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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Vince Vaugn

...über schlechte Flirts und teure Handjobs

"Ich war nie ein Aufreißer!"

Die Riege der Hollywood-Schönlinge überragt er trotz seiner vielen Knallbumm-Komödien um Meilen - daran wird auch der nächste Film „Big Business“ nichts ändern. Vince Vaughn über erbärmliche Flirt-Strategen, gesundes Rauchverhalten, gutes Fernsehen und einen sehr teuren Handjob

Als unauffällige Erscheinung kann man Vince Vaughn nicht gerade bezeichnen. In einem schnieken blauen Anzug betritt der 1,90 Meter große Schauspieler eine Hotellobby in Hollywood, und fast alle Augen richten sich auf ihn. Es ist ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch: Nach mehreren So-lala-Filmen wie „Der Lieferheld“ und „Prakti.com“ sieht es danach aus, als stünde Vaughn mit 45 Jahren unmittelbar vor einem Comeback. Nicht unbedingt weil er ab dem 16. Juli mit einer weiteren Komödie namens „Big Business“ in den deutschen Kinos zu sehen ist. Sondern weil er neben Colin Farrell eine Hauptrolle in der zweiten Staffel der Krimiserie „True Detective“ übernommen hat (ab 21. Juni in der Originalfassung auf Sky). Eine ziemliche Sensation, die erste Staffel mit Woody Harrelson und Matthew McConaughey gehörte zu den besten Serien 2014 und war für diverse Emmys und Golden Globes nominiert. 

Playboy: Woody Harrelson und Matthew McConaughey haben die Messlatte sehr hoch gelegt mit der ersten Staffel von „True Detective“. Stehen Sie unter Druck?
Vaughn: Ehrlich gesagt, nein, weil Nic Pizzolatto ein fabelhafter Drehbuchautor ist und seine Geschichten so viel Power haben. Woody und Matthew haben in der ersten Staffel außergewöhnliche Arbeit geleistet. Aber diese Staffel ist komplett anders. Die Geschichte und ihre Figuren sind völlig neu. Gleich geblieben sind die lebendig gezeichneten Charaktere und die Qualität des Drehbuchs.

Playboy: „True Detective“, „Homeland“, „House of Cards“, „Game of Thrones“ - warum ist Fernsehen im Moment so viel interessanter als Kino?
Vaughn: Interessanter würde ich nicht sagen, aber das Fernsehen erlebt definitiv gerade ein Hoch. Es ist fast so, als hätten wir entdeckt, wie spannend es sein kann, eine Geschichte über einen längeren Zeitrahmen zu erzählen. In den 90ern gab es eine Welle von Independent-Filmen, die waren unkonventionell, riskant, mit Ecken und Kanten, und sie hatten gut gezeichnete erwachsene Charaktere. Das kann man mit einem großen Studiofilm nicht mehr so leicht machen. Wenn etwas nicht zu einem Franchise gemacht werden kann, das die Leute am Eröffnungswochenende massenweise in die Kinos holt, dann kriegst du deinen Film wahrscheinlich nicht hin.

Playboy: Wo liegt das Problem?
Vaughn: Studios sind riesige Konzerne und müssen ihren Aktionären jedes Quartal beweisen, wie profitabel sie sind. Es gibt da all die neuen Formen der Finanzierung und Verbreitung, die den Studios Muffensausen bereiten. Netflix, Amazon und andere Streaming-Dienste scheinen mehr Geduld zu haben, charakterbasierte Geschichten zu finanzieren. 

Playboy: Sie haben im Fernsehen angefangen, oder?
Vaughn: Eigentlich war der erste Job, für den ich bezahlt wurde, ein Industriefilm über Jugendthemen. Ein Freund erzählte mir, seine Mutter würde ihn zu einem Vorsprechen fahren. Ich hatte keine Ahnung, was ich mir darunter vorzustellen hatte, aber es klang cool, also fuhr ich mit. Der Casting-Direktor fragte mich, ob ich für die Rolle vorsprechen wollte, und das tat ich und bekam sie.
 

"Wir waren eine Clique, hingen gemeinsam ab, gingen in Bars, zogen in L. A. um die Häuser, sicherten unsere Autos je nach Gegend mit Lenkradsperren."

Vince Vaughn

Playboy: Wie ging es danach weiter?
Vaughn: Der nächste Schritt war, dass ich mir einen Agenten besorgte und begann, den Mist ernst zu nehmen. Ich belegte Improvisations- und Schauspielkurse und fing mit Live-Auftritten an, obwohl ich noch minderjährig war. Weil ich so groß war, fragte niemand nach meinem Alter. Als ich 18 wurde, flog ich nach Kalifornien, um Schauspieler zu werden.

