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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Benno Fürmann

... über das Älterwerden und die Lust am Rausch

"Kennste den mit dem Papagei?"

Benno Fürmann im Playboy-Interview über das Älterwerden, die Lust am Rausch und warum man dem Tod am besten mit Humor begegnet

 

Playboy: Herr Fürmann, Johnny Depp, Brad Pitt und Til Schweiger sind jetzt 50 Jahre alt... 
Fürmann: Wo führt diese Frage hin? 

Playboy: Die Frage wäre gewesen: Wie fühlt es sich an, Jungschauspieler zu sein? Sie merken, es soll hier ums Älterwerden gehen. 
Fürmann: Ich mache mir darüber in letzter Zeit verstärkt Gedanken, weil ich das auch so langsam merke.

Playboy: Und zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen? 
Fürmann: Über ein paar Haare, die mir ausfallen und dort grau werden, wo sie nicht ausfallen, kann ich noch schmunzeln. Das gefällt mir sogar. Nur die Vollglatze kann meinetwegen noch ein bisschen warten. Der zweite Meniskusriss, der dann doch vom Verschleiß eines in die Jahre gekommenen Körpers zeugt, gefällt mir weniger. 

Playboy: Graue Haare mögen, ist das nicht auch bloß Koketterie? 
Fürmann: Aber in meinem Fall berechtigt. 

Playboy: Ihr Geheimnis, warum Sie trotzdem mit Ihren 41 problemlos einen 30-Jährigen spielen könnten? 
Fürmann: Mein vitaler, schleichender, fast katzenhafter Gang. 

Playboy: Sie haben mal gesagt, dass Sie gern älter werden. Was mögen Sie daran? 
Fürmann: Ich bin sanfter geworden. Ich habe eine tiefere Entspanntheit mit mir. Männlichkeit hat für mich auch mit Verlässlichkeit zu tun, mit diesem Ankommen bei sich selbst. Wenn dieses klassische Silvesterverhalten aufhört, wo du auf acht Partys gehst, und keine ist so richtig geil, weil du nirgends wirklich anwesend bist. Ich bin jetzt anwesend. 

Playboy: Dieses Gefühl des Ankommens, wann hat das angefangen? 
Fürmann: Ich glaube, das kommt schleichend. Da gibt es kein bestimmtes Erlebnis. Aber das Kind, meine Tochter ist jetzt elf Jahre alt, ist natürlich ein ganz wichtiger Anker. Es geht im Leben ja immer um Selbsterfüllung, das kann man dann natürlich überstrapazieren, indem man von dem einen Yoga-Kurs zum nächsten und von der einen Selbsthilfegruppe zur anderen rennt. Bis man irre wird. Das Kind aber war ganz automatisch ein Schritt weg von mir, hin zu einem anderen Menschen. Das ist ein ganz toller Gesundungsprozess. 

"Ich war mir nie zu schade für einen guten Witz meine Coolness aus dem Fenster zu werfen"

Benno Fürmann

Playboy: Sind Sie erwachsen? 
Fürmann: Ich fühle mich noch hier und da hilflos wie ein kleines Kind, aber in anderen Momenten bin ich der ältere Ratgeber. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg. 

Playboy: Ihr neuer Film, „Der blinde Fleck“, beschäftigt sich mit dem Oktoberfest-Attentat von 1980. Sie spielen Ulrich Chaussy, einen Reporter, der über Jahrzehnte versucht, die tatsächlichen Hintergründe des Anschlags aufzudecken. Ist das ein durch und durch erwachsener Film? 
Fürmann: Ich denke schon. Weil er ernste Themen verhandelt, eben diese Ernsthaftigkeit hat durch einen Protagonisten, der sich einer Sache total verschrieben hat. Chaussy ist so ein Null-Bullshit-Guy. Er hat über 20 Jahre seines Lebens damit verbracht, Licht ins Dunkel einer politischen Unmöglichkeit zu bringen. Ich habe großen Respekt dafür, wenn sich Menschen so unnachgiebig einer Sache verschreiben. Auch unter der Aufgabe privaten Glücks. 

