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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Thomas Müller

… über Siege, Niederlagen und mehr

"Ich bemühe mich nicht, der Beliebteste zu sein"

Er ist der coolste Kicker Deutschlands, Spaßvogel, Laufmaschine, Torjäger - und Weltmeister: Thomas Müller über Siege und Niederlagen, die Schattenseiten des Ruhms und das Haifischbecken Fußball

Playboy: Herr Müller, Sie feiern neben all den Titeln gerade auch ein persönliches Jubiläum: Sie spielen nun seit exakt fünf Jahren mit auf der großen Bühne Weltfußball. Was ist die überraschendste Erkenntnis?
Müller: Die Extreme, zwischen denen wir uns bewegen. In diesen fünf Jahren habe ich so viele Höhe- und Tiefpunkte erlebt, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. dabei haben wir natürlich auch ungewöhnlich viele Trophäen errungen, was in dieser Form nicht zu erwarten war. 

Playboy: Sie haben in Ihren jungen Jahren fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. ein Titel mit dem FC Bayern ist mittlerweile Normalzustand. Ist es schwer, sich eingestehen zu müssen, dass man jetzt eigentlich nur noch verlieren kann? 
Müller: Ja, das ist absolut Fakt. Es fühlt sich schon komisch an. Es gibt in so einem Fußballerjahr mit Bayern München und der Nationalmannschaft nur noch wenige Spiele, die einen echten Gewinnzustand bringen. mit den meisten Siegen entspricht man schlicht der Erwartungshaltung; sie sind, wie Sie bereits sagten, Normalzustand. Diese Situation ist nicht ganz leicht, und ich bin gespannt, wie ich in den nächsten Jahren damit umgehen werde. 

Playboy: Haben Sie Angst vor dem Moment, in dem der Ehrgeiz erlischt, immer mehr zu wollen? 
Müller: Angst habe ich keine, doch die Gefahr besteht. Ich hoffe aber, dass dieser Moment noch lange auf sich warten lässt. könnte man es sich aussuchen, wäre es sicherlich schöner gewesen, diese ersten fünf Jahre meiner Karriere am Ende zu erleben. Um dann am Gipfel die Laufbahn zu beenden. Aber was will man machen? Ich stehe ja noch voll im Saft. da geht’s einfach darum, den Spaß am Fußball zu behalten – und den habe ich absolut. 

Playboy: Nach dem WM-Titel haben Sie und Ihre Teamkollegen endgültig Heldenstatus erlangt. Sie werden mehr vergöttert als verehrt. Schmeichelt Ihnen das, oder ist so viel Ruhm eher unheimlich? 
Müller: Es wirkt schon etwas gespenstisch – egal, wie oft man das miterlebt hat. Und ich habe da ja mittlerweile Erfahrung. Durch den Wm-Sieg haben wir tatsächlich noch mal eine neue Stufe erreicht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass das noch intensiver werden könnte. Aber wenn ich mich zurückerinnere an meine Zeit als Knirps: da klebten an den Wänden meines Zimmers auch die Poster der Helden von früher, und ich habe sie ebenso verehrt, wie kleine Jungs heutzutage mich gut finden. 

Playboy: Fußballer können an einem Tag in den Himmel gehoben und am nächsten Tag niedergemacht werden. Verlangt man hierzulande zu viel von Fußballern? 
Müller: Nein. Trotzdem hat sich die Medienlandschaft in den letzten zehn Jahren stark verändert. Alles verbreitet sich schneller, häufiger und leider manchmal auch extremer. Man hat den Eindruck, dass es manchen Leuten mehr Spaß macht, Personen scheitern als siegen zu sehen, und sie sich daraufhin rechtfertigen. Wir werden in den Himmel gehoben, vergöttert. Doch wenn wir straucheln, ist die Fallhöhe immens. 

"Ich fange nicht an, auf andere einzuprügeln"

Thomas Müller

Playboy: Was war der schmerzlichste Moment Ihrer Profikarriere? 
Müller: Die bitterste Zeit war sicherlich die zwischen Mai und Juli 2012, als wir das Champions-League-Finale in München verloren hatten und anschließend im Halbfinale der Europameisterschaft ausgeschieden sind. Das waren geballte negative Erlebnisse, die man in einer solchen Dramatik selten erlebt. Vor allem das Finale in München. Diese Phase war extrem bitter. Umso schöner war es, dass wir danach aus dieser Niederlage gestärkt hervorgegangen sind. 

