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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Pierce Brosnan

... über Abschiede und sexy Erdkundelehrerinnen

"Ich war immer ein Außenseiter"

2002 spielte er das letzte Mal die Rolle seines Lebens. Heute ist Pierce Brosnan über James Bond hinweg – und auf dem besten Weg zur Hollywood-Legende. Ein Gespräch über Abschiede, prügelnde Mönche und sexy Erdkundelehrerinnen

 

Er sieht mal wieder nach perfektem Gentleman aus, was nicht verwundert. Kein 007 war je so elegant wie Brosnan, stets frisch frisiert und fast ein wenig glatt. Der Händedruck des 63-Jährigen hingegen ist von der Festigkeit eines Alphamanns. Dazu passt, dass er beim Treffen im Berliner „Hotel de Rome“ erst mal seine PR-Betreuerin verscheucht, die aufpassten will, dass ihm keine unangenehmen Fragen gestellt werden. Aber Brosnan lässt sich nicht bevormunden: „Warum soll da jemand in der Ecke sitzen? Das lenkt mich bloß ab.“ Klare Ansage. Und nicht die letzte für heute. 

Playboy: Sie haben sich mit Ihrer Tragikomödie „A Long Way Down“ ein ziemlich heikles Thema ausgesucht. 
Brosnan: Oh ja, als ich heute in der Früh über meinen Cornflakes saß, dachte ich mir: „Meine Güte, Selbstmord, das wird aber toll, darüber im Interview zu sprechen.“ – Tod, Tod, Tod, die ganze Zeit werde ich mich darüber auslassen. 

Playboy: Betrachten Sie’s doch einfach als Therapiesitzung. 
Brosnan: Gute Idee. So spare ich mir noch das Geld für den Analytiker. 

Playboy: Brauchen Sie den? Zugegebenermaßen haben Sie privat etliche Todesfälle erlebt. Ihre erste Frau starb an Krebs und im Sommer 2013 auch Ihre Stieftochter. 
Brosnan: Ich habe zum Glück meinen Beruf und die Kunst. Ich habe wieder mit dem Malen angefangen, als meine verstorbene Frau im Endstadium ihrer Krankheit war. Mein ganzes Equipment lag unbenutzt im Schrank. Eines Nachts habe ich es spontan rausgeholt und losgelegt. Meine ganzen Emotionen kamen roh und unverhüllt heraus. Es war mein Weg, mich mit dieser tiefen Dunkelheit des nahenden Todes auseinanderzusetzen. 

Playboy: Von Kaiser Mark Aurel stammt das Zitat: „Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben.“ Würden Sie dem zustimmen? 
Brosnan: Absolut. Du sollst voller Mut, voller Großzügigkeit und Leidenschaft leben. Das versuche ich, für mich umzusetzen. Deshalb würde ich auch nicht auf den gleichen Gedanken wie mein Protagonist im Film kommen. Der ist voller Eitelkeiten und Selbsthass. Und als er auch noch ins Gefängnis muss, wird er mit dieser Erniedrigung nicht fertig. 

Playboy: In Ihrem Leben hatten Sie aber auch ganz schön zu knabbern. Sie wuchsen bei verschiedenen Pflegeeltern in Irland auf, weil Ihre Mutter in England eine Ausbildung machte. Als Sie mit elf Jahren dann zu ihr kamen, wurden Sie als Ire von Ihren Klassenkameraden getriezt. 
Brosnan: Aber ich habe es irgendwie geschafft, damit fertigzuwerden. Wenn du Hindernisse überwindest, dann gibt dir das eine neue Lust aufs Leben. So habe ich alles Mögliche erreicht. Zweimal bin ich eingewandert, erst von Irland nach England, dann von England nach Amerika. Ich habe auch keine gute Schulbildung, schon mit 16 bin ich abgegangen. Ich war immer ein Außenseiter. Aber das gab mir die Energie, um mich kreativ auszutoben. 

Playboy: Auch mit Frauen? 
Brosnan: Ein bisschen hat es schon gedauert. Als katholischer Schuljunge in Irland habe ich gelernt, mich für alle schlimmen Gedanken zu schämen. Ich war zerrissen zwischen Himmel und Hölle. Es war furchtbar, eine Perversion. Deshalb bin ich lange brav und unschuldig geblieben. Ich kann von Glück sagen, dass ich mit elf nach England gegangen bin. Dort habe ich dann meine Geografielehrerin entdeckt. Ach, ihr wunderbarer enger Bleistiftrock. Ich sehe immer noch vor meinem geistigen Auge, wie sie vor der Tafel stand. Nicht dass ich was mit ihr gehabt hätte. 

