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Phil Collins

... über Millionen-Hits und Millionen-Dollar-Scheidungen

"Die Leute beginnen irgendwann, dich zu hassen"

Pop-Star Phil Collins über seine Millionen-Hits, Millionen-Dollar-Scheidungen, die große innere Leere und Musikerkollegen, die sich „ins Knie fi***n“ sollen

Es ist der heißeste Spätsommertag des Jahres, und Phil Collins, 64, sitzt schwitzend im „Mövenpick Hotel“ in Genf. Die Klimaanlage ist defekt. Vom Rasieren hat er eine Wunde auf der Wange. Ganz schön uncool. Collins spielte noch nie gern den Pop-Star, sondern war bekannt dafür, lieber mit Bühnenarbeitern Bier zu zischen, als sich vor Journalisten darzustellen. Und auch heute scheint es ihm irgendwie ein bisschen unangenehm zu sein, etwas vermarkten zu müssen - nämlich die überarbeiteten Neuauflagen seiner Alben „Face Value“ von 1981 und „Both Sides“ von 1993.

Playboy: Mr Collins, was ist das für ein Gefühl, diese beiden Alben heute zu hören? Schließlich erinnern sie an eine Zeit, in der Sie einiges mitgemacht haben, nämlich Ihre ersten zwei Scheidungen.
Collins: Ich habe diese Songs immer mal wieder gehört. Aber ich habe dabei nie gedacht: „Oh mein Gott, ich sehe, wie mein Leben an mir vorbeizieht.“ Ich weiß nur, dass ich bei den Aufnahmen damals die eine oder andere Träne vergossen habe.

Playboy: Sind Sie der lebende Beweis, dass Liebeskummer für bewegende Songs sorgt?
Collins: (grinst) Das bin ich!

Playboy: Was hat mehr wehgetan: drei Ehefrauen zu verlieren oder die 84 Millionen Dollar Scheidungskosten?
Collins: Ich habe mir nie viel aus Geld gemacht - und ich habe auch nie Musik komponiert, um damit reich zu werden. Es ging mir immer darum, ein inneres Verlangen auszudrücken, von dem ich dachte, dass es auch andere bewegen könnte. Und ich denke - und hoffe -, das hat zu meinem Erfolg beigetragen. Gut, ich habe daran ordentlich verdient, aber ich hatte keine emotionale Bindung zu dem Geld, und insofern war es mir nicht wichtig, was meine Ex-Frauen bekommen haben. Viel wichtiger war, dass wir nach der Scheidung noch ein vernünftiges Verhältnis zueinander haben konnten. Allein wegen der Kinder.

Playboy: Ein vernünftiges Verhältnis? Von Ihrer zweiten Frau Jill Tavelman haben Sie sich angeblich per Fax getrennt . . .
Collins: Na ja, es gab schon Faxe. Aber ich habe mich nicht per Fax von ihr getrennt - so einfach war das leider nicht! (lacht)

Playboy: Sondern?
Collins: Sie hatte die unschöne Angewohnheit, in Streitgesprächen - von denen es viele gab - den Hörer aufzuknallen und den Telefonstecker zu ziehen. Also war ich stinksauer und sie nicht mehr erreichbar, und ich bin dazu übergegangen, ihr in solchen Situationen ein Fax zu schicken. Irgendwann hatte ich aber schlichtweg genug davon, weshalb ich ihr genau das per Fax aus Frankfurt schrieb, nämlich: „Ich habe die Nase voll von diesem Theater - und ich will meine Tochter sehen. Notfalls werde ich zu rechtlichen Mitteln greifen.“

"Ich saß allein in meinem Haus und fing an zu trinken. Aus Langeweile"

Phil Collins

Playboy: Und das wurde öffentlich.
Collins: Das Fax ist dann in der „Sun“, einem miesen Boulevardblatt, erschienen. Unter der Überschrift: „So schießt Phil Collins seine Frau ab.“ Dabei wollte ich nur, dass sie ihre Art mir gegenüber ändert. Der unschöne Nebeneffekt war, dass mich die Öffentlichkeit plötzlich regelrecht gehasst hat. Vorher war ich für alle dieser nette Kerl, jetzt hielten sie mich für einen Vollarsch. Aber Jill und ich haben heute wieder ein freundschaftliches Verhältnis.

Playboy: In das Sie 34 Millionen Dollar investiert haben, weshalb Sie nie den Titel reichster Drummer der Welt bekommen werden. Das ist Ringo Starr, der sich nur einmal scheiden ließ, in den 70er-Jahren.
Collins: Sehr klug von ihm! Aber ich bin nicht scharf auf diesen Titel. Und er auch nicht, das sorgt nur für Neider.

