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Bastian Schweinsteiger

... über entscheidende Momente, Gegner und Lehrer

"Du musst die Dinge selbst in die Hand nehmen"

Nach seinem Abschied aus der Nationalmannschaft und dem Auf und Ab bei Manchester United haben viele Bastian Schweinsteiger bereits abgeschrieben. Nach seinem Wechsel in die nordamerikanische Major League Soccer zu Chicago Fire startet er derzeit nochmal richtig durch. Wir haben ihn vor einiger Zeit zum Interview getroffen – und was er uns damals erzählte, ist aktueller denn je. Ein Gespräch über entscheidende Momente, Menschen, Gegner und Lehrer auf seiner Reise vom Talent zum Weltstar

Er ist ein Mann mit Narben, genau das macht ihn so interessant. Die sichtbarste offenbart Bastian Schweinsteiger gleich, als er sich nach dem Foto-Shoot an den Tisch setzt für das Interview: Der tiefe Ausschnitt seines T-Shirts gewährt freien Blick auf eine etwa zehn Zentimeter lange Operationsnarbe, die sich unter seinem Schlüsselbein krümmt (ein Andenken an einen Zusammenstoß mit einer neapolitanischen Kampfdrohne namens Gökhan Inler). Aber es sind eher Schweinsteigers andere Narben, die uns interessieren. Die, die man nicht sehen kann, die von Rückschlägen, Kritik, Niederlagen hinterlassen wurden und die ihn doch nicht daran hindern konnten, zu einem der Großen der Fußballgeschichte und zu einem Helden unserer Zeit zu werden.

Playboy: Herr Schweinsteiger, wenn Sie an Ihre Kindheit zurückdenken, wer war Ihr erster Held?

Schweinsteiger: Batman.
Playboy: Was fanden Sie gut an ihm?
Schweinsteiger: Cooler Typ, rettete ständig Leuten das Leben. Ich fand natürlich auch viele Fußballer toll. Aber die wechselten immer wieder. Batman blieb.
Playboy: Wir fragen, weil uns aufgefallen ist, dass Sie selbst mit gerade mal 29 Jahren bereits eine komplette Heldenreise absolviert haben.
Schweinsteiger: Eine Heldenreise?
Playboy: Die klassischen Mythen genauso wie moderne Hollywood-Filme laufen ja nach demselben Schema ab: dem Zyklus der Heldenreise. Die Hauptfigur durchläuft stets die gleichen Stationen: Aufstieg, Bewährungsproben, Triumph, Heimkehr als veränderter Mann. Sie haben so eine komplette Heldenreise hinter sich. Vom Talent zum Weltstar, vom Jungen zum Mann. Über diese Entwicklung würden wir gern mit Ihnen reden. 
Schweinsteiger: Ich sehe mich zwar nicht als Helden, aber das können wir gern machen.
Playboy: Die vertraute Welt bei Ihnen war der FC Bayern: Sie kamen aus der vereinseigenen Jugend, gaben als 18-Jähriger Ihr Profi-Debüt. Was waren Ihre ersten Eindrücke anfangs bei den Profis? 
Schweinsteiger: Unsicherheit. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte, als ich zum ersten Mal mit den Stars trainieren durfte, mit ihnen ins Hotel fuhr, mit ihnen vor dem Spiel im Bus saß. Ich hielt mich dann an den Nächstjüngeren. 

Das Interview ist in "How to be a Playboy 2013" erschienen. Hier versandkostenfrei bestellen!

