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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton

...über Superman, Silberpfeile und guten Sex

"An guten Sex kommt nichts ran."

Der alte und neue Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton spricht über Psycho-Spielchen unter Rennfahrern, Club-Auftritte als DJ und warum er bei allem, was er tut, in erster Linie immer eines sucht: die Gefahr.

Playboy: Mister Hamilton, wenn Ayrton Senna Ihre Inspiration war, wer war dann Ihr erster Held?

Hamilton: Superman war mein erster Held. Er war der Größte, der Stärkste. Er konnte fliegen, hatte einen Laserblick und all diese Fähigkeiten. Er war der Beste. Also wollte ich Formel1-Fahrer werden oder Superman. Das mit Superman hat leider nicht geklappt. Ich versuche gerade, mir ein paar übermenschliche Kräfte anzueignen, aber noch funktioniert es nicht.

Playboy: Wer Ihnen auf den Social-Media-Kanälen folgt, gewinnt den Eindruck, dass Sie tatsächlich ein bisschen wie Clark Kent sind. Sie wechseln zwar Ihr Outfit nicht in Telefonzellen, dafür aber die Orte wie andere Leute ihre Hemden: Mallorca, Kalifornien, London, Las Vegas, New York und Monaco - alles in einer Woche. Da müssen Superkräfte dahinterstecken!

Hamilton: Ich liebe das Reisen, heute vielleicht mehr als je zuvor. Ich kann nicht eine Woche lang am selben Ort sein, ich muss ständig in Bewegung bleiben.

Playboy: 20 Rennen rund um den Globus pro Saison sind nicht genug?

Hamilton: Ich bin gern an verschiedenen Orten, sehe gern neue Dinge: einen anderen Boden unter den Füßen, andere Länder, andere Kulturen, neue Erfahrungen, neue Menschen.

"Ich bin gern an verschiedenen Orten, sehe gern neue Dinge: einen anderen Boden unter den Füßen, andere Länder, andere Kulturen, neue Erfahrungen, neue Menschen."

Lewis Hamilton

Playboy: Wo trifft man Sie am häufigsten?

Hamilton: In den Staaten, dort bin ich am liebsten. Ich mag es dort, weil ich sehr inkognito sein kann. Und ich mag den Way of Life dort: sehr happy, sehr positiv, ich habe einige gute Freunde dort. Das Wetter ist auch immer gut, zumindest da, wo ich normalerweise bin. Und alles ist groß: breite Straßen, große Autos.

Playboy: Wie bewahren Sie bei Ihrem Lebenstempo die vielen Eindrücke?

Hamilton: Meistens mache ich das auf den Flügen. Ich mache viele Fotos und lasse die Erlebnisse im Flieger Revue passieren. Da versuche ich, Zeit zum Reflektieren zu finden. Aber generell tue ich es jeden Abend und sage mir, bevor ich ins Bett gehe: Wow, das viele Reisen, was für ein fantastisches Leben, ich kann all diese tollen Dinge sehen und tun. Und obendrein darf ich einen Formel-1-Wagen fahren!

Playboy: Welchen Ort bezeichnen Sie als Ihr Zuhause?

Hamilton: Monaco. Es ist ein kleines Land, aber größer heißt nicht immer schöner. Ich finde Monaco ziemlich spektakulär.

Playboy: Wie schnell verblasst die Erinnerung an einen Grand Prix?

Hamilton: Sobald ich zu Hause bin. Am Tag nach dem Rennen ist sie weg, und ich bin in Gedanken schon bei der nächsten Sache.

Playboy: Sehen Sie sich Ihre Rennen hinterher noch einmal an?

Hamilton: In ganzer Länge habe ich noch kein einziges Rennen von mir gesehen. Das muss ich auch nicht, ich bin es schließlich gefahren (breites Grinsen). Ich sehe mir gern Moto GP oder ab und zu ein Nascar-Rennen an, ansonsten gucke ich Basketball. Beim Debrief nach dem Rennen sehe ich mir mit meinen Ingenieuren Ausschnitte an, den Start, Boxenstopps, Überholmanöver. Ich spule da schnell durch, den Finger ständig auf der Vorlauftaste.

Playboy: Sie verbannen das Rennen völlig aus Ihrem Kopf?

Hamilton: Natürlich nicht. Ich denke an manche Situationen zurück, aber mit anderer Perspektive.

Playboy: Stichwort siegen - wie ist da Ihre Perspektive?

Hamilton: Ein Rennen zu gewinnen, dann mit einem Riesenlächeln im Gesicht in den Flieger zu steigen - ein befriedigenderes Gefühl gibt es nicht. Du spürst diesen Frieden im Herzen.

Playboy: Der Sieg ist also alles?

Hamilton: Nicht alles. Kämpfen, verteidigen, ein guter Boxenstopp, ein guter Turn One: Das kann alles ebenfalls sehr befriedigend sein. Man kann das nicht auf eine Sache reduzieren.

Playboy: Ihre Differenzen mit Nico Rosberg im vergangenen Jahr hatten etwas von einem Psycho-Krieg.

