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Gegen die Fußballisierung des Alltags

Redet nicht ständig über das Eine!

Gegen die Fußballisierung des Alltags: Redet nicht ständig über das Eine!

Sex, Liebe, Affären? Nein, Fußball bestimmt unser Leben. Das bezeugen die meisten Männergespräche. Warum wir weniger über Fußball, dafür aber mehr mit Frauen reden sollten.

Stellt euch vor, es ist Fußball, und keiner hört hin – weil keiner darüber sprechen will. In diesem Sommer kamen wir dieser Utopie so nah wie lange nicht mehr. Eine WM, die mehr als blamabel für die deutsche Nationalmannschaft verlief. Ein neuer Bayern-Coach, der unauffälliger nicht sein könnte. Und ein Joachim Löw, der so schweigsam war wie Beate Zschäpe vor Gericht – dadurch aber wesentlich weniger Schlagzeilen provozierte.

Klar, es gab ein paar kleinere Aufreger – den Ronaldo-Transfer, den Özil-Rücktritt, den Videobeweis bei der WM –, aber im Großen und Ganzen lässt sich sagen: Die deutschen Fußballthemen waren selten so rar wie in den vergangenen Wochen. Es war eine herrliche Zeit. Das einzige Problem an der Sache: Die neue Bundesliga-Saison startet jetzt und durchbricht diese beschauliche Stille.

"Fußball bietet die Möglichkeit, mit Leuten zu reden, ohne sich mitzuteilen"

König Fußball setzt sich wieder auf den Thron der Männerthemen, und ich kann nichts dagegen tun. Allein, dass ich weiß, wer Niko Kovac ist, obwohl ich mich kein bisschen für Fußball interessiere, ist ein Zeichen der Allgegenwärtigkeit dieses Gesprächsthemas. Wenn ich mich mit meinen Kumpels in unserer Stammkneipe treffe, kann es sein, dass sie fünf Stunden lang dieselben fünf strittigen Szenen eines Spiels durchkauen.

In der Mittagspause servieren die Arbeitskollegen mir zum Schnitzel tagein, tagaus unaufgefordert ihr vermeintliches Insiderwissen. Ja, selbst nach dem Handball-Training bekomme ich das Gefühl, in unserer Kabine werde gerade der „Doppelpass“ aufgezeichnet. 

Kurz gesagt: Der Fußball dominiert jedes Gespräch unter Männern. Das ist nicht nur nervtötend und frustrierend – es ist sogar tragisch: Millionen mental gesunder Männer gehen intellektuell und emotional Stück für Stück vor die Hunde, weil sie Bayern Münchens Kaderzusammenstellung für ein abendfüllendes Thema und „Hammer-Freistoß vom Kroos“ – „Ja, echt geil!“ für ein Gespräch halten.     

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen den Fußball als Gesprächsstoff. Beim ersten Meeting mit einem neuen Geschäftspartner kann er einen wunderbar leichten Konversationseinstieg bieten. Im Aufzug mit dem Chef hilft er über die peinliche Stille hinweg. Und wenn sich der Schwiegervater in spe beim ersten Treffen etwas missmutig präsentiert, kann es durchaus hilfreich sein, es thematisch mal mit seinem Lieblingsclub zu probieren.

Als soziales Gleitmittel ist der Fußball, weil jeder drei, vier Sätze über ihn verlieren kann, eine gute Sache. Ein Thema wie das Wetter. Ähnlich lang sollte man sich meiner Meinung nach auch darüber unterhalten. 

Machen die meisten aber nicht. Sondern steigern sich hinein. Und selbst das kann ich noch zu einem gewissen Grad verstehen, denn die meisten Männer haben Hobbys, für die sie sich begeistern: schottische Hochland-Whiskys, Modelleisenbahnen, Fußball. Allerdings hielte man jemanden, der in Gesellschaft abendfüllend über die Detailtreue der neuen Märklin-Lok spräche, für einen Nerd. Warum hält man dann jemanden, der sich stundenlang über Loris Karius’ Patzer im Liverpool-Tor auslässt, für normal?

Weitere Streitschriften aus dem Playboy gibt's hier.

Der Mann von heute ist umzingelt von Fußballnerds. Und das fällt gar keinem mehr auf. Ich habe kein Problem damit, wenn sich ein paar Enthusiasten zusammenfinden, um sich stundenlang die Köpfe heißzureden über ihr Lieblingsthema. Ich habe ein Problem damit, wenn diese Enthusiasten jede Gesprächsrunde dominieren. Mein Problem beginnt dort, wo den anderen Themen der Platz ausgeht.  

Ich kenne kluge Ingenieure, die fünf Jahre lang in China gelebt haben, aber bei abendlichen Runden lieber stundenlang über Arjen Robbens Knorpelprobleme sprechen als über ihre faszinierenden Erfahrungen mit anderen Kulturen. Wieso ist das so? Ich kenne Männer, die gerade eine hässliche Scheidung mit zwei kleinen Kindern hinter sich haben, aber offenbar nichts Wichtigeres auf dem Herzen tragen als die Frage, ob Mario Götze noch einmal zu alter Form zurückfindet. Wie kann das sein?