Playboy: Wer war das damals? 
Schweinsteiger: Markus Feulner und Owen Hargreaves. Das waren die einzigen zwei Jungen damals. Heute gibt es viel mehr junge Spieler in einer Mannschaft, und es ist einfacher, sich in eine Mannschaft einzufinden als damals. Aber die Freude, überhaupt dabei sein zu dürfen, war bei mir enorm. Ich habe mich wie ein kleines Kind gefreut, als ich zum ersten Mal nicht als Balljunge ins Olympiastadion durfte, sondern mit der Sporttasche in der Hand – und dem Mannschaftskoffer, den ich schleppen musste.
Playboy: Müssen die Jüngsten heute noch immer Koffer schleppen? 
Schweinsteiger: Nein, die kosten ja heutzutage auch schon 37 Millionen (lacht). Die Jungen müssen heute vielleicht mal das Ballnetz mit rausnehmen, aber das war’s. Früher war das ganz anders. Ich kann mich noch erinnern, dass ich anfangs nicht wusste, ob ich Olli Kahn siezen oder duzen soll. Zum Glück meinte er irgendwann: Kannst schon Du sagen.
Playboy: Bieten Sie den Jüngeren heute direkt das Du an?
Schweinsteiger: Ja. Wenn heute beim Training ein paar ganz Junge von den Amateuren dabei sind, kann ich mich natürlich in deren Situation reinversetzen. Also gehe ich umso mehr einen Schritt auf sie zu und versuche, sie zu lockern, damit sie das, was sie draufhaben, dann auch auf dem Platz abrufen können.
Playboy: Gingen die Platzhirsche in Ihrer Anfangszeit anders mit Ihnen um? 
Schweinsteiger: Die gingen überhaupt nicht mit mir um. Ich war schon froh, wenn sie mich überhaupt mal registriert haben. Andererseits durftest du dir im Training auch nicht zu viel erlauben. Wenn du einen Salihamidzic oder Jeremies mal ausgespielt oder getunnelt hast, dann hast du auf dem Weg nach hinten schon mal von ihnen gehört: „Noch mal würde ich es nicht machen.“ Da wurde im Training noch hingelangt. Aber ich bin glücklich, dass ich die Zeit miterleben durfte. Ich habe damals viel gelernt, das auch heute noch wichtig ist für ein Team.
Playboy: Zum Beispiel?
Schweinsteiger: Dass man zu einem gewissen Grad eine Hierarchie braucht. Spieler, die vorangehen. Beim Fußball reichen nicht immer nur spielerische Fähigkeiten, man braucht in bestimmten Momenten auch Emotionen, die richtige Mentalität. Auf dem Platz und in der Kabine.

"Beim Fußball reichen nicht immer nur spielerische Fähigkeiten, man braucht (...) Emotionen, die richtige Mentalität. Auf dem Platz und in der Kabine."

Playboy: Hatten Sie damals als junger Spieler eine Art Mentor, einen erfahrenen Spieler, der sich um Sie gekümmert hat? 
Schweinsteiger: Ja, Olli Kahn. Obwohl es am Anfang nicht einfach war mit ihm. Ich blieb damals oft nach dem Training länger da, weil er wollte, dass ich noch auf sein Tor schieße. Ich hatte so einen Flatterball drauf, der eine ziemlich komische Kurve flog. Olli hat es gehasst, wenn so ein Ball reinging, und hat mich dann regelrecht beschimpft. Aber er wollte, dass ich immer weitermache. Und in der Umkleidekabine hat er mir anfangs immer das Handtuch geklaut.
Playboy: Wieso das? 
Schweinsteiger: Er hatte den Platz neben mir und hat sich einfach immer mein Handtuch genommen, das ich zum Duschen brauchte. Damit hat er sich dann die Torwart-Handschuhe sauber gemacht.
Playboy: Klingt nach alter Schule. 
Schweinsteiger: Genau das war es. Aber nur anfangs. Später verlor Olli mal für eine Weile den Führerschein, und ich nahm ihn dann häufiger im Auto mit zum Training. Da fingen wir an, auch mal über Dinge außerhalb des Fußballs zu sprechen. Und obwohl der Altersunterschied recht groß war, kamen wir wirklich gut klar.
Playboy: Der deutsche Fußball war Mitte der Nullerjahre ziemlich am Boden. 2004 schied Deutschland in der Vorrunde der EM aus. Es waren die Rumpelfüßler Jahre. Und plötzlich wurden Sie gemeinsam mit Lukas Podolski und Sebastian Deisler zum Hoffnungsträger erkoren, zum Retter des deutschen Fußballs. Haben Sie das damals auch als Bürde empfunden? 
Schweinsteiger: Als junger Spieler denkst du gar nicht so viel darüber nach. Ich habe einfach Fußball gespielt, ich hatte noch so einen positiv verrückten Kerl in meinem Alter neben mir...
Playboy: Lukas Podolski. 
Schweinsteiger: Ja, und wir hatten zusammen unglaublich viel Spaß. Was so geschrieben worden ist, haben wir gar nicht so registriert. Wir haben uns einfach auf den Fußball konzentriert und Blödsinn gemacht. Mir wurde erst im Nachhinein bewusst, was damals alles passiert ist.
Playboy: Hat Ihnen diese Unbekümmertheit geholfen, mit dem Druck umzugehen?
Schweinsteiger: Absolut. Ich denke, es ist unheimlich wichtig, sich immer wieder klarzumachen: Fußball ist nicht alles. Das ist auch der Grund, warum ich in der Stadt wohne. Ich genieße es sehr, mein Leben neben dem Fußball zu haben.
Playboy: Wie sieht das aus? 
Schweinsteiger: Fahrrad fahren, spazieren gehen, an der Isar liegen und ein Buch lesen. Ich gehe auch in der Früh zum Viktualienmarkt, hole mir da einen Saft oder eine Brezel, die Sonne scheint, es sind noch kaum Menschen da, und ich denke mir: super. Das sind so kleine Dinge, da hole ich mir Kraft. Ich habe ja den ganzen Tag Fußball. Und dazu gehört ja nicht nur das Fußballspielen. Du musst diszipliniert sein, du musst gewisse Regeln einhalten, du hast die Medien, die immer mehr werden. Und die Erwartungshaltung ist bei Bayern und in der Nationalmannschaft sehr hoch. Deshalb ist es enorm wichtig, abschalten zu können.
Playboy: Nach der WM 2006 im eigenen Land, dem Sommermärchen, in dem „Schweini“ eine der Hauptfiguren war, kam eine Phase, in der Sie zunehmend das Image des verwöhnten Jung-Kickers hatten, der sich mehr Gedanken über seine Frisur als über seinen Fußball machte. Uli Hoeneß meinte 2007: Dem Schweini wurde zu viel Puderzucker . . . 
Schweinsteiger: . . . in den Hintern geblasen, den klopfe ich wieder raus. Ja, ja, ich erinnere mich. Das Lustige ist: Ich weiß noch, an dem Tag haben wir in Hannover gespielt. Ich komme runter zum Frühstücken, und der erste Spieler legt mir gleich die Zeitung hin. Ich habe das also nicht von Hoeneß selbst gehört, sondern musste es in der Zeitung lesen. Beim Spiel schoss ich dann das Siegtor zum 2 : 1, und alle stellten natürlich sofort einen Zusammenhang zu der Hoeneß-Schelte her, dabei habe ich einfach gespielt wie immer. Und so etwas passiert immer wieder. 