Playboy: Wie machen einen solche Situationen stärker? 
Müller: Wir wussten, dass wir die Qualität haben, ein Champions-League-Finale zu gewinnen. Das hat man ja in München gesehen. Man denkt sich dann, vielleicht muss man noch mehr tun, vielleicht muss man noch gieriger sein. Beim FC Bayern wurden in der Folge ebenfalls ein paar Stellschrauben gedreht, Matthias Sammer kam dazu. Und auch unserem damaligen Trainer, Jupp Heynckes, merkte man den unbedingten Willen an. Wir hatten 2011/2012 ja keine schlechte Saison gespielt, landeten in allen Wettbewerben auf Platz zwei. Aber für Bayern-Verhältnisse reicht das eben nicht. Wir waren in allen Bereichen nah dran und haben daraufhin versucht, noch ein Stück näher am Erfolg zu sein. Dafür sind wir 2013 extrem belohnt worden. 

Playboy: Was kann man generell vom Fußball fürs Leben lernen? 
Müller: Vieles. Positive wie negative Situationen. Nehmen wir die WM in Brasilien. Dort haben wir intensiv erfahren, dass man als Team erfolgreich sein muss, um etwas zu reißen. Das ist im Berufsalltag und im privaten Bereich ähnlich. Ich muss meinen Kollegen, Freunden und meiner Partnerin vertrauen, muss auf sie bauen können und ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Klar möchte ich nicht mit jedem aus unserem 23-Mann- Kader meinen Lebensabend verbringen. Aber wenn es keine großen Reibereien gibt und man sich wenigstens bei der Sache vertraut, wird sich letztlich der Erfolg einstellen. 

Playboy: Ist es für den Erfolg wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen? 
Müller: In der WM-Vorbereitung hielt der frühere Ski-Rennfahrer Hermann Maier einen Vortrag über seine Karriere. Er erzählte, dass er sich bei nur zwei seiner knapp 60 Siege oben am Starthaus wirklich gut gefühlt habe. Damit zeigte er uns, dass man seinen inneren Schweinehund überwinden und auch an schlechten Tagen eine gute Performance abliefern kann. Und Abenteurer Mike Horn sagte uns, dass wir ruhig mal egoistisch sein dürfen; wir müssten nur kapieren, dass man um seines eigenen Erfolges willen mit dem anderen gut zusammenarbeiten muss, egal, ob ich den persönlich mag oder nicht. Solche Erkenntnisse kann man gut ins normale Leben übersetzen. 

Der Raumdeuter

Thomas Müller, geboren 1989, kam als Zehnjähriger zum FC Bayern. Unter Jürgen Klinsmann debütierte er 2008 bei den Profis. Doch erst bei Louis van Gaal wurde er Stammspieler. Und was für einer: In den folgenden drei Jahren lief er in allen 102 Bundesliga-Spielen auf. Warum? Weil er Räume deuten kann wie kein anderer. Bei der WM 2010 gewann er so die Torjägerkrone, 2014 schoss er Deutschland mit fünf Treffern zum WM-Titel.

Playboy: Wie sehr muss man denn Arschloch sein, um auf höchstem Niveau mithalten zu können? 
Müller: Der Weg nach oben ist immer steinig, und am Ende zählt nur die Leistung, egal, ob im Fußball oder in anderen Bereichen. Aber die Ellbogen müssen im Leben, genauso wie im Fußball, manchmal ausgefahren werden. 

Playboy: Wer gewinnt ein Fußballspiel – der Kopf oder der Körper? 
Müller: Der Glücklichere. Das ist wahrscheinlich eine Mischung. Aber es gibt Momente, in denen der Körper schon streikt und man sich durch mentale Stärke noch mal quälen kann, um über die Grenze hinauszugehen. 

Playboy: Wer Sie im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund und während der Weltmeisterschaft beobachtet hat, bekommt den Eindruck, dass bei Ihnen diese mentale Stärke besonders ausgeprägt ist. 
Müller: Nein, die ist bei uns allen vorhanden. Jeder Nationalspieler in Brasilien hat seine Grenzen überwunden und gekämpft, obwohl der Körper nicht mehr konnte. 

Playboy: Sind das die schönsten Momente in einem Fußballerleben: Grenzen zu überwinden und dafür belohnt zu werden? 
Müller: Auf jeden Fall. Das kennt ja jeder, selbst wenn er nur geradeausjoggt. Hat man am Ende das Gefühl, sich gerade ausgekotzt zu haben, breitet sich eine innere Zufriedenheit aus, die unheimlich glücklich macht. 

