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Ein Interview mit Harald Schmidt

... über deutsche Männer und Intimfrisuren

"Ich suchte Sex und fand fast nur Liebe"

Für alle, die ihn vermissen: Deutschlands klügster, fiesester und brillantester (Ex-)TV-Mann wird 60. Bei unserem letzten Interview zeigte er sich in Hochform. Harald Schmidt über deutsche Männer, zu allem bereite Frauen, seine Deutungsmacht als Late-Night-König und die Deutungsmacht des Playboy über Intimfrisuren

Das Interview erschien erstmals in Ausgabe 12 / 2013

Der VIP-Wing am Flughafen München, eine Art Privat-Terminal für die gediegenere Klientel. Große Bar, Lounge-Bereich, Besprechungsräume mit Namen wie „Suite Nymphenburg“ – ein guter Ort, um Harald Schmidt, 56, zu treffen. Denn an diesem Vormittag geht es hier ähnlich zu wie in seiner Late-Night-Show auf Sky: ein Talkmaster in bester Lästerlaune, kaum Publikum, alles sehr stilvoll und exklusiv. 

Playboy: Herr Schmidt, wie viele Zuschauer hatten Sie zuletzt? 
Schmidt: Keine Ahnung. Was ich gelesen habe, glaube ich, gar keine. Super Antwort, oder? Da hätten Sie jetzt so eine Entschuldigungsantwort erwartet, oder „Wir messen das nicht“ oder so was. Aber das ist für den Pöbel von ARD und ZDF. Die müssen solche Antworten geben. Wir im Elitezentrum von Sky denken in ganz anderen zukunftsweisenden Kategorien: Abonnenten, Verbreiterung der Basis und natürlich Qualität, Qualität, Qualität. 

Playboy: Weniger Zuschauer bedeutet ja: geringere Deutungshoheit. Vermissen Sie Ihre alte Relevanz als deutscher Letterman? 
Schmidt: Nein.

Playboy: Anders gefragt: Wie viel Spaß macht Lästern noch, wenn keiner zuhört? 
Schmidt: Das ist ja nicht der Fall, denn ich habe ja jeden Abend die Situation meines Studios. Die ist seit 18 Jahren dieselbe. Eine Theatersituation, die eben in unterschiedlichen Kanälen läuft. Und ich selber spüre keinen Unterschied, ob da zehn Millionen Zuschauer draußen sitzen oder zwei. 

Playboy: Aber Sie bekommen die Resonanz mit. Und wenn keine kommt . . . 
Schmidt: Falsch. Der Zuschauer reagiert mit einer Verzögerung von zehn Jahren. Das heißt: Ich fahre auf der Rolltreppe im Frankfurter Flughafen, da bittet mich ein Pilot um ein Autogramm und sagt: „Das war der Hammer, als Sie den Feuerstein als Bettvorleger benutzt haben.“ Das ist ein Sketch aus „Schmidteinander“-Zeiten, 500 Jahre her! Es ist ein Irrglaube zu denken, der Zuschauer reagiere auf das, was vor drei Tagen passiert ist. Meine Wahrnehmung als Fernsehfigur speist sich aus 30 Jahren: „Schmidt­einander“, „Verstehen Sie Spaß?“, „Traumschiff“ . . . Das hat nichts mit aktuellen Ereignissen zu tun. Ich wünschte, Sie könnten sehen, auf wen der Zuschauer reagiert, wenn aktuelle Megastars von ARD und ZDF mit mir übern Flughafen gehen. 

Playboy: Freuen Sie sich dann? 
Schmidt: Nein, dazu leiste ich ja keinen Beitrag, das ist einfach der Lauf der Wahrnehmung. Man darf nicht vergessen, ich habe in einer Zeit angefangen, da war die große Mediendiskussion: Hast du VHS oder Beta? Ein völlig anderes Medienzeitalter. Es gibt ja eigentlich nur noch zwei, die so lange wie ich dabei sind: Jauch und Gottschalk. Und die leben jetzt schon davon, dass sie sich gegenseitig stützen. Also zumindest Thommy. 

Playboy: Der Schmidt vor der Kamera und der hinter der Kamera: Gibt es da Unterschiede in der Haltung, mit der er Menschen begegnet? 
Schmidt: Nein, überhaupt nicht. 

Playboy: Können Sie diese Haltung beschreiben? 
Schmidt: Große negativistisch fundierte Lebensfreude. 