"Schnösel? Nein. Ich habe damals vielleicht ein bisschen zu wenig über den Tellerrand hinaus gedacht und alles, was mir in den Kopf kam, einfach gemacht."

Playboy: Finden Sie im Nachhinein, dass Sie damals zu Recht dieses Image des verwöhnten Jung-Profis, vielleicht auch des Schnösels, hatten?
Schweinsteiger: Schnösel? Nein. Ich habe damals vielleicht ein bisschen zu wenig über den Tellerrand hinaus gedacht und alles, was mir in den Kopf kam, einfach gemacht. Das war manchmal gut und manchmal vielleicht ein bisschen unglücklich, und dafür habe ich den einen oder anderen Schlag ins Gesicht bekommen. Aber – und das ist mir wichtig – ich habe nie denselben Fehler zweimal gemacht.
Playboy: Gab es irgendwann den Moment, in dem Sie sich bewusst entschieden haben: Zeit, erwachsen zu werden? 
Schweinsteiger: Es gab schon eine Phase, um 2008 herum, in der ich mir dachte: Okay, es wird Zeit, den nächsten Schritt zu machen. Jeder will sich ja in seinem Job weiterentwickeln, und so war es bei mir auch. Ich wollte endlich was gewinnen. Wir waren davor so oft im Viertel- oder Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. Mit der Nationalelf waren wir 2006 Dritter, bei der Europameisterschaft 2008 Zweiter geworden. Ich wollte endlich einen internationalen Titel holen.
Playboy: Haben Sie damals einen konkreten Plan für die Zukunft gemacht? 
Schweinsteiger: Nein, so funktioniere ich nicht. Ich habe keinen großen Plan nach dem Motto: Nächstes Jahr musst du dich so und so verhalten oder etwas Bestimmtes tun. Dazu kann sich im Fußball auch alles viel zu schnell ändern. Was ich tue, ist, mir Ziele zu setzen. Aber die einzelnen Schritte, um diese Ziele zu erreichen, müssen aus mir selbst herauskommen. So ist es in meinem Leben immer gelaufen.
Playboy: Was war im Rückblick die schwierigste Phase Ihrer bisherigen Karriere? 
Schweinsteiger: Die Saison 2006/2007 war hart, als wir nur Vierter wurden und in den Uefa-Cup mussten. Und die Saison 2008/2009: Ich wurde oft ausgewechselt, wir verloren 0 : 4 gegen Barcelona, kämpften um einen Champions-League-Platz. Eine schwierige Zeit.
Playboy: Wer hat Ihnen geholfen, da wieder rauszukommen?
Schweinsteiger: Letztendlich ich selbst. Gut, und dann kam natürlich für die letzten vier Spieltage damals Jupp Heynckes für Jürgen Klinsmann, wir qualifizierten uns noch für die Champions League, und Heynckes ließ mich zum ersten Mal im zentralen Mittelfeld spielen. Das sah wiederum Louis van Gaal, der auf Heynckes folgte, und er stellte mich nach ein paar Wochen auch in der Mitte auf, wo ich ja in der Jugend immer gespielt hatte. Und dann ging’s los...
Playboy: Es folgte eine sehr erfolgreiche Zeit, Sie wurden auf dem Platz immer mehr zum Chef. Zum neuen Kapitän bei Bayern wurde 2011 aber Philip Lahm ernannt, sie wurden nur Spielführer Nummer zwei. 
Schweinsteiger: Ich habe nie gesagt, ich will Kapitän werden. Für mich ist das kein Ziel. Philipp macht einen Super-Job als Kapitän, und ich habe ihn immer unterstützt bei dem, was er gemacht hat. Wir haben einen engen Draht und sagen uns immer sehr offen, was wir denken. Wir ergänzen uns gut. Das hat damals Jogi Löw schon ganz richtig gesagt, dass ich eher aus der Emotion komme und Philipp eher aus einer ruhigeren Position.
Playboy: Wird von Außenstehenden unterschätzt, wie schwierig es tatsächlich ist, eine Mannschaft aus Profifußballern zusammenzuhalten?
Schweinsteiger: Absolut. Letztendlich musst du als Führungsspieler nicht nur Fußball spielen. Du musst den Takt in gewisser Weise vorgeben, auch mal Spieler ansprechen, wenn sie beispielsweise zu spät zum Training kommen. Das gehört dazu, Disziplin ist ganz wichtig, nicht nur auf dem Platz. Und da hast du immer ein Auge drauf. Dann hast du ja auch Gespräche zum Beispiel mit dem Vorstand. Und dazu musst du immer Top-Leistungen bringen. Da gehört viel Kraft dazu, nicht nur körperliche, sondern auch geistige. Erfolg hängt ja auch manchmal damit zusammen, ob die Mannschaft intakt ist.

