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Christopher Lee

Bela B's Interview mit dem Filmbösewicht

"Ich glaube nicht an einen alten Mann mit einem langen weißen Bart"

Ein großer Schauspieler ist von uns gegangen: Christopher Lee ist im Alter von 93 Jahren gestorben. 2005 interviewte der netteste Punk Deutschlands den größten Filmbösewicht aller Zeiten für den Playboy: Ärzte-Sänger Bela B. und Christopher Lee über Heavy Metal, Boxkämpfe in der Playboy-Mansion — und den „Star Wars“-Film „Die Rache der Sith“

Bela B. ist als Sänger und Schlagzeuger der Ärzte zum Star geworden. Doch bei einem fühlt er sich ganz als Fan — bei seinem Lieblingsschauspieler Christopher Lee. Bela musste nicht lang überlegen, als wir ihn 2005 baten, Lee für uns zu interviewen. Zudem sich die Karrieren der beiden zu diesem Zeitpunkt gerade kreuzten: Bela B. brillierte immer öfter als Schauspieler (erst kurz vor dem Treffen drehte er mit Veronica Ferres und Til Schweiger), Christopher Lee entdeckte seine Liebe zur Rockmusik. 

Bela: Mr. Lee, Sie sind der Schauspieler mit den meisten Filmrollen aller Zeiten und haben in den wichtigsten Projekten der Kinogeschichte mitgewirkt, von „James Bond“ über „Der Herr der Ringe“ bis zu „Star Wars“. Wie kommt es, dass Sie mit 82 Jahren plötzlich auf einem Rockalbum mitsingen? 
Lee: Mein Management fragt mich immer: „Was willst du als Nächstes tun?“ Ich antworte dann: „Etwas, das ich noch nicht gemacht habe.“ Und sie sagen: „Da finden wir nichts.“ Aber die Platte, das war etwas Neues für mich. Die italienische Rockband Rhapsody suchte eigentlich nur einen Erzähler für ihr Album „Symphony of the Enchanted Lands II“. Im Studio sagte ich, dass ich auch gern singen würde. Sie waren etwas überrascht. Ich sang ihnen ein Trinklied aus der Oper „Othello“. Da merkten sie: Der Mann kann das. 

Bela: Und nun werden Sie am 23. Juli in Nürnberg-Geiselwind mit Rhapsody bei einem Open Air vor 50.000 Hardrock-Fans auftreten. Freuen Sie sich darauf? 
Lee: Sicher. Das ist eine andere Welt für mich. Man sagte mir, dass dort die wichtigsten Heavy-Metal-Bands spielen. Manowar zum Beispiel. Was mich bei Heavy Metal wundert: Fast alle Männer singen Sopran. Wie Frauen. Ich verstehe das nicht. 

Bela: Der Manowar-Bassist Joey DeMaio ist der Produzent von Rhapsody ... 
Lee: ... ja, und zwar einer, der sein Geschäft glänzend versteht. Joey hat übrigens auch die Karriere von Johnny Depp als Musiker beendet. 

Bela: Wie das? 
Lee: Ich bin mit Johnny sehr gut befreundet. Er ist mein Lieblingsschauspieler, ein unglaublich talentierter Bursche. Ich drehte neulich mit ihm und sagte irgendwann zu ihm: „Johnny, vor vielen Jahren war ich in Florida und ging ins ,Treehouse', wo eine Band namens The Kids spielte. Da war ein Typ, der spielte Gitarre und sang. Er war wirklich gut.“ Johnny — der Mann an der Gitarre — war fassungslos, dass ich angeblich sein Konzert gesehen hatte. Es war natürlich ein Scherz, ich wusste das nur von Joey DeMaio. Joey hatte nach dem Konzert zu Johnny gesagt: „Vergiss die Musik. Geh nach Hollywood und werde Schauspieler.“ 

Bela: Ein anderer Freund von Ihnen ist Playboy-Gründer Hugh Hefner, hört man. 
Lee: Ja, ich bin mit ihm seit mehr als 30 Jahren befreundet. Ich habe von 75 bis 85 in Los Angeles gelebt, fünf Minuten von der Mansion entfernt. Hef lud meine Frau und mich immer ein, um Boxkämpfe zu sehen. 