Playboy: Sah Ihr Alltag damals ähnlich aus wie in „Swingers“, der Komödie von 1996, in der Sie ein Möchtegern-Schauspieler sind? Vorsprechen, Girls, Videospiele?
Vaughn: Oft war es so, ja, aber glamourös war es definitiv nicht. Das waren die frühen Jahre, wo du nicht zurückgerufen wirst, dich als Schauspieler ungewollt fühlst. Wenn du dich mit deinem Beruf identifizierst, kann das ziemlich schrecklich sein. Aber, ja, wir waren eine Clique, hingen gemeinsam ab, gingen in Bars, zogen in L. A. um die Häuser, sicherten unsere Autos je nach Gegend mit Lenkradsperren. Dann fuhren wir heim und spielten Videospiele. Alles, was man in „Swingers“ sieht, war sehr authentisch.

Playboy: Haben sich die Frauen Ihnen nach diesem Kinoerfolg an den Hals geworfen?
Vaughn: Ich hatte immer schon viel Spaß mit Mädchen, auch vorher. Allerdings war ich ein Spätzünder und konnte erst gegen Ende der High School allmählich beim anderen Geschlecht landen. Ich glaube, meine Jungfräulichkeit verlor ich mit 17, vielleicht auch 19. Irgendwann hatte ich es dann drauf. Aber ich war nie einer, der jede Nacht eine Neue im Bett haben musste. Das war nicht mein Ding.

Playboy: Was war Ihr Ding?
Vaughn: Es fiel mir immer leicht, Witze zu machen und mich gut mit Frauen zu unterhalten. Ich bin ausgegangen, um Spaß zu haben, zu reden, Leute zu treffen und zu tanzen. Aber ich war nie ein Aufreißer. Ich habe zwei ältere Schwestern und mich deshalb in Gesellschaft von Frauen schon immer wohlgefühlt und sie respektiert.

Playboy: Fehlt der Respekt im Umgang mit Frauen heute?
Vaughn: Mit Frauen Spielchen zu treiben, das ist fast zu so etwas wie einer „dark art“ geworden. Nach dem Motto, wenn du sie nicht kleinmachst und keine Psychotricks anwendest, kommst du nicht ans Ziel. Ich behaupte, das Gegenteil ist der Fall. Wenn du eine Frau erniedrigst oder dich über sie lustig machst, damit sie verunsichert genug ist, um sich mit dir zu verabreden, pisst du dir im Grunde genommen selbst ans Bein. Seien wir ehrlich, wenn du gecoacht werden musst oder bestimmte Techniken brauchst, um eine Frau rumzukriegen, kommt das als unehrlich rüber, und am Ende bist du wahrscheinlich unglücklich oder allein.

Playboy: Sie hatten eine Affäre mit Jennifer Aniston, über die Sie nie viel gesprochen haben. Was können Sie heute über diese Beziehung sagen?
Vaughn: Jennifer ist toll. Mir persönlich - und ich denke, das trifft auf die meisten Beziehungen zwischen bekannten Schauspielern zu - ging der Paparazzi-Aspekt gegen den Strich. Du magst jemanden und verbringst Zeit mit dieser Person. Und das war auch toll. Aber ich habe einen Großteil dieser Zeit darauf verwendet, Wege zu finden, nicht in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Ich denke, dass ich mich bedeckt hielt und mich nicht groß äußerte, hat mir später geholfen, weil ich dadurch nie zum Anhängsel wurde.

"Die Ehe ist das Härteste, was du überhaupt machen kannst"

Vince Vaughn

Playboy: Heute sind Sie ein verheirateter Mann und haben zwei Kinder.
Vaughn: Ich habe gewartet, bis ich etwas älter war (bei der Hochzeit war er 39, d. Red.), und bin froh darüber. Vorher war ich einfach nicht reif genug. Die Ehe ist eine fantastische Sache und zugleich das Härteste, was du überhaupt machen kannst. Man muss sie wirklich wollen und an ihr arbeiten. Ich war in einem Alter, in dem ich die Idee spannend fand. Ich wollte Kinder und eine Familie. Nur halt noch nicht mit 30. Sie wissen, wie das ist: Man ist es gewohnt, Entscheidungen selbst zu treffen. Plötzlich trifft man diese Entscheidungen mit einer anderen Person zusammen. Eine völlig andere Geschichte.