Playboy: Bitte bilanzieren Sie: das Fußballgeschäft – mehr Wohlfühloase oder Haifischbecken? 
Müller: Grundsätzlich ist es schon eher ein Haifischbecken. Weil die Struktur der Gesellschaft ja irgendwo verlangt, dass nur der überlebt, der Leistung bringt. Ich meine damit nicht, dass einen die anderen fressen. Es ist vielmehr so: Wenn man sich verletzt oder außer Form ist, rückt der Nächste nach. In der normalen Arbeitswelt ist das nicht anders. Man darf sich eben nur wenige Schwächephasen erlauben – in unserem schnelllebigen Fußballgeschäft vielleicht besonders wenige, um nicht durchs Raster zu fallen. Ansonsten wird von den Vereinen aber alles getan, damit man gut arbeiten kann. 

Playboy: Sie gelten als einer der beliebtesten Kicker Deutschlands. Empfinden Sie das ab und an als Bürde? 
Müller: Nein, ich bemühe mich ja nicht darum, einer der Beliebtesten zu sein. Selbstverständlich wird das Privatleben durch diese Fanliebe manchmal ein wenig gestört. Aber das ist nachvollziehbar, wenn mein Gesicht alle paar Tage in irgendeiner Zeitung auftaucht. 

Playboy: In welchen Momenten ist es schwer, der Thomas Müller zu sein, den alle sehen wollen, der Liebling der Nation? 
Müller: Selten. Wenn ich mit meiner Familie oder Freunden unterwegs bin und dann stürmt eine Horde Kinder auf mich zu und möchte Autogramme haben, bin ich allerdings im Zwiespalt: Denn eigentlich sehne ich mich nach Ruhe in meinem Privatleben. Aber sag das mal einem Zehnjährigen, der sich freut wie ein Schnitzel. 

Playboy: Wie sind Sie beim Disput mit Mitspielern – mehr Diplomat oder eher Rowdy? 
Müller: Ich bin ein relativ direkter Typ. Deshalb habe ich kein Problem, meinem Gegenüber die Meinung zu sagen, wenn mich etwas stört. Und dann kommt’s natürlich auch mal zu Konflikten. Aber ich fange nicht damit an, auf jemand anderen einzuprügeln. Meine Kampfmittel gehen übers Verbale nicht hinaus. 

Playboy: Ihr ehemaliger Trainer und Förderer Louis van Gaal griff da schon zu rabiateren Methoden. Bei einer Teambesprechung ließ er mal vor versammelter Mannschaft die Hosen runter. Der verstörendste Anblick Ihrer noch jungen Profikarriere? 
Müller: Ach, nein, das sah beim Louis auch nicht anders aus als in einem normalen Anatomiebuch. Das zeigt halt, dass er auch zu ungewöhnlichen Mitteln greift, um seine Botschaft rüberzubringen. 

Playboy: Lassen Sie uns zum Abschluss noch mal zu vorteilhafteren Ansichten kommen: Wenn Sie sich modisch einordnen müssten, wo wäre das – beim klassisch-stilvollen Pep Guardiola, beim experimentierfreudigen Jérôme Boateng oder beim schnörkellosen Philipp Lahm? 
Müller: Ich würde sagen: etwas fetziger als Philipp, aber nicht ganz so klassisch wie Pep. Generell kleide ich mich eher sportlich, manchmal auch elegant mit Anzug und Hemd. 

Playboy: Was geht bei Männern modisch gar nicht? 
Müller: Also, wenn ich in meine Mannschaft schaue, muss ich sagen: Irgendwo geht alles. Von der einen Schiene bis zur anderen. Wichtig ist, dass man auch verkörpert, was man trägt. Man muss dazu stehen. Wenn Jérôme beispielsweise wieder irgendetwas Verrücktes anhat, kaufe ich dem das auch ab. Der trägt das mit einer Inbrunst – das passt einfach. Wenn ich so etwas tragen würde, würden mich alle fragen, ob jetzt ganzjährig der Fasching ausgebrochen ist (lacht). 

Playboy dankt für die Vermittlung des Interviews der Rasierermarke Gillette, die uns das Treffen mit ihrem Testimonial Thomas Müller ermöglicht hat.

Autor: Moritz Aisslinger
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