"Zusammen ein Bier zu trinken oder etwas privat zu unternehmen kann manchmal hilfreicher sein als eine Trainingseinheit."

Playboy: Die soziale Komponente.
Schweinsteiger: Genau. Da kann zusammen ein Bier zu trinken oder etwas privat zu unternehmen manchmal hilfreicher sein als eine Trainingseinheit.
Playboy: Ihre größte Stärke und Schwäche als Chef?
Schweinsteiger: Ich glaube, die Antwort auf beides ist: meine Ungeduld und mein Streben nach Perfektion. Wenn ich auf dem Platz stehe, liebe ich es einfach, wenn Dinge aufgehen, die ich mir vorher vorgenommen habe.
Playboy: Zum Beispiel?
Schweinsteiger: Ganze Spielzüge. Oder das Verhalten deiner Mitspieler. Wenn du denen in die Augen schaust, weißt du schon, ob du heute gewinnst oder nicht.
Playboy: Ist das Ihr Ernst? 
Schweinsteiger: Ja, wenn du siehst, wie sie sich in der Kabine verhalten, beim Warmmachen, wenn du merkst, dass das Adrenalin da ist, da weißt du schon, wie es heute ausgeht.
Playboy: Das Champions-League-Finale 2012 gegen Chelsea: Die Generation Schweinsteiger-Lahm hat die Chance, endlich einen großen Titel zu holen. Noch dazu zu Hause. Was sahen Sie da vor dem Spiel in den Augen Ihrer Mitspieler? 
Schweinsteiger: Ich dachte, wir gewinnen. Aber wissen Sie, die Bilder nach der Niederlage damals – die Gesichter in der Kabine, Uli Hoeneß, der von seiner Frau getröstet wird – blieben mir im Kopf. Und vor jedem Spiel in der letzten Champions- League-Saison kamen sie wieder hoch.
Playboy: Sie verschossen gegen Chelsea den letzten Elfer für Bayern. Wie kommt man nach so einem Tiefpunkt wieder hoch? 
Schweinsteiger: Es war sehr bitter. Aber bei mir war trotzdem eigentlich alles in Ordnung. Ich hatte einen Elfmeter verschossen. Punkt. Wichtig war danach, dass wir den Glauben hatten, dass wir es schaffen können. Letztendlich musste die Geschichte dann ja so ausgehen.
Playboy: Wie meinen Sie das? 
Schweinsteiger: Ein, zwei Tage vor großen Spielen überlege ich mir oft: Was ist die Geschichte dieser Mannschaft? Chelsea hatte 2008 ein Finale gegen Manchester United verloren. John Terry rutschte im Elfmeterschießen weg, Pfosten, aus. Und ich wollte gegen Chelsea eines nicht: Elfmeterschießen. Auch wenn das Engländer sind. Nach der Geschichte in Moskau, nach all dem Unglück, das die da erlebt hatten...
Playboy: Ihre Geschichte ging dann so weiter: Sie spielen eine fantastische Saison, kommen wieder ins Finale. Und dann heißt der Gegner ausgerechnet Dortmund: Eine Niederlage wäre wohl die bitterste der Vereinsgeschichte gewesen... 
Schweinsteiger: Ja, aber als ich am Morgen des Finales aufgestanden bin, wusste ich, dass wir gewinnen.
Playboy: Das dachten Sie 2012 vor dem Chelsea-Spiel auch schon...
Schweinsteiger: Aber diesmal war ich mir noch sicherer. Obwohl es am Anfang des Spiels nicht so aussah. In den ersten 20, 25 Minuten hat uns der Druck fast gelähmt. Aber sich in so einem Spiel dann noch so zu befreien, das war die Kunst.
Playboy: Sie trugen zu dieser Wendung entscheidend bei. Weil Dortmund so aggressives Pressing spielte, ließen Sie sich als Mittelfeldspieler zurückfallen und halfen den Verteidigern so, das Spiel zu eröffnen. Eine taktische Entscheidung, die Sie allein fällten, ohne Rücksprache mit dem Trainer, und die den Verlauf des Spiels entscheidend veränderte. Von Matthias Sammer gab es dafür später großes Lob. 

