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Das Drama am Mount Manaslu

Der schmale Grat zwischen Leben und Tod

Der schmale Grat zwischen Leben und Sterben

Als Kind hat Benedikt Böhm ein Poster von Extrem-Ski-Legende Glen Plake im Zimmer hängen. Zwei Jahrzehnte später sind beide zufällig am selben Berg, als eine tödliche Lawine abgeht. Eine Geschichte über Freundschaft, Schicksal und den schmalen Grat zwischen Leben und Sterben in der Todeszone

An seinem 48. Geburtstag, zwei Wochen vor dem Unglück, sitzt Glen Plake im Basislager am Manaslu und freut sich wie ein kleines Kind über sein Geschenk: eine Dose Cola. Hier oben, auf 5000 Meter Höhe, purer Luxus. Genauso wie der Geburtstagskuchen, den einer der Sherpas kurz danach auf den Klapptisch im Küchenzelt stellt zwischen all das Geschirr und die Soßenflaschen. Es erklingt ein schräges „Happy Birthday“, Gelächter, sie machen Fotos: Plake mit Kuchen, Plake mit Sherpas, Plake mit seinen französischen Freunden und Expeditionspartnern Greg Costa, 23, und Rémy Lécluse, 48, mit denen er nach Nepal gekommen ist, um den Manaslu zu besteigen. Die Stimmung wird noch besser, als ein sechsköpfiges Expeditionsteam um den Deutschen Benedikt Böhm, 35, zur Feier dazustößt. Die Männer sitzen lange zusammen, veralbern Plake wegen seines Alters. „Wie alt bist du noch mal geworden?“, fragen sie immer wieder. „Ist doch egal“, sagt Plake irgendwann, „ich bin wie James Bond - unsterblich!“

„Berg der Seele“ bedeutet der Name, „Todesberg“ nennen ihn viele Bergsteiger

Unter dem Dutzend Bergsteigern, die an diesem Abend feiern, sind Berufsabenteurer und Halbprofis, Familienväter und Einzelgänger, junge Kerle und erfahrene Alpinisten. Sie sind durchtrainiert und zäh, extrem gut vorbereitet und perfekt ausgerüstet, sie sind ehrgeizig und voller Euphorie. In wenigen Tagen werden zwei von ihnen tot sein. Drei weitere werden den Berg vorzeitig verlassen haben. Und Glen Plake und Benedikt Böhm wird die Art von Freundschaft verbinden, die es nur unter Männern gibt, die gemeinsam etwas Fürchterliches durchgestanden haben.
Der Manaslu im Himalaja: Wie eine gewaltige mit Gletschern behangene Felspyramide ragt der mit 8163 Metern achthöchste Berg der Welt in den Himmel. „Berg der Seele“ bedeutet der Name, „Todesberg“ nennen ihn viele Bergsteiger. Unberechenbare Wetterumschwünge haben den Manaslu berüchtigt gemacht, dennoch sind Mitte September 2012 so viele Bergsteiger dort wie selten zuvor. Etwa 200 bis 300 campieren im Basislager. Wegen politischer Unruhen haben die Chinesen die Grenze zu Tibet zugemacht, wo sich die meisten der vergleichsweise einfach zu besteigenden Achttausender befinden. Viele Bergsteiger, die Expeditionen nach Tibet geplant haben, schwenken deshalb auf den als schwierig geltenden Manaslu um. Unter ihnen auch Böhm und sein Team. Sie wollten eigentlich einen anderen Achttausender besteigen, den Cho Oyu in Tibet.

Glen Plake und Benedikt Böhm kennen sich seit Jahren. Als Kind hatte Böhm ein Poster von Plake an der Wand hängen. Der Amerikaner, Markenzeichen blonder Irokesenschnitt, gilt unter Extrem-Skifahrern als Legende. Schon seit den 80er-Jahren stürzt er sich auf Skiern Hänge hinab, die mit normalen Skipisten etwa so viel gemeinsam haben wie Bagdad mit Bad Aibling: felsige, vereiste, unfassbar steile Wände. In den 90er-Jahren lernt Böhm sein Idol auf einer Sportartikel-Messe kennen, sie freunden sich an. Als sie sich im September 2012 zufällig im Basislager am Manaslu treffen, ist Böhm selbst dabei, sich einen Namen in der Bergsteigerszene zu machen: als einer der Pioniere des Speed-Bergsteigens.

