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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Christoph Maria Herbst & Ralf Husmann

... über Business-English im Sauerland

"Stromberg? Ein Fleisch gewordener Schrei nach Liebe"

Ralf Husmann und Christoph Maria Herbst über schlecht frisierte Masochisten, Business-English im Sauerland und was Frauen an uns vermissen

Die größten Spötter der deutschen Bürowelt treffen sich ausgerechnet hier: ein kahler Amtsflur in Berlin, heute Sitz einer Filmfirma, trotzdem noch Resopalboden, Neonlicht, nummerierte Türen, davor Wartestühle. Fast deprimierender als der „Stromberg“-Set, das Großraumbüro der Schadensregulierung der fiktiven Capitol-Versicherung. „Schön hier!“ Ralf Husmann, Chef-Ironiker und geistiger „Stromberg“-Vater, schaut lieber auf sein iPad. „Jaha! Unglaublich.“ Auch Christoph Maria Herbst, in Film und Serie das personifizierte Sinnbild des berufsdeformierten Abteilungsleiters, passt zivil in T-Shirt, Sakko, Jeans und ohne Stromberg- Haarkranz nicht recht ins Ambiente. Zum Glück werden wir bald fürs Gespräch in Raum 7.4.3 gebeten. Zeit zum Lästern. 

Husmann: (lässt sich in einen Stuhl fallen) Ja, im wahren Leben ist alles oft viel schlimmer als bei „Stromberg“. Das darf man nicht vergessen. 
Playboy: Sie meinen das Bürohaus hier?
Husmann: Überhaupt alles. Als vor drei Jahren diese Geschichte mit der Ergo- Versicherung in Budapest rauskam, diese Betriebsorgie, haben wir gedacht: Mann, die sind ja noch mal einen Zahn schärfer als wir mit „Stromberg“. 

Herbst: Wir haben uns so etwas nie getraut. 
Husmann: Nee, das hätte man uns wahrscheinlich auch nicht abgenommen. Wenn wir hingegangen wären und gesagt hätten: „So, beim ,Stromberg‘-Betriebsausflug gibt es jetzt Prostituierte mit verschiedenen Bändchen ums Handgelenk, und die hellen Bändchen sind für den Vorstand, die dunklen für die Mitarbeiter“, da hätte derZuschauer gedacht, na ja, das ist schon ein bisschen heftig. Man muss wirklich sagen, im wahren Leben ist alles viel schlimmer. 
Herbst: Das zeigen auch E-Mails, die ich von Angestellten aus der Versicherungswirtschaft kriege, wo dann steht: „Wenn Sie glauben, Sie machen da Comedy, dann kommen Sie mal zu uns ins Büro.“ Da tut sich ein Abgrund auf, wenn ich so was lese, ich kann mir das gar nicht vorstellen. 

Playboy: Sie haben doch nach der Schulzeit eine Banklehre gemacht, Herr Herbst, hat das nicht geholfen? 
Herbst: Geholfen, mich zu entscheiden, Schauspieler zu werden, ja. Das wollte ich nämlich schon vor der Banklehre. Und die habe ich nur auf sanften Druck meiner Eltern hin gemacht. Kriegsgeneration, „Du sollst es mal besser haben als wir“ und „Mach doch erst mal was Vernünftiges“. Heutzutage ist klar, dass es nichts Unvernünftigeres gegeben hätte, als wenn ich bei der Bank geblieben wäre. Insofern hat es mir für den Stromberg natürlich geholfen. Und ich habe viel von den buckligen Typen, die mir da begegnet sind, in die Rolle einfließen lassen. 
Husmann: Hast du das eigentlich mal bereut, dass du dir das mit dem Bart und der Glatze überlegt hast in der ersten Staffel? 
Herbst: Nee. 
Husmann: Du leidest doch immer darunter, dass du auch privat so aussehen musst, wenn du „Stromberg“ drehst. Damals hattest du ja noch Haupthaar, das war also quasi immer eine richtige Aktion mit dem Rasieren. Würdest du das heute noch mal so machen? 
Herbst: Genau so. Weil es toll ist, dass ich nicht ständig wie Stromberg rumlaufen muss, sondern nur während der Zeit der Dreharbeiten. Und es hilft mir auch dabei, nach wie vor ein recht entspanntes Leben zu führen. Denn viel auf Stromberg angesprochen werde ich nicht. Ich kann mich ziemlich frei in den Städten dieses Landes tummeln, ohne dass ständig jemand zu mir sagt: „Ey, Papa, wie isses?“ 

Warum finden wir Männer uns so gern in Arschlöchern wieder?

