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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Armin Rohde

…über Punks, Pornos und Parties an der Uni

"Es wird alles immer konservativer"

Der Mann ist ein Ereignis: Armin Rohde liebt es exzessiv, egal, ob er feiert oder filmt. Der Schauspieler über seine Zeit als Punk, die Kunst der Porno-Synchronisation und Jesus auf dem elektrischen Stuhl

Das Ambiente des Berliner Restaurants „The Grand“ passt zu Armin Rohde: mondän und exklusiv, aber ohne die Ecken und Kanten hinter einer glatten Fassade zu verstecken. Ein Ort des unverfälschten Genusses. Auch dem 58-Jährigen sieht man den Genussmenschen an. Da trifft es sich gut, dass er gerade gut zu Mittag gegessen hat und heute kein weiterer Termin ansteht. Der Weißwein ist geöffnet - kurz anstoßen -, Zeit für ein Gespräch.

Playboy: Herr Rohde, wussten Sie, dass Sie Merkmale eines Psychopathen aufweisen? Zum Beispiel exzessiven Erlebnishunger, Mangel an Schamgefühl, ausgeprägten Charme, Promiskuität, Impulsivität und Jugendkriminalität.
Rohde: Diese Eigenschaften muss man wahrscheinlich ansatzweise haben, wenn man Schauspieler sein will. Aber Psychopathen setzen sie ja dazu ein, um den eigenen Vorteil durchzusetzen, egal, wie es anderen dabei geht. Weil sie keine Empathie verspüren. Und das ist der wesentliche Unterschied zu mir.

Playboy: Würden Sie gern einen Psychopathen spielen?
Rohde: Dazu braucht man die richtigen Leute und das richtige Drehbuch. Das ist so wie bei Klaus Kinski. Der hat zu Beginn seiner Karriere ein paar gute Sachen gemacht und dann jahrzehntelang Schrott gedreht. Das hat sich erst geändert, als ihn Werner Herzog entdeckt hat, um ihm die Rollen zu geben, die heute seinen Ruf begründen.

Playboy: Welcher Ruf eilt Ihnen voraus?
Rohde: Ich kriege nur am Rande mit, dass ich immer wieder als Partytier bezeichnet werde. Das ist über die Berlinale entstanden, da gebe ich Vollgas. Aber das mache ich vorsätzlich. Wenn ich nicht entsprechend drauf bin, gehe ich gar nicht vor die Tür des Hotels, sondern lieber noch mal in die Sauna.

Playboy: In Ihrem Film „Im weißen Rössl - Wehe Du singst!“ steht Ihre Figur, Wilhelm Giesecke, vor einem geschlossenen Hotel. Als er anfängt zu singen, öffnen sich die Fensterläden, und hübsche Damen im Dirndl fangen an zu tanzen. Ein Szenario nach ihrem Geschmack?
Rohde: Hätte ich mitunter nichts dagegen. Obwohl, da müsste ich dann aufpassen, wo ich anfange zu singen (lacht).

Playboy: Was hat Sie an dem Film gereizt?
Rohde: Ich wusste, dass der Regisseur Christian Theede mit guten Geschmacksnerven und Intelligenz an das Stück herangehen würde. Das Ganze ist ja grenzwertig. Wir machen ja Kitsch as Kitsch can. Da wird nichts geschont. Aber als ich „Im weißen Rössl“ zum ersten Mal gesehen habe, bin ich mit einem breiten Grinsen rausgegangen.

Playboy: Dürfen Männer kitschig sein?
Rohde: Es gibt bestimmte Berufe, wo man mit seiner Kleidung wahrscheinlich ein bisschen aufpassen muss, wenn man keinen Ärger kriegen will. Für mich als Schauspieler spielt das aber überhaupt keine Rolle. Ich kann rumlaufen, wie ich will, wann ich will und wo ich will.

Playboy: Wie laufen Sie denn am liebsten rum?
Rohde: In erster Linie muss es für mich bequem sein. Und mittlerweile habe ich einigermaßen Geschmack entwickelt, sodass die Dinge halbwegs zueinanderpassen. Aber man wird mich auch immer wieder an Tagen erwischen, wo man denkt, in welcher Mülltonne hat der denn gepennt.

Playboy: In Filmen sieht man Sie oft nackt. Ist Kleidung eine Last für Sie?
Rohde: Nacktheit war nie ein Problem für mich. Obwohl ich keinen Adoniskörper habe. Einen gut gebauten jungen Mann einkleiden kann jeder Depp. Aber bei meinem sizilianischen Körperbau ist das schon schwieriger.

Playboy: Welche Rolle spielte Mode für Sie, als Sie aufwuchsen?
Rohde: Mode kam nicht vor. Wir mussten das anziehen, womit man sauber und ordentlich gekleidet zur Schule geschickt werden konnte. Erst mit 14 fing es dann an. Damals waren knallenge lila Cordhosen, hohe Fransenschnürstiefel und Lederjacken en vogue, die oberhalb des Bauchnabels endeten.

