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Tödliches Geschäft

Unterwegs mit einem der besten Scharfschützen der Welt

Der Terroristen-Jäger

In der US-Armee nennt man ihn den „Auslöscher“: Nicholas Irving ist ein amerikanischer Scharfschütze – und einer der Besten seines Fachs. Bei seinem letzten Kampfeinsatz in Afghanistan erschoss er in 100 Tagen 33 Taliban-Kämpfer. Ein Held? Vielleicht. Doch auf jeden Fall: ein Mann, der keinen Frieden mehr findet.

Wenn sich Nicholas „Nick“ Irving weit nach Mitternacht zu seiner schlafenden Frau Jessica ins Bett legt, kommen die Erinnerungen zurück. Seine Hände fangen dann an zu schwitzen, sein Körper zu zittern. Es ist der Moment, in dem er aufsteht und die AK-47, sein Maschinengewehr, griffbereit neben den Nachttisch stellt. Anschließend schiebt er seine geladene Pistole unter das Kopfkissen. Nur wenn er sie unter dem Ohr spürt, kalt und hart, fühlt er sich sicher. „Liebling, ist alles in Ordnung?“, fragt seine Frau dann. Doch im Leben von Nicholas Irving, den alle nur „den Auslöscher“ nennen, ist eigentlich gar nichts in Ordnung. 

Irak im Jahr 2005. Nick Irving ist 18 Jahre alt. Nach amerikanischem Gesetz darf er legal noch keinen Alkohol trinken, das traut man einem jungen Mann in seinem Alter in den USA nicht zu. Aber in den Krieg darf er ziehen. Er kommt als Marksman, als einfacher Schütze, in den Irak. Bei seinem ersten Einsatz fällt auch sein erster tödlicher Schuss. Einer, den er nicht mehr vergessen wird. 

Kriegslegende

Nick Irving, 29, aus Texas ist einer der treffsichersten Scharfschützen der US-Geschichte. Heute betreibt er eine Sicherheits-firma. In die Armee will er nach sechs Auslandseinsätzen nicht zurück

„Es war ein Aufständischer in einem Pick-up- Truck“, erzählt Irving. Sein Vorgesetzter befiehlt ihm, den Verdächtigen zu eliminieren. Drei-, vier- mal drückt Irving ab. Und schießt daneben. Erst beim fünften Mal trifft er – und plötzlich explodiert das gesamte Auto. „Ich hatte die Sprengstoffweste des Mannes getroffen.“ Irving ist geschockt und denkt: verdammte Scheiße! Doch sein Vorgesetzter gratuliert ihm. Und die Kameraden sind begeistert. 

Der erste Kill sei der schwierigste, heißt es unter Scharfschützen. Und das ist auch bei Nick
Irving so. Der Tote aus dem Pick-up verfolgt ihn. Nicht nur in der ersten Nacht. Auch in der nächsten und der übernächsten. „Ich bin in einem Zimmer mit einem Ventilator an der Decke. Die Flügel sind die Gliedmaßen, der Kopf und der Brustkorb des Mannes. Mit kalten Augen starrt er mich an und schreit, als sich der Ventilator langsam in Bewegung setzt. Er dreht sich immer schneller und irgendwann so schnell, dass die Arme und die Beine wegfliegen. Am Ende bin ich von Blut und Eingeweiden des Toten vollgespritzt.“ Ein Albtraum, der ihn bis heute nicht loslässt. 

Nick Irving ist ein amerikanischer Sniper. Einer der Besten seines Fachs. Eine Legende in der US-Army. Darauf trainiert, Menschen zu töten. Allein bei seinem letzten Einsatz 2009 in Afghanistan hat der einzige schwarze Scharfschütze eines Ranger-Bataillons in nur 100 Tagen 33 Taliban-Kämpfer erschossen. Einen davon traf er aus 740 Metern, sein weitester Schuss – ein Rekord unter den Rangern. Jedes Opfer verewigte er mit einem schwarzen Strich auf dem Metall seines Gewehrs. Irvings Kriegskameraden sind seit damals von seiner Treffsicherheit beeindruckt und nennen ihn ehrfurchtsvoll „The Reaper“, den „Sensenmann“. Und auch die islamistischen „Gotteskrieger“ am Hindukusch beginnen den „Auslöscher“ zu fürchten. Sie setzen eine Belohnung von 25.000 US-Dollar auf seinen Kopf aus – und machen den Jäger selbst zum Gejagten.

