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Gregory Porter

... über Football und deutschen Verehrerinnen

"Ich bin schon eher ein Fels in der Brandung"

Der hünenhafte Jazzsänger Gregory Porter über Football-Kämpfe, Rassismus und seine deutschen Verehrerinnen

 

Eigentlich wollte Gregory Porter Football-Profi werden, doch mit dem Jazz hatte er mehr Glück: „Liquid Spirit“, sein aktuelles und drittes Album, hat sich allein in Deutschland über 150.000-mal verkauft. An der Hamburger Reeperbahn scheint den 42-jährigen 2-Meter-Mann aus Brooklyn fast jeder zu kennen. Ständig drücken während des Interviews Passanten ihre Nasen an die Scheibe der Hotelbar, in der wir sitzen. Stört ihn nicht. Im Gegenteil. Für seine Tour-Termine in Deutschland (siehe nächste Seite) lässt das einiges erwarten. 

Playboy: Herr Porter, Sie sind urplötzlich gefragt wie kein Zweiter im Jazz. Sie spielen fast täglich, ein Fernsehtermin jagt den anderen. Aber hier sitzt ein ruhiger, entspannter Mann vor mir. Wie machen Sie das?                                                                                                                                                             Porter: Ich bin immer so. Das ist meine Natur. Ich sehe das alles philosophisch: Es kommt, wie es kommt. Früher hatte ich viele Ängste. Du wirst dir ein Bein brechen, dich verletzten, irgendwas geht schief, dachte ich. Heute weiß ich, man muss einfach durchs Leben gehen und immer sein Bestes geben. Ohne Stress. Das lernt man entweder, oder man fällt mächtig auf die Nase, und dann trinkt man eben ein Bier und versucht es noch mal. 

Playboy: In Ihren Songs heißt es, man brauche Lebenserfahrung, um zu singen. Wir dachten, es ist vor allem Übung und Routine? 
Porter: Leben Sie! Lieben Sie! Ein intensives Leben, auch Schmerzen, macht alles reicher, alles, was Sie tun und sind. Ich etwa bin zu alt für Pop, gerade richtig für Soul und eigentlich zu jung für Jazz. Das sagen mir viele Leute. Na und? Eine gewisse Würze kommt erst mit der Lebenserfahrung. Es gibt 18-jährige Genies. Aber denen fehlt etwas. Ich glaube, das habe ich, und das ändert alles.

Playboy: Ehrlich, diese Gelassenheit wirkt unheimlich. Bringt Sie auch mal irgendwas aus der Fassung? 
Porter: Aber ja doch. Wenn ich sehe, wie schwache Menschen mies behandelt werden, bricht eine Wut aus mir, die ich wirklich kontrollieren muss. Ich hab einmal gesehen, wie ein paar Rowdys ein Kind vom Fahrrad stießen. Ich hab die Angreifer so laut angebrüllt, dass ich ein paar Tage nicht singen konnte und Konzerte absagen musste. Aber ansonsten bin ich schon eher so ein Fels in der Brandung. Mein Bruder hat mich, als wir Kinder waren, immer in den Bauch geschlagen, nur aus Spaß, um zu testen, wie weit er gehen kann. Er brachte mich nie aus der Ruhe. 

"Ich bin zu alt für Pop, gerade richtig für Soul und eigentlich zu Jung für Jazz. Na und?"

Gregory Porter

Playboy: In Ihrer Biografie gibt es auch etwas sehr Trauriges, einer Ihrer Brüder wurde in den Achtzigern erschossen? 
Porter: Das ist seltsam – ich wurde danach schon ein paarmal gefragt. Es stimmt aber nicht. Er wurde in Kalifornien angeschossen, von weißen Rassenfanatikern, sie kamen im Auto und schossen einfach los. Er hat aber überlebt. Nur die Narben sieht man heute noch. 

Playboy: Heute haben die USA einen schwarzen Präsidenten. Hätten Sie damals geglaubt, dass das möglich ist? 
Porter: Früher? Nein. Ich selbst wurde oft angepöbelt, weil ich schwarz bin. Heute sehe ich das so: Es ist beschämend, was früher war. Und es ist wunderbar, wie weit wir davon heute weg sind. Mein Song „1960 What“ verarbeitet das alles. 

Playboy: „1960 What“ von Ihrer ersten Platte, ein Song über die Rassenunruhen der Sechziger, klingt wild und wütend. 
Porter: Oh ja. Ich singe Ihnen mal was von der neuen Platte vor: (singt in bester Barlautstärke) „Unreroute the river, let the damn water be. There’s some people down the way that’s thirsty, so let the liquid spirit free.“ Da ist Wut und Angst drin. Wen spreche ich denn da an, das Wasser freizulassen? Das Wasser ist ein Symbol. Ich meine die Kultur, die Energie, alle Kraft der Menschen. Ich verstecke meinen Protest in Liedern, die nur wie romantische Songs aussehen. Gleich bei meinem Haus in New York, nur ein paar Straßen weiter, leben Kids ohne Perspektive, das macht mich traurig. Auf manche mit 19 wartet der Tod in Brooklyn. Ich bin sehr politisch. Der Mindestlohn muss kommen, auch davon singe ich. Dass sogenannte illegale Einwanderer aus Afrika auf dem Weg nach Europa ertrinken, macht mich krank. Aber ich bin nach außen hin sanfter geworden. Mehr Liebe, weniger Feuer. Das ist mein neuer Weg. 