Playboy: Über wen oder was können Sie lachen? 
Schmidt: Ich lache natürlich nicht über sogenannte lustige Sendungen. Ich lache über Sendungen wie „37 Grad“. Ich lache über Sendungen, die „Menschen hautnah“ heißen. Ich lache über Menschen, die sich emotional hochkochen auf Grund von zwei Tagen Zugausfall in Mainz. Ich lache über das, was gemeinhin bezeichnet wird als „Menschen, die noch Dinge ernst nehmen“. 

Playboy: Sie nehmen Dinge nicht ernst? 
Schmidt: Es spielt keine Rolle, ob ich Dinge ernst nehme. Es passiert ja sowieso, oder es passiert nicht. Worüber hat man sich nicht alles aufgeregt: Nato-Doppelbeschluss, Atomkraftwerke, schmelzende Polkappen . . . 

Playboy: Waldsterben . . . 
Schmidt: Robbenschlachten, Tschernobyl, das Ozonloch. Ich freue mich natürlich, dass es Internet-Seiten gibt, wo ich umsonst alle 15 Minuten eine hysterische Schlagzeile abrufen kann, die ich dann abends verwerte. Aber das ist nichts, was mich tatsächlich beschäftigt. 

Playboy: Was beschäftigt Sie tatsächlich? 
Schmidt: Na, das Praktische. Alltag, Verdauung, Wagen tanken nicht vergessen, bevor man auf die Autobahn fährt. Urlaub planen fürs nächste Jahr. Wann trinke ich, dass es meinen Schlaf nicht beeinträchtigt? So was. 

Playboy: Sehen Sie einen würdigen Nachfolger von sich heranwachsen? 
Schmidt: Es wird keinen Nachfolger geben, weil es dieses Format nicht mehr geben wird. 

Playboy: Nach Ihnen stirbt Late Night in Deutschland aus? 
Schmidt: Mit Sicherheit, ja. Sie sehen ja, wo die Kollegen heute sind: Neo, Eins­Plus, Pipifax, ich weiß gar nicht, wie die Spartenkanäle alle heißen. Da kann sich ja nichts mehr durchsetzen. Der Trend geht heute in die Wiederbelebung von „Dalli Dalli“. Das ist, glaube ich, die Zukunft des deutschen Fernsehens. Und ob das jetzt Pflaume, Pilawa oder Opdenhövel macht, ist völlig egal. Da holt man einfach einen aus dem Schrank, der das passend aufsagt, und fertig ist das Format. 

"Ich gehöre zu den wenigen im modernen Deutschland, die beim Geschlechtsverkehr überhaupt noch auf eine Vagina angewiesen sind"

Harald Schmidt

Playboy: Sie haben mal gesagt, dass Sie vor allem deshalb ein Star werden wollten, um willkürlich auf Frauen zugreifen zu können. Ihr Fazit nach 30 Jahren Showbusiness: Funktioniert das? 
Schmidt: Selbstverständlich funktioniert das. Aber man merkt, dass es besser ist, wenn man nicht willkürlich zugreift. Frauen sind ja zu allem bereit, wenn sie einem überragenden Künstler gegenüberstehen. Aber nach einer gewissen Zeit merkt man einfach: Das ist ja höllisch anstrengend. Dann überlegt man sich, ob es nicht besser wäre, schwul zu sein. Aber das ist noch anstrengender. Und dann sagt man: Am besten hat es eigentlich doch so jemand wie Professor Ratzinger in den Griff bekommen, und nimmt sich das als Denkmodell. Das ist die Entwicklung, wie ich sie erlebt habe. 

Playboy: Der Ex-Papst als Vorbild für den Umgang mit Frauen? 
Schmidt: Ja. Vier Nonnen, die einen betütern und ansonsten in einem fantastischen römischen Bau in Ruhe lesen. 

Playboy: Als Mittfünfziger vielleicht interessant, aber mit 35? 
Schmidt: Es bleibt jedem offen, sich den Freuden hinzugeben, aber kommen Sie mir nicht in 20 Jahren, wenn Sie auf der Couch im Gästezimmer schlafen, weil Ihre Lebensgefährtin von einem Kollegen auf der Fanmeile der WM geschwängert wurde und Sie eine zweite Wohnung nicht bezahlen können. Was ich da gerade in Journalistenkreisen erlebt habe, schlimm. 

Playboy: Warum? 
Schmidt: Diese Diskrepanz aus hormonellem Druck und überschaubarem Einkommen treibt wirklich auch Edelfedern ins Gästezimmer. Ich kann keine Namen nennen, aber glauben Sie es mir einfach. 

Playboy: Gibt es willkürliche Zugriffe, die Sie bereut haben? 
Schmidt: Nein. Es war alles toll. Was für mich aber natürlich eine bittere Erfahrung war: Ich suchte Sex und fand fast nur Liebe. Aber da hat man sich dann halt darauf eingestellt im Laufe der Jahre. 

