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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Schauspieler Mads Mikkelsen

Ein Gespräch über Pistolen & ein Leben mit neun Fingern

"Eine Waffe zu tragen ist fantastisch"

Den internationalen Durchbruch schaffte er als Bond-Bösewicht in „Casino Royale“, mittlerweile ist der Schauspieler eine feste Größe: Mads Mikkelsen – der erfolgreichste Däne in Hollywood. Ein Gespräch über Pistolen, ein Leben mit neun Fingern und Männer, die in die Hose pinkeln

Eine Strandbar am Mittelmeer, unter den Schirmen staut sich die Hitze. Mads Mikkelsen, mit dem wir hier verabredet sind, scheint sie nichts auszumachen. Er trägt Stiefel und Jeans. Seine Stirn glänzt zwar unter den ungekämmten Haaren, aber das Wasser, das der Kellner ihm hinstellt, rührt er nicht an. Naturcooler Typ. Breite Schultern, 1,83 Meter Körpergröße, Fluppe im Mundwinkel. Drei Zigaretten genehmigt er sich während unseres Gesprächs. Die Rolle des lässigen Mackers hat der 48-Jährige drauf. So gesehen, ist er als Held des Westerns „The Salvation“ ideal besetzt. Aber der Däne, das wissen wir, lässt sich nicht auf eine Rolle festlegen – gerade seine Vielseitigkeit hat den ehemaligen Profi-Tänzer zu einem der gefragtesten Filmstars Europas gemacht. 

Playboy: Sie waren „Bond“-Bösewicht und Priester, Wikinger und Kleinkrimineller, Sie spielen in einer erfolgreichen TV-Serie Hannibal Lecter und sind jetzt als Westernheld zu sehen. Haben Sie mit all diesen Figuren etwas gemeinsam?
Mikkelsen: In jedem einzelnen Fall. Ich muss immer etwas finden, womit ich mich identifizieren kann, eine Energie. Das ist meine Ausgangsbasis. Vielleicht finde ich nur ein Prozent von mir in dieser Figur wieder, aber bei meinem Spiel vergrößere ich das dann auf 90 Prozent. Einfach nur einen Hut aufsetzen und so tun, als wäre ich eine andere Person, reicht nicht aus.

Playboy: Welche Eigenschaften teilen Sie mit der Hauptfigur aus „The Salvation“ – einem dänischen Einwanderer, der im Wilden Westen den Tod seiner Familie rächt? 
Mikkelsen: Erst mal habe ich eine ähnliche Einstellung wie die Pioniere von damals. Als Schauspieler musst du ein neugieriger Mensch sein, du musst dich dafür interessieren, welche Typen von Menschen es auf der Welt gibt. Genauso wie die Pioniere von damals erkunden wollten, was auf der anderen Seite des Berges liegt. Und auch ich muss bereit sein, meine Heimat zu verlassen. Momentan lebe ich ein halbes Jahr in Toronto, um „Hannibal“ zu drehen, während meine Familie in Dänemark ist.

Playboy: Zu einem guten Westernpionier gehört doch noch mehr. Wären Sie für das Leben von damals hart genug gewesen? 
Mikkelsen: Ich glaube, schon. Ich bin ein Sturkopf, habe viel Energie, und ich mag es, Dinge zu bauen. Die Vorstellung, sich irgendwo einen Fleck zu suchen und ein Haus zu errichten, finde ich faszinierend. Nur dass mein Haus viel größer werden würde als das im Film, und ich hätte noch einen Billardtisch hineingestellt. Der Wilde Westen war eine extrem coole Zeit.

Playboy: Definieren Sie „cool“. 
Mikkelsen: Wenn du ein Pferd reitest und diese Kleider trägst, mit einem Pistolenhalfter auf der Hüfte, dann ist das eben cool. Ich fände es viel uncooler, ein Adliger im 18. Jahrhundert zu sein. Der Look dieser Leute war völlig komisch.