San Antonio/Texas im Januar 2016. Nick Irving sitzt auf der Terrasse seiner Stammkneipe. Es ist kalt an diesem Freitag, sechs Grad Celsius. Irving stört das nicht. Zu Hause hat er die Klimaanlage immer auf 16 Grad eingestellt. Hitze erinnert ihn an die Wüste des Irak, an Afghanistan, an den Krieg. 

Der 29-Jährige trinkt ein Bud-Light-Bier. Es ist zehn Uhr morgens. Sechs bis zehn werden es heute noch. Dazu raucht er Kette – Marlboro light. Trotz der Kälte hat er die Ärmel seines Sweaters hochgezogen. Einige Tattoos sind sichtbar. Insgesamt 14 hat sich der nur 1,67 Meter große Mann auf die Haut seines muskelbepackten Körpers stechen lassen. 

Auf seinem linken Arm stehen die Namen Benjamin Kopp und Anibal Santiago. „Zwei Freunde und Kameraden, die in Afghanistan gefallen sind.“ Außerdem das Abzeichen seiner Einheit, des Third-Ranger-Bataillons: ein Totenkopf in einem Zielfernrohr. Auch den Namen seiner Frau findet man auf dem Oberarm sowie ein Schlüsselloch mit einem Auge darin. „Ich sehe dich“, erklärt Irving die Bedeutung des Motivs. „Immer.“ Und wenn er das so sagt, mit seiner tiefen Texaner-Stimme, klingt es wie eine Drohung. 

„Auf dem linken Arm habe ich die Erinnerungen, auf dem rechten das ganze Böse im Leben“, erläutert er und zieht heftig an seiner Zigarette. Das Böse sind ein Sensenmann und ein Frankenstein-Monster. Doch sein wichtigstes Tattoo ist der Schriftzug „Sniper“. „Wenn ich anlege und mit der rechten Hand den Abzug halte, bildet das Wort eine Linie mit der herauskatapultierten Kugel.“

Irving, der Profi-Killer, wurde 1986 in Augsburg auf einer US-Militärbasis geboren. Seine Eltern, beide Soldaten, waren dort stationiert. Zwei Jahre blieb er in Bayern, dann kehrte die Familie mit ihm in die USA zurück. Irving ging zur Schule. Und lernte Klavier spielen. Er mag Beethoven und Mozart. Doch wie für viele „military brats“, wie Kinder aus Soldatenfamilien in den USA genannt werden, ist seine Karriere vorgezeichnet. Dabei hatte er ganz andere Träume. „Ich wollte Astronaut werden.“ Sein Vater, ein Army-Sergeant, malte ihm Sterne und Planeten an die Decke seines Kinderzimmers. „Für den Weltraum war ich aber zu schlecht in der Schule. Ich habe Mathematik gehasst.“

Und so wird es seine frühe Liebe zu Waffen, die seine Laufbahn prägt. In der Grundschule wegen seiner Größe gehänselt, fühlte der kleine Nick sich zu Hause mit seinem Luftgewehr ganz groß. „Ich habe auf Vögel geschossen, auf die Hauswand der Nachbarn.“ Mit sechs Jahren ist er schon ziemlich treffsicher. Die Löcher in der Wand pappt er mit dem Knetgummi seiner Schwester wieder zu. Als er acht ist, nimmt ihn sein Vater mit auf die Jagd und lässt ihn erstmals ein richtiges Gewehr abfeuern. Eine Remington-Schrotflinte Kaliber 20. Doch das Blut der erlegten Tiere erträgt Irving nicht. Ihm wird schlecht. 

