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Daniel Brühl

...über seinen Hollywood-Erfolg und Trucker-Humor

"Ich habe das Gefühl, es geht jetzt erst richtig los"

Vom braven deutschen Filmliebling zum charismatischen Hollywood-Star: Daniel Brühl übers Frechwerden, neue Freunde und seine Angst vor dem Marvel-Gefängnis

Lange Zeit war Daniel Brühl in Deutschland auf das Rollenfach des etwas schluffigen, sympathischen Schwiegersohns abonniert. Typ ambitionierter Gymnasialreferendar. Doch dann kam eine Rolle, die an seiner Harmlosigkeit kratzte: Im Rennfahrerdrama „Rush“ begeisterte er 2013 als grantelnder, gefürchteter Niki Lauda und wurde in Hollywood für den Golden Globe nominiert. Seither stehen internationale Regisseure bei ihm Schlange. Ein wenig Referendars-Aura umgibt den 36-Jährigen jedoch noch immer, wenn er statt Anzug Pullover und Chucks trägt und statt einem Sportwagen zu entsteigen in einem Salon des Berliner „Hotel de Rome“ zum Interview bittet. Nur dieser riesige Freddie-Mercury-Gedächtnisschnauzer mitten in seinem Gesicht irritiert ein wenig . . . 

Playboy: Herr Brühl, ist das etwa ein Hipster-Bart in Ihrem Gesicht?
Brühl: Nein! Der ist keine private Entscheidung, sondern für die Verfilmung des Fallada-Romans „Jeder stirbt für sich allein“, die ich gerade drehe und in der ich einen 30er-Jahre-Kommissar spiele. Zuerst habe ich mir beim Wandern im Urlaub in Chile einen Vollbart wachsen lassen, mit dem ich aussah wie ein Backpacker. Aber dann wollte der Regisseur alles bis auf diesen schicken Oberlippenbart abrasiert haben.

Playboy: Auch in „Die Augen des Engels“ (Kinostart: 21. Mai) haben Sie es nicht leicht: Da sehen wir Ihrer Figur anderthalb Stunden beim Scheitern zu. Ein Zustand, den Sie nachempfinden können?
Brühl: Auf jeden Fall. Ich bin nicht durch ganz so viele dunkle Täler gegangen wie dieser Thomas, den ich spiele, aber ich kenne solche Situationen - Schaffenskrisen oder auch private Krisen. Bei uns Männern ist das dann ja so, dass wir dieses Selbstmitleid gern zelebrieren, weil man sich ganz gut darin gefällt: mit Getränk und Zigarette am Fenster stehen, rausgucken. Da kann ich ein Lied von singen.

Playboy: Braucht ein Mann Krisen mehr als vollkommenes Glück, um im Leben voranzukommen?
Brühl: Unbedingt, man wäre ja ein wahnsinnig langweiliger, glatter Mensch, wenn man nichts durchlitten hätte. Für den kreativen Prozess sind Krisen nicht zu verachten. Als permanenten Zustand wünscht man sich das natürlich nicht, aber vollkommenes Glück ist eh so ein punktuelles, seltenes Gefühl. Ich selbst kann die Momente, wo wirklich alles andere ausgeblendet war, an zwei Händen abzählen.

Playboy: Der Film beruht auf der Geschichte der britischen Studentin Meredith Kercher, die 2007 im italienischen Perugia brutal ermordet wurde. Was ist es, das die Menschen über Jahre hinweg an diesem Fall fasziniert?
Brühl: Man fragt sich einfach, wie es in dieser heilen Halligalli-Studentenwelt zu so einem bizarren Mord kommen kann. Dann sieht man diese Bilder von diesem schönen Mädchen aus Amerika . . .

Playboy: . . . Amanda Knox.
Brühl: Und fragt sich: Wie kann sie das tun? Warum? Hat sie es überhaupt begangen? Es ist auch interessant, dass es trotz der ganzen Möglichkeiten zur Verbrechensaufklärung, die wir heute haben und die wir aus den ganzen CSI-Serien kennen, immer noch Morde gibt, die nicht aufgeklärt werden können. Man denkt sich: Das kann doch nicht wahr sein, irgendein Indiz werden sie schon finden, trotz der desaströsen Arbeit der italienischen Polizei. 

Playboy: Dieser Film ist nur eine von vielen internationalen Produktionen, in denen Sie in letzter Zeit mitgespielt haben an der Seite von berühmten Kollegen wie Helen Mirren, Philip Seymour Hoffman oder Benedict Cumberbatch. Wie groß ist der Druck, das alles zu vergeigen? 
Brühl: Das blende ich weitestgehend aus. Ich nehme dankbar an, was passiert, und habe einen ziemlichen Ehrgeiz, der auch nicht abbricht. Im Gegenteil: Ich habe das Gefühl, es geht jetzt erst richtig los. Aber man sollte jetzt auch nicht rumrennen und denken, man wäre der Größte. 

Playboy: Das klingt so unglaublich bescheiden. Gibt es bei Ihnen nicht Tage, an denen Sie morgens vor dem Spiegel stehen und sich fragen: „Wie unfassbar gut läuft das eigentlich bei mir gerade, und was bin ich für ein super Typ?“ 
Brühl: (lacht) Klar, gibt es diese Momente. Aber die Frage ist natürlich, wie man das äußert. Es ist immer sehr klug, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Das habe ich schon immer so gemacht, und Leute, die ich bewundere, halten das genauso.