Bela: Das ist ja sein großes Hobby, mit Freunden und seinen Bunnys Filme anzuschauen. 
Lee: Ich habe nie mit den Mädchen gesprochen. Es waren immer fünf, sechs da, und sie haben nie ein Wort zu mir gesagt. 

Bela: Sie sind schließlich verheiratet. 
Lee: Das hat nichts damit zu tun. Andere Gäste, auch verheiratete, haben die Mädchen, wie soll ich sagen, sehr gut kennen gelernt. Hef ist immer ein großzügiger Gastgeber gewesen. 

Bela: Was gefiel Ihnen am besten bei Ihren Mansion-Besuchen? 
Lee: Es gab einen großen Moment für mich. Mitte der Siebziger traf ich zum ersten Mal Muhammad Ali in einem Hotel in Cleveland. Wir verstanden uns hervorragend. Ali fragte mich, ob ich seinen nächsten Kampf sehen werde. Ich sagte: „Ja, im Fernsehen“, weil ich wusste, ich würde in der Mansion sein. Das war ich dann auch. Hefner hatte Größen wie Boxweltmeister George Foreman eingeladen, Basketball-Legende Wilt Chamberlain, den Sänger James Brown. Der Kampf dauerte 15 Runden. Ali gewann. Im Ring bekam er ein Mikro und wurde gefragt, ob er eine Botschaft an seine Fans habe. Ali sagte: „Ich habe diesen Kampf für Christopher Lee gewonnen, der irgendwo da draußen vor dem Fernseher sitzt und mir zusieht.“ Als die Lichter in der Mansion angingen, sahen mich alle an, als ob ich ein Außerirdischer sei. So einen Moment kannst du nicht kaufen. „Wie hast du das gemacht?“, fragten sie mich. Ich antwortete: „Magie.“ 

Bela: Noch mal zu Ihrer Musik. Den Rhapsody-Song „The Magic of the Wizard's Dream“ singen Sie in vier Sprachen — in der deutschen Version nahezu ohne Akzent. 
Lee: Ich spreche einige Sprachen, Deutsch, Russisch, Französisch. Schon in der Steven-Spielberg-Komödie “1941“ habe ich einen Deutschen gespielt und ohne Synchronisation deutsch gesprochen. Ich kann noch jeden einzelnen Satz. 

Bela: Sagen Sie mal einen. 
Lee: (auf deutsch) „Sie sind wahnsinnig, Kapitän. Ihre Männer werden entdeckt. Ich schlage vor, Sie gehen in Ihre Heimat zurück und überlassen den amerikanischen Kontinent unserer überlegenen Reichsflotte.“ 

Bela: Was wussten Sie über Rockmusik, bevor Sie bei Rhapsody mitmachten? 
Lee: Nichts. Weder über Pop noch über Rock. Ich weiß, dass es die Rolling Stones gibt. Aber ich habe nie ein Lied von ihnen gehört. Die Beatles kannte ich alle persönlich. Aber ich kenne keines ihrer Lieder. Doch, eines. Dieses „Yeah, yeah, yeah, yeah“. 

Bela: Meinen Sie „She Loves You, yeah, yeah, yeah“? 
Lee: Das wird es wohl sein. Vor vielen Jahren hätte ich beinahe eine Platte mit David Bowie gemacht. Wir trafen uns, konnten uns aber nicht auf einen Song einigen. Meine tiefe Stimme hätte nicht zu seinem Stil gepasst. 

