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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Tommy Lee

...über catchende Groupies und seine Zeit im Knast

"Die Frauen wollten Liebe, ich Ihre Sportwagen"

Mötley Crüe sind auf Abschiedstour, weil selbst die heftigste Party mal ein Ende hat – außer für ihren Schlagzeuger: Tommy Lee übers Weiterfeiern, Groupies beim Catchen, seine Erholung im Knast und was er in Deutschland mit einem Maschinengewehr vorhat

Der Eishockey-Dom Centre Bell im kanadischen Montreal füllt sich mit Zuschauern. Vor allem seinetwegen: Tommy Lee, 53, ganzkörpertätowierter Schlaks und Schlagzeuger ist auf Abschiedstour mit seiner Band Mötley Crüe, die in den 80ern und 90ern neue Rekorde in Sachen Dekadenz, Größenwahn und Selbstzerstörung aufstellte. Ihr autobiografischer Skandal-Bestseller „The Dirt“ wird gerade verfilmt. Backstage in einem monströsen Tour-Bus sitzt Lee, der auf Knasterfahrung, Drogenexzesse, Sex- und Gewaltskandale und eine davon geprägte Ehe mit Pamela Anderson zurückblickt. Hören wir mal, wie. 

Playboy: Mr Lee, wie ist das, an den jungen Tommy zu denken, der im Kokainrausch Messer nach seinen Ex-Freundinnen warf oder mal vom Tour-Manager an einen Stuhl gefesselt werden musste? 
Lee: Peinlich ist mir das nicht. Aber es ist schon komisch, sich vor Augen zu führen, was ich da alles gemacht habe. Es ist irre, dass ich und die Jungs das tatsächlich überlebt haben. Niemand hat uns gesagt, wie wir das handhaben sollen: all die Frauen, die Drogen, die Luxushotels und das viele Reisen. Wir waren dämliche kleine Kinder! Ohne jede Verantwortung – außer jeden Abend zwei Stunden auf der Bühne zu stehen und ordentlich Krach zu machen. Alles andere war ein einziger großer Selbstbedienungsladen.

Playboy: Was heißt das genau?
Lee: Wir konnten tun und lassen, was wir wollten. Und man darf nicht vergessen: Wir reden von einer Zeit, in der eigentlich niemand wusste, was ein Kondom ist. Da wurden die ausschweifendsten Sex-Partys gefeiert, es wurde wild gekokst, alles war egal. Wir als Band waren plötzlich mittendrin und haben Himmel und Hölle gleichzeitig erlebt. Deswegen ist unsere Autobiografie „The Dirt“ auch so gut. Weil sie das dokumentiert – den Hedonismus und den Wahnsinn der 70er und 80er.

Playboy: Haben Ihre Söhne Dylan und Brandon Ihr Buch auch schon gelesen?
Lee: (lacht) Sie sind mittlerweile 17 und 19 Jahre alt – sie wissen Bescheid. Und das Lustige ist: Sie machen gerade eine ähnliche Phase durch. Sie treffen sich mit Frauen, gehen auf Partys, probieren verschiedene Sachen aus und saugen das Leben in sich auf – genau wie ich es damals getan habe. Das Buch haben sie natürlich auch gelesen. Wenn ich heute etwas sage wie: „Hör mal, Buddy, du kannst nicht trinken und Auto fahren“, dann schauen sie mich an, als wollten sie sagen: „Ach wirklich, Dad, ist das so?“ (kichert) Nach dem Motto: Wer bin ich, dass ich ihnen sage, was sie zu tun und zu lassen haben? Da denken sie wahrscheinlich: „Moment mal! Wir wissen, was du früher getrieben hast.“ 

Playboy: Trotzdem sind Sie ihr Vater . . .
Lee: Meine größte Sorge ist, dass sie keinen Blödsinn machen und niemanden verletzen. Was jetzt nicht heißt, dass ich mich ständig in ihr Leben einmische. Aber ich kümmere mich um sie – selbst wenn sie denken, dass Ratschläge von mir die letzten sind, die man befolgen sollte, weil ich halt durchgeknallt bin. Dabei bin ich das längst nicht mehr in dem Maße wie früher.

"Es ist irre, dass wir das überlebt haben"

Tommy Lee

Playboy: Hat das Ihr Gefängnisaufenthalt Ende der 90er bewirkt, nachdem Ihre damalige Frau, Pamela Anderson, Sie wegen Körperverletzung angezeigt hatte? Sie haben ihn mal als das Beste bezeichnet, was Ihnen je passiert sei. 
Lee: Das stimmt auch. Das war damals eine verrückte Zeit in meinem Leben, als ich mich täglich mit gefühlten 500 km/h vorwärtsbewegt habe. Alles ging wahnsinnig schnell, ich hatte keine Luft, mich mal zurückzulehnen und in Ruhe über irgendwas nachzudenken. Sondern es ging boom, boom, boom – eine verrückte Sache nach der anderen. Und als ich im Gefängnis saß, war das urplötzlich vorbei. Weshalb das wahrscheinlich die besten vier Monate meines Lebens waren.