Hamilton: Na ja, jeder Sport, egal, welcher, ist immer eine mentale Herausforderung, ein Kampf. Die Formel 1 ist da keine Ausnahme. Manche Leute spielen eben gern mentale Spielchen. Ich habe das nicht nötig. Was ich zu sagen habe, sage ich auf der Rennstrecke. Deine Taten und deine Leistung auf der Strecke sagen mehr als Worte oder irgendwelche Psycho-Tricks.

Playboy: Sie schaffen es also, den Konflikt komplett auszublenden?

Hamilton: Ich schenke ihm keine Beachtung. Über so etwas lacht man und vergisst es. Keine Frage, in meiner Karriere gab es Zeiten, wo es mir zugesetzt hätte, aber man lernt aus solchen Erfahrungen und baut eine Mauer auf.

Playboy: Psychologisch fordert es aber bestimmt einen Tribut.

Hamilton: Alle reden von diesem Psycho-Zeug, aber die einzige psychologische Kriegsführung ist die mit mir selbst. Du selbst kannst dein schlimmster Feind sein - es ist dieser unsichtbare schlimmste Feind, gegen den du kämpfst.

"Du selbst kannst dein schlimmster Feind sein - es ist dieser unsichtbare schlimmste Feind, gegen den du kämpfst."

Lewis Hamilton

Plaboy: Würden Sie es vorziehen, wenn Ihr schärfster Gegner nicht im eigenen Team säße, und lieber gegen einen Fahrer aus einem anderen Team kämpfen, etwa gegen Sebastian Vettel bei Ferrari?

Hamilton: Es ist mir wichtig, einen starken Kollegen zu haben, denn 2008, als ich meinen ersten Titel holte, war mein Kollege (Heikki Kovalainen; d. Red.) nicht stark genug, und das Team (McLaren; d. Red.) konnte die Konstrukteurs-WM nicht gewinnen. Es ist gut, einen Kollegen zu haben, der dich antreibt und dir hilft, das Team anzutreiben, denn das kannst du nicht allein. Zwei sind besser. Allein lernst du langsamer.

Playboy: Ein Resultat der Situation bei Mercedes war der Konstrukteurs-Titel - das andere der berüchtigte Crash in Spa. Trotzdem können Sie weiter mit Nico Rosberg im selben Team arbeiten?

Hamilton: In unserem Team ist alles transparent, alle Daten werden geteilt. Keiner hat gegen den anderen ein Ass im Ärmel - das ist der Gedanke der Transparenz und Gleichstellung bei uns.

Playboy: Wer ist der härteste Gegner in Ihrem Rückspiegel?

Hamilton: In letzter Zeit gab es nicht viele, die den Versuch unternahmen, den Silberpfeil zu überholen. Aber grundsätzlich ist es einem eher egal, um wen es sich handelt, weil sie alle unterschiedlich sind und alle gefährlich. Es ist, als würden verschiedene Modelle von Kampfflugzeugen Jagd auf dich machen.

Playboy: Fußballtorhüter studieren die Gewohnheiten der Spieler und machen sich Notizen. Tun Rennfahrer das nicht?

Hamilton: Jeder Fahrer hat andere Stärken und Schwächen. Studiert habe ich die nie. Ich musste mir da nie etwas aufschreiben. Wenn du gegen andere Piloten fährst, machst du dir in bestimmten Situationen mentale Notizen und weißt beim nächsten Mal, wie sie wahrscheinlich reagieren werden. Wenn ich Alonso oder Vettel im Rückspiegel habe, weiß ich, was sie vermutlich tun werden.

Playboy: Und wie sieht Ihr eigenes Fahrmuster aus?

Hamilton: Ich habe keine Muster. Ich fahre gern spontan. Das ist gut, weil es bedeutet, dass ich ad hoc reagieren kann. Denn es gibt keine komplett identischen Rennsituationen. Du musst spontan reagieren, und oft kannst du nur hoffen, dass deine Entscheidung die richtige ist und dein Angriffsplan Erfolg hat. Ich denke, meine Quote diesbezüglich kann sich sehen lassen. Aber man versucht, immer besser zu werden.

Playboy: Sie achten beim Fahren auf einen gleichbleibenden Rhythmus. Ist das für Sie wie ein guter Rhythmus in der Musik?

Hamilton: Musik ist meine große Leidenschaft. Aber zwischen Musik und Rennfahren gibt es keine direkte Verbindung, zumindest sehe ich keine.

Playboy: Wie ist Ihre Liebe zur Musik entstanden?

Hamilton: Ich bin mit Musik aufgewachsen, der Musik aus Trinidad, mein Vater spielte in einer Band. Er hatte eine sehr gute Hi-Fi-Anlage, die ich nach der Schule aufdrehte. Zwei meiner Onkel waren Rastafari, einer von ihnen ein DJ. Mit 13 fing ich an, Gitarre zu spielen. Wenn ich nicht Hausaufgaben gemacht oder am Computer gespielt habe, lernte ich einen neuen Song. Als ich älter war, habe ich zwei Jahre auf eine DJ-Ausrüstung gespart und stundenlang in meinem Zimmer DJ gespielt. Später habe ich auf ein paar Partys aufgelegt, und als ich ins Clubbing-Alter kam, durfte ich ab und zu für ein paar Minuten als DJ an die Plattenspieler. Das wurde meine Lieblingsbeschäftigung.

