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"Das gesamte dritte Reich war auf Kokain"

Quincy Jones über Stress mit Capone & Hitler auf Kokain

"Das gesamte dritte Reich war auf Kokain"

Der Musikgigant Quincy Jones spricht im Playboy-Interview über die Arbeit mit Michael Jackson, seine Flucht vor Al Capone und Hitler auf Kokain.

Man trifft selten jemanden, auf den die Bezeichnung lebende Legende so passt wie auf Quincy Jones. Der 83-Jährige gilt als Pate der schwarzen Musik, hat als Dirigent und Komponist mit Frank Sinatra Jazzgeschichte geschrieben, mit Michael Jacksons „Thriller“ das erfolgreichste Album aller Zeiten produziert und mit dem Song „We Are The World“ Spendenmillionen gesammelt. Jetzt sitzt er im blauen Anzug im New Yorker Flagshipstore einer Kopfhörerfirma, mit der er zusammenarbeitet. Neben ihm ein Magazin, von dessem Titel Tochter Rashida lächelt, eines seiner sieben Kinder. Quincy Jones platzt fast vor Stolz.

Playboy: Herr Jones, was war das Schwierigste daran, sieben Kinder großzuziehen?
Jones: Sie um die ganze Welt zu zerren. Ich war immer sehr beschäftigt, aber ich habe sie überallhin mitgenommen. Ich wollte immer, dass sie reisen. Selbst als sie vier Jahre alt waren, habe ich einen Pass um ihren Hals gehängt und sie nach Paris, Brasilien und Schweden geschickt. Aber es war immer jemand dabei, der auf sie aufpasste und sicherstellte, dass sie sich ans Reisen gewöhnen.

Playboy: Warum war das so wichtig?
Jones: Weil die meisten Amerikaner nicht reisen. Aber meine Kinder fühlen sich überall auf der Welt wohl, und das liebe ich.

Playboy: Ihre Kindheit war sicher anders?
Jones: Oh ja. Das waren die 30er in der Southside von Chicago. Ich trage heute noch meine Abzeichen aus dieser Zeit. Als ich sieben Jahre alt war, bin ich durch die falsche Straße gelaufen. Ein paar Typen haben meine Hand mit einem Klappmesser gegen einen Zaun genagelt (beugt sich vor und zeigt eine Narbe auf der rechten Hand), und hier haben Sie mich mit einem Eispickel geschlagen (zeigt eine Narbe auf seiner linken Halsseite).

Playboy: Tatsächlich?
Jones: Oh, die machen keine Spielchen . . .

Playboy: Wie haben Sie diese Zeit überlebt?
Jones: Meine Mutter hatte vorzeitige Demenz, und weil ich sie dadurch früh verloren hatte, waren wir wie 
die Straßenratten. Mein Vater arbeitete sehr hart, deshalb konnte er nicht immer auf uns aufpassen. Also mussten wir einen Weg finden, auf der Straße zurechtzukommen. Es gab überall Gangs.

Playboy: Wie sah damals Ihr Alltag aus?
Jones: Mein Vater arbeitete als Tischler für die Jones Brothers, das war die wildeste schwarze Gang in der Geschichte der USA. Sie machten 1941 um die 120 Millionen Dollar, das entspräche heute in etwa einer Milliarde Dollar. Weil die Jones Brothers so viel Geld verdienten, jagte Al Capone sie aus Chicago, und sie flohen nach Mexiko. Die Italiener schickten fünf Männer mit abgesägten Schrotflinten, um den besten Freund meines Vaters umzulegen. Das war ein harter Typ. Am nächsten Tag kam mein Vater zum Barbershop und packte mich und meinen Bruder ein. Wir setzten uns in einen Bus Richtung Nordwesten. Ich mache einen Film über diese Zeit.