Playboy: Klingt nach einer wilden Zeit . . .
Rohde: Ich war überrascht, als die 60er-Jahre wieder gehypt wurden. So, als wäre das eine ganz freakige Zeit gewesen. War es aber nicht. An die Sechziger habe ich eine Erinnerung, als hätte die Luft stillgestanden, da hat sich nichts bewegt. Erst mit der Popmusik und der Studentenbewegung wurde es lustig.

Playboy: Was ist heute davon übrig?
Rohde: Wenn man heute den alten Lieblingsprotestsong als Jingle zur Sparkassen-Werbung hört, denkt man schon, dass auch alles nur Blendwerk war. Es wird auch alles immer konservativer. Die Leute haben immer mehr Angst, ihre Meinung öffentlich kundzutun. Auch durch diese Überwachungsgeschichten der US-Geheimdienste.

Playboy: Sie kennen die USA gut, haben ein Semester dort studiert . . .
Rohde: Nicht studiert, ich bin dort einfach herumgezogen, hab mal hier, mal da gewohnt. Da war alles sehr liberal. Man ging auf Partys von Hochschulprofessoren, bei denen ganz selbstverständlich Joints herumgingen. Oder man wurde gefragt, ob man einen Trip schmeißen will. Das erste Mal war ich Mitte der Siebziger dort und bin ein Jahr mit einer Musikgruppe rumgetingelt. Wir waren schlecht, bestenfalls viertklassig. Das war die ausgehende Hippie-Zeit. Wir haben damals mehr gekifft als gegessen.

Playboy: Nach Ihrer Rückkehr wurden Sie Punk?
Rohde: Ich fand die Punkbewegung sehr attraktiv. Wir hatten vom Pogotanzen alle Salzränder in den Lederjacken. Dann waren wir plötzlich New Waver, und ich habe mit Gabi Delgado-Lopez, dem Sänger der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft, in einer WG gewohnt. Mit seiner Schwester war ich dann ein paar Monate liiert und bei einem ihrer Konzerte Türsteher. Sobald ich auf die Schauspielschule ging, habe ich alle diese Musikströmungen nicht mehr mitgemacht und nur noch fürs Schauspiel gelebt. Und zwar wie ein Kung-Fu-Mönch.

Playboy: Dass man für die Arbeit alles gibt, scheint bei Ihnen Familientradition zu sein. Stimmt es, dass Ihr Vater, der Bergmann war, Ihr härtester Kritiker ist?
Rohde: Ja, der hat immer schon ein sehr gutes Auge gehabt. Das größte Kompliment, das mir mein Vater nach wie vor machen kann ist: Junge, ich habe vergessen, dass du mein Sohn bist. Ich habe dir zugeschaut wie einem fremden Menschen.

Playboy: Nebenbei haben Sie auch Pornos synchronisiert. Wie geht das?
Rohde: Das ist ja nicht so irre textintensiv. Hauptsächlich stöhnst du und atmest. Am Ende des Tages hatte man einen Krampf vom vielen Atmen. Wir haben in elf Stunden einen 90-Minuten-Porno synchronisiert. Dafür gab es so viel Geld, wie ich sonst im ganzen Monat Bafög bekommen habe.

Playboy: In einem Buch über die Punkband Slime steht, dass Sie 2011 auf der After-Show-Party einer Filmpremiere waren, die total eskaliert ist.
Rohde: Als das anfing, aus dem Ruder zu laufen, fand ich das schon so unappetitlich, dass ich frühzeitig weg bin. Ich mag es nicht, wenn Leute ein volles Bierglas auf den Boden schmeißen und ihnen egal ist, dass das hinterher jemand für 4,50 Euro Stundenlohn wegmachen muss. Aber anscheinend ist das hinterher noch sehr ausgeufert.

Playboy: Es gab eine Massenschlägerei mit 50 Polizisten.
Rohde: Da waren aggressive Leute, denen offensichtlich egal war, wem sie auf die Schnauze hauen oder wem sie die Bude demolieren. Das hielt ich noch nie für besonders attraktiv oder ein Zeichen von Freiheit und Lebensqualität. Solche Leute sind für mich das Mieseste überhaupt.

Playboy: Sie sind ja auch Buddhist . . .
Rohde: Das ist eine friedliche Religion. Die haben so gut wie keine Bekehrungskriege geführt. Ich finde auch einen lächelnden Mann mit Bauch wesentlich sympathischer als Zeichen für eine Religion als einen gefolterten Menschen am Kreuz. Stell dir vor, damals hätte es elektrische Stühle gegeben. Dann würden in den Klassenzimmern elektrische Stühle hängen, auf denen einer sitzt, dem der Dampf aus den Ohren kommt.

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Autor: Tim Geyer, Redakteur
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