"Was Hopkins als Hannibal Lector gemacht hat, ist schlimmer als alles, was ich gespielt habe"

Christopher Lee

Bela: Stimmt es, dass Sie seit 50 Jahren jedes Jahr alle „Herr der Ringe“-Bücher lesen?
Lee: Ja, seit sie erschienen sind. Der erste Band kam 1954 heraus, glaube ich. Und seit damals wollte ich in einem „Herr der Ringe“-Film mitspielen. Das war mein großer Traum. Ich dachte nie, dass es passieren würde. Es war früher unvorstellbar, ohne Computertechnik. 

Bela: Es heißt, dass Sie der einzige Mensch am Filmset waren, der den Autor J.R.R. Tolkien persönlich kannte. 
Lee: Ich begegnete ihm tatsächlich ein einziges Mal, Ende der 50er-Jahre in einem Pub in Oxford, wo er Professor war. Er traf sich dort mit anderen Schriftstellern. Ich hatte gerade seine Bücher gelesen und bewunderte ihn sehr. Ich ging zu ihm hin und sagte: „Wie geht es Ihnen, Sir?“ Ich überlegte kurz, ob es angebracht sei, wenn ich vor ihm niederknie. Er schüttelte meine Hand, sagte auch: „Wie geht es Ihnen?“, und das war es. 

Bela: Sie verkörpern in den „Herr der Ringe“-Filmen den bösen Zauberer Saruman. War das Ihre Wunschrolle? 
Lee: Ich wollte immer Gandalf sein. Aber dafür war ich dann zu alt. Ian McKellen, der ihn gespielt hat, ist 17 Jahre jünger als ich. 

Bela: Waren Sie böse auf Regisseur Peter Jackson, dass er Sie, als der dritte Teil „Die Rückkehr des Königs“ ins Kino kam, herausgeschnitten hatte? 
Lee: Böse? Nein — ich war geschockt! Weil ich es nicht verstehen konnte und immer noch nicht kann. Nicht weil der Schauspieler Christopher Lee nicht zu sehen ist, aber wegen der Story! Du kannst dem Publikum doch nicht das Ende des größten Feindes vorenthalten. Als die Schnitte bekannt wurden, verursachte das eine Eruption bei den Fans. 

Bela: Ich habe das in Internet-Foren gelesen. Millionen beschwerten sich darüber. 
Lee: Und Zeitungen berichteten auf der ersten Seite: „Saruman ist nicht im dritten Teil!“ Ich erfuhr es nicht von Peter Jackson, sondern vom Produzenten. „Das meinst du nicht ernst“, sagte ich zu ihm. Er erklärte mir, dass sie entschieden hätten, es wäre falsch, mich im dritten Teil zu haben. Ich konnte es nicht glauben. Ich antwortete ihm nur: „Wenn ihr das gemacht habt, dann habt ihr das gemacht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Ich habe mich nie öffentlich dazu geäußert. 

Bela: Auf der Extended DVD ist Sarumans Ende zu sehen. 
Lee: Zum Glück. Das Ganze dauert sieben Minuten, das hätten sie auch leicht im Kino zeigen können. Wussten Sie, dass mehr Menschen die DVD gesehen haben als die Kinofassung? 

Bela: Ich habe das gehört. Haben Sie je mit Peter Jackson über das Ganze gesprochen? 
Lee: Er sagte mir: „Wenn wir Sarumans Ende dringehabt hätten, hätten die Kinobesucher denken können, dass der dritte Teil die Fortsetzung des zweiten ist.“ Ich antwortete: „Aber das ist er!“ Wir haben uns mittlerweile ausgesprochen. Es ist okay. 

Bela: Nun kommt der letzte Teil von „Star Wars“ ins Kino. Sie sind der böse Graf Dooku. Da hat Sie keiner rausgeschnitten, oder? 
Lee: Nicht, dass ich wüsste. Ich habe wieder einige Szenen mit dem Lichtschwert, und ich bin beim Fechten nicht gedoubelt worden. Nur beim Rennen. Aber zeigen Sie mir mal einen 82-Jährigen, der rennen kann. 