Playboy: Man kann den Film auch als Mahnung an den rechten Terror verstehen. Was hat Sie daran gereizt? 
Fürmann: Die Relevanz. Die Parallele zum NSU. Und die schwierige Frage: Wie bringst du Licht in ein System der Grauzone? 

Playboy: Wie politisch darf ein Schauspieler sein? 
Fürmann: Das ist jedem selbst überlassen. Ich respektiere auch Schauspieler, die komplett unpolitisch sind. Letztendlich gilt ja auch: Je weniger man als Schauspieler labert, desto besser ist es. Weil man dann universell einsetzbar ist. Überleg mal, du weißt jetzt, aus Interviews, dass ich ein Linker bin, Kreuzberg, Flüchtlingspolitik, da ist es doch viel schwieriger für dich, mir glaubhaft einen Nazi abzunehmen. 

Playboy: Muss in jedem Schauspieler, trotz aller Schwere und Ernsthaftigkeit, nicht auch ein Kind stecken, diese Lust am Spiel? 
Fürmann: Klar, das hilft total. Du musst dir diese Neugier bewahren. Wir alle erfreuen uns doch an Schauspielern, die das haben, was man Spielfreude nennt, die einfach Freude daran haben, den Zuschauern, als Geschenk, ein Stück Leben hinzuspielen. 

Playboy: Woran merken Sie das bei sich? 
Fürmann: Das Kindliche an mir ist nach wie vor die große Lust an der Absurdität. Miteinander Spaß haben, das Leben feiern, sich zum Deppen machen. Ich war mir nie zu schade, für einen guten Witz auch meine eigene Coolness aus dem Fenster zu werfen. 

Playboy: Lieber einen Freund verlieren als eine gute Pointe liegen lassen? 
Fürmann: Ich glaube, ja. Weil der Freund wird sich länger an die schöne Pointe erinnern, als dass er im Dreck liegt. 

Playboy: Sie haben 2003 mit Heath Ledger gedreht, der als Joker seinen letzten großen Auftritt hatte, bevor er an einer Medikamenten-Überdosis starb. Es heißt, die Rolle des irren Clowns habe ihn nicht mehr losgelassen. Ist Schauspiel immer auch Selbstaufgabe? 
Fürmann: Ich konnte mich da bislang immer gut abgrenzen. Mir ist es noch nie passiert, dass ich nicht mehr aus der Rolle gekommen bin und dann mein Hotelzimmer nicht gefunden habe. Das finde ich psychotisch. Da hast du dann als Schauspieler Gesprächsbedarf. Ich glaube aber auch nicht, dass das bei Heath der Fall war. Er hat mich viel eher als Mensch beeindruckt, der eine unglaubliche Lebensfreude hatte. Als Mensch, auf den ich fast neidisch war, weil er so gewirkt hat, als hätte er weniger Seelenmüll mit sich herumzutragen. 

Playboy: Inwiefern? 
Fürmann: Heath war eine absolut hippieske Frohnatur mit Giraffenstickern auf der Hose. So etwas hatte ich bei einem erwachsenen Mann nie gesehen. Und ständig war sein Vater mit am Set, ein Rennfahrer. Wir sind ein paar Mal zusammen ausgegangen. Das war alles immer sehr herzlich. Ich glaube wirklich, dass das ein Unfall war. Innerhalb dieser Hollywood-Maschinerie. 

Im Alleingang zum Star

Benno Fürmann, 41, verlor als Jugendlicher die Eltern, jobbte u. a. als Türsteher, studierte ab 1991 am Lee Strasberg Institute in New York Schauspiel. Mit „Die Bubi Scholz Story“ (1998) und „Anatomie“ (2000) wurde er einer der großen Namen im deutschen Kino. In seinem neuen Film, „Der blinde Fleck“ (Start: 23.1.), spielt er einen Reporter, der die Hintergründe des Oktoberfest-Attentats 1980 aufdecken will. Fürmann landete 2011 in den Schlagzeilen, weil er in einen Autounfall verwickelt war, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Im Interview wollte er über dieses Thema ausdrücklich nicht sprechen.