Ralf Husmann und Christoph Maria Herbst

Playboy: Aber hilft es Ihnen in manchen Alltagssituationen vielleicht, einen typischen Stromberg-Spruch abzulassen? 
Herbst: Nee, gar nicht. Das mache ich nicht. Ich gehe ganz gerne als ich unerkannt durchs Leben und habe da, glaube ich, eher so einen Blick wie Ralf, dass ich irgendwelche Verhaltensweisen bei anderen sehe und mich wundere, oft schmunzleund mir Dinge merke. Er therapiert sich, indem er es in eine der nächsten Szenen reinschreibt. Und ich merke es mir, um irgendwelche Attitüden in die Rolle mit reinzunehmen. Aber von Haus aus habe ich mit Stromberg nicht viel gemeinsam. 
Husmann: Ich bin ja jetzt immer darauf angesprochen worden, ob wir eigentlich ein frauenfeindlicher Film sind. 
Herbst: Nee! 
Husmann: Ich finde ja, wir sind eher männerfeindlich. 
Herbst: Natürlich sind wir männerfeindlich, hallo?! Also wenn Stromberg die Metapher für den deutschen Büromann ist, ja dann aber prost Mahlzeit! Die Frauen bei uns haben doch tolle erwachsene Ansichten und herrliche Sätze. Die Jennifer zum Beispiel, wenn sie sagt: „Mensch, ich habe eine Erwartung ans Leben, und das da draußen ist alles voller Welt“, dann wird sie von Stromberg gleich abgewatscht mit „Du sagst das, als wäre das was Positives“. 

Playboy: Aber der männliche Zuschauer erkennt sich sofort wieder. 
Herbst: Das ist vielleicht auch der Grund, warum wir mehr Fans haben als Zuschauer. Die meisten sehen entweder zu sehr sich selbst gespiegelt oder die eigene Bürowirklichkeit oder den eigenen Chef und sagen dann mit so einem fröhlichen Eskapismus: „Schalt mal um, läuft da nicht noch irgendein Pilcher auf einem anderen Sender?“ Und viele andere, die uns mögen, verstehen einfach diese Überspitzungen und diesen Humor. 

Playboy: Man kann tatsächlich kaum noch ins Büro gehen, ohne jeden Tag mindestens drei „Stromberg“-Momente zu erleben. 
Herbst: Die gab es ja immer schon, nur die Sinne sind jetzt geschärft. 
Husmann: Aber warum finden wir Männer uns, von Ekel Alfred bis Stromberg, so gern in Arschlöchern wieder? 
Herbst: Ich glaube, für viele ist „Stromberg“ ein Ventil, über das man viel Druck ablassen kann. Für andere hat es vielleicht eine reinigende Wirkung, irgendwas Kathartisches. Wieder andere sagen sich: „Geil, mein Leben ist ja doch gar nicht so scheiße, die haben es ja noch viel schlimmer in dieser Serie.“ Da findet wohl jeder etwas, und immer nur Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb ist halt auch langweilig. Deshalb verträgt das deutsche Fernsehen, glaube ich, immer mindestens eine Kotzbrocken- Figur. Und diesen Platz nimmt anscheinend Stromberg ein. 
Husmann: Oder der Deutsche wird gern runtergemacht. Vielleicht ist es dieses preußische Element, dass man vor dem Papa steht und einen drüberkriegt. Ich glaube, dass wir es mitbedienen, dass man sich genau darüber lustig machen kann. Diese kleine S/M-Ader im Deutschen. 
Herbst: Du glaubst, es gibt so einen kollektiven Masochismus in Deutschland? 
Husmann: Zumindest habe ich das Gefühl, dass das hier eher verankert ist als etwa beim Franzosen. Der steht ja bei Kleinigkeiten schon mal mit dem Lkw auf der Autobahn und zündet Sachen an. Das tun wir nicht. Wir sind immer erst mal ein bisschen obrigkeitshörig. 
Herbst: Wir würden eher löschen. 
Husmann: Oder weglaufen. Oder eine neue Vorschrift erfinden. 