"Du bist wütend, wenn dein Kamerad stirbt. Du willst das den anderen heimzahlen"

Nick Irving

Kandahar, Afghanistan, im Jahr 2009. Es ist sein sechster und letzter Auslandseinsatz, bei dem Nicholas Irving zur Legende wird. Ein halbes Jahr ist er in der Provinz Helmand stationiert, eine ruhige Gegend, sagen die Kameraden. Er solle seine Xbox mitbringen, gegen die Langeweile. Doch schon wenige Stunden nach seiner Ankunft geht es zum ersten Einsatz. Zwei Taliban-Kämpfer tötet er mit seinem neuen SR-25-Präzisionsgewehr. Er nennt die 20.000 Dollar teure Waffe liebevoll „Dirty Diana“ – nach einem Lied von Michael Jackson. „Sie hat mir mehr bedeutet als eine Freundin. Ich habe mein Leben in ihre Hand gelegt, und sie hat mir mein Leben gerettet.“ 

Afghanistan ändert alles im Leben von Irving. Durch das Kopfgeld, das die Taliban auf ihn aussetzen, gerät der damals 22-Jährige zum ersten Mal selbst ins Fadenkreuz eines Snipers: Ein berüchtigter Tschetschene, der seit der russischen Invasion am Hindukusch operieren und Gerüchten zufolge 300 Gegner erschossen haben soll, hat es auf ihn und seine Truppe abgesehen. 

„Wir kamen in einen Hinterhalt und wurden von allen Seiten beschossen – ein 360-Grad-Kugelhagel aus Kalaschnikows, Panzerfäusten und Maschinengewehren“, berichtet Irving. Die Soldaten suchen nach Deckung. Irving rettet sich in ein Erdloch. Doch auch hier ist er nicht sicher. Immer wieder schlagen vor ihm im Sand Kugeln ein. Eine fliegt nur Zentimeter an seinem Kopf vorbei. „Ich wusste sofort, dass das der Tschetschene war, vor dem uns alle gewarnt hatten.“ 

Die Einsatztruppe sitzt in der Falle. Jeder, der seinen Kopf aus der Deckung streckt, gerät sofort unter Beschuss. „Er ist getroffen! Er ist getroffen!“, schreit einer nach einem erneuten Kugelhagel. Den Zugführer hat es am Hals erwischt. „Du wirst wütend, wenn ein Kamerad stirbt. Du willst das den anderen heimzahlen.“ Ein Funker fordert Luftunterstützung an. „Wir brauchen Bomben. Hier sterben Soldaten. Werft endlich die Bomben!“ 

„Es war wie in einem Horrorfilm“, sagt Irving. Der Tschetschene scheint es gezielt auf seinen Kopf, auf die 25.000 Dollar Belohnung abgesehen zu haben. „Ich war in seinem Zielfernrohr.“ Wie knapp er dem Tod entkommt, bemerkt Irving erst später im Camp. Er hat zwei Löcher in seiner Kampfuniform, zwei Durchschüsse auf Bein- und Bauchhöhe. Doch er bleibt unverletzt.

Mehr als zehn Stunden dauert das Feuergefecht, und die Lage wird immer aussichtsloser. Niemand will als Gefangener in die Hände der Taliban fallen. „Wir wollten uns schon selbst auf unsere gezogenen Handgranaten werfen“, sagt Irving. „Mit meinem Tod hatte ich mich abgefunden.“ Innerlich verabschiedet er sich von seiner Frau, seinen Eltern. 

Obwohl den Männern am Ende wider Erwarten der Rückzug gelingt, bleibt Irvings altes Leben an diesem Tag doch auf dem Feld. Es ist sein alles entscheidender Wendepunkt, dass sein Vorgesetzter und Freund Benjamin Kopp vom Sniper getroffen wird und an seinen Verletzungen stirbt. Von da an fühlt Irving sich schuldig am Tod von Kopp. Er hat genug und reicht seinen Abschied ein. Ein halbes Jahr später kehrt er im Range eines Sergeant nach Texas zurück. Und was er mit nach Hause bringt, sind Erinnerungen, die Bilder des Krieges. Er ist nicht mehr der, der begeistert losgezogen war, der kämpfen und vor allem schießen wollte. Er ist ein anderer Mensch. Seine Frau Jessica bemerkt das sofort.

Die 29 Jahre alte Bankangestellte kennt ihren Mann seit der ersten Schulklasse. Doch erst als Irving 2005 im Irak stationiert ist, verlieben sie sich ineinander – per MySpace. Zwei Jahre später heiraten sie. Kinder haben sie nicht, dafür drei Hunde. Dass sie noch zusammen sind, nennen sie ein Wunder. „90 Prozent der Männer aus meiner Einheit sind geschieden“, sagt Irving. 

