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Mats Hummels

... über die Lust am Risiko und Hass

"Es langweilt mich, nur auf Sicherheit zu spielen"

Er ist einer der besten Verteidiger der Welt, Stabilisator, Denker, Anführer, Abwehrorganisator: Nationalspieler Mats Hummels über die Lust am Risiko, Hass als Motivation, Anstand im Fußball und seine stärkste Erfahrung während der WM

 

Playboy: Herr Hummels, was lernt man im Profifußball über Anstand? 
Hummels: Gar nicht mehr so viel. Die meisten jungen Spieler steigen schon mit einem großen Maß an Anstand ins Profigeschäft ein, und es gibt nur wenige, die keinen besitzen. Natürlich kann man einzelne Spieler während ihrer Laufbahn noch in Teilbereichen ihres Charakters verändern, aber größtenteils bleiben sie doch so, wie sie eben sind. 

Playboy: Fällt es schwer, in einem so harten Business wie dem Profifußball mit Anstand zu siegen? 
Hummels: Nein, überhaupt nicht. Vielmehr wundere ich mich, dass es immer als Fairplay ausgezeichnet wird, wenn die überlegene Mannschaft nach dem Schlusspfiff die gegnerischen Spieler abklatscht. 

Playboy: Bei der WM wurden Sie und Ihre Kollegen nach dem 7 : 1 über Brasilien dennoch dafür gefeiert, dass Sie nach dem Spiel dem Gastgeber so großen Respekt zollten. Für die ausländische Presse schien das die Ausnahme von der Regel zu sein. 
Hummels: Ja, vermutlich wird das bei uns tatsächlich mehr gefordert und gefördert. Aber ich habe international inzwischen gegen viele Teams gespielt, und da gibt es in Sachen Respekt und Anstand keine gravierenden nationalen Unterschiede. 95 Prozent sind einfach faire Sportsmänner. Und den kleinen Rest an schwarzen Schafen, die gern mit anderen Mitteln agieren, findet man in vielen Teams, unabhängig von der Nationalität. 

Playboy: Ex-Nationaltorwart Toni Schumacher sagte mal: „Ich bin am stärksten, wenn ich von Feinden umgeben bin. Im Spitzensport wird man nicht durch Liebe, sondern durch Hass kreativ.“ Ist da was Wahres dran? 
Hummels: Man kann auf jeden Fall aus Hass Motivation ziehen. Wenn dir die Leute etwas Schlechtes wünschen, investierst du doch noch mehr. Denn du willst dem Gegner zeigen, wie gut du bist. Wenn dir dagegen alle immer sagen, wie gut du bist, wird man weich. Ich kann Toni Schumacher verstehen. Manchen Spielern tut es gut, wenn sie einen Anreiz von außen bekommen, um noch stärker zu spielen. Ein Trainer weiß das. Der sagt dann: „Bei unserem nächsten Auswärtsspiel wird das ganze Stadion gegen dich sein. Also zeig denen, was du wirklich kannst.“ Das ist purer Ansporn. 

Playboy: Haben Sie selbst schon mal Hass auf dem Spielfeld verspürt? 
Hummels: Hass ist ein zu starkes Wort. Natürlich sind wir in manchen Momenten stocksauer: Der Schiedsrichter trifft eine fatale Fehlentscheidung, oder dein Gegenspieler foult überhart. Aber selbst in solchen Momenten würde ich nicht von Hass sprechen. Wir betreiben Fußball, und das ist immer noch ein Spiel. Da sollten solche Gefühle außen vor bleiben. 

Playboy: Gab es Hass gegen Sie, von Fans oder Gegnern? 
Hummels: Nein. Nur Hass von mir gegen mich. In Situationen, in denen ich etwas falsch mache, kommt in mir eine Wut gegen mich selbst hoch, in der ich meinen Kopf einfach nur noch in Grund und Boden rammen möchte. 