Playboy: Wer war denn das erste Mädchen, das Ihnen etwas bedeutete? 
Brosnan: Angela Grossmann – eine Deutsche, die mit mir zur Schule ging, kurz nachdem ich nach England gekommen war. Auch mit ihr lief nichts. Aber ich mochte sie – und sie mich auch. Sie war wirklich hübsch. Und als einer der Jungen, der mich piesackte, über sie herzog, verpasste ich ihm eine Tracht Prügel. Als Resultat bekam ich dann den Rohrstock unseres Direktors zu spüren. 

Playboy: War’s schlimm? 
Brosnan: Ich hatte eine dicke Haut, ich war ja die Schläge der katholischen Mönche gewohnt. Im Vergleich dazu war das in England gar nichts (lacht). 

Playboy: Können Sie wirklich darüber lachen? Manche Kinder werden von so viel physischer Gewalt gebrochen. 
Brosnan: Lesen Sie mal George Orwells Essay „Die Freuden der Kindheit“ über seine Erlebnisse in englischen Internaten. Diese Brutalität habe ich nicht erlebt. Bei mir gab es noch eine gewisse Romantik, ich lebte immerhin auf dem Land und im Kreis einer Familie. 

Playboy: Wurde Ihnen der katholische Glaube aus dem Leib geprügelt? 
Brosnan: Ich behalte den Glauben, mit dem ich geboren wurde. Ohne mein Christentum wäre ich verloren. Es hat mir gute Dienste geleistet, auch in den schweren Zeiten, in denen ich mit dem Verlust von geliebten Menschen zu kämpfen hatte. Aber ich habe letztlich ein ganzes Potpourri aus Glaubensrichtungen. Einmal war ich bei einer Veranstaltung mit dem Dalai Lama. Jemand fragte ihn, was seine Religion sei, und er meinte: „Liebenswürdigkeit, Güte.“ Dem kann ich mich nur anschließen. Tu Gutes, sei freundlich zu den Menschen, versuch, das Beste zu erreichen. 

"Um den neuen Bond habe ich lange Zeit einen Bogen gemacht"

Pierce Brosnan

Playboy: Aber Sie glauben schon an Gott? 
Brosnan: Ja. Ich denke, dass es eine höhere Macht gibt. Manchmal denke ich auch, da ist nichts. Ein letzter Atemzug, und das war’s. Kein Himmel, keine Hölle. Aber ich möchte das nicht glauben. Es muss da eine höhere Stufe des Bewusstseins geben. Diese Überzeugung verschafft mir inneren Frieden. Aber fragen Sie mich nicht, wie genau das aussieht. Ich bin kein großer Philosoph, so weit reicht mein intellektueller Horizont nicht. 

Playboy: Das heißt, Ihrer Ansicht nach ist es mit dem Tod nicht vorbei? 
Brosnan: Richtig. Denn ich kann die Menschen, die ich verloren habe, spüren. Manchmal habe ich das Gefühl, als würden sie mich leiten. So etwas lässt sich aber nicht rational erklären. 

Playboy: Und wenn es für Sie einmal so weit sein sollte . . . 
Brosnan: Dann habe ich hoffentlich den Mut, in Würde hinauszugehen. 

Playboy: Tun Sie etwas dafür, dass das nicht so schnell passiert? Machen Sie Check-ups? 
Brosnan: Auf jeden Fall. Da kommt immer der Moment, wo ich hinter mir das Schnalzen des Gummihandschuhs höre: „Oh, Herr Doktor, müssen wir wirklich so sehr in die Tiefe gehen?“ (lacht) Aber es ist wichtig, dass du dich um dich kümmerst. Ich habe Kinder, ich will schon eine Zeit lang weitermachen. Also treibe ich Sport. Wir leben in Kalifornien am Meer, da paddle ich mit meinem Boot. Ich gehe wandern, fahre Rad. 

Playboy: Und Sie haben hoffentlich auch noch Spaß mit Ihrer Frau. 
Brosnan: Natürlich. Wir sind immerhin schon 20 Jahre zusammen. Es ist ein Segen, dass sie Teil meines Lebens ist. Ich bin heute schon um sechs aufgestanden, um eine Stunde mit ihr zu telefonieren. 

Playboy: Sie ist nicht bei Ihnen? 
Brosnan: Nein, sie ist bei unseren Kindern. Sie hat mir immer die Freiheit gegeben, in die Welt davonzuziehen und mein Ding zu machen. 