Playboy: Ernsthaft?
Lee: Ich meine, klar, war es nicht angenehm, im Knast zu sitzen. Ich hätte eine Berghütte in Montana ganz klar bevorzugt. Nur: Das Wichtige war, dass da plötzlich vollkommene Stille herrschte. Ich hatte endlich die Zeit, über alles nachzudenken: was ich will, was ich bessermachen könnte und wovon ich mich trennen muss. Deshalb war es so eine wichtige und tolle Erfahrung. Ich weiß, dass sich das total bescheuert anhört, aber ich habe quasi meine Seele saniert, denn ich fühlte mich verloren und war extrem unglücklich. Ich brauchte Zeit für mich – und Zeit habe ich bekommen (kichert). Allerdings plane ich, das nicht so bald zu wiederholen.

Playboy: Bleibt noch das Sex-Tape von 1995 mit Ihrer damaligen Frau, Pamela Anderson – aus heutiger Sicht geradezu harmlos. Waren Pam und Sie einfach das erste Promi-Paar, dem das passiert ist?
Lee: Ja, und das Verrückte an den Reaktionen damals war: Es war nichts anderes als ein Urlaubsvideo mit zwei frisch verheirateten, schwer verliebten Menschen, die halt auch ein bisschen Sex hatten. Da war nichts Abnormales am Start. Und das wissen meine Söhne auch. Sie verstehen das Theater um dieses Video genauso wenig wie ich. Und sollte es heute erscheinen, würde sich bestimmt niemand mehr dafür interessieren. Weil es so harmlos ist und weil ja mittlerweile jeder Promi ein Sex-Tape hat. Das gehört fast zum guten Ton.

Playboy: Sind Sie sich bewusst, dass im Internet detaillierte Listen Ihrer Ex-
Gespielinnen kursieren?
Lee: Im Ernst? Das war mir nicht bewusst. Shit! Das muss ich mir in Ruhe ansehen. Wobei die Damen immer aus denselben Kategorien stammen: Stripperinnen, Porno-Stars, Supermodels, Schauspielerinnen. 

Playboy: Ist das Ihr Beuteschema? 
Lee: Es ist nicht so, als wäre ich nach
Berufsgruppen vorgegangen und hätte Krankenschwestern, Geschäftsfrauen und Akademikerinnen bewusst ausgeschlossen. Das sind halt die Frauen, die meinen Weg gekreuzt haben.

Playboy: So wie Cher und Naomi Campbell?
Lee: Als erfolgreicher Musiker wirst du zu Empfängen, Benefiz-Galas und sonstigen Veranstaltungen eingeladen, zu denen du sonst keinen Zutritt hättest. Da triffst du dann Leute, die sonst unerreichbar wären, und du merkst: „Oh, wow, ist die lustig!“ Oder: „Eigentlich ist sie ein ganz normaler Mensch.“ Oder: „Hat die mir gerade wirklich an den Hintern gefasst?“ (lacht) Und dann führt eins zum anderen. Cher habe ich zum Beispiel bei einer Gala getroffen, während ich Naomi Campbell auf einer Party von Puff Daddy begegnet bin.

Playboy: Sie hatten aber schon immer einen Schlag bei den Frauen. Was ist Ihr Geheimnis?
Lee: (lacht) Ich bin einfach ein netter Typ, der sie zum Lachen bringt und mit dem es nie langweilig wird. Außerdem habe ich gern Sex und denke, ich weiß, worauf es im Bett ankommt.

Playboy: Nämlich?
Lee: Frauen stehen auf Romantik, auf ein gutes Vorspiel und auf Ausdauer – das sind drei wichtige Punkte.

Playboy: Reden Sie noch täglich mit Ihrem Penis, wie Sie das angeblich jahrelang praktiziert haben?
Lee: Aber natürlich! Wir unterhalten uns täglich, Mann.

Playboy: Was hat er Ihnen zum Beispiel heute gesagt?
Lee: Ich habe eine wundervolle neue Frau an meiner Seite, die mich sehr glücklich macht. Und das weiß er. Deshalb führt er mich auch nicht mehr in Versuchung. Ich schätze, wir beide haben unsere Lektion gelernt.  