Playboy: Empfinden Sie ein Gegentor als persönliche Niederlage? 
Hummels: Ein bisschen schon, ja. Vor allem als Verteidiger hast du immer das Gefühl, du hättest vielleicht etwas anders machen können, selbst wenn der Gegentreffer nicht deine direkte Schuld ist. Ich stehe ja auf dem Platz, um Gegentore zu verhindern. Das ist mein Job. Gelingt das nicht, ist 
das immer ein kleiner Schlag in die Magengrube. 

Playboy: Sie gelten als Spieler mit großem Selbstbewusstsein, was Ihnen mitunter als Arroganz ausgelegt wird. Aber schafft man es im Spitzenfußball überhaupt, ohne großes Ego nach oben zu kommen? 
Hummels: Ja. Es gibt genug Spieler, die nicht nur höflich sind, sondern echt schüchterne Jungs, und trotzdem sensationellen Fußball zeigen. Auf dem Platz braucht man sicherlich ein gewisses Selbstvertrauen, aber man muss damit nicht auch als Privatperson herumstolzieren. 

Playboy: In welchen Momenten steht Ihnen Ihr Selbstvertrauen im Weg? 
Hummels: Bei bestimmten Aktionen während des Spiels, zum Beispiel, wenn ich ein Dribbling versuche, von dem ich überzeugt bin, es zu können. Und dann geht’s schief. Aber ich spiele das Spiel, weil es mir Spaß macht, und dazu gehört für mich das Risiko. Es langweilt mich, nur auf Sicherheit zu gehen. Deshalb glaube ich, dass mir mein Selbstvertrauen mehr gebracht hat als geschadet. 

Playboy: Dennoch ecken Sie des Öfteren mit Ihrem Ego an. 
Hummels: Ja, aber nur bei Menschen, die mich nicht gut kennen. Im Umgang mit anderen Menschen fühle ich mich nicht überlegen, sondern auf Augenhöhe. Dieses extreme Selbstvertrauen lebe ich nur im sportlichen Sinn aus. 

Playboy: Sie haben sehr jung sehr viel erreicht. Schlagen Ihnen Neid und Missgunst seitens anderer Spieler entgegen? 
Hummels: Gar nicht. Ich habe ja nur mit denen zu tun, die ich tagtäglich sehe, und die sind am Erfolg beteiligt. Aber auch Gegner gratulieren mir noch heute zum WM-Titel. 

Playboy: Wenn Sie noch einmal an die Weltmeisterschaft in Brasilien zurückdenken: Was war die stärkste Erfahrung, die Sie währenddessen gemacht haben? 
Hummels: Dieser unbändige Zusammenhalt der Mannschaft. Unser Teamgeist hat sich, vor allem gegenüber der EM 2012, deutlich entwickelt. Die ganze Mannschaft ist enger zusammengewachsen, und jeder Einzelne hat dem großen Ziel alles untergeordnet. Das beste Beispiel ist Bastian Schweinsteiger, der anfangs nicht immer in der Startelf stand und sich trotzdem für den Titel aufgeopfert hat. Dieses Mannschaftsgefühl war das Schönste, was ich je miterleben durfte.

Was der BVB-Kapitän noch zum Thema Anstand im Fußball zu sagen hat, welchen Spielern er warum keinen Respekt zollt, wie er sein Verhältnis zur Nationalelf bewertet und was er von Jürgen Klopp gelernt hat: Das Playboy-Interview mit Mats Hummels in voller Länge finden Sie in der neuen Ausgabe unserer jährlich erscheinenden Special Edition „HOW TO BE A PLAYBOY“ – hier bestellen.

Playboy dankt für die Vermittlung des Interviews der Shampoo-Marke Head & Shoulders, die für uns das Treffen mit Mats Hummels (Testimonial für Head & Shoulders Classic Clean) arrangiert hat

Autor: Moritz Aisslinger
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