Playboy: Greifen Sie ab und zu noch zu Ihren Schlagzeugstöcken?
Collins: Leider nein. Ich kämpfe schon seit Jahren gegen dieses Problem in meinem linken Arm, das ich mir auf der Reunion-Tour von Genesis 2007 zugezogen habe. Ich weiß bis heute nicht, was genau dahintersteckt. Aber es ging so weit, dass ich keinen Schlagzeugstock mehr halten konnte. Ich musste ihn gegen Ende der Tour mit Klebeband an meiner linken Hand befestigen.

Playboy: Eine Nervensache?
Collins: Richtig. Und ich hatte bis heute mehrere Operationen. Mit dem Erfolg, dass es jetzt ein kleines bisschen besser ist als vorher, aber immer noch nicht richtig gut. Wobei ich zugeben muss, dass ich eine Weile versucht habe, die Probleme zu ignorieren. Ich habe schließlich mein ganzes Leben lang Schlagzeug gespielt, und es ist nun einmal so, dass man älter wird und der Körper verschleißt.

Playboy: Wer hat Sie als Schlagzeuger am meisten beeinflusst?
Collins: Ringo Starr. Er war schon immer mein Held.

Playboy: Sie waren 1964 Komparse am Set des Beatles-Films „A Hard Day’s Night“. Erkennt man Sie in einer Szene?
Collins: Ganz am Ende, wenn sie live spielen und alle wie wild schreien. Da bin ich kurz im Bild. Vor ein paar Jahren habe ich den Kommentar für die DVD „The Making of A Hard Day’s Night“ eingesprochen und mir dazu die Outtakes angeschaut - Bild für Bild. Und ich habe mich tatsächlich gefunden. Denn ich hatte ein pinkfarbenes T-Shirt an, wie es sonst niemand getragen hat. Daran erinnere ich mich noch ganz genau - weil ich am Set ein bisschen wie ein bunter Hund war. Ich war der Einzige, der ganz ruhig sitzen geblieben ist, während die anderen Kids total ausgerastet sind.

Playboy: Damals waren Sie 13. Das muss ein ziemliches Erlebnis gewesen sein . . .
Collins: Und wie! Es hat mich viel cooler gemacht, als ich war (lacht). Ich habe in der Schule richtig angeben können - und war auf einmal interessant für die Mädels.

Playboy: Was macht Ringo Starr so herausragend?
Collins: Er hat immer genau das gemacht, was die Songs von ihm verlangt haben und was die Band brauchte. Er ist ein Teamplayer. Er hat es ganz bewusst nie übertrieben. Leider hat man ihm in den 60ern das Leben ziemlich schwer gemacht - was größtenteils von Leuten kam, die dachten, er würde sein Können nur deshalb nicht aufblitzen lassen, weil da nicht viel vorhanden wäre. Dabei ist er noch immer ein richtig guter Drummer.

Playboy: Ein verkanntes Genie?
Collins: Ja, komplett unterbewertet, was ihn ziemlich ärgert. Er fühlt sich wirklich missverstanden. Ansonsten interessiere ich mich aber nicht für andere Schlagzeuger.

Zur Person

Millionär von nebenan Phil Collins war einer der Megastars der 80er und 90er: verkaufte 250 Millionen Alben, gewann sieben Grammys und schrieb mit seiner Band Genesis (Foto: 1973, er mit gelber Mütze) Musikgeschichte. Nach vier Jahren krankheitsbedingter Funkstille will sich der 64-jährige gebürtige Londoner jetzt peu ì peu mit Neuauflagen seiner acht Solo-Alben wieder ins Gespräch bringen. Hoffnungen auf ein Comeback des kumpeligen Tottenham-Hotspur-Fans trüben aber seine körperlichen Gebrechen: ein Nervenleiden, geschädigte Wirbelsäule, Gehörprobleme. Ebenso sein Plan, mehr Zeit für seine vier Kinder aus drei gescheiterten Ehen zu haben. Er lebt heute mit der US-Journalistin Dana Tyler in New York, Miami und in der Schweiz - ohne Trauschein.

Playboy: Das heißt, andere Dinge im Leben sind Ihnen wichtiger.
Collins: Genau. Besonders nach der Reunion-Tour, seit 2008, als meine dritte Ehe gescheitert war. Da habe ich mir gesagt, dass ich mich mehr um meine beiden Jüngsten (die Söhne Nicholas, heute 14, und Matthew, 10, aus der dritten Ehe mit Orianne Cevey, Anm. d. Red.) kümmern muss, um den Draht zu ihnen nicht so zu verlieren wie zu meinen anderen Kindern (Sohn Simon, heute 38, aus erster Ehe mit Andrea Bertorelli, und Tochter Lily, 26, aus zweiter Ehe mit Jill Tavelman, Anm. d. Red.). Da Nicholas und Matthew nur wenige Minuten entfernt wohnten, habe ich wirklich nichts anderes gemacht, als die beiden zur Schule zu bringen, sie abzuholen und jede freie Minute mit ihnen zu verbringen. Das war mein neues Leben: Ich war ein Dad - und ich war verdammt glücklich damit. Doch dann hat meine Ex wieder geheiratet, ist nach Miami gezogen und die Jungs mitgenommen. Ein Tiefschlag.