Playboy: Eigentlich wollten Sie Football-Profi werden. Ein weiter Weg von da zum Jazz, oder? 
Porter: Da war viel Schicksal im Spiel. Ich hatte ein Stipendium für Football, nur so konnte ich ans College. Dann habe ich mir auf dem Feld die Schulter verletzt. Ich habe weitergespielt und sie wieder verletzt. Ein ganzes Jahr brauchte ich, um zu begreifen, dass es aus ist. Wenn ich keine Schachtel heben kann, kein Fahrrad fahren, kann ich sicher keinen 300-Pfund-Kerl umhauen. Es war ein langer, schmerzhafter Prozess. Ich musste akzeptieren, dass meine Träume in Scherben liegen. Und dann erst durfte ich neues Glück in der Musik finden. 

Steile Karriere

Linebacker sind beim American Football die ganz harten Jungs. Während seiner Zeit am San Diego State College war Gregory Porter einer der härtesten. Heute sammelt der 1971 in Bakersfield/Kalifornien geborene 2-Meter-Mann mit seiner sanften Stimme als Jazz- und Soulsänger Erfolge. Gerade erst gab’s für sein Album „Liquid Spirit“ einen Grammy. Seit seinem Auftritt bei Max Herres „MTV Unplugged“ wächst seine Anhängerzahl in Deutschland schneller, als er touren kann.

Playboy: Hören die Football-Buddys heute manchmal bei Konzerten zu? 
Porter: Tiefe Freundschaften aus der Zeit habe ich nicht. Aber hin und wieder meldet sich einer aus dem Team. Die Jungs haben mich im College schon „Luther“ genannt, das war mein Spitzname. Weil ich den Sänger Luther Vandross so verehrte. 

Playboy: Wer sind sonst Ihre Einflüsse? Nat King Cole, das hört man, Frank Sinatra auch? 
Porter: Nat King Cole, oh ja. Ich liebe aber auch Sinatra, ganz zu schweigen von Sammy Davis Jr. Bing Crosby ist mir wichtig, er hatte diesen zurückgelehnten Stil. Aber Sinatra ist riesig. Egal, was man singen will, man sollte immer erst die Version von Sinatra anhören.

Playboy: Früher haben Sie Ihr Geld als Koch verdient, Sie haben in New York Suppe gekocht. Auch eine Kunst? 
Porter: Jeder kann der Welt etwas Schönes geben. Egal, ob mit Suppe oder mit Musik. Ich hab beim Kochen auch alles gegeben, genau wie jetzt. Ich fühle mich eigentlich sogar immer noch wie früher. Schon mit acht Jahren habe ich meiner Mutter und ihren Freundinnen vorgesungen. Eigentlich bin ich immer noch dieser Junge von damals. Einfach ein Junge, der das Singen liebt. 

Playboy: Hassen Sie das Publikum auch manchmal? 
Porter: Es gibt manchmal Leute im Publikum, die wollen sich nicht beeindrucken lassen und schauen bewusst arrogant zu mir rüber. Besonders seit ich so erfolgreich bin. Die setzen sich in die zweite Reihe und verschränken stur die Arme. Ich mag sie trotzdem. Sie haben alle eine Karte gekauft. 

Playboy: Die Deutschen lieben Gregory Porter ganz besonders. Überrascht Sie das? 
Porter: Deutschland ist mein größter Markt. Das ist verrückt. Ich gehe hier in eine kleine Bäckerei an der Ecke, und die 60-jährige Verkäuferin sagt etwas von „Sänger, Sänger“ – mehr Deutsch verstehe ich leider noch nicht. Und am gleichen Tag kommen in Hamburg-Sankt Pauli zwei umwerfende 20-jährige Mädchen auf mich zu und wollen ein Bild mit mir. Traumhaft, dass ich verschiedene Generationen erreiche. Ich liebe Deutschland dafür. 

Playboy: Apropos Mädchen. Sie waren doch Sportler, kriegen nicht immer die Sportler die Mädchen? 
Porter: Nicht unbedingt. Es ist ein bisschen wie mit der Musik. Gut zu sein, auffällig zu sein, all das reicht manchmal nicht. Man braucht Glück. Viele hervorragende Musiker scheitern. Mein Erfolgsrezept lautet: Tu, was du liebst, und hoffe das Beste. Wäre der Erfolg nicht gekommen, würde ich heute immer noch donnerstags in der Upper West Side in New York in dem kleinen Club „Smoke“ singen. 

Playboy: Sie fallen auch durch Ihren Stil auf. Wir haben bisher extra nicht nach der Mütze gefragt, weil das alle tun. Warum Sie die tragen, haben sie aber noch nie verraten. 
Porter: Das mit der Mütze kam irgendwann auf, sie hat keine Bedeutung, die wurde einfach mein Markenzeichen. Und ja, ich liebe Anzüge. Aber dass ich meist die gleichen Sachen trage, kommt eher zufällig. Schließlich bin ich ständig auf Tour, da hat man nur zwei Koffer bei sich.

Autor: Thomas Lindemann
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