Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson

... über Riesenflugzeuge und die Eier von Angela Merkel

30 Fragen an... Bruce Dickinson

Neues Leben, neues Album, neue Tour: der Iron-Maiden-Sänger über unzerstörbare Metal-Band-Monster, Riesenflugzeuge, seinen Sieg über den Krebs, Junkies beim Golfspielen und die Eier von Angela Merkel

Playboy: Seit 40 Jahren gibt es Iron Maiden. Seit 1982, als „The Number of the Beast“ den internationalen Durchbruch brachte, sind Sie dabei. Wie haben sich die Fans seither verändert?
Dickinson: Kein bisschen. Wenn du von der Bühne runterschaust, würdest du manchmal am liebsten laut loslachen. Da ist Papa in der Kutte von damals, der komplett einen im Tee hat und jeden Song mitgrölt. Dann der Kurze, der vielleicht elf oder zwölf ist und dir den Teufelsgruß entgegenstreckt. Und Mama, die dir den ganzen Abend schöne Augen macht – genau wie in den Achtzigern.

Playboy: Also viele Milfs im Publikum??
Dickinson: Iron Maiden ist Milf City! (lacht) Das ist wirklich so. Aber mal ehrlich: Das kann auch frustrierend sein. Ich bin jetzt 56 und nicht sicher, ob ich noch Milfs abbekommen würde. Und ich muss aufpassen, was ich hier sage, denn ich will keine Scheidung riskieren – das kann ich mir nicht leisten.

Playboy: Als Sänger einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten?
Dickinson: Also, wenn du reich sein willst, dann raub eine Bank aus, aber versuch es nicht mit Musik.

Playboy: Iron Maiden ist keine lohnende Erwerbsarbeit?
Dickinson: Klar, das Geld ist toll, aber es gehört viel mehr dazu. Wenn man mich vor die Wahl stellen würde, ob ich lieber reich oder interessant wäre, würde ich mich immer für Letzteres entscheiden.

Playboy: Erstaunt es Sie, dass es die Band immer noch gibt?
Dickinson: Ja, und es ist toll! Es hat was von einem Monster, das wir selbst erschaffen haben. Weil diese Band nie irgendwelche Kompromisse eingegangen ist. Sie ist jenseits aller Moden.

Playboy: Aber es gibt doch viele Iron-Maiden-Coverbands. Schmeichelt Ihnen das eigentlich?
Dickinson: Klar! Aber im Grunde sind wir auch nur eine davon.

Playboy: Wie meinen Sie das
Dickinson: Der einzige Unterschied zwischen einer Maiden-Coverband und uns ist, dass wir auch neue Songs spielen. 

Playboy: Haben Sie mal Bruce Chickinson persönlich getroffen?
Dickinson: Wen? (lacht)

Playboy: Die Sängerin der Iron Maidens, dieser Frauen-Coverband aus L. A.
Dickinson: Aber sicher! In Mexiko. Wir alle, also die gesamte Band, sind in diesen Club gefahren und haben uns die Mädels angeschaut. Und irgendwann meinte ich zu Steve (Bassist und Bandgründer Steve Harris, d. Red.): „Wenn du dir die Ladys so anschaust – könntest du dir vorstellen, dich selbst zu ficken?“ Worauf er mich ernst anschaute und sagte: „Ich weiß es nicht, aber ich glaube, wir denken alle gerade darüber nach.“

Playboy: Thema neue Songs: Der Titel Ihres aktuellen Albums „The Book Of Souls“ klingt wieder nach einem großen metaphysischen Konzept. Was ist die Botschaft?
Dickinson: Es ist immer wieder lustig, dass die Leute da wer weiß was reininterpretieren und meinen, so ein Album wäre exakt geplant. Das ist es nicht. Es sieht hinterher nur so aus. Wie bei der Bibel, die ja auch nicht von Anfang an als solche angelegt war. Ein Zufallsprodukt, weil jeder hier und da ein Kapitel hinzugefügt hat. Am Ende meint dann jemand: „Ahhh, es war alles Prophezeiung!“ Am Arsch, gar nichts war das. 

Playboy: Mit dem 18-Minuten-Song „Empire Of The Clouds“ enthält das Album das längste Stück der Bandgeschichte – Ungewöhnlich für Iron Maiden: mit Streichern, Bläsern, Orchester. Warum so episch?
Dickinson: Das ist einfach passiert, als ich die unfassbare Geschichte über dieses Flugzeug, die „R101“, in einen Song verpacken wollte. Ich hoffe, wenn die Leute das Album hören, dass sie danach googeln, um mehr über die „R101“ zu erfahren.