Playboy: Welche Rolle spielt der Tod in Ihrem Leben? 
Fürmann: Apropos Tod, wie spät ist es? 

Playboy: Wir haben noch 20 Minuten. Wollen Sie aufhören? 
Fürmann: Nein, gar nicht. Ich fand es nur lustig, beim Thema Tod auf die Uhr zu schauen. Bei mir ist ja sehr früh viel Familie verstorben. Meine Mutter, mein Vater. Insofern bin ich mir schon sehr lange bewusst, dass das Leben eine Sanduhr ist, die irgendwann ausläuft. 

Playboy: Im Alter von 17 Jahren sind Sie beim S-Bahn-Surfen in Berlin schwer verunglückt. 
Fürmann: Auch da wurde mir die Endlichkeit des Seins wieder schlagartig bewusst. 

Playboy: Trotzdem suchen Sie gern das Risiko, die Gefahr. 
Fürmann: Ich versuche immer wieder, die Komfortzone zu verlassen, weil ich mich für die Tasse Tee auf der Couch eben doch noch zu jung fühle. Ich mag es, mir durch Herausforderungen selber neue Erlebnisse zu schenken. Die Lust am Rausch ist ja auch die Lust, etwas zu verlassen, die eigene Kontrolle aufzugeben. Im schlechtesten Fall verlierst du dich, im besten bist du ganz bei dir. Aber es kann eben auch sehr schnell vorbei sein. Darüber bin ich mir im Klaren. 

Playboy: Bedenke deine Sterblichkeit? 
Fürmann: Absolut, nur bin ich eben ein absolut lebensfroher Mensch, der versucht, intensiv zu leben. Ich bin kein dunkler Charakter, der dem Ganzen einen Anstrich von Melancholie gibt. Kennste den mit dem Papagei? 

Playboy: Nein. 
Fürmann: Es klopft an der Tür, alte Oma macht auf, guckt, sieht nichts, schaut runter. Ist da ein ganz kleiner Sensenmann. Sie so: „Ist es so weit?“ Er so: „Ganz ruhig junge Frau, ich komme für den Papagei.“ 

Playboy: Schönes Ding. Wären Sie gern der Mann, der den Tod auslacht? 
Fürmann: Auslachen nicht. Obwohl auslachen vielleicht noch die beste Antwort wäre auf die ganze Absurdität. Mein Onkel hat sein ganzes Leben gearbeitet, und einen Monat nachdem er in Rente gegangen ist, hat er einen Herzinfarkt bekommen. Da kannst du ja eigentlich nur lachen. Ich tendiere aber eher zu einem sanften Lächeln. 

Playboy: Zum Schluss noch ein Ausblick und ein Wunsch. Wann beginnt die Zeit, in der Sie sich überlegen müssen, hinter die Kamera zu wechseln? 
Fürmann: Regie-Ambitionen? Die habe ich eher nicht. Ein guter Anwalt meiner Rolle zu sein, das füllt meine Tage schon aus. Das wäre mir einfach zu viel. Die ganzen Zipfel, an denen dir da gezogen wird, all die Fragen, die Verantwortung, das würde mich, glaube ich, schneller in Richtung Tod, in die Arme des kleinen Sensenmannes treiben. 

Playboy: Und mit wem würden Sie gern einmal zusammen spielen? 
Fürmann: Brando, wenn er noch leben würde. Brando als alter Vater, der mir an der Biegung des Flusses ein bisschen was erzählt. Das hätte ich schon ziemlich aufregend gefunden.

Autor: Lucas Vogelsang
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