Playboy: Vor zwei Jahren, als Sie in „Prakti.com“ einen von zwei Verkäufern alter Schule spielten, die sich einen Praktikumsplatz bei Google angelten, sagten Sie, Sie wären wohl der letzte Kerl auf der Welt, der noch kein Smartphone besitzt. Hat sich das inzwischen geändert?
Vaughn: Ja, inzwischen kenne ich mich ziemlich gut damit aus. Ich denke, mir gefiel das Gefühl nicht, ständig angerufen werden zu können. Ich mochte es, Zeit für andere Dinge zu haben und zwischendurch mal nicht erreichbar zu sein. Manchmal vermisse ich dieses Gefühl. Aber wie bei allen technologischen Errungenschaften frage ich mich heute, wie wir je ohne sie leben konnten.

Playboy: Ihr neuer Kinofilm „Big Business“ ist eine weitere Komödie, die in der Arbeitswelt spielt. Drei Männer werden auf einer Geschäftsreise in Europa mit unerwarteten Situationen konfrontiert, zum Beispiel mit einem ungeplanten Besuch einer Fetisch-Messe . . .
Vaughn: Ja, wir geraten definitiv in eine Menge Scherereien. Ich spiele einen Kleinunternehmer mit Frau und Kindern. Er will unbedingt diesen Deal unter Dach und Fach bringen, weil viel auf dem Spiel steht für ihn, und danach wieder nach Hause. Aber dann laufen die Dinge auf verrückte Weise aus dem Ruder, die Fetisch-Messe ist nur ein Beispiel. Wir drehten in Berlin, was dem Film eine ungewöhnliche Kulisse gibt. Eine intensive Stadt, architektonisch und auch sonst.

Playboy: „Die Hochzeits-Crasher“ aus dem Jahr 2005 hat von all Ihren Komödien das meiste Geld eingespielt, über 200 Millionen Dollar weltweit - der wahrscheinlich bestbezahlte Handjob unter einem Banketttisch, den es je gab . . .
Vaughn: Ja, oder? Der Film ist eine Situationskomödie für Erwachsene. Ich denke, er war deshalb so erfolgreich, weil er zeigt, wie wir Männer miteinander reden - die derben Sprüche, der anzügliche Ton, die Zoten. Die Zusammenarbeit mit Owen Wilson war ein Riesenspaß, wir konnten da wirklich die Sau rauslassen. Das muss man manchmal in einem Film. Auf die Zuschauer wirkt es befreiend, wenn auf der Leinwand Dinge gesagt werden, die sie zwar denken, sich aber nicht zu sagen trauen.

Playboy: Was stellen Sie eigentlich mit all dem Geld an, das Sie als Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent in den letzten Jahren verdient haben? 
Vaughn: Ich habe angefangen, Immobilien zu kaufen. Ein paar Häuser hier und da. Ich habe ein Stück Land zum Verpachten gekauft. Ich habe Agrarland in Illinois gekauft.

Playboy: Steigen Sie manchmal selbst auf den Traktor?
Vaughn: Ich verpachte den Grund an einen Farmer. Mein Großvater hatte eine Molkerei. Meine Frau wuchs auf einer Farm in Kanada auf. Ich überlasse dem Pächter, was er mit dem Land macht. Vom Immobilienstandpunkt her, denke ich, macht Agrarland Sinn. Das wird auch in Zukunft gebraucht. Schließlich müssen wir alle essen. 

Playboy: Investieren Sie auch in Aktien?
Vaughn: Mein Vater hat mir ein bisschen dabei geholfen, aber ich bin niemand, der sich die Zeit nimmt, sich eingehend genug zu informieren, um zu wissen, was er kaufen und verkaufen sollte. Aber ich weiß, dass der Wert des Geldes mit der Zeit sinkt. Das ganze System ist künstlich aufgepumpt. Es entsteht ein Zyklus, der unabwendbar in die Krise führt und in dem viele Leute viel verlieren. Helfe ihnen Gott.

Playboy: Sind Sie gläubig?
Vaughn: Ja, bin ich. Ich glaube an Gott. Ich folge keinem Dogma und keiner Religion, aber meine Familie ist halb katholisch, halb protestantisch. Meine Großmutter war tief katholisch und eine großartige Frau, die viel Wahrheit in ihrem Glauben fand. Ich persönlich hinterfrage in Bezug auf die Kirche so einiges, was teilweise damit zu tun hat, wie sie geführt wird. Ich habe ein Problem damit, dass eine einzige Person - der Papst - entscheidet, so ist es, und so ist es nicht.