Playboy: Führte das zu Ihrem Absturz?
Collins: Ja, zumal ich mich ja schon offiziell in Rente befand. Ich wollte mich nur noch um meine Familie kümmern, doch die ist mir aus den Händen geglitten. Und jetzt hatte ich das Gefühl, dass ich völlig allein bin, dass ich nichts mehr von dem habe, was mir wichtig ist. Und dass ich mein ganzes Leben umsonst gearbeitet hatte. Ich saß allein in meinem Haus in Genf und fing an zu trinken. Aus Langeweile.

Playboy: Sie wollten sich betäuben?
Collins: Nein, nicht um mich bewusst zu betrinken, sondern weil ich nichts Besseres anzufangen wusste. Da war eine unglaubliche Leere, mit der ich nicht klargekommen bin. Ich habe schon morgens den Fernseher angemacht. Und weil es so nicht besser wurde, habe ich halt die erste Flasche Wein geöffnet. So ging das über Wochen, bis ich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hatte und ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Playboy: So schlimm?
Collins: Ich hätte daran sterben können - und das nur, weil ich mich habe gehenlassen! Nach der Zeit im Krankenhaus habe ich meinen Lebensstil komplett umgestellt. Und mittlerweile habe ich mir auch ein Haus in Miami gekauft, um den Kids ein richtiges zweites Zuhause zu bieten.

Playboy: Eine Multi-Millionen-Dollar-Villa, die einst J. Lo gehörte.
Collins: Warum nicht?

Playboy: Wofür brauchen Sie die sieben Schlafzimmer und neun Badezimmer?
Collins: Um die größten Partys zu feiern, die Miami je gesehen hat. (lacht) Nein, Scherz. Aber ich kann jetzt auch mal Freunde und Bekannte einladen - oder alle meine Ex-Frauen auf einmal. Was vermutlich keine gute Idee wäre. Aber technisch möglich. (lacht)

Playboy: Können Sie sich eine Rückkehr ins Musik-Business vorstellen?
Collins: Meine Kinder fänden es toll, wenn ich wieder Musik machen und auf Tour gehen würde. Weil sie wissen, dass das mein wahres Leben ist. Und ich genieße ihren Enthusiasmus. Er treibt mich an, es zumindest noch einmal zu versuchen und meine Probleme in den Griff zu kriegen, statt sie zu ignorieren.

Playboy: Weshalb Sie jetzt auch schon mal mit der Schulband Ihres Sohnes auftreten?
Collins: Das tue ich. Mein 14-Jähriger ist der Schlagzeuger seiner Schule. Und sein Musiklehrer meinte zu ihm: „Es wäre toll, wenn dein Vater mal vorbeischauen und mit dir spielen könnte.“ Das habe ich getan. Es war cool. Wir haben zusammen „In The Air Tonight“ gebracht. Er hat meinen Schlagzeugpart übernommen, und ich habe gesungen. Danach haben wir noch ein paar Stücke gebracht - einfach zum Spaß. Das Dilemma ist nur, dass ich nicht weiß, wie und ob es jetzt weitergeht. Es ist eine merkwürdige Situation. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal hier sitze und ein Interview über meine entstaubten alten Songs gebe.

Playboy: Viele Ihrer alten Songs wurden ja im Radio jahrelang regelrecht totgedudelt . . .
Collins: Das ist es, was ich meine, wenn ich immer sage, dass jeder „In The Air Tonight“, „One More Night“, und wie sie alle heißen, kennt. Da beginnen die Leute irgendwann, dich zu hassen, weil sie die Songs schlichtweg überhaben. Und noch schlimmer: Sie glauben, es wären deine einzigen Songs! Es fühlt sich wirklich gut an, dass dieses Material jetzt die Chance erhält, ein neues Publikum zu erreichen, das vielleicht ein paar Stücke kennt, aber eben längst nicht alles. Und ich bin gespannt, wie das ankommt und wie diejenigen reagieren, die schon in den 80ern gesagt haben: „Ich kann das Zeug nicht mehr hören.“

