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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

will.i.am

...über Ganggewalt und Barack Obama

„Wir hatten Obama bitter nötig“

Der Rapper, Produzent und Designer will.i.am über Ganggewalt in Los Angeles, intelligente Hotels, Barack Obama und echte Superhelden

will.i.am (41), der eigentlich William Adams heißt, ist ein echtes Multitalent. Mit The Black Eyed Peas hat er über 70 Millionen Platten verkauft und einige der größten Hits von Michael Jackson, U2, Justin Timberlake und vielen anderen produziert. Nebenbei designt er Brillen, Autos, Häuser und seine eigene Smart Watch. Wie es sich für einen Superstar gehört, lässt er uns an einem sonnigen Pariser Vormittag im Hotel Fouquet's Barrière kurz warten – beim DJ-Gig am Vorabend wurde es spät. Schließlich werden wird doch von einer elfenhaften Assistentin herein gebeten und treffen vielleicht auch deshalb auf einen bestens gelaunten will.i.am. 

Playboy: Da wir in Paris sind: Was sind Ihre Erfahrungen mit den französischen Frauen? 
WILL.I.AM: Sie sind französisch... 

Playboy: Was meine Sie genau? 
WILL.I.AM: Frauen sind Frauen, egal ob sie aus Frankreich kommen, oder von sonst woher. Es ist ja nicht so, dass sie beim Sex einen Akzent haben. 

Playboy: Sie machen nicht nur Musik, sondern sind auch Designer. Gibt es da Gemeinsamkeiten?
WILL.I.AM: Egal ob ich Autos designe, oder einen Song produziere – ich lerne aus Fehlern. Manchmal bin ich im Studio, mache einen Song und ich weiß einfach, dass er Mist ist. Er klingt einfach nicht nach dem, was ich in meinem Kopf hatte. Es ist so, als würden Sie mich zeichnen, aber Ihre Hand kann dem Papier nicht sagen, wie das Bild in Ihrem Kopf genau aussieht. Unsere Fähigkeiten sind immer begrenzt, egal was wir tun. Trotzdem kommt man irgendwann an einen Punkt, an dem man aus seinen Fehlern lernt und weiß, wie man seine begrenzten Fähigkeiten ausgleichen kann. Und das ist Kunst. 

Playboy: Was war der größte Fehler, den Sie gemacht haben? 
WILL.I.AM: Fehler sind ja immer das, was andere Leute als solche betrachten. Die Dinge, die du selbst als Fehler bezeichnest, sieht keiner. 

Playboy: Verraten Sie uns trotzdem einen? 
WILL.I.AM: Was andere Leute als Fehler bezeichnet haben, war zum Beispiel, als wir „The Black Eyed Peas“ verändert haben und die Sängerin Fergie dazukam. 

"Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir bei der Suppenküche anstanden, um etwas zu Essen zu bekommen, weil wir kein Geld hatten"

will.i.am

Playboy: Dabei war es eine ziemlich gute Idee. Sie sind kommerziell durchgestartet und haben über 76 Millionen Alben und Singles verkauft. 
WILL.I.AM: Wir wussten, dass es erfolgreich werden wird. Aber die anderen Leute haben es damals noch nicht verstanden. Es ist oft so, selbst beim Frühstück... 

Playboy: Was hat Frühstück mit Erfolg zu tun? 
WILL.I.AM: Heute habe ich in diesem wunderschönen Hotel Frühstück bestellt. Ich wollte Rührei und habe die Bedienung gefragt, ob der Koch Parmesan und Kapern dazugeben kann. Und sie sagte, warum? Und ich sagte, ich mag es einfach so. Für sie war das also ein Fehler. 

Playboy: Und war das Rührei ein Erfolg? 
WILL.I.AM: Ja. Ich esse möglichst wenig Salz, da geben Parmesan und Kapern einfach einen anderen Geschmack. Für den Koch war das sicher ein Fehler, weil er so was noch nie zuvor gehört hat, aber mir hat das Rührei so besser geschmeckt. Es gibt natürlich Rezepte, die auch aus meiner Sicht ein Fehler wären, aber die werde ich mir auch nicht vom Koch zubereiten lassen. (lacht) 

Playboy: In Ihrem Leben haben Sie nicht immer in fünf-Sterne-Hotels übernachtet. Sie sind in einer gefährlichen Gegend von East Los Angeles aufgewachsen. Wie war das? 
WILL.I.AM: Wenn ich meine Augen schließe, bin ich immer noch der kleine Junge, der auf seinem Fahrrad durch die Nachbarschaft fährt, während seine Freunde zu Gangmitgliedern werden. Meine Freunde hingen mit den älteren Gangstern ab. Denn die rekrutieren ihre Mitglieder im Alter von neun und zehn Jahren. Man gibt ihnen Rucksäcke und in diesen Rucksäcken sind Drogen. Und dann hörst du, dass dieser eine Freund von dir erschossen wurde. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir bei der Suppenküche anstanden, um etwas zu Essen zu bekommen, weil wir kein Geld hatten. Das waren Erfahrungen, die mich fürs Leben geprägt haben. 

Playboy: Warum wurden Sie nicht von den Gangs rekrutiert? 
WILL.I.AM: Weil meine Mutter mich nicht aus dem Haus ließ. 

Playboy: Stimmt es, dass Ihre Großmutter eine Art Respektsperson in Ihrem Viertel war? 
WILL.I.AM: Ja, sie hat für alle in der Nachbarschaft gebetet. Wenn jemand ins Gefängnis gehen musste, kamen die Eltern dieses Menschen zu meiner Großmutter und sie hat für diese Familie gebetet. 