Playboy: Ist „Stromberg“ also wertvolle Erwachsenenbildung? 
Herbst: Das klingt jetzt überhaupt nicht nach dem total unterhaltsamen Kracher- film, den wir gedreht haben. Aber ja. Ich finde, dass „Stromberg“ auch total politisch ist. Das menschliche Miteinander, In-Hierarchien- Leben, Büroalltag – ich habe schon Mails bekommen, in denen stand: „Mir ist echt ein Licht aufgegangen. Ich habe mich in so vielen Momenten selbst erkannt. Das mache ich ab sofort anders.“ Da kriege ich fast ein Sendungsbewusstsein. 
Husmann: Wir werden auch oft angefragt von Institutionen, ob sie unsere Serie mal einsetzen dürften bei Weiterbildungen, als Negativbeispiel. 

Zur Person

Ralf Husmann - Produzent und Drehbuchautor

Auf die Frage, wie er seinen Humor beschreiben würde, antwortete Husmann einmal in einem Interview: „Lustig.“ Mit Pointen die Wahrheit zu treffen ist die große Gabe, die der im Rheinland lebende 49-Jährige als Autor für TV-Comedians (Schmidt, Pocher), von Serien („Stromberg“, „Dr. Psycho“), Büchern („Nicht mein Tag“, „Vorsicht vor Leuten“, „Die Kiste der Beziehung“) und Drehbüchern (zuletzt im Kino: „Nicht mein Tag“) eingesetzt hat. Oft preisgekrönt (u. a. zweimal Grimme- Preis), immer lustig – siehe seine Playboy-Kolumne.

Christoph Maria Herbst - Schauspieler

Was Rollen angeht, würden ihm „im Augenblick immer die Arschlöcher angeboten“, sagte Herbst einmal in einem Interview, als sein Name bereits untrennbar mit Stromberg verbunden war. Kaum ein Schauspieler beobachtet so scharf seine Mitmenschen wie der in Köln lebende 48-Jährige, was ihm nach Jahren am Theater von 2001 an vorwiegend witzige TV-Rollen und zahlreiche Preise einbrachte (45 TV- und Kino-Titel umfasst seine Filmografie). Als Stromberg empfahl er sich vor allem durch Auftritte in Anke Engelkes Comedyserie „Ladykracher“.