Mein Eindruck ist: Über Fußball sprechen Männer nicht nur wegen der Begeisterung für den Sport so viel, sondern auch, weil er die Möglichkeit bietet, mit Leuten zu reden, ohne sich ihnen mitzuteilen. Er liefert belanglosen Gesprächsstoff für Drückeberger, denen aus Angst vor Themen, bei denen man wirklich etwas über die eigene Person preisgeben könnte, die Knie schlottern. 

Natürlich muss man in Männerrunden nicht zwingend die sozioökonomische Entwicklung Chinas erörtern und schon gar nicht jedem sein privat gebrochenes Herz ausschütten. Ich bin mir aber ziemlich sicher: Würden manche Männer genauso viel über ihre persönlichen Zweikämpfe, Dramen und Niederlagen sprechen wie über die ihres Lieblingsvereins, die Zahl der Depressiven wäre deutlich niedriger.

Stattdessen versteckt man sich, gemeinsam einsam, hinter dem breiten Kreuz von König Fußball und ballert aus dieser Deckung heraus irgendwelche „Kicker“-Zitate, Transfer-News oder Meinungen ab, um auch nur ansatzweise schwierige Themen im Sperrfeuer der Sprüche gar nicht erst aufkommen zu lassen. Die Deckung ist einfach perfekt. Und so wissen unzählige Männer zwar, dass die Passquote von Toni Kroos in der Champions League bei durchschnittlich 94 Prozent liegt – aber wie es ihrem besten Kumpel gerade wirklich geht, wissen eher wenige.

Weil ihnen ein fades 0 : 0 im beidseitigen Austausch genügt. Und wenn’s auf dem Platz mal nicht so läuft und sie die Themen eigentlich auswechseln sollten, lassen sie lieber die Gesprächsstammelf durchspielen und bestellen noch zwei Schnäpse. Hauptsache, keine Langeweile.

Es gibt Männer, die diese Stammelf sogar dann auf den Platz schicken, wenn sie versuchen, eine Frau kennenzulernen. Das ist nicht per se ein Fehler. Denn natürlich interessieren sich viele Frauen für Fußball. Der Großteil aber – lassen Sie sich von den schwarz-rot-golden geschminkten Schönen auf der Fanmeile nicht täuschen – hat keine allzu große Lust, nach dem Schlusspfiff ausführliche Fußballdiskussionen zu führen. Und das hat zwei gute Gründe: Erstens unterhalten sich Frauen in der Regel lieber über Themen, die tatsächlich etwas mit ihnen oder ihrem Gegenüber zu tun haben, als über die Transferausgaben irgendeines Scheichs. Zweitens empfinden nicht wenige Frauen, die ich kenne, allein schon die Art, wie die meisten Männer über Fußball reden, als ziemlich unangenehm.

Maxmilian Krones

Der 25-jährige Playboy-Volontär hat sich sein Studium der Medienwissenschaft und Geschichte als Barkeeper in Fußballkneipen finanziert – und dabei eine Überdosis Expertentum erleiden müssen.

Denn es geht bei diesen, nun ja, „Gesprächen“ meist ja nicht darum, Erhellendes oder Unterhaltsames zur Konversation beizutragen, sondern ganz klar um etwas anderes: ums Gewinnen. Meinung geht über Wissen, Lautstärke über Inhalt, Reden über Zuhören. Wenn sich zwei Menschen austauschen, folgt daraus im Idealfall ein Erkenntnisgewinn. Man erfährt etwas vom anderen, das man noch nicht wusste, oder erzählt dem anderen etwas Erhellendes. Wenn zwei Männer aber während der Spielauswertung in der Eckkneipe schweigen, dann nicht, weil das Gesagte verarbeitet werden müsste, sondern weil beide ihr Pulver verschossen haben. Mit Fußballwissen zu prahlen ist das „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ des kleinen Mannes. Ich weiß was, was du nicht weißt.

Leider behalten viele Männer ihr in jahrelangem Fußballgelaber antrainiertes Gesprächsverhalten auch dann bei, wenn das Thema längst gewechselt hat. Sie prahlen, selbst wenn es ans Flirten geht, statt zuzuhören. Sie trumpfen auf, statt sich für ihr Gegenüber zu interessieren. Die meisten Frauen, die ich kenne, fühlen sich von dieser Art Gesprächsgebaren abgestoßen. Weil sie im Verlauf der Menschheitsgeschichte ein gut ausgeprägtes Sensorium für Sinn- und Gehaltlosigkeiten entwickeln mussten, um nicht auf Idioten und Angeber hereinzufallen.

Fragen Sie mal ein paar Frauen, was sie bei einem Date am schlimmsten finden. Die werden Ihnen von Typen erzählen, die nicht eine Frage stellen und ständig nur von sich reden.

Die Lösung? Reden Sie weniger über Fußball und mehr mit Frauen. Von ihnen können wir Männer viel lernen. Sie müssen ihr ganzes Leben lang schon den Großkotz bezwingen, der in jedem Kerl steckt. Und wenn sie nicht gerade über ihre beste Freundin herziehen, kann tatsächlich ein gutes Gespräch entstehen. Aber da sind wir bei einem anderen Thema. 

Autor: Maximilian Krones
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