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Janosch wird 85

Der Kinderbuchautor im Männergespräch

"Gehen wir eine Nummer schieben?"

Das fragte Janosch eine junge Frau. Dann gingen sie ins Gebüsch. Kinderbücher schrieb er im Vollsuff, machte Millionen und verlor sie wieder. 2003 erzählte der damals 72-Jährige im Playboy-Interview, wie er die Tigerente klaute, weshalb man Frauen nicht verehren darf – und der Mensch manchmal eine Sau ist.

Playboy: Janosch, Sie sind Maler, Autor von mehr als 200 Kinderbüchern, Romanen und Theaterstücken. Was hat Sie zur Kunst getrieben?

Janosch: Ich wollte mit meinen Bildern bei den Frauen Liebesdienste bezahlen. Denn umsonst bekam ich sie nicht, Geld hatte ich keines, und Maler standen in Schwabing hoch im Kurs. Dachte ich damals.

Playboy: War der Plan erfolgreich?

Janosch: Leider nicht. Ich bekam auch für Kunstwerke keine Frauen.

Playboy: Wie sehen Sie das heute?

Janosch: Mein Fehler war, dass ich meine Verehrung zu offen erkennen ließ. Man muss sich den Frauen verweigern. Sie ehren, das ja. Aber nicht erkennbar verehren. Frauen wollen nur die, die sie nicht bekommen können. Nehmen Sie Julio Iglesias. Alle lieben ihn, aber nur jede Zweite hat ihn auch bekommen.

Playboy: Sie leben auf Teneriffa mit ihrer 20 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Ines. Wo haben Sie sich kennen gelernt?

Janosch: Sie stand im Supermarkt neben mir, und weil in dieser Gegend ansonsten kein weiterer Mensch vorhanden war, fingen wir sofort an, uns zu streiten. Sie war männerfeindlich und ich weiberfeindlich. Ich fing sofort an, mich zu verweigern. Sie auch. Der Streit und die Verweigerung dauern inzwischen 22 Jahre.

Playboy: Erfüllen Sie alle Wünsche Ihrer Frau?

Janosch: Nicht Wünsche, aber die Befehle. Sie hat das Kommando, damit aber auch die Verantwortung. Sie trifft alle Entscheidungen. Sie hat einen IQ von 126,5 und ich von 62.

Playboy: Was schätzen Sie denn an einer Frau am meisten?

Janosch: Der Reihe nach: Friedfertigkeit, freundliche Umgangsform, dreifache Intelligenz und Schönheit.

Playboy: Haben Sie das alles gefunden?

Janosch: Na, mein Gott, man kann nicht alles bekommen. Nichts auf dieser Welt ist hundertprozentig. Nicht einmal Alkohol. Bei hundert Prozent fliegt er aus der Flasche.

Playboy: Woher kommt der Name Janosch?

Janosch: Im Jahr 1964 suchte ich einen Job und ging in einen Verlag. Da saß so ein Mädel mit Zigarre im Mund und meldete mich beim Verleger. „Da steht der Janosch draußen, soll er rein?“, fragte sie. Sie hatte mich schlichtweg verwechselt. Der Verleger wollte, dass ich ein Kinderbuch mache: „Es muss so sein, dass sich die alten Weiber in der Szene ärgern. Total verkritzelt, kann auch versaut sein.“ Ich besoff mich und malte die ganze Nacht durch mein erstes Buch „Valek“. Ein Mann wünscht sich ein Pferd, das ist doch ein klasse Thema, oder? Es wurden 400 Stück gedruckt und 47 verkauft. Das Buch wurde nie wieder aufgelegt.

Playboy: Konnten Sie vom Schreiben leben?

Janosch: Erst ab dem 45. Buch.

Playboy: Welches Buch war das?