Playboy: Gedenken Sie zum vierten Mal zu heiraten?
Lee: Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Obwohl, wenn wir ehrlich sind: Nur wenige Menschen treffen tatsächlich diese eine Person, mit der sie ihr gesamtes Leben zusammenbleiben. Und das liegt daran, dass Beziehungen nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Ein Mensch durchläuft innerhalb seines Lebens viele Beziehungen und lernt aus jeder etwas. Und ich habe definitiv eine Menge gelernt. Schließlich hatte ich viele verschiedene Beziehungen. Einige toll, andere durchschnittlich, und wieder andere waren ein verdammtes Desaster. 

Playboy: Würden Sie – wie Anfang der 80er – noch einmal mit einer Frau schlafen, nur um mit ihrem Jaguar durch Hollywood zu heizen oder um kostenlose Studiozeit zu ergattern?
Lee: Nein, die Zeiten sind vorbei. Aber ich hatte damals meine Gründe. Die Frauen wollten ein bisschen Liebe, und ich wollte mit ihren Sportwagen rumbrettern oder ein Demo aufnehmen. Dafür habe ich alles getan. Inzwischen habe ich mein eigenes Studio und meinen eigenen Sportwagen. Von daher muss ich mir einen solchen Mist nicht mehr antun. Ich fahre einen wunderschönen Chevy Impala und einen Fisker, ein Elektroauto, das weitaus sexier als ein Tesla ist. Und: Der Sound der Stereoanlage ist in einem Elektroauto viel besser als in einem ganz normalen. Man muss ja nicht gegen Motorengeräusche ankämpfen. 

Playboy: Am 1. Januar 2016 spielen Mötley Crüe ihr allerletztes Konzert im Staples Center in Los Angeles. Sind Sie dann arbeitslos oder gar Rock-Rentner?
Lee: R-E-N-T-N-E-R? Ich kenne dieses Wort nicht! (lacht) Das existiert in meinem Wortschatz nicht.

Playboy: Warum ziehen Sie dann nach 34 Jahren einen Schlussstrich unter die Band?
Lee: Wenn man das so lange gemacht hat wie wir, kommt man automatisch an einen Punkt, an dem man alles erreicht und das Gefühl hat, sich nur noch zu wiederholen. Seien wir ehrlich: Es gibt nichts Schlimmeres, als jemanden dabei zu beobachten, wie er langsam schlechter wird. Das ist definitiv nicht unser Stil.

Playboy: Wobei Sie scheinbar die Gefahr sehen, dass einige Bandmitglieder rückfällig werden, weshalb jeder von ihnen vertraglich zusichern musste, dass das nicht passiert.
Lee: Das haben wir wirklich – einfach weil es zu viele Bands gibt, die sich auch nach Jahren immer noch auf ihrer angeblichen Abschiedstour befinden.

Playboy: Wie die Scorpions?
Lee: Ja, und darauf haben wir keine Lust,  weil das peinlich ist. Wir wollten keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass wir es ernst meinen. Wir werden nicht in fünf Jahren auf der Matte stehen und sagen: „Hallo, hier sind wir wieder.“

Playboy: Sie haben zuletzt für die Smashing Pumpkins und Courtney Love getrommelt. Zudem treten Sie schon seit einigen Jahren als DJ auf.
Lee: Richtig. 2004 war mein erster professioneller Gig bei einem Festival in Miami. Ein Riesenspaß und der Moment, der mich zum Weitermachen animiert hat. Wenn Mötley Crüe um 23 Uhr mit ihrer Show durch sind, habe ich meist so viel Adrenalin im Körper, dass ich einfach etwas brauche, um das abzubauen. Deshalb bestreite ich meist noch ein DJ-Set von Mitternacht bis zwei, drei Uhr morgens.

Playboy: Was erwartet uns bei den drei Deutschland-Konzerten mit der Band? Wie viel Farbe werden Sie ins Publikum sprühen?
Lee: (kichert) Einiges! Wir bringen die gesamte Produktion aus Amerika mit. Die größte Show, die wir je in Europa hatten. Bisher ging das nicht, weil wir in Europa nie in Stadien gespielt haben und sich die Kosten für die Show nicht mit den TicketVerkäufen für kleinere Hallen decken ließen. Aber diesmal ist uns das egal – koste es, was es wolle. 

Playboy: Was ist mit der Achterbahn, auf der Sie und Ihr Schlagzeug durch die Halle rauschen?
Lee: Die ist auch dabei. Und wir haben noch ein paar großartige andere Sachen, die auf einer zweiten Bühne passieren. Allein die Pyro-Geschichten sind der Hammer!