Playboy: Hat sich die Arbeitswelt in den zehn Jahren „Stromberg“-Serie verändert? 
Husmann: Um das Thema Arbeit hat sich mittlerweile eine gigantische Industrie breitgemacht – wir werden ja auch eingeladen zu solchen Business-Messen. Was es da mittlerweile alles gibt: Motivationsworkshops bis hin zu Wochenendtrips in Hotels, wo wir auch den Film gedreht haben und wo dann Business-English- Seminare abgehalten werden im Sauerland. Dann sitzen da Menschen aus einer Versicherung und reden den ganzen Tag Englisch, und Herr Maier aus Radolfzell sagt: „Eintopf, was heißt denn Eintopf auf Englisch?“ Und du denkst, das kann doch nicht euer Ernst sein. Wo wirklich für ei- Schluss mit Büro: Im Film fährt die Belegschaft der ist. Ich glaube, in keinem anderen Land der Welt wäre das möglich. Die sind mit dem halben Fuß schon wieder im Aufzug, weil sie denken, na bloß nicht, dass man noch irgendwie ein privates Wort wechselt. Das ist so greifbar, auch in den Sachen, die wir bei „Stromberg“ machen, dass gerade Männer dazu tendieren, irgendwie so bestimmte Verhaltensregeln und Rituale abzufeiern und zum Beispiel zu sagen, im Rahmen von Alkohol und Bowlingbahn kann man sich schon mal ein bisschen näherkommen, aber ansonsten hat man eigentlich relativ wenig miteinander zu tun. Gerade im Büro gibt es ja eine sehr abgezirkelte Grenze von dem, was man so machen kann und was Leute dann auch lustig finden. 
Herbst: Also macht Stromberg eigentlich alles richtig, oder? Der versucht immer, Stimmung und Humor reinzubringen, der ist unheimlich amerikanisch eigentlich. Der macht diese ganzen Firlefanzgeschichten nicht mit, sondern ist down to earth. Findest du nicht, dass Stromberg eigentlich alles richtig macht? 
Husmann: Er macht zumindest nicht alles falsch. Für mich ist er ja auch kein komplettes Arschloch, sondern wir haben immer versucht zu zeigen: Warum benimmt der sich so, wie er sich benimmt? Eigentlich benimmt er sich so, weil er gemocht werden will. Weil er auch außerhalb des Büros keine Freunde hat und im Prinzip immer auf der Suche ist nach jemandem, der ihn mag. 
Herbst: Ein Fleisch gewordener Schrei nach Liebe. 
Husmann: Eigentlich ja. Und das ist auch die Ausgangsposition dafür, dass es seit Staffel drei im Prinzip sein Ziel ist, irgendwie mal ... 
Herbst: … ein Rohr zu verlegen. 
Husmann: Beziehungsweise sich richtig zu verlieben und zu sagen, Mensch, das ist doch eine Spitzenfrau. Und das versucht er immer wieder, bleibt aber immer noch sehr unbeholfen. Ich glaube, 95 Prozent aller deutschen Frauen können das unterschreiben, dass deutsche Männer so was nicht gut hinkriegen. Ich würde mich auch da wieder einschließen. 
Herbst: Aber so, wie du privat bist, kann ich mir das gar nicht vorstellen. Frauen stehen doch total auf Geist und Humor. 
Husmann: Das heißt aber nicht, dass du in der Lage bist, in dem Moment, wo es ernst wird, auch tatsächlich das ... 
Herbst: ... das Richtige zu sagen. 
Husmann: Ja. 
Herbst: Das kenne ich von mir. Capitol-Versicherung zur Firmenfeier in ein Hotel. Dass sich Stromberg mit Bürodepp Ernie (Bjarne Mädel, l.) ein Zimmer teilen muss, ist aber nicht der Grund für die finale Eskalation ... nen kompletten Freitag untereinander alle in diesem beschissenen Schulenglisch quasseln, weil ihnen jemand gesagt hat, heute ist aber mal Englisch. Und die Mitarbeiter hängen noch einen Tag Wellness dran in einem, man muss es ernsthaft sagen, nicht wirklich schönen Wellness-Center und lassen sich von irgendwelchen osteuropäischen Frauen durchkneten. 
Herbst: Bernd Stromberg redet ja auch mal Englisch – mit der Putzfrau. 
Husmann: Genau. Den Bernd musst du nur in so eine Szene stellen und englisch reden lassen, dann ist das sofort lustig. Deshalb kann man mit „Stromberg“ aus diesem ganzen Brimborium eben auch ein bisschen die Luft rauslassen. Wo andere mit Managern durch einen Abenteuer-Parcours rennen, um das Gruppengefühl zu stärken, da würde der Bernd einfach sagen: „Sagt mal, Kinder, wollen wir nicht lieber was essen?“ Andererseits habe ich schon Sprüche, die ich dem Stromberg gegeben habe, eins zu eins in Prospekten von irgendwelchen Management-Seminaren wiedergefunden. 

Playboy: Was für Sprüche zum Beispiel? 
Husmann: Na ja, so Zitate nach dem Muster „Gib den Menschen keinen Fisch, sondern lehre sie zu fischen“, das wäre so ein Stromberg-Spruch, der Managern ganz ernsthaft im Seminar angepriesen wird. 
Herbst: Ist ja auch geil. 
Husmann: Aber im Arbeitsumfeld natürlich immer scheiße. 

Playboy: Weil das Büro eine ironiefreie Zone ist? 
Husmann: Nicht nur das Büro. Ich habe das Gefühl, dass die Leute die Ironie in der Serie oft nicht erkennen. Eine meiner Lieblingsszenen ist, wenn Stromberg zum Italiener geht mit seiner Kollegin Tanja und versucht, mit seinen zwei Worten Italienisch, die er mal aufgeschnappt hat, zu bestellen. Das ist so was, was ich wirklich hundertmal schon beobachtet habe, wo Deutsche zum Italiener gehen und sagen, hier Vino Bianco und due Gläser, und dem albanischen Kellner so ein Bongiorno entgegenschleudern. Ich finde das ja wahnsinnig komisch. Aber ich glaube, dass es den allermeisten Leuten einfach nicht auffällt, weil sie denken, so verhält man sich halt beim Italiener. Viele sehen so etwas gar nicht auf der lustigen Ebene, sondern auf so einer Eins-zu-eins-Ebene. 