Janosch: „Oh, wie schön ist Panama“. Ich habe eine Eigenheit: Ich merke in bestimmten Momenten, dass nun etwas Historisches passiert. Ich stand vor einem Stuhl, links war der Tisch. Ich war entschlossen, den Job aufzugeben wegen totaler Erfolglosigkeit. Nur einen Racheakt wollte ich noch abliefern. Damit es die Leser auch geistig packen, durfte nichts Neues passieren. Der Bär macht stellvertretend für die Leser eine Reise. Er hat einen Freund — na ja, der Rest ist weltweit bekannt und trifft jeden ins Herz. Das ist wie „Harry Potter“. Es ist nichts Neues drin. Die Hexe reitet auf dem Besen, der Zauberer kann zaubern. Um Himmels willen nichts Neues.

Playboy: Und am Ende kommt der Bär wieder da an, von wo er losgegangen ist ...

Janosch: Das fiel mir erst später ein. Abends kamen Nachrichten über Noriegas Sturz. Da dachte ich, Panama ist gut. Die Sekretärin, die die Geschichte abtippte, hat wirklich geheult. „Oh, wie schön ist Panama“ erschien in über 70 Ländern und verkaufte sich allein in Deutschland zwei Millionen Mal.

"Ich werde oft von Lehrern angeblödet. Einer wollte mich mal schlagen"

Janosch über seine liebste Berufsgruppe

Playboy: Haben Sie den Erfolg geahnt?

Janosch: Ja. Ich weiß genau den Tag, an dem ich mir sagte: Heute mache ich Knete. Man darf das nicht wollen, das ist das Geheimnis. Sich etwas bestellen, ohne es zu wollen. Ein Spiel mit dem Kosmos.

Playboy: Gelingt das auch in anderen Bereichen?

Janosch: Ja. Ich habe bestialische Krankheiten von mir abgehalten. Ein Arzt hat vor 25 Jahren gesagt, ich würde nie wieder laufen können. Ich konnte nicht mehr gehen, ich habe mich die Treppen hochgezogen. Heute bin ich gesund wie ein Wildschwein.

Playboy: Wann haben Sie die Tigerente erfunden?

Janosch: Die stammt nicht von mir. Ich habe sie mir geliehen. Von einem Plakat des Illustrators F. K. Waechter. Da war das so eine Nebenfigur. Ich habe Waechter gefragt, ob ich sie malen darf, und er konnte sich gar nicht an sie erinnern. Der Erfolg der Tigerente kam, weil sie immer so beiläufig auftaucht.

Playboy: Haben Ihre Bücher Sie reich gemacht?

Janosch: Kein Bericht über mich spart dieses Thema aus. Das ist eine logische Mutmaßung wegen der unendlich vielen Merchandising-Artikel, Bücher und so weiter. Ich bin durch einfältiges Verhalten in eine missliche Situation geraten. Ich habe eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben und darf nicht darüber reden. Da mir Besitz ohnehin nie eine große Freude war, nahm ich den Gedanken in den Kopf: bis zum Lebensende alles zu vernichten und in die ewigen Jagdgründe mit leeren Händen einzugehen. Scheint, als ob mir das gelingt.

Playboy: Manche Fans werfen Ihnen die Kommerzialisierung der Tigerente vor.

Janosch: Weil keiner weiß, dass ich das nicht veranlasse, sondern der Verlag. Ich habe nicht einmal Verfügungsrecht. Ich besitze keinen einzigen Merchandising-Artikel. Nicht einmal eine Tigerente.

Playboy: Können Sie den Erfolg der Tigerente verstehen?

Janosch: Nicht wirklich. Wenn ich ein Bild male und eine Tigerente drauf ist, kaufen das die Leute sofort, sagt die Galerie. Jetzt male ich Tigerenten sogar neben Blumensträuße. Tigerentenbilder kosten mehr als Nicht-Tigerentenbilder.

Playboy: Was ist Ihre Botschaft?

Janosch: Der Mensch ist eine Sau. Die Welt funktioniert nicht richtig, weil mir die Leute nicht gehorchen. Also reißt euch zusammen und benehmt euch anders, als der Schöpfer euch plante. Seid doch nicht solche Schweine.