Minimale Ausrüstung, maximale Geschwindigkeit, das ist ihr Konzept

Zusammen mit seinem Seilpartner Sebastian Haag, der auch jetzt am Manaslu dabei ist, besteigt er innerhalb von wenigen Stunden Berge, für die andere fünf Tage brauchen. Minimale Ausrüstung, maximale Geschwindigkeit, das ist ihr Konzept. Ihr Plan für den Manaslu: Sie wollen innerhalb von 24 Stunden vom Basislager bis zum Gipfel marschieren - ohne Sauerstoff, nur mit Powergels und zwei Litern Flüssigkeit im Gepäck - und auf Skiern wieder abfahren. Auch Plake und seine Partner wollen ohne Sauerstoff auf den Gipfel und mit Skiern wieder hinunter, aber ihr Aufstieg ist konventionell geplant: über mehrere Tage hinweg von Camp 1 bis Camp 4, dann zum Gipfel.
In den Tagen nach Plakes Geburtstagsfeier unternehmen beide Teams vom Basislager aus mehrere Akklimatisierungstouren in höhere Regionen. Nach und nach gewöhnen sich ihre Lungen an die dünne Luft. Bald fühlen sie sich bereit für den Gipfel, doch der Manaslu ist nicht bereit für sie. Es schneit fast eine Woche lang, die Teams sitzen im Basislager fest. Dann, plötzlich, wird das Wetter besser - und die Völkerwanderung beginnt.

Wie auf einer Ameisenstraße ziehen sich die Menschen am 22. September vom Basislager aus entlang der Fixseile den Berg hinauf. Ungläubig sehen Böhm und sein Team dem Ganzen zu und warten ein paar Stunden ab. Dann, als sie freie Bahn haben, steigen sie in kurzer Zeit auf 6300 Meter zu Camp 2 auf. 

BÖHMS TEAM BESCHLIESST, ABSEITS VON LAGER 2 ZU CAMPIEREN. EINE ENTSCHEIDUNG, DIE VIELEN MENSCHEN DAS LEBEN RETTEN WIRD...

Vielleicht ist es Instinkt, vielleicht auch die Erinnerung an 2007 - damals mussten Böhm und Haag wegen zu hoher Lawinengefahr eine Manaslu-Besteigung abbrechen -, jedenfalls gefällt ihnen die Position des eigentlichen Lagers 2 nicht. Zu offen, zu ungeschützt steht es mitten auf dem Hang. Deshalb campieren Böhm und sein Team ein Stück abseits davon auf einer geschützten Gletscherlippe. Eine Entscheidung, die vielen Menschen das Leben retten wird. 
Die Nacht vom 22. auf den 23. September ist sternenklar. Glen Plake liest mit seiner Stirnlampe am Kopf gerade in der Bibel, als er den Wind hört. Es ist 4.30 Uhr morgens. Leichte Böen haben in der Nacht immer wieder am Zelt gerüttelt. Aber das, was er jetzt spürt, ist etwas anderes. Ein mächtiger, unablässiger Windzug. Plake liegt mit Greg Costa in einem Zelt in der Nähe von Camp 3 auf 6800 Meter Höhe, also etwa 500 Meter weiter oben am Berg als Böhms Team. Auch Plake, Costa und Lécluse sind am Vortag erst hier angekommen, auch sie campieren etwas abseits des eigentlichen Lagers. Der schneebeladene Hang über Camp 3 war ihnen nicht geheuer.