Bela: Eine Zeitung hat vermutet, Winston Churchill sei das Vorbild für den Jedi-Meister Yoda gewesen. Glauben Sie das? 
Lee: Und was war dann das Vorbild für meine Rolle? Stalin? Nein. „Dooku“ bedeutet auf Japanisch Gift. Ich bin mir sicher, dass George Lucas das wusste, als er den Namen erfand. 

Bela: Welche Rolle wollen Sie noch spielen? 
Lee: Es gibt nur noch eine: Don Quichotte. Er ist ein Träumer, genau wie ich einer bin. 

Bela: Und wer wäre Ihr Sancho Panza? 
Lee: Vielleicht Johnny Depp? Es gibt keine konkreten Pläne für diesen Film. Noch könnte ich ihn drehen. Aber ich merke, dass mich mein Alter limitiert. Nicht geistig, aber körperlich. 

Bela: Denken Sie darüber nach, in den Ruhestand zu gehen? 
Lee: Und was sollte ich da machen? Zu Hause rumsitzen? Das wäre kein großer Spaß für meine Frau. 

Bela: Stört es Sie, dass man Sie als Schauspieler vor allem als Bösewicht im Kopf hat? 
Lee: Anthony Hopkins hat einmal gesagt: Ich spiele keine Schurken. Ich spiele Menschen. Ein kluger Satz. Übrigens: Was Hopkins als Hannibal Lector gemacht hat, ist schlimmer als alles, was ich gespielt habe. 

Bela: Sehen Sie sich Horrorfilme heute noch an? 
Lee: Was in den letzten 20 Jahren gedreht wurde, ist schrecklich. Sie zeigen alles: Blut, entsetzliche Wunden, Folter. Ich hasse das. Ich habe so etwas nie mitgemacht. Explizite Gewalt verneint eine Regel des Genres: Das Wichtigste ist das, was du nicht siehst. Ich habe seit 30 Jahren in keinem solchen Film mehr mitgespielt. 

Bela: Fasziniert Sie das Böse? 
Lee: Das Böse nicht. Märchen interessieren mich und mythologische Geschichten aus aller Welt. Sie können mich alles über Odin und Wotan fragen oder über die Römer und Griechen. Ich weiß es. 

Bela: Bei Ihrem Interesse an Mythologie: Glauben Sie an Gott? 
Lee: Ich glaube nicht an einen alten Mann mit einem langen weißen Bart. Ich finde den berühmten Satz aus „Star Wars“ gut: „Möge die Macht mit dir sein.“ Ich glaube, dass es diese Macht gibt, eine Macht, die um uns ist und von der wir nichts wissen. Wir haben keine Ahnung, wie die Welt entstanden ist. Wissenschaftler sagen, es gab vor Millionen von Jahren eine Explosion im All, und später entstanden die Planeten und die Erde. Ich kann nicht in solchen Dimensionen denken. Millionen Jahre! In der Bibel steht geschrieben, dass jemand sagte: Es werde Licht! Stimmt das? Keiner kann die Antwort kennen, keiner. 

Bela: An was glauben Sie dann? 
Lee: Ich glaube, dass es einen Mann gab, der an Weihnachten geboren wurde. Joshua, Yeshua, Jesus, wie auch immer. Ich glaube, dass er ein Lehrer war. Ich glaube, dass er Männer hatte, die ihm folgten. Und ich glaube, dass er Nächstenliebe predigte. Er redete über Freiheit und Demokratie für alle. Auf eine Art war er der erste Kommunist. Nicht im Sinne des vergangenen Jahrhunderts, aber im Sinne der Idee, dass alle Menschen gleich sind vor Gott. 

Bela: Befolgen Sie seine Worte? 
Lee: Es gibt einen Satz von ihm, dem ich widerspreche: Wenn du geschlagen wirst, halte die andere Wange hin. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich habe das nie getan und werde es nie tun.

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