Playboy: Kann ein Mann eine Frau ins Bett spaßen? 
Schmidt: Nein. Also, dieser Satz: Frauen wollen lachen, das habe ich noch nie erlebt. Ich nehme an, bei mir war es einfach der Body. Und die Fähigkeit zuzuhören. Ich habe halt immer sehr schnell das Vertrauen der Frauen gewonnen, und sie hatten das Gefühl, nicht ausgenutzt zu werden. 

Playboy: Finden Sie Humor bei Frauen sexy? 
Schmidt: Kommt drauf an, ob da auch wirklich Humor vorhanden ist. Aber der Humor der Frauen unterscheidet sich dann von meinem wahrscheinlich doch. 

Playboy: Weil Ihrer ein eher männlicher Humor ist? 
Schmidt: Nein, aber meiner ist vielleicht vielen Frauen zu böse, zu schwarz. 

Playboy: Mit wem gucken Sie eigentlich am liebsten Fußball? 
Schmidt: Alleine. 

Playboy: Warum? 
Schmidt: Weil ich kein Geschwätz neben mir haben will und vor allem nicht so einen angetäuschten Enthusiasmus. Ich möchte auch nichts erklären. Wenn es geht, höre ich es auch ohne Reporter, nur mit Stadion-Ton. Moderatoren müssen ja permanent Spannung reinbringen. Das Spiel ist völlig anders, wenn Sie es nur mit Stadion-Ton gucken. 

Playboy: Guardiola oder Mourinho? 
Schmidt: Mourinho. Der ist mir sympathisch in seiner Art. 

Playboy: Sie sind ja auch so etwas wie der Mourinho des deutschen Fernsehens: gefürchtet, geachtet, respektiert – aber nicht so geliebt wie manch anderer. 
Schmidt: Das sind Kategorien, mit denen ich mich nicht beschäftige. Wer soll einen denn fürchten, achten, lieben? Ich habe immer schöne Momente, wenn mir nachts um zehn einer auf dem Bahnhof zuruft: Eh, Schmidtchen, Arschloch, ich guck dich nicht mehr! Den muss ich dann immer enttäuschen, wenn ich sage: Du auch nicht? Der denkt ja, er hätte mir was ganz Brutales an den Kopf geschmissen. Ich werde den ganzen Tag mit so vielen Meinungsäußerungen konfrontiert, wenn ich mir das alles reinziehen würde, käme ich zu nichts anderem mehr. 

Playboy: Was nervt an deutschen Männern am meisten? 
Schmidt: Ich mag den deutschen Mann. Er ist verunsichert. Vor allem der junge deutsche Mann Anfang 30 ist jetzt eigentlich die neue deutsche Frau: Vom Kinderspielplatz gar nicht mehr runterzukriegen, nimmt Elternzeit, möchte nicht mehr in leitende Positionen als Arzt, sondern mehr Quality-Time mit der Familie verbringen. Das gefällt mir sehr gut. Dann gefällt mir auch, wenn der deutsche Mann sich modisch kleidet. Das ist im Fußball auf den Haupttribünen gut zu sehen, häufig zu enge Höschen, zu braune Schuhe. Also ich mag den deutschen Mann sehr. Ich mag die Deutschen überhaupt. 

Playboy: Der Rest der Welt auch. Haben Sie eine Erklärung, warum uns jetzt auf einmal alle toll finden? 
Schmidt: Weil wir ein Volldampfvolk sind. Erst mit Volldampf rein in den Nationalsozialismus, dann mit Volldampf rein in den Wiederaufbau. Ist dieselbe Begeisterung. Immer Volldampf. Und ich glaube, man mag uns auch, weil wir im Grunde unsere Geschichte doch ziemlich aufgearbeitet haben. Und weil wir jetzt natürlich auch großzügig wirtschaften: Wir bauen tolle Autos, tolle Maschinen, haben tolle Ingenieure, und mit dem Geld, das wir dadurch verdienen, unterstützen wir großzügig Länder, die auf einem guten Weg dahin sind. Friedlich sind wir auch. Was will man mehr? 

Playboy: Sie sind ja selbst auch Unternehmer, haben Sie einen Leitsatz, dem Sie folgen? 
Schmidt: Ja, immer einen Euro mehr einnehmen als ausgeben. Den hat mir Eberhard von Brauchitsch – selig – noch auf dem 60. Geburtstag von Dr. Kohl mit­geteilt. 