Playboy: Wie waren Sie eigentlich als Kind?
Vaughn: Als Kind war ich oft hyperaktiv und unkonzentriert, wurde mir gesagt. In der heutigen Zeit würden sie mir wahrscheinlich Medikamente geben. Dankenswerterweise lehnten meine Eltern das ab. Es ist doch ein bisschen so, als raubte man einer Person die Seele, wenn man sie auf Medikamente setzt, weil sie nicht in die Norm passt. Meine Eltern waren beide berufstätig, sodass ich immer mit irgendwas beschäftigt war. Das war in den 70ern, als noch nicht sehr viele Mütter berufstätig waren. Meine Mutter hatte verschiedene Jobs, Maklerin war einer davon. Mein Dad war wohl der Erste in seiner Familie, der das College besucht hat. Ich war nie auf dem College. In dem Alter fehlte mir die Aufmerksamkeitsspanne, um zu studieren und mich auf Dinge zu konzentrieren, für die ich mich nicht wahnsinnig interessierte. Die Schauspielerei war einfach meine Leidenschaft. Und die verschiedenen Sportteams in Chicago. Das waren meine zwei Steckenpferde als Jugendlicher.

Playboy: Sie sind noch immer ein Fan der Chicagoer Sportteams. Im Wrigley-Field-Stadion (Baseball, d. Red.) haben Sie „Take Me Out To The Ball Game“ gesungen und den ersten Pitch geworfen. Für die Blackhawks (Eishockey, d. Red.) haben Sie ein Saisonticket.
Vaughn: Man wünscht sich eben, dass die Teams, mit denen man aufgewachsen ist, erfolgreich spielen. Diesen Teams zuzusehen hat mir persönlich ein paar meiner größten Highs beschert.

Playboy: Apropos high, gab es je eine Phase, in der Sie Drogen genommen haben?
Vaughn: Nein, nie. Ich trinke gern einen, aber Drogen haben mich nie gereizt. Wenn überhaupt, waren Zigaretten meine Sucht. Vor sieben Jahren habe ich aufgehört, was unglaublich hart war. Hin und wieder rauche ich eine Zigarre, aber was Zigaretten betrifft, bin ich - aus welchem Grund auch immer - mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo ich eine rauchen kann oder auch nicht. Teilweise lag es auch daran, dass man am Set aus Langeweile raucht und sich einfach daran gewöhnt.

Playboy: Es gibt Sie schon so lange, dass manche Schauspieler wie Miles Teller, der demnächst in „Fantastic Four“ zu sehen ist, als „junger Vince Vaughn“ bezeichnet werden. Ist es schwer, öffentlich zu altern?
Vaughn: Lassen Sie mich eine lustige Geschichte erzählen. Ich war nie übermäßig fit. Früher war ich fitter, aber heute, wo ich älter bin, schlägt oft mein Hang zur Faulheit durch. Ich habe nie übertriebenen Wert auf mein Äußeres gelegt, nie geglaubt, dass ich einen bestimmten Look haben oder diese oder jene Klamotten tragen muss, wenn ich ausgehe. Das war einfach nicht meine Priorität. Wenn ein Foto von mir veröffentlicht wird, wie ich im Stadion einen Hot Dog futterte, war mir das egal. Doch dann fiel mir vor ungefähr drei Jahren auf, dass meine Haare anfingen, grau zu werden. Und das hat mich aus irgendeinem Grund fertig gemacht.

Playboy: Warum?
Vaughn: In gewisser Weise hatte ich mich all die Jahre weiter als jungen Kerl gesehen. Klar bin ich keine 19 mehr, aber in mir steckt noch eine Menge Leben. „Bloß keine grauen Haare“, dachte ich. Ich rief meine Mutter an, die früher Kosmetikerin war, und sie sagte, es gäbe da ein Produkt, das sollte ich mir in die Haare tun, und sie würden ganz natürlich wieder ihre normale Farbe annehmen. Ich habe von Natur aus schwarze, dunkle Haare. Ich sagte: „Super, wird besorgt.“ Nun, danach sah ich aus wie Adam Ant. Meine Haare waren neonlila. Ich musste Interviews für einen Film geben und deshalb ganz schnell einen guten Friseur in New York finden. Danach habe ich nichts mehr mit meinen Haaren gemacht.

Playboy: Was gibt es noch abzuhaken auf der To-do-Liste Ihres Lebens?
Vaughn: Im Job versuche ich grundsätzlich, neue Dinge zu tun. Ich denke immer darüber nach, welche Sachen mir eine gewisse Herausforderung bringen würden. Im Privatleben wäre es schön zu reisen. Ich habe an vielen Orten der Welt gedreht, aber nie richtig Urlaub gemacht, weil ich immer nervös war, die Stadt zu verlassen und auf eine mögliche Rolle zu verzichten. In Afrika war ich noch nie. Ich möchte die Kinder mitnehmen, damit sie die Welt sehen. Wir wissen nicht, was passieren wird in unserem Leben, und ich will nichts bereuen müssen. Obwohl ich ehrlich gesagt finde, dass ich schon sehr viel erlebt habe. Ich kann mich nicht beschweren.

Autor: David Hochman
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