Playboy: Der Türöffner für Ihre internationale Karriere war die Rolle des Niki Lauda in „Rush“. Was ist das Beste, das Sie diesem Film zu verdanken haben? 
Brühl: Die Erkenntnis, dass man sich als deutscher Schauspieler nicht verstecken muss, sondern ganz angstfrei mit amerikanischen Regisseuren arbeiten kann. Weil die so hochprofessionell sind, dass am Set eine sehr leichte, humorvolle, aber trotzdem fokussierte Stimmung herrscht. Das gefällt mir sehr. Aber ich hatte auch Glück mit meinen Kollegen. Zum Beispiel mit Bradley Cooper, mit dem ich schon nach zehn Minuten so bescheuert rumgealbert habe, dass alles zu spät war.

Playboy: Was verbindet Sie beide? 
Brühl: Wir hatten eine ganz innige Stimmung und haben Gespräche geführt, bei denen wir dachten, wir kennen uns schon ewig. Trotz der kulturellen Unterschiede sind es eben dieselben Themen, die man so als Mann hat. Eines Tages kam Bradley zum mir und sagte: „Buddy, das ist doch lustig, wie Jungs sich so ähneln können - obwohl ich aus einem Nest in den USA komme und du aus Deutschland.“

Der Rausch nach Rush

Nicht dass Brühls Karriere vorher ereignislos gewesen wäre: Filme wie "Goodbye Lenin" (2003), "Was nützt die Liebe in Gedanken" (2004) oder "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004) waren in Deutschland Kinoerfolge. Aber der ganz große internationale Durchbruch gelang ihm erst 2013 als Niki Lauda in "Rush".

Playboy: Welche war die am stärksten beeindruckende Begegnung der letzten Monate?
Brühl: Es gab da ein schönes Erlebnis mit Helen Mirren. Ich habe das, glaube ich, bisher noch niemandem erzählt, aber es macht mich als Mann sehr stolz - und wir sind ja hier bei einem Männermagazin. In einer Drehpause hat Helen an mir geschnuppert und mich gefragt, ob sie sich näher an mich ransetzen darf, ich würde so gut riechen. Ich meinte, okay, alles klar. Und dann kam sie noch ein Stückchen näher, noch ein Stückchen, bis sie mir schließlich in den Hals gebissen hat und sagte: „Thank you, oh, that was good!“ Danach wollte sie wissen, was für ein Parfüm das ist. 

Playboy: Was war es? 
Brühl: Yves Saint Laurent. Sie meinte, sie würde es für ihren Mann besorgen, aber sie hat die Befürchtung, dass es da nicht so lecker riechen wird. Die Leute um uns herum haben uns total perplex angeschaut, aber dieser Moment hat mich sehr geadelt, muss ich sagen. 

Playboy: Auch für „Die Augen des Engels“ standen Sie mit zwei tollen Frauen vor der Kamera: Kate Beckinsale und Supermodel Cara Delevingne. 
Brühl: Kate Beckinsale hat einen großartigen Trucker-Humor. Wenn sie mit einem klarkommt, tut sich da was auf, da kann man echt nur mit den Ohren schlackern. Zusammen mit Cara war die Kombination der Hammer, die haben echt Gas gegeben, die beiden englischen Frauen. Aber auch als Deutscher kommt man da mit seiner Gag-Power durch, wenn man sich Mühe gibt. 

Playboy: Mit welchen Pointen? 
Brühl: Mmmh, das kann jetzt nur nach hinten losgehen . . . nein, keine Beispiele. Ist alles zu heikel. 

Playboy: Ach kommen Sie, ein bisschen was Unkorrektes können Sie ruhig auch mal sagen - das letzte Gespräch, das wir beide miteinander geführt haben, war meinem Chef zu brav.
Brühl: Man kann heutzutage eben nichts mehr erzählen, ohne dass es einem um die Ohren gepfeffert wird. Das ist leider so.

Playboy: Ist das tatsächlich ein Problem, das mit der Zeit größer geworden ist?
Brühl: Ja. Alles wird so verwurstet und hält sich dann ewig im Netz. Es ist frustrierend, das dann ständig wieder zu korrigieren. Sie können Ihrem Chef sagen, ich wäre sehr gerne unbrav, aber ich habe damit blöde Erfahrungen gemacht. In ein paar Jahren, wenn ich nichts mehr zu verlieren habe und nur noch in meiner Tapas-Bar rumlungere, würde ich gern ein Buch schreiben über alles, was ich in den letzten Jahren erlebt habe. Da sind wahnsinnig tolle Geschichten dabei, gute Gags, schockierende Sachen. Aber ich kann nichts davon auch nur im Ansatz in einem Interview erzählen, so gern ich das tun würde.

Playboy: Dann verraten Sie uns wenigstens noch etwas über Ihr nächstes Großprojekt - mit der Marvel-Produktion „Captain America 3“ steigen Sie ins Superhelden-Genre ein . . .
Brühl: Ich kann mir das noch gar nicht richtig vorstellen. Es klingt riesig und wird riesig - von so einem Budget machen wir in Deutschland 20 Filme. Oder 200! Ich bin der Böse, aber ansonsten darf ich auch dazu wirklich nichts sagen, sonst lande ich im Marvel-Gefängnis. Und da komme ich nicht lebend raus, schätze ich.

Playboy: So streng?
Brühl: Ich musste zum ersten Mal mein Drehbuch immer im Safe absperren und hatte es sau-ungern an mir. Im Flugzeug habe ich mich draufgelegt und hatte panische Angst darum, wenn ich aufs Klo musste.

Playboy: Haben Sie Ihren Co-Star Robert Downey Jr. schon kennen gelernt?
Brühl: Nee, aber er hat was Nettes über mich gesagt, was mich sehr gefreut hat und mir geholfen hat, an die Rolle zu kommen.

Playboy: Was denn?
Brühl: „The kid is good.“

Autor: Mareike Opitz
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