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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Noel Gallagher

...über seinen Bruder und Nazis

"Man wird überall abgezockt und verarscht!"

Mit seinen High Flying Birds tourte der frühere Oasis-Gitarrist und -Komponist Noel Gallagher vor drei Jahren auf deutschen Bühnen. Vorher zog der Brite noch über seinen Bruder Liam und Dinosaurier züchtende Nazis her...

Playboy: Herr Gallagher, Sie werden oft mit Ihrem Bruder Liam verwechselt – wie gehen Sie damit um? 
Gallagher: Das passiert jeden verdammten Tag. Manchmal finde ich das ganz witzig. Auf einer sehr vornehmen Party vor ein paar Monaten habe ich mich kräftig betrunken und mich überall als Liam Gallagher vorgestellt. 

Playboy: Und dann? 
Gallagher: Die meisten Leute waren hocherfreut – oder taten zumindest so. Nach dem Motto: „Marvellous, schön, Sie kennen zu lernen. Wie geht es Ihrem Bruder?“ Und darauf ich: „Noel ist amaaaazing. Ein wunderbarer Mensch, einfach toll.“ 

"Mein Bruder hat keine Ahnung von Mode und auch keinen Geschmack. Noch nie gehabt"

Noel Gallagher

Playboy: Weiß Ihr Bruder davon?
Gallagher:  Bis jetzt nicht. Und ich glaube auch nicht, dass er es überhaupt verstehen würde. Ich denke, das übersteigt seinen Horizont, dass ich ihn für mich benutze, indem ich einfach nett bin. 

Playboy: Dumm kann er aber nicht sein, er leitet doch mit „Pretty Green“ eine recht erfolgreiche Modemarke. 
Gallagher: Ach, haben Sie sich die Klamotten mal genauer angeschaut? Das sind doch nichts anderes als billige Replikate von Sachen aus den 60ern und 70ern, die man in jedem Second-Hand-Laden bekommt. Solche Parkas, wie er sie anbietet, kriegt man gebraucht für zehn Pfund. Er hat keine Ahnung von Mode und auch keinen Geschmack. Noch nie gehabt. 

Playboy: Seit dem Ende seiner Band Beady Eye mehren sich die Gerüchte über eine Oasis-Reunion. Wie stehen Sie dazu? 
Gallagher: Wenn man wie mein Bruder und ich nicht miteinander redet, kann man keine Probleme lösen. Und solange das nicht der Fall ist, wird es kein Oasis geben. 

Playboy: Es gibt kein Zurück – nicht einmal für alles Geld der Welt? 
Gallagher: Puh, jeder Mensch hat seinen Preis. Auch ich würde wahrscheinlich bei einer bestimmten Summe schwach werden. 

Playboy: Wie hoch wäre die? 
Gallagher: 500 Millionen Pfund in bar. In kleinen, nicht nummerierten Scheinen (lacht).

Playboy: Liam würde es angeblich sogar umsonst machen. 
Gallagher: Das habe ich auch gehört. Aber es ist doch klar, was passiert, wenn er erfährt, wie viel Geld ich dafür kriege – dann will er es auch. Was das Ganze noch unrealistischer macht. 

Playboy: Warum ist Liams Band nach nur zwei Alben gescheitert? 
Gallagher: Entweder haben die Leute die Nase voll von ihm und seinen dummen Sprüchen, oder die Zeit hat sich geändert und dieser Sound ist schlichtweg out. 

Playboy: Wie reagieren Sie darauf?
Gallagher: Ich bemühe mich, neue Sachen auszuprobieren.

Playboy: Stimmt es, dass Ihnen die Idee zu einem Ihrer Songs während einer TV-Dokumentation über Nazi-Wissenschaftler kam? 
Gallagher: Das war das Unglaublichste, was ich je gesehen hatte: Eine Doku über Nazi-Forscher, die versucht haben, Dinosaurier zu neuem Leben zu erwecken und sie als Kriegsmaschinen einzusetzen. Ich habe Tränen gelacht. Aber die Idee zu „The Girl With X-Ray Eyes“ kam mir bei einer anderen Sendung. 

Playboy: Ist der Song eine Hommage an Ihre Frau oder eher an David Bowie? 
Gallagher: Die Akkordfolgen erinnern stark an Bowie. Aber es ist eine Hommage an all die Frauen, die wir treffen und die wir nicht täuschen können. Die unseren chauvinistischen Scheiß und unsere cleveren Sprüche sofort durchschauen. Das sind die Frauen, die wir dann auch heiraten. 

Playboy: Was erzählen Sie Ihren Kindern eigentlich übers Musikgeschäft? 
Gallagher: Das Musikgeschäft ist nicht mehr das, was es mal war. Man wird überall abgezockt und verarscht. Deshalb hoffe ich, dass sie mal einen vernünftigen Beruf ergreifen. 

Playboy: Zum Beispiel? 
Gallagher: Anwalt. Ich habe meine Jungs auf so teure Schulen geschickt, dass sie quasi gar nicht mehr Straßenkehrer, Fabrikarbeiter oder Roadie werden können. Sie sprechen dieses Oxford-Englisch, das mir manchmal gewaltig auf den Senkel geht. Wer sind diese Snobs an meinem Küchentisch? 

Playboy: Und Ihre Tochter? 
Gallagher: Sie ist bereits Model. Mit 14! Und sie hat einen TV-Job. Sie ist eines dieser Mädchen, die für mich als Jugendlicher unerreichbar waren: hübsch, intelligent, mit neureichen Eltern. 

Playboy: Wie lange wollen Sie selbst sich das Musikgeschäft noch antun? 
Gallagher: Ich habe ja nichts anderes gelernt … 

Playboy: Wie wäre es als TV-Moderator? 
Gallagher: Da gehe ich lieber in die Politik. Das könnte noch ein Job für mich sein. Etwa als Premierminister. 

Playboy: Das meinen Sie nicht ernst! 
Gallagher: Doch, das wird passieren. Als Erstes würde ich das Problem mit dem öffentlichen Nahverkehr lösen, dann diesen Zentralismus stoppen – denn London ist ein echter Scheißhaufen – und mehr Polizisten auf die Straße schicken, Gefängnisstrafen verschärfen und die Todesstrafe zurückbringen. 

Playboy: Ist das nicht ein bisschen heftig? 
Gallagher: Ich sage nur die Wahrheit, Mann! 

Playboy: Würden Sie sich als erwachsen bezeichnen?
Gallagher: Das will ich hoffen. Ich habe drei Kinder, eine Frau und eine gut gehende Karriere. Wäre ich nicht erwachsen, würde ich heute auch überteuerte Parkas verkaufen (lacht).

Autor: Marcel Anders
Video: Er will schlafen, sie will reden
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