„Ich konnte es damals in seinen Augen sehen, dass etwas nicht stimmte“, erinnert sich Jessica. Nick sei ständig gereizt und aggressiv gewesen. Nicht gegen sie, aber gegenüber anderen Männern. Immer wieder prügelt er sich. Einmal muss Jessica dazwischengehen. Sie hat Angst, dass ihr Mann den anderen totschlägt. „Ich kann vom netten Kerl in Sekunden zur Bestie werden“, gibt Irving zu.

Er fängt an zu trinken. „Eine Flasche Jack Daniel’s am Tag. Und 20 bis 30 Bud Light.“ Dazu raucht er drei Packungen Zigaretten. Wenn er nachts betrunken ins Bett torkelt, bekommt Jessica Angst – auch wegen der AK-47 am Nachttisch und der Pistole unterm Kissen. Heute habe sie sich daran gewöhnt, sagt sie. 

Seine Kollegen vergleichen „Irv“, wie sie ihn kurz nennen, mit Chris Kyle, dem Sniper, der die meisten feindlichen Kämpfer getötet haben soll und am Ende in Texas Opfer eines psychisch kranken US-Soldaten wurde. Clint Eastwood verfilmte die Tragödie in „American Sniper“. „Wenn Kyle der Teufel von Ramadi war“, sagt Dalton Fury, Kommandierender einer Delta-Force-Spezialeinheit, „dann ist Irving des Teufels Sohn.“ 

Doch wie bei Kyle gehen auch an Irving die Toten nicht spurlos vorüber. „Ich fühlte mich immer unendlich leer“, beschreibt der „Auslöscher“ die Sekunde, wenn eines seiner Opfer zu Boden ging. „In dem Moment war ich ganz allein mit mir selbst.“ Etwa eine Stunde lang habe diese Depression jeweils gedauert.

An diesem Freitag im Januar 2016 steht Nick Irving nach dem Lunch in einem der Waffengeschäfte von San Antonio, die einen eigenen Schießstand haben. „Texas Gun“ heißt der Laden, dessen Umsätze wegen der aktuellen Waffendiskussion in den USA neue Rekorde erreichen. Viele hier haben Angst vor schärferen Gesetzen und decken sich richtig ein. Von Pistolen bis MGs gibt es alles. 

"Der Feind weiß nichts von der Gefahr, in der er sich befindet. Er hört den Schuss nicht und die Kugel nicht kommen"

Nick Irving

Dass man in Texas in der Öffentlichkeit offen Waffen tragen darf, findet Irving gut. Er nennt das Freiheit. Auch er hat „einige Knarren“ zu Hause, „fünf bis 20“, die genaue Zahl will er nicht verraten, und seine Lieblingswaffe immer dabei. Sie liegt unter dem Beifahrersitz seines weißen Wrangler-Jeeps: ein kriegstaugliches AR-15-Gewehr mit der Seriennummer 001. Die in Tarnfarben bemalte Waffe ist ein Abschiedsgeschenk der Green Berets, einer Spezialeinheit der US Army. „The Reaper Rifle“ steht darauf. Und: „Democracy“. 

Auf dem Schießstand wird Irving zu einem anderen Menschen. Er bewegt sich plötzlich wie ein Soldat beim Angriff. Mit kurzen Schritten trippelt er nach rechts, nach links. Er geht in die Knie, in Deckung, um dann wieder aufrecht zu stehen. Er will seinem Feind kein statisches Angriffsziel geben, selbst hier im heimischen Knarrenladen. So hat er das gelernt. Zwei Schüsse feuert Irving auf die Zielscheibe. Sie zeigt die Konturen eines Mannes. „Nicht auf den Kopf zielen“, mahnt ein Hinweisschild. Weil viele Schützen den kleinen Kopf verfehlen und dann die Aufhängung der Zielscheibe zerschießen. Irvings erste Kugel trifft exakt ins Herz, die zweite in die Stirn. „Im Kampfeinsatz hatte ich die Macht darüber, wann ein Mensch stirbt“, sagt Irving. „Der Feind weiß nichts von der Gefahr, in der er sich befindet. Er hört den Schuss nicht und die Kugel nicht kommen.“ Der Sniper hingegen verfolgt im Zielfernrohr den eintretenden Tod seines Gegners. „Ich sehe die Kugel wie einen Pilz im Körper explodieren. Ich sehe das Entsetzen, den Schock im Gesicht des Getroffenen, das Rollen der Augen, den zurückfallenden Kopf und das Zucken des Körpers, bevor er tot in sich zusammenfällt.“

