehmigung mehr, obwohl sie hier in Deutschland auftritt, Platten aufnimmt und wohnt. Aber die Hamburger Kulturbehörde findet, dass sie hier nicht bleiben kann, da sie kulturell keinen Beitrag leistet. Das stimmt mich zutiefst traurig. Aber diese Leute hätten auch Picasso heimgeschickt, wenn er in jungen Jahren hier gelebt hätte.

Playboy: Ihren ersten TV-Auftritt hatten Sie 1968 bei der „Starparade“ im ZDF. Sie spielten live mit Ihrem Orchester. Gibt es heute noch richtige Live-Auftritte im TV?
Last: Nein, das ist doch alles Playback. Und nicht nur das. Früher haben wir noch Geld bekommen, wenn wir in einer Fernsehshow aufgetreten sind. Heute muss man Geld mitbringen, um überhaupt spielen zu können. Der Einzige, der noch Live-Künstler fördert, ist Stefan Raab, da kommt nichts vom Band ...

Playboy: ... bei ihm haben Sie vor zwei Jahren die musikalische Leitung seiner Band für eine Woche übernommen.
Last: Ja, Stefan Raab ist ein feiner Kerl, der nicht nur unterhaltungsmäßig, sondern auch musikalisch was auf dem Kasten hat. Er konnte mir das komplette Arrangement von einem meiner Songs vorsingen. Mit Streichern und allem Drum und Dran. So eine musikalische Gabe haben nur sehr wenige. Stefan hat sie.

Playboy: Sie sind jetzt 77 Jahre alt. Denken Sie oft an den Tod?
Last: Mein Enkel ist jetzt elf Jahre. In zehn Jahren ist der 21. Ich habe mir vorgenommen, dass wir den zusammen feiern. Solange ich noch gehen und denken kann, habe ich nichts dagegen, 150 Jahre alt zu werden.

Playboy: Ihre Tour steht unter dem Motto „Last Tour“. Ist nach dem 25. November 2006 wirklich Schluss mit Konzerten?
Last: Mein letztes Konzert gebe ich definitiv in Ohlsdorf.

Playboy: In Ohlsdorf?
Last: Das ist der Hamburger Friedhof.

Autor: Kai-Uwe Keup
Autor: Rudi Raschke
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.