Playboy: Wollten Sie selbst auch ein Gangster sein?
Jones: Ich bitte Sie! Wir haben schon 1939 gerappt, als ich fünf war. Aber lassen Sie mich fortfahren. Wir zogen also in den Nordwesten nach Bremerton/Washington. Mein Vater arbeitete in den Puget-Sound-Werften. Da war ich elf Jahre alt, und meine Freunde und ich wollten auch Gangster sein. Also sind wir in ein Veteranenheim der US-Armee eingebrochen, weil es dort Zitronentorte und Eis gab. Wir haben die einzelnen Räume aufgebrochen, und in einem stand ein Klavier. Ich schloss die Tür wieder zu, aber irgendwas sagte mir, hey, du Idiot, geh wieder da rein! Also ging ich zu diesem Klavier und setzte mich hin. Jede Zelle meines Körpers sagte mir: Das ist das, was du für den Rest deines Lebens machen wirst. In der Schule habe ich dann Sousaphon, Tuba, Alt-Flöte, Horn und vor allem Posaune gelernt. Wir wollten in die Marschkapelle, um auf den Festival-Paraden nahe bei den Majorettes (Tänzerinnen, d. Red.) zu sein, die vorn laufen. Die Trompeter laufen immer ganz hinten, aber die Posaunisten ganz vorne

"Es geht zuerst um Musik, aber die Frauen kommen direkt danach"

Quincy Jones

Playboy: So kamen sie an die Mädels ran?
Jones: Genau! Und wissen Sie was, alle Musiker können Ihnen erzählen, was sie wollen. Klar geht es zuerst um die Musik, aber die Frauen kommen direkt danach.

Playboy: Geht man also auf die Bühne, um Frauen zu beeindrucken?
Jones: Nein, die Musik ist schon das Wichtigste, die Mädels kommen dann ganz von allein. Bei großen Bands wie der von Lionel Hampton war es, als ob die Frauen auf einen Markt gingen: „Ich mag Saxophonisten, ich mag Trompeter, ich mag Schlagzeuger.“ So war das in der Big-Band-Ära. Das war keine schlechte Zeit. Können Sie eigentlich das Wort Meerrettich buchstabieren?

Playboy: Ähm . . . M-e-e-r-r-e-t-t-i-c-h?
Jones: Genau! (klatscht) Die meisten Deutschen wissen nicht, wie man das buchstabiert. Ich war mal mit Wim Wenders und einigen anderen Deutschen Essen. Nur er und Nastassja Kinski wussten, wie man das buchstabiert. Sehen Sie, Meerrettich ist immer ein gutes Gesprächsthema.

Playboy: Sprechen Sie denn Deutsch?
Jones: Nur die bösen Wörter.

Playboy: Angeblich haben Sie auch mal die Regisseurin Leni Riefenstahl getroffen.
Jones: Das ist richtig, sie war eine schöne Frau, als sie jung war. Wir aßen zusammen zu Mittag, und sie hat mir einige interessante Geschichten erzählt. Ich bin einer ihrer größten Fans, was ihre Filme angeht. All die amerikanischen Regisseure kopieren sie. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie nie politisch war. Sie war eine Kreative. Schauen Sie sich zum Beispiel die Bilder von den Massai an, die sie gemacht hat. Wirklich eine interessante Lady.

Playboy: Stimmt es, dass Sie Ihnen erzählte, Hitler sei auf Kokain gewesen?
Jones: Das gesamte Dritte Reich.

Playboy: Wirklich?
Jones: Ja. Sigmund Freud beschäftigte sich 1933 mit Kokain. Das war dasselbe Jahr, in dem das Dritte Reich entstand. Das erklärt alles.

Playboy: Zurück zur Gegenwart: Sie produzieren Musik, arbeiten an einem Film, managen Ihre Stiftung für Kinder, bringen mit AKG Kopfhörer auf den Markt, leiten die Jazz Foundation zur Unterstützung junger Musiker – wie viel machen Sie gleichzeitig?
Jones: Ich mache immer nur ein Projekt. Frank Sinatra hat immer zu mir gesagt „Q, lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter, dann wird alles gut.“ Und genau das mache ich. Aber man muss immer eins nach dem anderen machen, sonst wird es nichts. Ich möchte niemals die Nummer zwei sein.