Playboy: Eine Waffe zu tragen ist cool? 
Mikkelsen: Es ist fantastisch. Wir hatten beim Dreh nicht mal echte Pistolen. Aber selbst mit diesen Imitaten verwandelst du dich. Du bekommst eine seltsame Art von Selbstbewusstsein. Keiner von uns wollte die Waffen freiwillig in der Mittagspause zurückgeben. Ohne sie fühlten wir uns nackt. Denn Waffen strahlen Macht aus, und wir alle sehnen uns doch danach, Macht zu haben. Noch besser war es, eine abzufeuern, sogar ohne Kugeln. 

Playboy: Würden Sie gern eine echte Waffe besitzen? 
Mikkelsen: Ich würde lügen, wenn ich abstreiten würde, dass mich das fasziniert. Aber wenn du dir auf diese Weise Macht kaufst, ist das so, als ob du dir in die 
Hose pisst: Am Anfang ist es schön und warm, aber dann wird es kalt. Deshalb sagt mir mein Verstand, dass ich mich in drei Teufels Namen davon fernhalten soll. Und dass wir eine strenge Gesetzgebung brauchen. Denn es gibt keine dümmere Kombination als eine Person ohne Selbstbewusstsein, die sich plötzlich Macht kauft. Und bei Psychopathen kommt das auch nicht so gut.

Playboy: Sie wirken weder wie ein unsicherer Mensch noch wie ein Verrückter. 
Mikkelsen: Ich halte mich in der Tat für eine intelligente Person. Aber auch in den Händen von intelligenten Menschen sind Waffen keine gute Idee. Wenn ich etwa die Zeitung lese, finde ich so vieles, was mich so auf die Palme treibt, dass ich am liebsten eine Pistole abfeuern würde. Was ich natürlich besser lassen sollte. Ich erkenne den Drang in mir, aber ich bekämpfe ihn.

Playboy: Was ist mit Gewalt in Filmen? Wollen Sie die auch einschränken? 
Mikkelsen: Nein, wir haben schon genug staatliche Zensur in unserem Leben. Regeln aufzustellen ist keine kluge Idee. Wenn wir etwas an einer Stelle verbieten, bricht es an einer anderen Stelle durch. Gibt es zu viel Brutalität, werden die Zuschauer selbst ihre persönlichen Grenzen ziehen. Ich ziehe die als Vater zum Beispiel bei Videospielen und sage: „Das ist zu viel – sucht euch eine andere Freizeitbeschäftigung.“

Playboy: Sie kontrollieren Ihre Kinder? 
Mikkelsen: Natürlich. Ich bin die einzige Person, die das Recht dazu hat. Wobei ich mich insgesamt nicht für einen strengen Vater halte. Zum Beispiel lasse ich sie „The Salvation“ ansehen.

Playboy: Da geht es aber auch ziemlich brutal zu . . . 
Mikkelsen: Sie schauen sich auch die Zombie-Serie „The Walking Dead“ an. Auf Kinder hat es viel stärkere Auswirkungen, wenn sie ihren Vater in sehr emotionalen Szenen sehen, wenn er sehr traurig oder wütend wird. Literweise Blut macht da nicht so viel aus.

Playboy: Beim Dreh ist auch Ihr eigenes Blut geflossen. Sie hätten fast Ihren Finger verloren. 
Mikkelsen: Eigentlich war der Unfall nicht schlimm. Ich habe mich geschnitten, das ist mir schon tausendmal in meinem Leben passiert. Aber weil ich in Südafrika war und das Messer dreckig war und ich danach im Lehm herumgetollt bin, bekam ich innerhalb einer Stunde eine enorme Infektion. Aus etwas ganz Banalem wurde ein Riesending.

"Ich halte mich in der Tat für eine intelligente Person"

Mads Mikkelsen

Playboy: Kriegen Sie weiche Knie, wenn so etwas passiert? 
Mikkelsen: Nur wenn es jemand anderen betrifft, den ich liebe. Wenn ich selbst in so eine Situation gerate, dann bleibe ich ruhig und betrachte sie ganz logisch. Ich sage mir: „Es ist, wie es ist. Wir werden jetzt den Finger abschneiden, aber ich kann trotzdem noch eine ganze Menge tun. Ich kann zum Beispiel immer noch pissen.“ Das heißt, ich schaue auf die Sonnenseite der Dinge. Aber zum Glück habe ich ja meinen Finger behalten.

