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Guido Westerwelle (†)

"Spießertum misstraut dem Bürger"

In Gedenken an Guido Westerwelle

Schon als politischer Anfänger vertrat er seine Meinung. Ohne Rücksicht auf Verluste. Selbst wenn er dabei Parteikollegen und Bundestags-Schwergewichten auf die Füße trat. Guido Westerwelle, damals Generalsekretär der FDP, gab Playboy 1996 ein Interview, das bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. Über Gerechtigkeit, Toleranz und Politikverdrossenheit

Playboy: Leiden Sie unter der allgemeinen Politikverdrossenheit?

Westerwelle: Es ist wohl eher eine Politiker- und Parteienverdrossenheit. Und die hat nachvollziehbare Gründe. Zum Beispiel, dass sich die Parteien immer ähnlicher geworden sind. Man konnte wählen, was man wollte, es änderte doch nichts (...) Trotzdem muss das Gefühl überwiegen, diesen Staat und diese Demokratie nicht einfach anderen Leuten zu überlassen.

Playboy: Was haben Sie gegen den Begriff "frauenfeindlich"?

Westerwelle: Nicht die Begriffe sind das Problem, sondern was die Zeitgeistpolitik aus ihnen macht. (...) Wenn man gegen bestimmte frauenpolitische Gutachten eintritt, gilt man schnell als "frauenfeindlich". Selbst wenn wir der Meinung sind, dass ein Gutachten, dass den Steuerzahler 46000 Mark gekostet hat und den Titel Frauen und Müll  trägt, ein ziemlicher Schwachsinn ist.

Playboy: Sind unsere politischen Eliten zu alt?

Westerwelle: Grundsätzlich zeichnen sich gute Parlamente durch eine kluge Generationenmischung aus. Insofern würden mehr jüngere Abgeordnete diesem Land guttun. Parlamente sollen kein Ältestenrat, sondern repräsentative Gremien sein.

Playboy: Sie wettern immer wieder gegen Spießer. Was bedeutet dieser Ausdruck für sie?

Westerwelle: Spießig sind für mich Leute, die Toleranz mit Beliebigkeit verwechseln. Nach dem Motto: Das stört mich nicht, ist mir alles egal. Für mich ist Toleranz ein aktiver Prozess: den anderen, den Anderslebenden, den Andersdenkenden nicht als Bedrohung zu empfinden, sondern als Bereicherung für sich selbst. Spießer begreifen den Staat als Zensor von Lebensentwürfen. Spießertum misstraut dem Bürger.

Playboy: Man wirft Ihnen vor, ein aalglatter Typ zu sein, ohne Ecken und Kanten.

Westerwelle: Da mich die Leute so heftig attackieren, kann ich so aalglatt nicht sein. Offensichtlich stehe ich für eine bestimmte Botschaft, an der man sich reiben kann.

Playboy: Können Sie auch witzig sein? Erzählen Sie uns mal einen Witz.

Westerwelle: Lieber nicht. Die meisten Witze, über die ich lache, sind zu schmutzig für den Playboy.

Playboy: Sie sind Anwalt. Gibt es jemanden, den Sie nicht verteidigen würden?

Westerwelle: Grundsätzlich würde ich jeden verteidigen.

Playboy: Auch einen Neonazi?

Westerwelle: Ja. Vor Gericht geht es um Schuld oder Unschuld. Ich habe Linksautonome und Neonazis verteidigt.

Playboy: Ohne Probleme?

Westerwelle: Jeder hat das Recht auf einen anwaltlichen Beistand. Auch wenn er eine widerliche Tat begangen hat. 

Playboy: Sie verdienen momentan sehr gut. Verwenden Sie Ihr Geld auch für wohltätige Zwecke?

Westerwelle: Ja.

Playboy: Für wen oder was?

Westerwelle: Das sage ich nicht. Dann ist es keine Spende mehr sondern eine PR-Aktion.

(Auszug)

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Autor: Sebastian R. Tromm
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