Als Menschen betrachtet Irving seine Opfer nicht. „Du bekommst in deiner Ausbildung eingehämmert, dass es nur Ziele sind, die man ausschalten muss. Du tötest, um das Leben deiner Kameraden zu schützen.“ Dass er einen Unschuldigen getroffen haben könnte, glaubt er nicht. Er, die menschliche Präzisionswaffe, hadert nicht so sehr mit der Frage, wie viele Zivilisten in Afghanistan und im Irak umgekommen sein mögen. Schätzungen sprechen von 200.000 bis zu einer halben Million Menschen. Offiziell gezählt sind nur die 4424 US-Soldaten, die seit dem Einmarsch in den Irak 2003 gestorben sind, in Afghanistan sind es mehr als 2300. Was Irving beschäftigt, ist vielmehr das verfehlte Ziel, für das die Kameraden und er ihre Opfer gebracht haben: zwei Kriege ohne Sieger, die nichts als Chaos, neuen Terror, den IS und wiedererstarkende Taliban hinterließen. „Wir hätten im Irak und in Afghanistan bleiben müssen“, sagt Irving frustriert. „Doch die Politik wollte das nicht.“ 

Und er selbst? Konnte nicht mehr. Sein Maß ist voll. Ein Drittel der Rückkehrer leidet wie er unter Posttraumatischen Belastungsstörungen, Nächten voller Angst und Albträumen, Tagen im Alkoholnebel. Doch behandeln lassen will Irving sich nicht. „Wir Sniper sind knallharte Typen. Wir zeigen keine Schwäche und reden schon gar nicht darüber.“ Dabei dachte er nach seiner Rückkehr sogar an Selbstmord. Nur so, glaubte er, könne er sich von seinen Dämonen befreien. Er brauchte Jahre, um wieder die Kontrolle über sein Leben zu bekommen. „Gut ist es bis heute nicht“, sagt Jessica.

Zumindest seinen Alkoholkonsum will Irving reduziert haben. Eine Flasche Jackie reiche ihm bereits für eine Woche. Und er arbeitet wieder, hat eine eigene Sicherheitsfirma aufgebaut. Auch im Irak sei er deshalb schon wieder gewesen – geschäftlich, als
Bodyguard für Mitarbeiter privater Firmen. Nur zurück in die Armee will er nicht. Dabei hatte er Angebote. Der Sniper ist gefragt – und vermisst auch den Halt, den ihm die Kameradschaft in der Truppe gegeben hat: „die Menschen, die für einen sterben und für die man sein eigenes Leben geben würde“, sagt Irving. Dazu die Gerüche im Hubschrauber beim Flug zum Kampfeinsatz, das Motorenöl, der Schweiß der Kameraden. Für Irving war Krieg ein nicht enden wollendes Adrenalin-High. 

Um den Preis, dass er nun in einem nicht enden wollenden Tief steckt? „Nein, ich bereue nichts“, sagt Irving. „Ich habe als Sniper meinen Job gemacht.“ Doch dann wird er nachdenklich. Das Schuldgefühl übermannt ihn. Das Schuldgefühl eines Snipers: „Ich hätte noch mehr Feinde erschießen sollen“, sagt er leise. „Vielleicht hätte ich Benjamin damit retten können.“

Die ganze Story

Das Buch „Sie nannten mich den ,Auslöscher‘. Die Autobiografie eines der besten Scharfschützen der US-Armee“ von Nicholas Irving und Gary Brozek ist jetzt auf Deutsch erschienen (Riva-Verlag, 17,99 Euro).

Autor: Michael Remke
"Feinde - Hostiles" - Trailer Deutsch
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