Playboy: Gibt sie Ihnen auch die Freiheit, andere Frauen auszuprobieren? 
Brosnan: Nur vor der Kamera. Mit dieser Art von Seitensprung kommt sie klar – aber nur damit. 

Playboy: Wie ist es eigentlich mit Ihren Söhnen? Der eine ist 17, der andere 13. Die müssten längst das andere Geschlecht entdeckt haben . . . 
Brosnan: Oh ja, unser Haus füllt sich mit schönen jungen Mädchen. 

Playboy: Geben Sie Ihren Jungs Tipps fürs Liebesleben? 
Brosnan: Ich weiß nicht, ob sie damit viel anfangen können. Zum Glück kümmert sich meine Frau um solche Themen. Ich sage nur, dass sie aufpassen sollen. Wir wollen ja nicht, dass sie und die Mädchen in Schwierigkeiten geraten. Und sie sollen sich wie Gentlemen verhalten. 

Playboy: Gibt es Grund zur Sorge? 
Brosnan: Ich habe Angst, ja, denn die beiden können schon ganz schön dreist sein. Andererseits war ich das in dem Alter auch. Teilweise sind sie ein richtiges Spiegelbild von mir. Bis jetzt haben sie noch nichts Schlimmes angestellt. 

Playboy: Vielleicht sollten Sie einfach häufiger zu Hause sein und ihnen auf die Finger schauen. 
Brosnan: Das versuche ich auch – aber nicht um sie zu kontrollieren. Sie brauchen schon ihre Freiheiten. Ich will einfach bei meiner Familie sein, weil sie ohne Frage das Wichtigste in meinem Leben ist. Nichts sonst gibt mir solche Freude. 

Playboy: Was ist mit Ihren Filmen? 
Brosnan: Die kommen und gehen. Natürlich bereitet es mir großes Vergnügen, sie zu machen, ich liebe diesen Prozess, aber wenn einer fertig ist, dann ziehe ich weiter. Manche davon funktionieren, manche nicht. Ich hoffe natürlich Ersteres, aber von der Bedeutung lässt sich das mit meiner Familie nicht vergleichen. Wenn du so etwas Wunderbares mit 63 erleben kannst, dann willst du das genießen. 

Playboy: Aber genießen Sie nicht auch Ihren Status in der Medienwelt? Sind Sie wirklich von Eitelkeit frei? 
Brosnan: Es mag Zeiten gegeben haben, in denen ich es ein bisschen habe heraushängen lassen. In den Zeiten von „Remington Steele“ habe ich versucht, wie Cary Grant zu sein – das war mein Vorbild. Und prompt hatte ich damit Erfolg, landete auf den Titelseiten der Magazine und galt als „erotischster Mann“. Das war eine Stütze für mein Ego. Aber dafür bekam ich auch diverse Schläge ab. 

Playboy: Von wem? 
Brosnan: Von den Medien, von den Produzenten, die mir bestimmte Rollen nicht geben wollen. Und ich musste meinen Schwanz einziehen und ein bisschen Gewissenserforschung betreiben: Wie werde ich das Image, das ich geschaffen habe, und den Schauspielstil, für den ich bekannt bin, wieder los? 

Playboy: So gesehen müssten Sie froh gewesen sein, dass man Ihnen als Bond kündigte. 
Brosnan: Nun ja, die Rolle war schon ein starres Korsett, da kannst du nicht die ganze Energie zeigen, die in dir steckt. Über die Art und Weise, wie mein Einsatz beendet wurde, kann man diskutieren. Aber das fühlt sich jetzt so an, als wäre es in einer anderen Epoche gewesen. Und in jedem Fall war Bond ein Geschenk, von dem ich jetzt noch zehre. Das hat mich in die Stratosphäre des internationalen Kinos geschossen. Aber danach musste ich versuchen, mich weiterzuentwickeln und eine ganz neue Art von Filmen und Rollen auszuloten – so wie in „Long Way Down“. Hätte ich versucht, das Gleiche zu machen, dann wäre ich geliefert gewesen. 

Playboy: Was halten Sie denn eigentlich vom neuen James Bond? 
Brosnan: Ich muss dazu sagen, dass ich lange Zeit einen Bogen darum gemacht habe. Einmal wollte ich mich auf „Casino Royale“ einlassen. Da saß ich im Flieger, gut 11.000 Meter über dem Erdboden, und dachte mir: Das ist eine gute Distanz. Also schaltete ich den Film am Bordmonitor ein, aber nach wenigen Minuten brach er ab. Man reparierte das Ganze, aber dann war das Bild wieder weg. Beim dritten Versuch fror es dann bei einer Großaufnahme von Daniel (Craig, d. Red.) ein, und ich dachte mir: Lass es gut sein. Den nächsten Bond habe ich mir dann gar nicht angesehen. 