Playboy: Es gibt Gerüchte, dass Sie ein eigenes Album aufnehmen werden.

Hamilton: Wahrscheinlich würden die Songs, die ich bisher geschrieben habe, für viele Alben reichen. Aber ich mache das nicht zielgesteuert. Es ist einfach nur meine Leidenschaft.

Playboy: Ihre andere Leidenschaft ist offensichtlich: Mode.

Hamilton: Als Teenager habe ich in den Magazinen, die ich mir ständig kaufte, all diese modischen Typen gesehen und mir vorgestellt, eines Tages solche Klamotten zu besitzen. Aber ich habe lange gebraucht, um meinen Stil zu finden, den Stil, mit dem ich mich am wohlsten fühle - ein interessanter Prozess. Heute fühle ich mich wohler in meiner Haut als je zuvor. Ich liebe die kreative Seite der Mode, neue Looks, neue Designer, was gerade in ist. Ich bin sogar gern bei Fashion Shows, um die neuen Trends zu sehen.

Plaboy: Ist die Art, wie Sie sich kleiden, ein Statement?

Hamilton: Sie ist definitiv ein Spiegel meines Inneren. Kleidung und Stil können viel über den Charakter verraten. Sie können laut sein, leise, elegant, lässig, smart, cool und verschiedene Gefühle widerspiegeln, die man in sich trägt. Es gibt Designer, die viel von ihren eigenen Überzeugungen in ihre Entwürfe fließen lassen. Zu ihnen spüre ich eine natürliche Verbindung.

Playboy: Kaufen Sie auch gern ein?

Hamilton: Ich gehe nicht allzu oft einkaufen, aber ab und zu gefällt es mir, neue Kollektionen zu sehen. Generell versuche ich zu vermeiden, in Läden zu gehen. Von der Freundin zum Shoppen geschleppt zu werden ist das Frustrierendste überhaupt.

Plaboy: Apropos einkaufen: Sie sind Besitzer einer Shelby Cobra.

Hamilton: Ja, ein echter Klassiker, manuelle Schaltung, eines der schönsten Autos, die je gebaut wurden. Ich weiß nicht, ob es mit Absicht so cool gebaut wurde. Heutzutage ist alles so elektronisch. Das Design der Cobra hat viel mehr Charakter. An Autos fasziniert mich, sie zu fahren. Ich nenne sie meine Freundinnen oder meine Girls. Als ich in einer festen Beziehung war, habe ich immer gesagt: Das sind meine anderen Freundinnen, ich gehe heute Abend mit meinen anderen Mädels aus.

Playboy: Geben Sie ihnen Namen?

Hamilton: Nein, ich finde es abgedroschen, das zu tun. Für mich sind sie einfach meine Girls.

Playboy: Neulich fuhren Sie einen 60 Jahre alten Silberpfeil über die Monza-Steilwand. Spüren Sie eine Sehnsucht nach dieser Art Rennen?

Hamilton: Meine Lieblingsära in der Formel 1 waren die 80er-Jahre: Senna, Prost, Lauda. Ich kann mir vorstellen, dass ich auch früher gestartet wäre, seit ich den W 196 gefahren bin. Definitiv. Sehr cool, sehr gefährlich, zu gefährlich in meinen Augen.

"Meine Lieblingsära in der Formel 1 waren die 80er-Jahre: Senna, Prost, Lauda. Sehr cool, sehr gefährlich, zu gefährlich in meinen Augen."

Lewis Hamilton

Playboy: Welche Beziehung haben Sie zum Risiko?

Hamilton: Gefahr ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Wenn es keine gefährlichen Dinge gäbe, wäre das Leben langweilig. Das ist der Aspekt, den ich liebe. Der Grund, warum ich Jet-Ski fahre, warum ich Motorrad fahre. Ich mache gern wilde, gefährliche Sachen. Der Gedanke, dass man ganz nah dran ist an der Klippe, dass jeden Moment etwas passieren könnte, ist bei allem, was ich mache, der aufregendste Teil und der größte Kick. Natürlich auch, wenn ich Rennen fahre. Wenn es im Rennsport keine Gefahr gäbe, wäre er, denke ich, weniger aufregend.

Playboy: Sebastian Vettel hat mal zu uns gesagt, dass ein Formel-1-Rennen wie perfekter Sex sein kann. Stimmen Sie zu?

Hamilton: Vor ein paar Jahren habe ich etwas Ähnliches gesagt, aber ich lag sooo falsch. An guten Sex kommt nichts ran. Das Beste ist wohl guter Sex in einem guten Auto.

Autor: Elmar Brümmer
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