Playboy: Sie haben sich ausgemalt, wie Sie mit neun Fingern leben würden? 
Mikkelsen: Wenn du beim Arzt im Wartezimmer sitzt, dann hast du nichts zu tun. An irgendwas musst du ja denken. Also habe ich mir ganz praktisch mein künftiges Leben für den Fall des Falles vorgestellt: Die Karriere als Pianist muss ich wohl aufgeben. Aber ich spiele ja sowieso nicht besonders gut Klavier. Das ist also okay.

Playboy: Bleiben Sie immer so cool? 
Mikkelsen: Bei solchen Sachen vielleicht, aber wenn es um etwas Größeres gegangen wäre, sicher nicht. Du kannst ja ohne einen Finger leben. Ich erinnere mich noch, als ich einmal beim Dreh auf einem Pferd saß, das nicht kastriert war und das andere Pferd neben sich angegriffen hat. Neben mir ging’s 800 Meter in den Abgrund. Wenn du ein Meisterreiter bist, wirst du mit so etwas fertig, aber das bin ich eben nicht. Man hat die Pferde dann auseinandergezogen. Aber da hatte ich einen ganz schönen Bammel.

Playboy: Sie scheinen einiges zu erleben in Ihrem Job als Schauspieler. Langweilen Sie sich nicht, wenn Sie als Model arbeiten? 
Mikkelsen: Ich arbeite als Model?

Playboy: Erinnern Sie sich nicht mehr an die H&M-Kampagne 2007? 
Mikkelsen: Na, warum hab ich die wohl gemacht? Wenn ich einen Film promote, werden eine Milliarde Fotos von mir geschossen. Wenn mir jemand viel Geld dafür zahlt, das Gleiche zu tun, warum sollte ich da nein sagen? Aber das war nur einmal.

Playboy: Sie sind also nicht insgeheim ein Mode-Freak? 
Mikkelsen: Absolut nicht. Ich ziehe zwar nicht x-beliebige Sachen an, aber letztlich reicht meine Fantasie nicht über Jeans und Sportswear hinaus.

Playboy: Wie stehen Sie generell zu den glamourösen Aspekten Ihres Jobs? Sie landen regelmäßig auf den Hitlisten der erotischsten Filmstars. 
Mikkelsen: So ein Etikett nehme ich überhaupt nicht ernst – meine Frau übrigens auch nicht.

Playboy: Werden Sie nicht mit leidenschaftlichen Liebesbriefen überschüttet? 
Mikkelsen: Die habe ich nur von meiner Frau bekommen. Und das reicht auch.

Playboy: In jedem Fall sind Sie ein Schauspieler von internationalem Renommee geworden. Nicht gerade selbstverständlich, wenn man aus Dänemark kommt. Haben Sie das Ihrer Rolle als Le Chiffre in „Casino Royale“ zu verdanken? 
Mikkelsen: Vermutlich, ich habe dadurch in der Tat mehr Angebote bekommen. Allerdings finde ich das meiste uninteressant. Das ist natürlich ein Problem, denn ich muss irgendwie Geld verdienen. Im Zweifelsfall mache ich dann bei einem Projekt mit, das ich zumindest nicht hasse. Aber so etwas kann kein Dauerzustand sein. Wenn ich zwei Jahre keine richtige Lust auf eine Rolle bekäme, dann würde ich mir einen anderen Beruf suchen. So warte ich eben, solange es geht, bis ich einen Job bekomme, den ich liebe. Das ist ja auch der Grund, weshalb ich Werbung gemacht habe, dann kann ich es mir leisten, diese Wartezeit auszudehnen. Ich will es um jeden Preis vermeiden, Rollen zu spielen, bei denen ich auf Autopilot schalte.