Playboy: Was war mit „Skyfall“? 
Brosnan: Da gab es kein Entkommen. Jeden Tag, wenn ich beim Dreh zu „Long Way Down“ das Hotel verließ, fuhr ein Bus mit einem Bild von Daniel vorbei. Wenn ich das Radio einschaltete, was kam? Adèle, „Skyfall“. Also sagte ich mir: Lass uns diesen Film jetzt anschauen. 

Playboy: Und? 
Brosnan: Er war brillant. Sam Mendes hat Bond auf ein ganz neues Niveau befördert. Und Daniel ist ein großartiger, engagierter Schauspieler, ein gewaltiges Energiebündel. 

Das ist Brosnan

1. Künstler: Den 1953 geborene Iren zog es mit 16 aufs Londoner Kunst-College. Noch heute ist die Malerei sein Hobby.
2. Feuerschlucker: Auf der Theaterschule belegte er den Kurs, um Frauen kennen zu lernen. Seine Skills zeigte er 1997 in der „Muppet Show“.
3. Tennessee-Williams-Liebling: Der Dramatiker wählte ihn 1976 persönlich für die britische Fassung seines Stücks „The Red Devil Battery Sign“ aus. Und dankte ihm per Telegramm.
4. Brutalster Bond: Laut einer Hochrechnung des „Economist“ tötete Brosnans James Bond von 1995 bis 2002 die meisten Widersacher.
5. Familienmann: Er ist in zweiter Ehe mit der Journalistin Keely Shaye Smith verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.

Playboy: Sie trauern dem Ganzen wirklich nicht hinterher? 
Brosnan: Absolut nicht. Bond trat zum perfekten Moment in mein Leben, und diese Phase ist abgeschlossen. Karrieremäßig ist das jetzt eine goldene Zeit für mich. Auf einen Film wie „Long Way Down“ bin ich sehr, sehr stolz. Ich habe ein erstaunliches Leben für einen Menschen, der mit 16 die Schule verließ – mit nichts als einer Mappe voller Zeichnungen und Bilder. 

Playboy: Wie sind Sie mit dieser Mappe denn überhaupt in der Schauspielerei gelandet? 
Brosnan: Das war das Ergebnis verschiedener Zufallsbegegnungen. Ich hatte mit einer Ausbildung als Illustrator begonnen, und dabei lernte ich Leute kennen, die mich zu einem Experimentaltheater brachten. Schließlich bekam ich dann ein Stipendium für eine professionelle Theaterschule. Ich wollte ja auch im Innersten Schauspieler werden. Ich wollte Clint Eastwood, Warren Beatty, Steve McQueen sein. Als ich James Bond sah, sagte ich mir: „Das wäre etwas für mich.“ Das waren Träume, ja. Aber ein Mann wird das, was er sich erträumt. 

Playboy: Aber jetzt wollen Sie ja lieber Zeit mit Ihrer Familie verbringen. Wie wäre es mit Ruhestand? 
Brosnan: Das wäre nichts. Was sollte ich dann machen? Ich brauche was zu tun. 

Playboy: Sie könnten ja malen. 
Brosnan: Das ist nur mein privates Vergnügen. Ich würde damit auch kein Geld verdienen. Ich verkaufe meine Bilder nicht – und wenn, dann nur für wohltätige Zwecke. Abgesehen davon hätte ich keine Lust, mich den Stiefeltritten der Kritik auszusetzen. Vom Film her weiß ich ja, wie brutal die mit dir umspringen. Und als bildender Künstler bist du noch empfindlicher. 

Playboy: Hätten Sie Talent zum Geschäftsmann? 
Brosnan: Absolut nicht, dafür habe ich nicht den Kopf. Ich brauche die Romantik des Lebens. Und die möchte ich jede Sekunde auskosten. Vor allem jetzt, da ich weiß, wie kostbar es ist. Wenn du es erlebst, wie jemand, der dir nahesteht, seinen letzten Atemzug tut – das ist eine so gewaltige Erfahrung. Mit diesem Wissen versuchst du weiterzugehen, Gutes zu tun und Gutes zu erleben. 

Playboy: Wäre das das passende Schlusswort für diese Therapiesitzung? 
Brosnan: Von mir aus gern. Aber offen gestanden, ich weiß schon gar nicht mehr, was ich alles gesagt habe.

Autor: Rüdiger Sturm
Video: Miss Juni 2017 Isabella Schulz
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