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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

"Es macht mir Spaß, Idioten zu ärgern"

Er spaltet die Nation: Grimme-Preisträger Jan Böhmermann, über Talk-Ekel, Pegida und seinen Tanz auf der Rasierklinge

Playboy: Herr Böhmermann, angeblich haben Sie ein Konzept für „Wetten, dass..?“ in der Schublade. Ist das Ihr Ernst? 
Böhmermann: Auf gar keinen Fall! 
Wenn, dann würde ich „Wetten, dass..?“ wieder aufbauen, und die erste Baggerwette bestünde darin, es zu schaffen, innerhalb von 30 Sekunden in zwei Versuchen die komplette Kulisse abzureißen und die Show ein für alle Mal zu verbuddeln. 

Playboy: Hassen Sie „Wetten, dass..?“?                                                                          
Böhmermann: Eigentlich nicht. Ich habe das gern geguckt. „Wetten, dass..?“ ist genau neun Tage älter als ich. Aber ein Leben nach „Wetten, dass..?“ ist möglich. Ich kann mir schon vorstellen, dass es geheime Pläne gibt, das Ding wiederzubeleben, aber warum sollte man so einen Komapatienten am Leben lassen? Die Sendung war nach Gottschalk tot. 

Playboy: Markus Lanz ist demnach kein Vorbild für Sie? 
Böhmermann: Nein, aber er ist eigentlich ein guter Typ. Markus Lanz braucht ein Seelenpeeling nach „Wetten, dass..?“. Eine monothematische, ernste Sendung. Das würde ich ihm wünschen. Aber da hätte jeder versagt. Gottschalk hatte die Sendung so sehr zu seinem eigenen Ding gemacht, das konnte kein anderer mehr ausfüllen. 

Playboy: Was können Sie sich aktuell im deutschen Fernsehen ansehen? 
Böhmermann: Ich schaue wahnsinnig gern „Schlag den Raab“, das ist das neue „Wetten, dass..?“ – super moderiert und immer spannend. Ich bin aber ganz froh, dass ich mich im „Neo Magazin Royale“ nicht mit großen Showbühnen, sondern eher mit dem Inhalt auseinandersetzen kann. Das ist mir näher. Ich würde lieber viermal in der Woche nach Lanz senden als einmal in der Woche am Samstag. 

"Gehasst werden ist wichtig"

Jan Böhmermann

Playboy: In Ihrer Sendung „Neo Magazin Royale“ kommentieren Sie das aktuelle Zeitgeschehen satirisch und gehen dabei nicht zimperlich mit Ihren Talkgästen um. Wie überwinden Sie Ihr Schamgefühl, wenn Sie zum Beispiel David Garrett parodieren, während er neben Ihnen sitzt? 
Böhmermann: Es ist natürlich innerlich die Hölle, aber man weiß, es ist für einen guten Zweck. Man kann Leuten wie ihm auch nicht anders begegnen als mit der maximalen Offenheit. Man kann das machen, was er macht, aber man sollte dann auch damit rechnen, dass das in anderen Menschen eine Reaktion auslöst. In mir zum Beispiel Ekel. Ich fühle bei David Garrett eine sehr berechnende Art von Kunst. Und das finde ich zynisch. Genauso wie bei Helene Fischer. 

Playboy: Was stört Sie da? 
Böhmermann: Man weiß nicht, ob es stimmt, aber es gibt da diese Geschichte: Als man ihr eröffnet hat, Helene, du machst jetzt Schlager, ist sie in Tränen ausgebrochen, hat sich dann aber ihrem Schicksal gefügt und füllt diese Rolle seit einigen Jahren mit einer geradezu antibakteriellen Aura aus. Das lebt nicht, und sie ist traurigerweise ein Abziehbildchen ihrer selbst. Diese Helene Fischer wird so universal gut gefunden, dass ich aus einem ganz tiefen, ehrlichen Gefühl heraus einfach nicht anders kann, als mich dagegen aufzulehnen. Gerade als Deutscher muss man doch misstrauisch werden, wenn ein ganzes Land eine Person gut findet. 

Playboy: Was war die schlechteste Idee Ihrer Showkarriere? 
Böhmermann: Der Glaube, dass gleichberechtigte Doppelmoderationen funktionieren (Roche & Böhmermann, d. Red.). Im Showgeschäft ist das Einzige, das dich über Wasser hält, dein übergroßes Ego. Und wenn zwei übergroße Egos in einer Sendung hängen, knallt es irgendwann. Ganz einfach. An dieser Stelle einen lieben Gruß an meine Freunde in Berlin von ProSieben: Ich gebe euch noch bis Herbst. 

Playboy: Sie meinen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf? 
Böhmermann: Ja, im Herbst ist Schluss. Hundertprozentig. Joko sehe ich in einer Daily Late Night Show, vor oder anstatt Stefan Raab, und Klaas entweder am Samstagabend oder mit einer Verbrauchershow. 

Playboy: Sie kritisieren oft das ZDF: Warum beißen Sie die Hand, die Sie füttert? 
Böhmermann: Dafür schlägt mich die Hand, die mich füttert, auch gelegentlich. Das ist wie in einer Beziehung: ein ständiges Ringen um Macht. Solange man die Ebene der Verständigung nicht verlässt, ist alles okay. Eine Sendung, wie ich sie mache, ist immer ein Tanz auf der Rasierklinge. Und manchmal schneidest du dich eben. 

Playboy: Ist Ihre Pegida-Kritik auch so ein Tanz auf der Rasierklinge? 
Böhmermann: Das mache ich einfach aus der Überzeugung, dass das wirklich Vollidioten sind, die da durch Dresden laufen. Das ist jetzt natürlich wieder arrogantes Wessi-Gelaber, aber man muss sich das mal vorstellen: Der einzige Grund für 20.000 Leute, durch Dresden zu laufen, ist, wenn es gegen Flüchtlinge geht, die alles verloren haben. Und es ist mein voller Ernst, wenn ich sage, ich rede erst mit diesen Leuten auf Augenhöhe, wenn die ihre Frauenkirche wieder abreißen und die Stadt in den Zustand von 1989 versetzen, als die Mauer fiel. Das ist der eine Grund: das völlige Unverständnis, dass man im Jahr 2015 aus all dem, was unser Land im Kern ausmacht, so wenig gelernt hat und sich einfach so unglaublich dumm verhält. 

Playboy: Was ist der andere Grund? 
Böhmermann: Es macht mir einfach Spaß, dumme Vollidioten zu ärgern, die im Unrecht sind, und dieses Feuer und dieser Hass, der mir da entgegenschlägt, sind ein richtig guter Antrieb. Gehasst werden ist wichtig. 

Playboy: Und wenn Sie jeder gut fände? 
Böhmermann: Kannste vergessen, dann ist es vorbei, dann hör ich auf.

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Autor: Tim Geyer, Redakteur
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