Playboy: Welche Erfahrungen haben Sie mit Verlagen gemacht?

Janosch: Nur zwei von zehn Verlagen, mit denen ich in den letzten 40 Jahren zu tun hatte, halte ich für ehrlich. Wenn Angestellte ihren Verlag verließen, gaben sie mir manchmal ihre Praktiken preis. Sie nennen das „Umleitung des Gewinns am Autor vorbei“. Ich habe fünf Stichproben gemacht, davon zwei Buchprüfungen — alles Volltreffer. Im Vergleich zu den Abrechnungen wurden mir sehr hohe Summen unterschlagen. Die meisten Autoren veranlassen nie eine Buchprüfung, weil die mindestens 25.000 Euro kostet. Das nutzen die Verlage aus.

"Wer Frauen keine fünf Orgasmen verschaffte, war das Arschloch der Nation"

Janosch über Sex in den Siebzigern

Playboy: Kommen Sie mit den Lektoren zurecht?

Janosch: Das Buch „Gastmahl auf Gomera“ hat mir der Lektor unheimlich versaut. Er war früher Lehrer. Und ich habe Lehrer beschrieben. Wie in Gomera nur früh pensionierte Lehrer rumsitzen. Und da sagt er, Lehrer sind nicht so. Aber Lehrer sind so. Er und seine Frau sind Lehrer, und er sagt: Wir sind nicht so. Ein anderes Beispiel: Er sagte, du musst reinschreiben, wie das mit dir und den Weibern war damals. Da habe ich gesagt, ich habe die Frauen unheimlich verehrt, habe ihnen mein Herz zu Füßen gelegt. Das hat er geändert: Ich hätte alle Frauen zum Beischlaf aufgefordert. Er gehört aber noch zu meinen Lieblingsmenschen, ich kann Seele und Fehlleistung auseinander halten.

Playboy: Haben Sie Probleme mit Lehrern?

Janosch: Nicht generell. Aber auf Gomera wimmelt es von früh pensionierten, hoch aggressiven Lehrern. Ich kannte eine Lehrerin, die mit 25 meldete, sie habe Schmerzen im Arm, ihr Mann war Arzt. Sie bekommt auf Lebenszeit eine herrliche Rente. Und solche gibt es dort in Rudeln. Die meisten aus Berlin. Ein Lehrer wollte mich mal schlagen auf einer Ausstellung. Er sagte, ich würde mich aufspielen. Ich werde oft von Lehrern angeblödet.

Playboy: Auf welche Ihrer Bücher sind Sie stolz?

Janosch: Ich halte Stolz für eine miese Eigenschaft. Neid oder Stolz oder Hochmut existieren in mir nicht einmal als Wort. Erst recht nicht Nationalstolz. Ich halte nur wenige meiner Werke für gelungen. Die „Grille und der Maulwurf“ ist hervorragend. Außerdem mag ich „Die Kraft des inneren Blues“, „Sandstrand“, „Gastmahl auf Gomera“, „Polski Blues“, „Schäbels Frau“. Und „Hallo Schiff Pyjamahose“. Das ist das allerbeste Kinderbuch, hat aber überhaupt keine Sau gekauft.

Playboy: Welches war Ihr erfolgreichstes Buch für Erwachsene?

Janosch: „Der liebe Gott aus Lehm“. In Polen ein Kultbuch. Im Suff geschrieben. 40 Flaschen Gin mit anschließender Lebervergiftung. Ich musste saufen, um mich zu befreien. Ich hatte als kleines Kind unheimliche Angst vor dem Teufel und dem lieben Gott. Das war das Schlimmste: die Angst vor Sünden. Es gibt eine Sünde, die heißt: „Unkeusche Worte lesen“. Wenn ich aus der Beichte kam, da stand genau gegenüber der Kirche „Ficken“ an der Wand. Ich rannte mit geschlossenen Augen, und wenn ich doch rübergucken musste, hatte ich Unkeusches gelesen. Ich bin schweißgebadet vor Angst zwischen der Kirche und der Wohnung hin und her gelaufen.