"Der einzige Grund, sich um seinen Körper zu kümmern, besteht doch eigentlich darin, ihn genüsslich zerstören zu können."

Bruce Dickinson

Playboy: Der größte Zeppelin, den es je gab und der auf seinem Jungfernflug verunglückte?
Dickinson: Ja, er war das erste Modell einer geplanten britischen Superflotte mit 20 bis 30 gigantischen Luftschiffen, die die Kolonien miteinander verbinden sollten. Was 1930 eine Wahnsinnsvision war, der Start in ein modernes Zeitalter.

Playboy: Die „Titanic“ der Lüfte?
Dickinson: Das war sie, die „R101“ – die „Titanic“ der Lüfte. Und um Ihnen eine Idee von der Größe dieses Luftschiffs zu geben: Die „Titanic“ hätte da locker reingepasst.

Playboy: Was Sie nicht abschreckt, sich zurzeit am Bau des wirklich größten Luftschiffs aller Zeiten zu beteiligen?
Dickinson: Und zwar im selben Hangar! Wir bauen in demselben Hangar, in dem die „R101“ produziert wurde.

Playboy: Wann stellen Sie das Flugzeug vor?
Dickinson: Nächstes Jahr. Wir haben schon Testflüge in den USA unternommen. Es fliegt nicht schneller als 120 Stundenkilometer, aber wir können damit fünf Tage am Stück in der Luft bleiben. Also: kein Problem, damit den Atlantik zu überqueren. 

Playboy: Sie leiten ja die Firma Cardiff Aviation, ein Service- Unternehmen für die Luftfahrt. Wie viele Angestellte haben Sie mittlerweile?
Dickinson: Nächstes Jahr sollen es 250 werden, weil wir gerade eine eigene Airline gestartet haben. Das erste Flugzeug ist eine Boeing 737, die in Malpensa/Mailand steht und auf ihren Einsatz für eine spanische Chartergesellschaft namens Albastar wartet. Ich habe sie gerade erst selbst dort abgeliefert.

Playboy: Als ausgebildeter Pilot: Haben Sie ein Lieblingsflugzeug?
Dickinson: Die Boeing 757, die ich beruflich fliege. Als sie dieses Flugzeug konstruierten, haben sie die größten Triebwerke eingebaut, die zur Verfügung standen – viel größere, als man eigentlich braucht. Es ist wie ein Porsche 911 Turbo. 

Playboy: Sind Sie das einzige Maiden-Mitglied mit einem regulären Job?
Dickinson: Ja, ich bin der Einzige in der Band, der einen Job hat. (lacht)

Playboy: Wie geht Ihr liebster Pilotenwitz?
Dickinson: Eine Frau betritt eine Polizeiwache und sagt, sie sei von einem Piloten vergewaltigt worden. Darauf der Beamte: „Woher wissen Sie, dass es ein Pilot war?“ – „Nun, er hatte einen kleinen Penis, eine dicke Uhr, und er hat die ganze Zeit nur über sich geredet.“

Playboy: Stimmt das Klischee vom Piloten als modernem Seemann, der in jedem Hafen eine andere Braut hat?
Dickinson: Da ist natürlich was dran. Aber was die Klischees angeht, so trifft auf mich nur eines zu: das Tragen der Uniform. Man kann da nicht einfach in Jeans aufschlagen.

Playboy: Wie finden Sie nebenher die Zeit, Maiden-Alben zu produzieren?
Dickinson: Ich sage: „Ich kann dann und dann, und an allen anderen Tagen bin ich busy. Kriegt ihr das irgendwie hingebogen?“ Und das tun sie. Ein Iron-Maiden-Album aufzunehmen hat ja nichts mit Arbeit zu tun. Es ist ein großer Spaß, ein Jungsding. Ein hart erkämpftes Jungsding.

Playboy: Sie haben Anfang dieses Jahres den Krebs besiegt. Wie haben Sie die Diagnose aufgenommen?
Dickinson: Das war ein großes Ausrufezeichen. Als ob man mit seinem Auto vor die Wand fährt. Alles kam zum Stillstand, und ich habe mich ganz darauf konzentriert, diese Krankheit zu bekämpfen. Zu Beginn des Jahres war das mein Vollzeitjob. Ich habe mich informiert, was da abläuft, wie die Therapie funktioniert, welche Maschinen zum Einsatz kommen, welche Drogen mir verabreicht werden, welchen Effekt sie auf mich haben und wann es mir besser gehen wird. Ich wollte wissen, worauf ich mich einlasse und was mit meinem Körper passiert. Eben, um das vielleicht ein bisschen mitkontrollieren zu können.