Playboy: Gibt es Fälle, in denen Sie das getan haben? 
Mikkelsen: Sehr selten, aber es ist passiert. Ich muss es mir bewusst machen, denn das ist ein eindeutiges Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Sobald ich das merke, bestehe ich dann auf einem neuen Take, selbst wenn der Regisseur meint, es sei gut gewesen. Ich will nicht für meinen Job sterben, aber ich will für ihn brennen.

Playboy: Galt das auch für pure Hollywood-Effektvehikel wie den Blockbuster-Film „Kampf der Titanen“? 
Mikkelsen: Ich will solche Projekte nicht niedermachen. Ich bin mit „Jäger des verlorenen Schatzes“ groß geworden, also wollte ich mal einen Abenteuerfilm drehen. Und im Rahmen dieses Genres habe ich durchaus Ehrgeiz entwickelt. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben, wollte alle Stunts möglichst selbst machen, wollte die ganze Atmosphäre dieser Geschichte in mich aufsaugen. Es ist natürlich nicht das Gleiche wie ein ernsthaftes Drama, aber ich bin schließlich Schauspieler, ich tue so, als wäre ich jemand anderes. Und in dem Fall war es eine besonders große Herausforderung: Ich musste so tun, als würde ich als griechischer Krieger gegen Riesenskorpione kämpfen, die es nicht mal gab. 

Playboy: Preise gibt es dafür allerdings nicht. Die kriegen Sie für die klassischen Kunstdramen wie „Die Jagd“, wofür Sie in Cannes als bester Darsteller ausgezeichnet wurden. Bedeutet Ihnen das etwas? 
Mikkelsen: Natürlich freue ich mich darüber, aber ich weiß auch, wie relativ solche Preise sind. Und Sie deuten es ja an: Für bestimmte Arten von Filmen kriegst du eher eine Auszeichnung als für andere, meine Leistung spielt da überhaupt keine Rolle. In „Die Jagd“ war ich ein Opfer – so etwas kommt immer gut bei den Jurys an. Alternativ könnte ich auch Verrückte oder Behinderte spielen, das mögen die genauso. Mit einem Film wie „The Salvation“ habe ich da zwangsläufig schlechte Karten. 

Playboy: Auszeichnungen, eine weltweit erfolgreiche Serie, spannende Filmprojekte, weltweiter Ruhm – dieses Leben, das Sie heute leben, war das Ihr Kindheitstraum? 
Mikkelsen: Nein, mein Kindheitstraum war, Bruce Lee zu sein.

Playboy: Sie wollten so berühmt sein wie Bruce Lee? 
Mikkelsen: Nein, ich wollte er sein.

Playboy: Haben Sie denn je versucht, in seine Fußstapfen zu treten? 
Mikkelsen: Nicht ernsthaft. Ich hatte einen Freund, der Kung-Fu machte, und einmal habe ich an einer seiner Unterrichtsstunden teilgenommen. Zu dem Zeitpunkt habe ich viel geturnt, konnte also mit meinem Körper alle möglichen verrückten Dinge anstellen. Also bin ich wie ein Idiot herumgesprungen. Der Meister meinte dann: „Alles schön und gut, komm in zwei Jahren wieder.“

Playboy: Haben Sie das getan? 
Mikkelsen: Nein, ich konnte einfach keine Autoritäten respektieren. Die ganzen Übungen, die du da machen musstest, zum Beispiel rückwärtsgehen, erschienen mir zu lächerlich.

Playboy: Haben Sie denn jetzt, als Erwachsener, einen neuen Traum? 
Mikkelsen: Ich wäre gern mal ein Zombie. Das einzige Problem ist, dass die immer 
so schnell draufgehen. Dagegen müssten wir uns etwas einfallen lassen. So gesehen, ist Hannibal Lecter die interessantere Figur. Der steht immer an der Schwelle des Todes. Und genau da ist es ja am spannendsten.
 

Autor: Rüdiger Sturm
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