„Hörst du den Wind?“, fragt Plake, als er merkt, dass auch Costa aufgewacht ist. „Ich glaube, das ist die Druckwelle einer Lawine“, sagt Costa. Dann erst hört Plake das leise Grollen, das in Sekundenschnelle lauter wird. Plötzlich schlägt ihm die Wand des Zeltes ins Gesicht, er schlittert über den Boden, schlägt hart auf, schlittert wieder, Plake ist wütend und gleichzeitig überzeugt, dass es das war: Er wird sterben in einer verdammten Lawine. Noch einmal schlägt er hart auf, dann plötzlich: Stopp. Stille. Er kann nichts sehen, er schmeckt Blut und spürt, dass er ausgeschlagene Zähne im Mund hat. Aber er atmet, er kann sich bewegen, er lebt.
Als Benedikt Böhm das Donnern hört und den Wind spürt, weiß er sofort, dass irgendwo eine gigantische Lawine abgegangen sein muss. Er schält sich aus dem Schlafsack und kriecht in Unterwäsche aus dem Zelt. Auch seine Teamkameraden sind aufgewacht. Sie sehen, dass unten in Camp 2 die Lichter von Stirnlampen umherzucken, doch oben, wo Camp 3 sein müsste, ist es stockfinster. Dann hören sie die Schreie: Hilfe! Help!

Etwa 15 Minuten später erreichen Böhm und sein Team mit Schaufeln, Erste- Hilfe-Ausrüstung und dem künstlichen Sauerstoff für Notfälle die ersten schreienden Menschen. Was sie in der Dunkelheit ausmachen können, sieht aus wie ein Schlachtfeld: Die Lawine hat das gesamte Camp 3, in dem etwa 30 Menschen in Zelten schliefen, Hunderte Meter weit mitgerissen. Überall verstreut liegen Menschen, Zelte, Schuhe. Einige Opfer sind bis zum Kopf im Schnee eingegraben, andere sind noch in ihren Schlafsäcken und Zelten verfangen. Die meisten tragen weder Schuhe noch Handschuhe noch warme Kleidung. In wenigen Minuten werden ihre Körper völlig ausgekühlt sein. Böhm und sein Team handeln wie automatisch: Sie fordern Rettungshubschrauber an, graben Überlebende aus, versorgen andere mit Sauerstoff, Medikamenten, Kleidung. Immer wieder stoßen sie auf Leichen, einige davon völlig zerschlagen. Wer von der Lawine begraben oder von den riesigen Eisbrocken getroffen wurde, die wie Steine den Berg hinabschossen, hatte kaum eine Überlebenschance. Eine Französin stirbt vor den Augen der Retter an ihren inneren Verletzungen. Ihr Begleiter sitzt verzweifelt und hilflos neben ihr.

Irgendwann weiß er: Es ist vorbei

Dunkelheit, hektisches Atmen, Hände, die sich durch Nylon wühlen. Endlich findet Plake einen Reißverschluss. Mit eisigen Fingern zieht er ihn auf und befreit sich aus dem Zelt, das sich um ihn gewickelt hat. Um ihn herum ist es still und dunkel. Der Lichtkegel seiner Stirnlampe fällt auf Schuhe, einen Schlafsack, Rucksäcke, alles verteilt zwischen Trümmern aus Eis und Schnee. Er ruft nach Costa und Lécluse. Keine Antwort. Er schaltet das kleine Lawinenverschütteten-Suchgerät ein, das er am Körper trägt: kein Signal von den Sendern seiner Kameraden. Vorsichtig fängt Plake an, sich durch das Chaos zu wühlen. Er findet einen Höhenanzug. Erst jetzt merkt er, dass er barfuß ist und nur Unterwäsche trägt. Langsam begreift er, wo er ist: Das Zelt wurde den Berg hinab in eine große Gletschermulde gerissen. Wenige Meter links und rechts von ihm befinden sich tiefe Gletscherspalten. Plake findet ein Funkgerät, es funktioniert, er ruft seinen Expeditionsleiter im Basislager an: „Henry! Es gab eine Lawine, ich weiß nicht, wo ich bin. Greg und Rémy sind weg. Ich kann nicht reden, ich muss weitersuchen.“ Weder Plake noch sein Expeditionsleiter wissen zu diesem Zeitpunkt, dass die Lawine nicht nur ihr Team, sondern auch das komplette Lager 3 erwischt hat.
Natürlich kennt Plake die Faustregel: Nach 15 Minuten sind 90 Prozent der Verschütteten tot. Er sucht weiter, gräbt, schreit, eine Stunde lang, vielleicht länger. Doch irgendwann weiß er: Es ist vorbei.
Plake hat keine Ahnung, wohin ihn die Lawine geschleudert hat und wie lange er unterwegs sein wird, bis ihn jemand findet. Stunden, Tage? Also packt er alles, was er an Ausrüstung findet, in seinen Rucksack. Dann kriecht er, Beine und Arme ausgebreitet, auf Ellenbogen und Knien über das mit Gletscherspalten übersäte Terrain aus der Mulde.