Playboy: Um die Krankheit durch Wissen besser bekämpfen zu können?
Dickinson: Genau. Ich habe mich quasi für die Dauer von neun Wochen zu meinem eigenen Wissenschaftsprojekt erklärt. Und ich hatte genug Strahlung, um mindestens 13 Menschen zu töten. Es waren 33 Bestrahlungen in 33 Tagen und dazu neun Wochen Chemotherapie. Was eine interessante Erfahrung war. Keine, die ich gerne wiederholen würde, aber da müssen ja jeden Tag Tausende von Menschen durch.

Playboy: Was hat Ihnen besonders geholfen?
Dickinson: Es gab da einen Kampfpiloten der britischen Armee, der denselben Tumor hatte wie ich und exakt dieselbe Behandlung durchmachte. Also dachte ich mir: Dem zeig ich’s – ich werde diesen Typen schlagen und schneller wieder fit und gesund sein als er (lacht). Das war mein Ziel, und das habe ich erreicht. Als ich ihn drei Wochen nach Abschluss meiner Behandlung getroffen habe, wurde er noch im Rollstuhl in den Fahrstuhl geschoben, während ich die fünf Stockwerke zu Fuß genommen habe.

Playboy: Darf man grundsätzlich mal fragen, wie Sie sich fit halten? Sie absolvieren ja auf der Bühne immer noch ein Wahnsinnspensum.
Dickinson: (lacht) Oh, ja! Ich bin ständig in Bewegung. Steve und ich haben jetzt einen Physiotherapeuten, der uns vor der Show noch einmal kurz bearbeitet und alles lockert und einrenkt. Was wirklich angenehm ist. Aber seien wir ehrlich: Der einzige Grund, sich um seinen Körper zu kümmern, besteht doch eigentlich darin, ihn genüsslich zerstören zu können. Du willst in der Lage sein, ihn umso mehr zu missbrauchen. Das ist die wahre Motivation, um fit und gesund zu sein – und nichts anderes (lacht). Eine irre Idee, oder?

Playboy: Viele Rockstars spielen in Ihrem Alter ja lieber Golf . . .
Dickinson: Das überlasse ich unserem Schlagzeuger. Wobei es aber nichts Ungewöhnliches ist. Im Gegenteil: Es gibt auch wahnsinnig viele ehemalige Heroin-Junkies, die darin ihre große Erleuchtung finden. Eigentlich unfassbar. Ich frage mich schon lange, ob Golf vielleicht sogar noch schlimmer ist als Heroin.

Playboy: Ihre größten sportliche Erfolge hatten Sie im Fechten, Sie standen sogar mal kurz vor dem Sprung in die britische Olympia-Auswahl. Bedauern Sie, dass Ihnen das entgangen ist?
Dickinson: Nicht wirklich. Das britische Olympia-Team war nicht besonders gut – milde formuliert. Es waren schon die besten Fechter, die wir in England hatten, und klar, hätte ich da mitmachen können, wenn ich das unbedingt gewollt hätte, aber dann wäre ich wohl wie alle anderen in der ersten oder zweiten Runde des Turniers ausgeschieden. Und zwar sang- und klanglos. Denn seien wir ehrlich: Ich war zwar die Nummer sieben in England, aber letztlich war ich nur Durchschnitt.

Playboy: Was Sie nicht davon abhält, sich bis heute immer mal wieder daran zu versuchen: Erst vor Kurzem sind Sie gegen Bartosz Piasecki angetreten, die aktuelle Nummer zwei der Weltrangliste. Wie haben Sie sich geschlagen?
Dickinson: Es ging so. Ich war nicht besonders in Form, und irgendjemand hatte diesen Kampf kurzfristig angesetzt, weil Piasecki wohl ein Maiden-Fan ist. Aber ich habe es trotzdem geschafft, ein paar Treffer zu landen.

Playboy: Und wie steht es mit weiteren Ambitionen: Könnten Sie sich vorstellen, zum Beispiel ein führendes politisches Amt zu bekleiden?
Dickinson: Sie meinen: Ich als David Cameron?

Playboy: Ja, was würden Sie als Erstes tun?
Dickinson: Mir ein paar richtige Eier wachsen lassen. Denn das ist es, was dem Typen fehlt. Ganz im Gegensatz zu Angela Merkel (lacht). Die hat fast schon zu große. 

Autor: Marcel Anders
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.