Playboy: Wobei nicht nur Konsumenten und Kritiker, sondern auch einige Kollegen gewettert haben. David Bowie zum Beispiel bezeichnet die 80er musikalisch als seine „Phil-Collins-Jahre“.
Collins: (kichert)

Playboy: Das meinte er nicht positiv.
Collins: Das hätte ich auch nicht erwartet. Aber egal, was Bowie über mich gesagt hat: Allein, dass er weiß, wer ich bin, gibt mir einen Kick. (lacht)

Playboy: Noel Gallagher war dagegen richtig gehässig und meinte, er würde sich erschießen, bevor er so klingt wie Sie.
Collins: Ich weiß. Und ich habe da ein bisschen nachgeforscht. Ein Journalist, den ich kenne, meinte zu Noel: „Warum hacken Sie ständig auf Phil Collins rum?“ Worauf Noel meinte: „Keine Ahnung. Ich habe irgendwann damit angefangen und einfach immer weitergemacht. Dabei habe ich im Grunde gar nichts gegen ihn.“ Ist das nicht irre?

Playboy: Und Led-Zeppelin-Gründer Jimmy Page wirft Ihnen vor, ein lausiger Schlagzeuger zu sein.
Collins: Jimmy Page soll sich ins Knie ficken! Ich weiß, was ich kann, und viele andere wissen es auch. Insofern werde ich jetzt keine Zeit verschwenden und groß darauf eingehen - weil er das einfach nicht wert ist. Aber er bezieht sich auf „Live Aid“, wo ich bei Led Zeppelin ausgeholfen habe und wo einiges schiefgelaufen ist. Nur: Das war nicht allein meine Schuld, sondern das waren wir alle. Jeder Einzelne war nicht besonders gut an dem Tag.

Playboy: Trotz dieser Seitenhiebe: Können Sie sich einen Rückzug vom Rückzug nun vorstellen oder nicht?
Collins: Na ja, ich bin ein bisschen wie ein Öltanker. Nach dem Motto: Man kann ihn zum Anhalten bringen, indem man auf die Bremse tritt, aber es dauert lange, bis er darauf reagiert. Ein Öltanker braucht Meilen, um umzudrehen oder anzuhalten. Das ist einfach so. Es hat ja auch Jahre gedauert, um die Leute davon zu überzeugen, dass ich in Rente gehe. Und selbst wenn ich jetzt wieder etwas anfange, werde ich doch nie wieder so beschäftigt sein, wie ich es mal war. Ich möchte das auch gar nicht.

Playboy: Weil Sie Zeit für Ihre Jüngsten haben wollen - mehr als für Ihre älteren Kinder damals?
Collins: Ja, die habe ich wirklich etwas vernachlässigt, was ich aufrichtig bedauere. Nur: Das war halt das Leben, das ich geführt habe - ich war entweder im Studio oder auf Tour. Da blieb nicht viel Zeit für etwas anderes.

Playboy: Hätten Sie Ihren ältesten Sohn Simon sonst besser über den Umgang mit harten Drogen aufgeklärt?
Collins: Tja, vielleicht hätte ich das tun sollen. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es nicht leicht ist, mein Sohn zu sein. Aber wenn Sie auf seine Verhaftung (im Sommer 2014 wegen Verdachts auf Drogenhandel, Anm. d. Red.) anspielen: Dazu kann ich nicht viel sagen. Simon ist 38 Jahre alt, ein erwachsener Mann, der sein eigenes Leben führt und selbst für seine Fehler einstehen muss. Da bin ich also in keinster Weise mitverantwortlich. Natürlich stört es mich, dass das passiert ist und dass es solche Schlagzeilen gegeben hat. Aber da ist nichts, was ich tun könnte. Außer mit ihm zu reden und ihm meine Unterstützung zuzusagen. Denn die hat er immer gehabt - und die wird er auch immer bekommen, egal, was passiert.

Playboy: Ihre Tochter Lily scheint sich dagegen langsam als Schauspielerin in Hollywood durchzusetzen.
Collins: Oh ja, sie hat wirklich Talent. Letztes Jahr hat sie einen Film an der Seite von Warren Beatty gedreht - und das war garantiert nicht ihr letzter. Ich habe das Gefühl, dass ihr die Welt zu Füßen liegt. Und sie mag meine Musik - was mich extrem stolz macht.

Playboy: Aber Nicholas und Matthew treten in Ihre Fußstapfen?
Collins: Zumindest spielen sie Schlagzeug, und zwar richtig, richtig gut. Nicholas tut das schon, seit er das allererste Mal bei mir auf dem Schoß saß.

Playboy: Wird er Profi-Musiker?
Collins: Warum nicht? Ich bin der Letzte, der ihm davon abraten würde.

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