Playboy: Wann haben Sie das erste Mal gesoffen?

Janosch: Mit 13, ich arbeitete in einer Schlosserei. Ich weiß heute noch die Situation, das war auch so ein historischer Augenblick. Wir verlegten Rohre in einer Wohnung. Ich war der Schwächste. Da waren Polen dabei, und die haben mir und dem Gesellen Schnaps gegeben. Ich habe zwei runtergekippt und spürte auf einmal diese heiße Kraft in mir. Der Geselle stand auf dem Bock, mit dem man Gewinde schneidet, und ich hob ihn samt Bock hoch. Von da an glaubte ich, Alkohol ist ein Kraftmittel.

Playboy: Wie lange haben Sie das geglaubt?

Janosch: Bis ich 45 Jahre alt war. Dann kam der Zusammenbruch. Ich habe über 30 Jahre lang keinen Tag ohne Alkohol leben können. Ich soff aus Angst vor dem Papier. Im Rausch konnte ich besser zeichnen und malen. Ich habe mich aber nicht besoffen wie ein Säufer. Ich hörte auf, wenn es im Hinterkopf anfing zu flirren.

Playboy: Wann kam der Zusammenbruch?

Janosch: Der kam, als ich „Oh, wie schön ist Panama“ geschrieben hatte. Ich bekam wahnsinnige Schmerzen, und da sie nicht weggingen, habe ich mir einen Revolver gekauft. Ich wollte mich erschießen. Ich dachte, noch eine Drehung, dann halte ich es nicht mehr aus. Ich hatte drei Nierenkoliken am Tag.

Playboy: Mussten Sie sich operieren lassen?

Janosch: Ja. Nach der Operation hatte ich wahnsinnige Schmerzen. Die Krankenschwester hat gesagt: Maria macht Ihnen einen Mix. Und daraufhin hat sie mir Morphium gegeben. In dieser Nacht schwebte ich über mir. Der Zustand war saublöd, nämlich rosarot. Ich konnte keine Sekunde schlafen. Da habe ich das Buch „Sandstrand“ entwickelt. Ich hatte zuvor eine ganz verschissene Reise mit einem Mädel gemacht. Ich war 47, das Mädchen 22. Sie hat gekifft, es war gefährlich, ich dachte, hoffentlich erwischen die uns nicht. Als ich aus dem Krankenhaus rauskam, habe ich das Buch in drei Tagen runtergetippt, fünf Kilo dabei abgenommen und es nie wieder durchgelesen. Jedes Wort ist wahr, jeder Ort exakt beschrieben.

"Wenn ich aus der Beichte kam, stand gegenüber der Kirche "Ficken" an der Wand. Ich rannte weg"

Janosch über die Ängste seiner Kindheit

Playboy: Waren Sie mit dem Mädchen zusammen?

Janosch: Sie war lustigerweise die Freundin von einem Playboy-Redakteur. Wir saßen im Biergarten, und neben ihm saß ein Mädel. Die hat immer so gelacht. Da habe ich gesagt: Gehen wir eine Nummer schieben ins Gebüsch? Sagt sie: Ja. Wir gingen in das Gebüsch, haben eine Nummer geschoben und haben uns so ab und zu getroffen. Sie wohnte bei einem anderen in der Wohnung. Das wussten alle, dass die mit allen schläft.

Playboy: Was war denn in München damals mit Frauen los?

Janosch: Ja, die Frauen waren okay. Aber ich habe keine gekriegt, weil ich nicht besonders geschickt bin. Ich konnte nichts bieten.

Playboy: Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht?

Janosch: Ein beliebter Trick von Frauen war, dass sie vorgetäuscht haben, sie wären schwanger. Auf dem Fasching hat mir eine gesagt, dass sie sich gleichzeitig fünf Leute schnappt, möglichst Verheiratete. Die hatte was mit denen, und dann sagte sie: „Ich krieg ein Kind von dir, mein Lieber. Wenn du nicht zahlst, sage ich es deiner Frau.“ So kassierte die bei jedem 5000 Mark ab. Ihre Freundin verriet mir, dass sie gar keine Gebärmutter hat.