Als die Dämmerung am Manaslu einsetzt, begreifen Böhm und seine Kameraden langsam, was um 4.30 Uhr geschehen sein muss: Ein Sérac - ein Brocken Gletschereis - in der Größe mehrerer Lastwagen ist oberhalb des Hanges, auf dem sich die Hauptlager von Camp 2 und Camp 3 befanden, abgebrochen und hat die gigantische Lawine ausgelöst. Die Rettungsaktion läuft weiter auf Hochtouren. Während die Verletzten auf die Hubschrauber warten und versorgt werden, kämpft sich Böhm gegen sieben Uhr morgens auf Skiern immer weiter den Hang hinauf. Er sucht nach Schuhen - die er mit einem Karabiner, den er im Schnee gefunden hat, an seinem Klettergurt befestigt - und weiteren Verletzten.

Etwa zu diesem Zeitpunkt sitzt Plake mehrere hundert Meter weiter oben auf einem Sérac am Rand des Haupthangs und macht ein Foto von sich selbst. Er ist erschöpft, steht unter Schock, spürt seinen Körper nicht mehr - mit dem Foto will er herausfinden, wie schwer er wirklich verletzt ist. Der Anblick beruhigt ihn. Ein paar Schrammen, ein paar ausgeschlagene Zähne, das war’s. Während er sich aus der Gletschermulde zum Haupthang geschleppt hatte, hat auch er rekonstruieren können, was in der vergangenen Nacht geschehen war: Die zwei Zelte, in denen er, Costa und Lécluse geschlafen hatten, sind nicht von der Lawine selbst, sondern von deren Druckwelle weggerissen und über zwei gigantische Séracs geschleudert worden - der eine etwa 20, der andere etwa zehn Meter hoch. Das waren die zwei harten Aufschläge, die er spürte. Irgendwo auf dieser Strecke muss Costa aus dem Zelt gerissen worden sein. Lécluse, so vermutet Plake, ist in eine Gletscherspalte gerutscht. Auch dass sich am Haupthang eine Katastrophe ereignet hat, ahnt Plake. Von dem Sérac aus, auf dem er sitzt, sieht er nur Eisgeröll, wo vor Stunden noch Camp 3 stand. Von der Rettungsaktion, die sich weiter unten abspielt, kann er von seiner Position aus jedoch nichts sehen. Plakes Lage ist kritisch: Er ist in Kontakt mit dem Basislager, aber werden die Helfer ihn rechtzeitig finden? Zudem kann er nicht weiter hinabsteigen: Ohne Eispickel und Steigeisen wagt er nicht, das gigantische Lawinenfeld vor sich zu betreten. Dann sieht er weiter unten am Hang, etwa 300 Meter entfernt, plötzlich einen Mann, der auf Skiern den Berg hinaufsteigt. Er erkennt ihn sofort. Als Böhm und Plake sich umarmen, weinen sie beide. „Ich lebe“, sagt Plake immer wieder, „ich lebe.“