Playboy: Was sagt das über den deutschen Mann aus? 
Husmann: Wir kriegen ja oft die Frage gestellt, ob man Stromberg auch mit einer Frau erzählen könnte. Und ich glaube nach wie vor: eher nicht. Ich glaube, es ist so ein Thema, das eigentlich nur mit einem Mann geht, weil ein Mann erst mal lächerlicher ist. Also gerade der deutsche Mann ist erst mal lächerlicher als die deutsche Frau. Ich bin ja heute hierhergeflogen, ein Air-Berlin-Inlandsflug – humorloser geht es eigentlich nicht. Man sitzt da mit Leuten, die fast alle scheiße aussehen, das ist ja zu 85 Prozent männlich besetzt, alle haben irgendwie ein Smartphone und sind drei Sekunden nach der Landung schon wieder damit beschäftigt, alle haben schlechte Schuhe, Scheißanzüge, fragwürdige Haarschnitte ... 
Herbst: (mit Blick auf Husmanns Haare) … Seitenscheitel? 
Husmann: Ja, ja, ich nehme mich da ja nicht aus, ich sitze ja auch in der Maschine. Oder bei mir zu Hause, da wird, weil ich viel von zu Hause aus arbeite, gerne mal die Post abgeladen für den Rest der Hausbewohner. Und trotzdem habe ich in zehn Jahren eigentlich von den Nachbarn weitgehend nichts erfahren. Also, die kommen und holen ihre Pakete ab, es sagt aber keiner irgendwas. Was ja auch wahnsinnig deutsch 
Husmann: Die romantische Geste fällt dem deutschen Mann, glaube ich, nach wie vor nicht leicht. 
Herbst: Das stimmt. 
Husmann: Genau. Also, ich glaube, insofern ist das, was wir zeigen, schon ein Querschnitt durch die bundesrepublikanische Männerwirklichkeit. Auch, was die Kostüme angeht. Da sieht man doch sehr viel Elend in deutschen Büros. Ich hatte vier Jahre das Vergnügen, von meinem Haus zur Arbeitsstelle an der Allianz-Versicherung vorbeizukommen. Da hat man schon das Gefühl, alter Schwede, das ist wirklich ... 
Herbst: … deutsche Lebenswirklichkeit. Deshalb nenne ich „Stromberg“ ja auch eher eine Tragedy als eine Comedy. 
Husmann: Ja, muss man so sagen. Es ist auch wirklich faszinierend, dass Menschen, die acht bis zehn Stunden am Tag in so einem Büro zubringen, es einfach nicht schaffen, dieses Büro auch nur ansatzweise herzurichten. Da hängt dann immer noch die Karte vom Ibiza-Urlaub von vor sechs Jahren, und irgend so ein Gummibaum steht rum. Das ist ja auch heute noch so, selbst in Designbüros. Da wird so eine 53-Euro-Lampe hingestellt, aber der Rest ist doch meist deutsches Elend. 
Herbst: Oder schwedisches. 

Playboy: Ist das Publikum, das darüber lacht, eigentlich eher männlich oder eher weiblich? 
Husmann: Es ist schon eher Jungs-Humor. Ich glaube, den meisten Frauen ist es oft zu wenig schön, was wir bei „Stromberg“ zeigen. Wir sind ja keine klassische Comedy, wir haben nicht wie Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer mal schöne Bilder, mal eine schöne Musik oder mal schöne Leute, die man sich angucken kann, und bei uns gehen Geschichten auch nie richtig gut aus. Das führt, glaube ich, dazu, dass der Humor ein bisschen härter ist als das, was andere machen. Wenn wir „Stromberg“ mit Schweighöfer und Elyas M’Barek machen könnten, wäre es natürlich der Mega-Burner. 

Playboy: Hoffentlich bemerken die Leser da jetzt Ihre Ironie.

Autor: Philip Wolff
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