"Als Spieler musst du manchmal das tun, was dir gerade in den Kopf kommt und nicht zu viel nachdenken."

Schweinsteiger: Als Spieler musst du manchmal das tun, was dir gerade in den Kopf kommt und nicht zu viel nachdenken. Und du musst die Dinge auch mal selbst in die Hand nehmen. Das ist es, was ich an großen Sportlern wie Michael Jordan oder LeBron James so schätze: In kritischen Situationen nehmen sie die Dinge in die Hand. Es kann schiefgehen, aber sie nehmen das Risiko in Kauf. Sie übernehmen Verantwortung.
Playboy: Ihr Auftritt im Champions- League-Finale, diese Mischung aus Selbstvertrauen, Erfahrung und Mut, die Sie da gezeigt haben: War das der spielerische Ausdruck Ihrer Mannwerdung? 
Schweinsteiger: Das klingt jetzt sehr groß. Aber vielleicht kann man das so sehen, ja.
Playboy: Hat sich die Art, wie die Menschen Ihnen begegnen, seit dieser unglaublich erfolgreichen Saison verändert? 
Schweinsteiger: Ich merke schon, dass das, was passiert ist, viele Leute wirklich mitgerissen hat. Sie sind jetzt noch freundlicher, wollen noch mehr Fotos, Autogramme. Wenn manche in der Stadt an mir vorbeigehen, sehen sie mich fast schon ehrfürchtig an. Natürlich ehrt mich das. Aber ich bin nur ein Teil einer großen Mannschaft. Ein Teil vom Ganzen.
Playboy: Es gibt ja Spieler, bei denen man sagt: Die werden irgendwann Trainer. Weil sie diesen analytischen Blick auf das Spiel haben. Sind Sie so einer? 
Schweinsteiger: In der jetzigen Zeit wünsche ich mir nicht, Trainer zu sein oder zu werden.
Playboy: Warum?
                                                                                                                                    
Schweinsteiger: Es ist ein extrem schwieriger Job. Das siehst du ja jetzt bei Pep Guardiola, der ein großartiger Trainer ist, aber auch er hat es nicht einfach. Ob ich nach 15 Jahren als Profi immer noch jeden Tag an die Säbener Straße fahren will? Da, glaube ich, bin ich lieber irgendwo am See und gehe spazieren oder so.
Playboy: Gibt es abseits des Sports einen Traum, den Sie sich erfüllen wollen? 
Schweinsteiger: Die Welt bereisen. Alles sehen, was es so gibt auf der Erde. Ich war zum Beispiel noch nie in Südamerika.
Playboy: Nächsten Sommer kommen Sie mit der Nationalmannschaft hin.
Schweinsteiger: Ja, sieht danach aus.
Playboy: Findet die Heldenreise des Bastian Schweinsteiger dort ihren Höhepunkt: bei der WM in Brasilien? 
Schweinsteiger: Ich werde jedenfalls alles daransetzen.

Autor: Alexander Neumann-Delbarre
Autor: Moritz Pontani
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