Playboy: Wie trommelt man eigentlich auf dem Kopf?
Lee: Oh, das ist wahnsinnig anstrengend. Und ich versuche immer, es möglichst einfach aussehen zu lassen. Wenn mir das gelingt, dann erledige ich meinen Job so, wie ich das sollte. Es verlangt einem wirklich alles ab, über Kopf auf einem rotierenden Schlagzeug zu spielen, aber es macht einen höllischen Spaß! (lacht

Playboy: Ihre Anforderungsliste für den Konzertveranstalter soll angeblich eine Kalaschnikow und eine Anakonda enthalten – stimmt das?
Lee: Oh ja, klar! Das ist einfach nur ein Spaß, um die lokalen Veranstalter auf Trab zu halten und sie ein bisschen zu fordern. 

Playboy: Das ist alles?
Lee: Ja, dahinter steckt definitiv keine
tiefere Bedeutung. Es ist einfach nur
dummer, infantiler Scheiß, wie ihn alle
Rock-’n’-Roll-Bands lieben. Ich meine, welchen anderen Zweck erfüllen solche Listen? Sie beinhalten den kränksten, durchgeknalltesten Scheiß, den man sich einfallen lassen kann. Dafür sind sie da. 

Playboy: Was ist das Beste, das Sie sich je haben einfallen lassen?
Lee: Wir hatten mal eine Liste, die vier Kinderplanschbecken enthielt. Die haben wir mit Schlamm füllen und in unserer Garderobe aufstellen lassen: für die Mädels, die unbedingt Backstage wollten und die sich dann erst mal als Schlammcatcherinnen profilieren mussten. Das war ziemlich lustig.

"R-E-N-T-N-E-R? Ich kenne dieses Wort nicht!"

Tommy Lee

Playboy: Mal ehrlich: Wie viel Rock ’n’ Roll ist mit fast Mitte 50 noch im Spiel?
Lee: Es ist immer noch Rock ’n’ Roll – nur dass wir keine Planschbecken mehr dabei- haben (kichert). Heute sind es eher riesige Stereoanlagen und eine stimmungsvoll flackernde Beleuchtung wie in einem Nachtclub. Aber wir haben Backstage immer noch eine verdammt gute Zeit.

Playboy: Also keine Ausflüge auf die Reeperbahn mehr, und Sie hauen sich auch nicht mehr gegenseitig die Bierflaschen auf den Kopf?
Lee: Das wäre mir heute ein bisschen zu heftig – also das mit den Bierflaschen. Und was die Reeperbahn betrifft: Ich habe ein wunderbares deutsches Mädchen – meine Verlobte. Von daher glaube ich nicht, dass ich noch den Rotlichtbezirk unsicher machen würde. Selbst wenn sie wahrscheinlich Spaß daran haben würde. Also, wer weiß: Vielleicht passiert das ja doch – oder irgendein anderer Blödsinn …

Playboy: Werden Sie nach der letzten Show im Staples Center eine Party schmeißen oder in aller Stille nach Hause fahren?
Lee: Klar hätte ich gern eine verrückte Party nach der Show. Es geht nur noch darum, den richtigen Ort zu finden. 

Playboy: Wie wär’s mit dem Apartment am Sunset Boulevard, in dem Sie als Band angefangen haben?
Lee: Oh, darüber haben wir auch schon nachgedacht, und zunächst klang es wie eine ziemlich gute Idee. Aber bei genauerem Nachdenken war es dann doch nicht mehr so cool. Denn es wäre eher ein Gag – und einer, der ziemlich schnell vorbei wäre. Ich meine: Wie toll kann es sein, nach drei ausverkauften Shows im Staples Center in das winzige Dreckloch zurückzukehren, in dem wir vor 35 Jahren angefangen haben? Das wäre eher deprimierend. Es hat definitiv nichts Glamouröses. Und das wäre mir weitaus lieber. 

Playboy: Heute gibt es kaum noch Bands, die lauten, dreckigen Rock ’n’ Roll leben und spielen. Da werden Mötley eine ziemliche Lücke in der modernen Rock-musik hinterlassen.
Lee: Ist das nicht verrückt? Ich bin wirklich überrascht von dieser Entwicklung. Aber ich hoffe natürlich, dass es irgendwo da draußen ein paar Kids in einer Garage gibt, die an einer neuen Form von Rock ’n’ Roll basteln. Das wäre mein Traum. Denn es ist wirklich eine verrückte Zeit. Einfach  weil da draußen viel zu viel Zeug auf dem Markt ist – und zudem viel zu viel Mist.

Playboy: Was ja auch ein Grund dafür sein dürfte, dass eine solche Nachfrage nach Nostalgie herrscht und so viele
Reunion-Tourneen stattfinden.
Lee: Ganz genau. All diese Untoten, die da wieder auf die Bühne wanken, um ihre Rente aufzubessern. Das wird uns aber nicht passieren.

Autor: Marcel Anders
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