Playboy: Wie haben Sie den Absprung geschafft? 
WILL.I.AM: Ich musste mein ganzes Umfeld ändern. Denn die Leute um dich rum beeinflussen dich immer. Die Menschen, mit denen ich mich vor 30 Jahren umgeben habe, waren anders, als vor 20 Jahren. 1994, als ich 19 war, lernte ich Musiker von außerhalb meiner Nachbarschaft kennen. Daraus wurden die Black Eyed Peas. Wir reisten durch die Welt und spielten in ausverkauften Stadien. Ab 2004, mit 29, waren es wieder andere Leute und ich lernte Marketingstrategen und Firmenbosse kennen. Das brachte mich dort hin wo ich heute bin. Jetzt sitze ich mit Programmierern, Elektroingenieuren und Entwicklern zusammen und bereite das vor, was ich 2024 machen werde. 

Playboy: Was wird das sein? Werden Sie in den Weltraum reisen? 
WILL.I.AM: Nicht ganz. Ich denke, es wird eher eine neue Art von Computertechnologie sein. Wir sitzen zum Beispiel gerade in einem wunderschönen Hotel an der Champs-Élysée in Paris, aber das Hotel ist dumm. 

Playboy: Wie meinen Sie das? 
WILL.I.AM: Es hat noch kein Betriebssystem. Wenn ich hier alle Lichter anmachen will, muss ich fünf verschiedene Schalter umlegen. Das bedeutet, dass dieses Hotel dumm ist. So schön es auch ist, mein Telefon ist schlauer. All das wird sich in den nächsten zehn Jahren ändern und man wird es kaum glauben können, dass es einmal Häuser gab, die nichts konnten. Aber es geht noch weiter. Man wird zum Beispiel in Zukunft auch nicht mehr selbst reisen müssen. 

Playboy: Wie soll das gehen? 
WILL.I.AM: Sehen Sie es mal so: Wenn die ganze Welt digitalisiert ist, kann ich doch einfach eine 3D-Brille aufsetzen und mich virtuell nach China beamen. Wenn ich mich umschaue, werde ich das Gefühl haben, wirklich in China zu sein. 

Playboy: Ist das das Gleiche, als wenn man selbst vor Ort ist? 
WILL.I.AM: Unser Körper ist im Prinzip auch nichts anderes als ein Gerät, das über verschiedene Sensoren verfügt, die dich zum Beispiel fühlen lassen, wenn du etwas berührst. Da macht es keinen Unterschied, ob du ein Head-Up-Display und einen Anzug trägst, der dich auf virtuelle aber realistische Art alles fühlen lässt, was es gibt. So etwas wird kommen. Es gibt schon Satelliten, die den gesamten von uns erreichbaren Weltraum erfassen. Der Mond ist digitalisiert worden, der Mars wird es bald sein. Warum also sollte man dorthin noch reisen wollen? 

Playboy: Lassen Sie uns beim Futuristischen bleiben. 2009 hatten Sie eine Rolle in dem Superheldenfilm X-Men Origins. Was macht im echten Leben einen Mann zu einem Helden? 
WILL.I.AM: Leute wie der Tesla-Gründer Elon Musk, der Erfinder Dean Kamen oder Steve Jobs, das sind für mich echte Superhelden. Die machen auch nichts anderes als Batman und Iron Man. Beide sind eigentlich ganz normale Menschen, mit dem Unterschied, dass sie mit ihren Gadgets die natürlichen Grenzen ihres Körpers überwunden und ihre Fähigkeiten verbessert haben. Das macht sie zu Superhelden. Und dahin geht die Reise. 1920 war ein Ford T-Model nur ein verdammt langsames Auto. Jetzt gibt es Bugattis, die verdammt schnell fahren. Genauso gibt es bereits high-tech-Anzüge für die Armee, deren Weiterentwicklung nichts anderes als Iron Man ist. 

Playboy: Bei der Wahl 2008 haben Sie Barack Obama unterstützt und natürlich ist er kein Superheld. Aber sind Sie noch zufrieden mit ihm? 
WILL.I.AM: Wir haben Barack Obama damals gebraucht. Lassen Sie mich das mit einer Metapher erklären: George W. Bush war wie ein Fernseher der dir einfach nur seine Version der Welt erzählt hat. Und die Leute haben alles geglaubt, was dieser Fernseher ihnen gezeigt hat: Terrorismus ist böse, hinterfrage nichts und gehe lieber einkaufen. Das war Bush. Barack Obama dagegen ist wie eine Lupe, die dir zeigt, was falsch läuft. Das heißt, wenn Obama ein Problem nicht lösen kann, liegt das daran, dass das ganze System, das die Probleme lösen sollte, kaputt ist. Wir hatten jemanden wie Obama bitter nötig. Und zu denken, dass er alle Probleme einfach so lösen würde, ist einfach nur naiv und nicht realistisch. Seine Aufgabe war es, uns zu zeigen, was das Problem war und jetzt wissen wir, dass das Problem im System liegt.

Playboy dankt für die Vermittlung des Interviews dem Autohersteller Lexus, der für uns und unseren Redakteur Tim Geyer das Treffen mit will.i.am arrangiert hat.

Folge Tim bei Twitter: @tim_geyer

Autor: Tim Geyer, Redakteur
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