Playboy: Ab welchem Kontostand ist das Leben entspannter? 
Schmidt: Das ist individuell. Wenn Sie ein Vollidiot sind, nutzen Ihnen auch 100 Millionen nichts. Gefährlich wird’s, wenn Sie so ein Milliönchen haben, dann geht der Ruin los. Wohnungskauf, Super-Kreditbedingungen, größeres Auto, Ferienhaus. Die Leute sollten kapieren, dass es nicht erstrebenswert ist, immer mehr zu haben. Das sind alles Belastungen, die Stress bedeuten. Ich habe noch kein Superhirn erlebt, das von mehr Geld redet. Die Superhirne sitzen alle in Harvard im Keller mit Pullunder und dicker Brille und gucken sich den ganzen Tag Ameisen an. Und den Rest sehen Sie auf der Wiesn. 

Playboy: Haben Sie jemals ein schlechtes Gewissen gehabt, weil Sie zu viel Geld verdient haben? 
Schmidt: Natürlich nicht. Was soll denn zu viel Geld sein? Ich bin ja nie mit einer Maschinenpistole unterwegs gewesen. Ich habe einfach gesagt: Ich kann Witze erzählen. Was kostet das? Eine Million DM pro Satz. Gut, zahlen wir. Was ist daran falsch? Das ist unser System. 

Playboy: Leute wie Bill Gates oder Warren Buffett spenden große Teile ihres Vermögens . . . 
Schmidt: Mag sein. Aber: schlechtes Gewissen? Da kommen wir in ganz hohe Gefilde. Ein schlechtes Gewissen zu haben ist unmoralisch. 

Playboy: Das müssen Sie erklären. 
Schmidt: Moralisch wäre es, sich so zu verhalten, dass Sie das schlechte Gewissen gar nicht haben müssen. Bingo! Aber das ist jetzt für Ihr Tittenmagazin wirklich zu kompliziert. 

Playboy: Sie unterschätzen unsere Leser. 
Schmidt: Ja, aber trotzdem. Haben Sie eigentlich nur noch rasierte Mösen im Blatt? Viele Theatergänger sind ja empört, weil sie nur noch rasierte Mösen sehen, wenn die Schauspielerinnen sich auf der Bühne ausziehen. Das haben mir wirklich seriöse Theatergänger schon gesagt. Man wünschte sich mal wieder so einen „Bär Royal“, wie Hugo Egon Balder das genannt hat. Oder haben Sie da keinen Einfluss? 

Playboy: Das ist tatsächlich der Geschmack der Frauen, die sich fotografieren lassen. 
Schmidt: Ach, man ist also dem Diktat . . . 

Playboy: Man ist Moden unterworfen. 
Schmidt: Der Playboy hat die Deutungshoheit verloren zu sagen: Hör mal zu, ich bring dich ins Blatt, aber komm mir nicht mit ner rasierten Möse! Wie leben Sie damit? Früher wäre so eine Muschi hochkant rausgeschmissen worden, wenn die da rasiert um die Ecke gekommen wäre. Heute muss man froh sein für jede, die noch blankzieht. In so eine Situation möchte ich nie kommen (lacht). 

Playboy: Was bevorzugen Sie: rasiert oder unrasiert? 
Schmidt: Ich möchte da niemanden mit meiner persönlichen Vorliebe, sagen wir, belehren. Ich gehöre ja zu den wenigen im modernen Deutschland, die beim Geschlechtsverkehr überhaupt noch auf eine Vagina angewiesen sind. 

Playboy: Ein schöner Satz. Aber man versteht ihn nicht. 
Schmidt: (lacht) Ja, aber der muss schon so kommen. 

Playboy: Bleiben wir beim Belehren: Sind Sie ein strenger Vater? 
Schmidt: Ja! 

Playboy: Warum? Woher kommt das? 
Schmidt: Ich möchte einfach nicht, dass meine Kinder so ein verwahrlostes Pack werden, das hinterher der Gesellschaft auf die Nerven geht. 

Playboy: Finden Ihre Kinder Sie eigentlich lustig? 
Schmidt: Ich glaube, dass meine Kinder froh sind über jeden Witz, den ich nicht mache, weil sie eh schon außerhalb damit konfrontiert werden, dass ich ja im Fernsehen als lustig angestellt bin. Da ist es wesentlich entspannender für eine Familie, wenn man sich zu Hause ein bisschen zurückhält. 

Playboy: Worauf legen Sie bei der Erziehung Ihrer Kinder Wert? 
Schmidt: Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit und im weitesten Sinn ein katholisches Weltbild. 

Playboy: Hat das katholische Weltbild Vorteile gegenüber dem protestantischen? 
Schmidt: Eindeutig. 