Playboy: Was war Sinatra für ein Mensch?
Jones: Der fantastischste Mann überhaupt. Er hat mir seinen Ring hinterlassen, ich trage ihn jeden Tag (streckt seine rechte Hand aus, an deren kleinem Finger ein goldener Ring steckt). Das ist sein Familienwappen. Als mein Sohn 1968 in London geboren wurde und ich zurück nach L. A. kam, lag ganz oben auf einem Stapel Post ein Brief von Sinatra, in dem er an meinen Sohn schrieb: „Lieber Q III, Dein Onkel Frank möchte Dich gern in dieser Welt willkommen heißen und Dir eine Collegeausbildung schenken.“ Er hatte einen CollegeFonds für meinen Sohn eingerichtet und finanzierte seine ganze Ausbildung. Mein Sohn hat diesen Brief an seiner Wand. Sinatra war einer der großartigsten Freunde, die man sich vorstellen kann.

Playboy: Wie ging es Ihnen, als er starb?
Jones: Ich konnte es nicht glauben. Andere Jungs aus dieser Ära starben in ihren 60ern, aber er war 82. Wir arbeiteten noch an einem Album, als er 80 war.

Playboy: Er hat die wilde Zeit überlebt . . .
Jones: . . . trotz sieben doppelter Jack Daniels pro Tag.

Playboy: Wie hat er das gemacht?
Jones: Es ist wie bei der Musik, du musst nur üben (lacht). Aber er war vor allem ein Big-Band-Sänger. Die Leute hörten sich nur Sänger an, die so sangen, wie die Jazzmusiker spielten. Und Frank konnte das. (singt) „Did you say I’ve got a lot to learn.“ Er sang wie ein Saxophonist.

Playboy: Er war auch der Erste, der Sie nach Las Vegas brachte.
Jones: Ja, das war 1964.

Playboy: Wie war es damals dort?
Jones: Es war furchtbar, sehr rassistisch. Als ich das erste Mal das Casino betrat, kam jemand zu mir und sagte, Q, der Alte will euch alle bei den Spielautomaten treffen. Count Basies ganze Band war da, und Sinatra hatte 18 Bodyguards engagiert, die uns beschützen sollten. Darunter ein glatzköpfiger Serbokroate, von dem ich Kroatisch lernte. Sinatra gab mir dann noch die Hollywood-Stars Lucille Ball und Loretta Young an den Arm und sagte: „Quincy hat keine Ahnung vom Zocken, also kümmert euch um ihn.“ Und ich kann Ihnen sagen, sie haben sich um mich gekümmert. Dann haben sie mich an Count Basie weitergereicht, und der war der schlechteste Zocker aller Zeiten. Aber er war mein Freund.

Playboy: Ein anderer Musiker, dessen Karriere Sie beeinflussten, war Michael Jackson. Wie war die Arbeit mit ihm?
Jones: Das war ein echter Trip (lacht). Er brachte seine Haustiere mit ins Studio. Er hatte einen Schimpansen namens Bubbles, der meine Tochter mal in die Hand gebissen hat. Außerdem hatte er eine Schlange, die hieß Muscles. Eine zwei Meter lange Boa constrictor, die sich um mein Bein wand und sich über das Mischpult schlängelte.

Playboy: Wann haben Sie gemerkt, dass Michael Jacksons Album „Thriller“ etwas Großes werden könnte?
Jones: Ich dachte von Anfang an, dass es etwas Großartiges wird. Sie kommen vom Playboy, richtig?

Playboy: Ja.
Jones: (grinst) Ich habe mal Kimberley Hefner gedatet, aber ich habe bereits zu viel gesagt.

„Willkommen in New York, wie geht es Ihnen?“: Quincy Jones begrüßte unseren Redakteur Tim Geyer (l.) auf Deutsch. Der Michael-Jackson-Produzent war sechs Jahre mit Nastassja Kinski liiert.

Folge Tim bei Twitter: @tim_geyer

Autor: Tim Geyer, Redakteur
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