Der erste Rettungshubschrauber landet gegen halb elf an der Unglücksstelle am Haupthang. Flüge auf 6500 Meter Höhe sind schwierig und gefährlich. Doch die Bedingungen am 23. September sind optimal, die Sonne scheint, es ist windstill. Am Tag, an dem sich eines der größten Unglücke in der Geschichte des Bergsteigens im Himalaja ereignet hat, herrscht Traumwetter. Die Bilanz des Unglücks zu diesem Zeitpunkt: neun Tote, zwei Vermisste (Costa und Lécluse), über ein Dutzend Verletzte, darunter fünf in kritischem Zustand.
Plake entscheidet sich, nachdem er mit Sauerstoff und Nahrung versorgt worden ist, nicht in den Hubschrauber zu steigen, sondern mit einem Sherpa zum Basislager hinabzumarschieren. Er wird später sagen, dass es eine der besten Entscheidungen seines Lebens war. „Der Marsch war voller Erinnerungen und Emotionen, aber auch sehr heilsam.“ Als er nach elf Stunden unten ankommt, ist er erleichtert und verzweifelt zugleich. Er weiß, was ihm jetzt bevorsteht. Er nimmt das Satellitentelefon in die Hand und atmet tief durch. Dann wählt er die Nummer von Greg Costas Vater.

"Böhms Team beschließt abseits von Lager 2 zu campieren. Eine Entscheidung, die vielen Menschen das Leben retten wird..."

Das Basislager leert sich an den folgenden Tagen drastisch. Etwa die Hälfte der Bergsteiger reist ab. Auch bei Böhm und seinem Team ist die Stimmung gedrückt. Immer wieder sprechen die Männer darüber, ob sie abreisen oder den Gipfel dennoch in Angriff nehmen sollen. Böhm ist hin- und hergerissen. Er hat sechs Jahre lang für die Speed-Begehung trainiert. Er hat unfassbar viel Schweiß, Zeit und Geld in die Expedition gesteckt. Als er hört, dass alle Schwerverletzten durchkommen werden, ist seine Entscheidung gefallen: Er wird gemeinsam mit Sebastian Haag und Constantin Pade den Gipfel probieren. Der Rest ihrer Expeditionsgruppe reist ab.
Drei Tage nach der Lawine stehen Böhm und Plake im Basislager und umarmen sich zum Abschied. Plake hat die Zelte von Costa und Lécluse abgebaut, all die fürchterlichen Telefonate geführt, nun will er den Berg endlich verlassen. „Ich möchte, dass ihr wisst, dass ich es völlig verstehen kann, dass ihr weiterhin auf den Gipfel wollt“, sagt er. - „Pass auf dich auf, Glen“, sagt Böhm. „Keine Sorge“, antwortet er, „ich hab’s euch doch an meinem Geburtstag gesagt: Ich bin wie James Bond - unsterblich.“
Am 29. September um 18 Uhr abends gehen Böhm und Haag vom Basislager los und treffen um 22.53 Uhr in Lager 2 Constantin Pade, der dort übernachtet hat. Von nun an geht jeder der drei in seinem eigenen Tempo durch die Nacht - Böhm wird es als Einziger zum Gipfel schaffen. Er spürt irgendwann seinen Körper nicht mehr, und er verliert an diesem einzigen Tag acht Kilo Gewicht, doch um 9.01 Uhr morgens, 15 Stunden nachdem er losgegangen ist, steht er auf dem Gipfel des Manaslu.
Böhm sinkt auf die Knie. Er gräbt ein Loch in den Schnee, holt ein weißes Tuch heraus, das ihm ein tibetischer Lama geschenkt hat, und wickelt den Karabiner darin ein, den er bei der Rettungsaktion gefunden und zum Schuhe-Sammeln benutzt hat. Beides vergräbt er im Schnee. „Das war ein Ritual für mich, meine Form des Abschlusses mit dem ganzen Berg“, wird er später sagen.
Benedikt Böhms Speed-Begehung geht als Weltrekord in die Annalen des Himalaja-Bergsteigens ein. Noch nie hat jemand den Manaslu innerhalb so kurzer Zeit bestiegen. Die Leiche von Rémy Lécluse wird am 3. Oktober 2012 aus einer Gletscherspalte geborgen. Greg Costa wurde bis heute nicht gefunden.

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