Playboy: Welche? 
Schmidt: Protestanten sind, ich zitiere einen Geistlichen aus der allerersten Reihe des Vatikans, morsches Holz. Ich wiederhole: morsches Holz. So wurde das gesagt (lacht). Und mit Protestanten kann man das machen, weil, die sind ja sozusagen Teil von uns. Mit vielen anderen Weltreligionen könnten Sie das nicht machen. Die haben nicht den Humor. Aber ich finde, wir Katholen und die kurzzeitig abgefallenen Brüder, wir sollten da schon ein bisschen zusammenarbeiten. 

Playboy: Gerade Töchter haben ja eine Phase, in der sie ihren Vater peinlich finden. Kennen Sie das von Ihrer älteren Tochter? 
Schmidt: Nein, noch nicht. Ich warte aber auch nicht mit Abercrombie & Fitch-Kapuzenpulli vor der Schule. Oder mit frechen Turnschuhen. Und ich gehe nicht bei der Party in die Garage und äußere mich zur Musik. 

Playboy: Sie mögen sowieso keine Partys. Warum eigentlich nicht? 
Schmidt: Doch. Ich gehe nur nicht gern hin. Aber ich freue mich für jeden, der eine Party macht. 

Playboy: Warum gehen Sie nicht gern hin? 
Schmidt: Gore Vidal hat gesagt: „Die zwei Gründe für Partys sind Sex oder Business. Beides suche ich nicht auf Partys, warum sollte ich also hingehen?“ 

Playboy: Wann haben Sie zum letzten Mal geweint? 
Schmidt: (verschluckt sich fast an seinem Wasser vor Lachen) Das weiß ich echt nicht. Es herrscht heute ja Weinzwang. Der größte bei Geburten, das ist die Beckmann-Doktrin. Auch als mein Vater gestorben ist, hat man nicht verstanden, dass ich den Schmerz, den man mir angeboten hat im Umfeld, nicht wollte. „Na? Schnief . . .“ – „Du, er war 90 und schwer krank, man kann nicht sagen, dass es überraschend war.“ Wahrscheinlich stört mich, dass es schon überall so eine Wein-Checkliste gibt, wie so eine Weinprobe, da ist so eine Art Emotions-Sommelier, der mir ständig sagt: Wein mal hier, wein mal da. Und es wird ja ständig dauernd geweint. 

Playboy: Wenn Sie ein Männerwochenende in der Toskana vor sich hätten . . . 
Schmidt: Nie in der Toskana, viel zu weit . . . 

Playboy: Wo dann? 
Schmidt: Irgendwo mit kurzen Anreise­wegen. Man braucht ja eigentlich nur eine Bar und Essen. Und Fernseher. 

Playboy: Und welche drei Männer? 
Schmidt: Drei kriege ich fast nicht zusammen. Wir hatten eine extrem lustige Männerwoche bei den Olympischen Spielen in Turin mit Fred Kogel und Waldi Hartmann. Also, es müsste eine berufliche Gemeinsamkeit vorhanden sein. Weil dieses Männerzeug, Fischen, Jagen oder so, das mache ich nicht. Und ich wüsste gar nicht, worüber ich sonst reden soll. 

Playboy: Als über den Beruf? 
Schmidt: Zu meinem Beruf gehört ja alles. Und ich will mir nicht von jemandem anhören, dass er ein Haus plant am Tegernsee . . . Es sei denn, er hat es in 30 Sekunden pointiert und fängt mit einer schönen Katastrophe beim Hausbau an. Aber mit den Kollegen, das sind schöne Runden. Ich habe erlebt, wie der frühere ARD-Programmdirektor bei der Nennung des Namens Jörg Pilawa einfach vom Stuhl fiel um zwei Uhr morgens. Das müssen Sie erst mal toppen. Und ansonsten gucke ich lieber Fußball-Konferenz. 15.30 Uhr, Stadion-Ton, Bingo. 

Playboy: Sie allein vorm Fernseher. 
Schmidt: Familie draußen im Garten. Und ich sage: Ich hol mal Getränke. 

Playboy: Muss man sich so den Rentner Schmidt vorstellen? Sie sagten mal, Sky sei Ihre letzte Station. 
Schmidt: Ich mache die Sendung, bis Sky sie einstellt. Von mir aus höre ich nicht auf. Ist mir zu anstrengend, mich zu entscheiden. Ich möchte, dass Sky sagt: Schluss, vielen Dank, war großartig. Und danach bin ich Lesender und Reisender. Mit leichter Börsenspekulationstätigkeit nebenher.

Autor: Philip Wolff
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