Playboy: Hat sich der Sex in den letzten Jahrzehnten verändert?

Janosch: In den siebziger Jahren forderten Frauen ihre so genannten Orgasmen ein wie der Teufel: Wer ihnen keine fünf verschaffte, war das Arschloch der Nation. Die Männer mussten akrobatische Leistungen liefern, bis die Frauen keinen Bock mehr hatten.

Die Frauen erzeugten eine solche Anspannung, dass sich der Orgasmus nicht einstellte. Der zugelassene Knabe hatte zu rammeln wie ein Maschinengewehr oder je nachdem, welche Vorstellungen sie hatte. Also immer genau das, was sie sich ausdachte, aber nie genau beschrieb. Es kam freilich kein Orgasmus. Deshalb musste der Mann den Orgasmus vortäuschen. Dabei stellte sich bei ihr eine ungeheure Enttäuschung ein. Dann musste man urplötzlich weiterrammeln wie ein Stehgeiger. Kam trotzdem kein Orgasmus bei ihr, hatte er die Schuld, klar. Man darf den Verkehr nicht vollziehen, wenn man nur die eigene Beglückung im Auge hat. Man muss die Freude des Bettgenossen im Auge haben. Aber darauf kommen nur sehr einfache Gemüter.

Einer erzählte mir vom schönsten Erlebnis seines Lebens, als eine Friseuse ihm sagte, er solle nur seine eigene Freude anstreben und sie gar nicht beachten, sie habe sowieso keinen Orgasmus und brauche auch keinen. Das soll er so gemacht haben, und siehe: Sie hatte drei hintereinander.

Playboy: Ist Treue Ihnen ein Wert?

Janosch: Ja, wenn es sich um eine echte Verbindung handelt. Erkämpft sich eine Frau die sexuelle Freiheit und gewinnt sie diese, hat sie nicht gesiegt. Sondern verloren.

Playboy: Lesen Sie Pornos?

Janosch: Im ganzen Leben keinen einzigen.

Playboy: Und Bukowski, den Sie illustriert haben?

Janosch: Ist kein Porno. Das Thema ist nur Vorwand, die Schreibe ist bei ihm das Kunstwerk.

Playboy: Wie war Ihre Kindheit?

Janosch: Es war Krieg. Ich lebte die ersten drei Jahre bei meinen Großeltern in unsagbar armen Zuständen, aber es gab einen warmen Ziegelstein im Bett. Dann kam eine verteufelte Zeit, bis ich 13 Jahre alt war. Meine Mutter lehrte mich, den Teufel zu sehen. Mein Vater kaufte sich eine lederne Peitsche, um mir das Gehorchen beizubringen. Ich war kränklich und konnte nicht weiter als zehn Meter schnell laufen. Bis jetzt nicht. Herzschaden. Sie haben mich gepeinigt deswegen, weil es mir schlecht ging. Der Lehrer in der Schule hat gesagt: „Solche Enten werden nach dem Krieg vergast.“ Ich spüre bis heute, wie es mir kalt wurde.

Playboy: Was ist Ihr Traumland?

Janosch: Nicht Panama. Ich lebte als Kind in Oberschlesien. Zwischen dem Haus und der Grenze gab es ein Land, das hieß Niemandsland. Da durfte niemand hin, wer da hinging, wurde erschossen. Aber mein Urgroßvater, der ging da hin. Das war ein alter Schmied, so ein Haudegen, der hat gesagt: „Wenn sie mich erschießen, schlag ich sie tot.“ In diesem Niemandsland wollte ich leben. Da tut mir keiner was, und da bin ich allein. Das habe ich heute noch im Kopf.

Playboy: Waren Sie mal in Panama?

Janosch: Ich wurde vom panamaischen Staatspräsidenten eingeladen und habe einen Orden bekommen. Ich flog mit dem Hubschrauber eine Woche als Staatsgast durchs Land. Das kam so: Der panamaische Botschafter in Deutschland hat einmal einen Studenten im Auto mitgenommen. Der hat ihm dann vom Panama-Buch erzählt. Das hat der Botschafter dann der Frau des Präsidenten geschickt. Es ist eigentlich lustig. Ich habe es nach Panama geschafft. Aber der Bär und der Tiger nie.

Playboy: Waren Sie noch mal in Ihrer Heimatstadt in Oberschlesien?

Janosch: Zweimal war ich da. Das elektrisiert mich so, dass ich es kaum aushalten kann. Da liegt immer noch der Dreck von 1938. Ich kann mich noch erinnern. Früher waren die Klos draußen. Da war so ein Brett, da hing Tütenpapier. Es gab ganz wenig Papier. Wenn man eingekauft hat, bekam man so eine Gefängnistüte aus Backpapier. Damit mussten wir uns den Arsch wischen.

Playboy: Gab es auch schöne Momente?

Janosch: Als unser Wohnhaus abbrannte — da war ich 13 Jahre. Peitsche verbrannt, Katechismus weg. Damit war die schlimme Zeit beendet. Danach brauchte ich nur noch 40 Jahre, um mein Programm von damals zu löschen.

Playboy: Was machen Sie zurzeit?

Janosch: Bilder malen. Ich mache gerade keine Bücher. Aber ich habe noch für mindestens 300 Jahre Bücher im Kopf. Außerdem schreibe ich mit Helge Schneider zusammen ein Musical über die Tigerente.

Playboy: Wen haben Sie in Ihrem Leben kennen gelernt, der Sie wirklich geprägt hat?

Janosch: Einen Zeichenlehrer in der Schule. Das war ein völlig unbeachteter Mensch. Er hat den für mich sehr wichtigen Satz gesagt: „Man muss nicht das zeichnen, was man sieht, sondern das, was man denkt.“

Playboy: Nehmen Sie Drogen?

Janosch: Die erzeugt mein Leib selbst. Das verschafft mir einen weitaus besseren Zustand, als ich ihn etwa mit Gras erreichen konnte. Ich hatte ein Erlebnis mit Haschisch, da hatte ich das Zeug als Tee getrunken und fünf Stunden lang nichts gemerkt. In der Nacht wache ich auf, und dann fliegen meine Arme und Gliedmaßen in der Luft herum, kennen Sie das? Seitdem male ich vom Leib getrennte Arme. Zwanghaft.

Playboy: Wie lange waren Sie abstinent?

Janosch: Ich trinke seit 25 Jahren so gut wie keinen einzigen Tropfen. Alle drei Wochen trinke ich mir selig einen Kleinen an, weil ich die Freiheit spüren muss, nicht meine eigenen Regeln einhalten zu müssen. Sonst wäre ich ja mein eigener Sklave. Ich war lange Vegetarier. Auch das wird zeitweilig aufgehoben. Dass der Mensch seine Mitbewohner nicht fressen darf, ist ja anfechtbar. Das Fleisch ist nach einer Weile keine Leiche mehr, sondern Eiweiß und Mineralien und nach 100 Jahren Staub. Wer weiß, ob es nicht höhere Wesen gibt, die unsere Seelen fressen.

Playboy: Sie haben kein Kind?

Janosch: Nein. Mit Absicht nicht. Wenn mich einer fragen würde, ob ich noch mal geboren werden will, würde ich nein sagen.

Playboy: Wären Sie ein guter Vater gewesen?

Janosch: Ich möchte keinem Kind zumuten, einen saufenden Vater zu haben. Damit aufzuhören habe ich lange nicht geschafft. Ich wollte auch gar nicht. Wenn ich nicht besoffen war, konnte ich keine Bücher schreiben. Was hätte ich machen sollen? Ich hatte ja keinen Beruf. Ich konnte mich nicht mal selbst ernähren. Das war ein Teufelskreis.

Das Interview führten Oliver Kuhn und Mario Vigl

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