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Oscar-Gewinner Leonardo DiCaprio

... über die extremste Rolle seines Lebens

„Ich bin als Schauspieler angetreten, um wenigstens einmal einen Superhelden zu spielen“

In „The Revenant“ spielt Leonardo DiCaprio einen verlotterten Trapper – und wurde dafür endlich mit seinem ersten Oscar belohnt. Der Hollywood-Star über Drehs bei minus 25 Grad, wilde Flüche am Set und seine Oma aus Oer-Erkenschwick.

1. Playboy: Ungezügelter Bartwuchs, strähnige Haare und ein Leben in freier Natur zusammen mit anderen verwilderten Burschen: Haben die Dreharbeiten zu „The Revenant“ Ihre maskuline Seite gestärkt?
DiCaprio: Noch maskuliner geht es nicht. Ich fühlte mich wie eine Mischung aus Steinzeitmensch und Bergfex. Einen Trapper im verwilderten Amerika um 1820 zu spielen ist das eine. Diesen Trapper aber unter der Regie von Alejandro Gonzalez Iñárritu zu verkörpern hebt diese Aufgabe noch mal auf eine ganz neue Ebene.

2. Playboy: Was hat es mit dem mexikanischen Filmemacher denn auf sich?
DiCaprio: Wir haben jede Szene in der freien Natur gedreht, nicht im Studio. Alles mit natürlichem Licht und bei jeder Witterung. Für mich als Schauspieler waren dies zeitweise die extremsten Erfahrungen, die ich je in meinem Beruf gemacht habe.

3. Playboy: Hat der Regisseur eine sadistische Ader?
DiCaprio: Alejandro hatte eine absolut klare Vision. Nichts und niemand brachte ihn davon ab. 

4. Playboy: Was für Extremsituationen genau mussten Sie bei den Dreharbeiten denn durchstehen?
DiCaprio: Wo fange ich da an? Es gab ungefähr 40 Szenen, bei denen ich viel Überwindung aufbringen musste und wirklich an meine Grenzen kam. Ich bin in eisigen Flüssen geschwommen, habe als Vegetarier rohe Bison-Leber gegessen und mich in echte Tierkadaver gelegt, der Wärme wegen. Ich war ständig unterkühlt, denn wir haben in einem der abgelegensten Gebiete Kanadas gedreht, bei eisigem Wind und Temperaturen um die minus 25 Grad. Iñárritu hat uns viel abverlangt, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. 

5. Playboy: Gerüchte besagen, einige Crew-Mitglieder hätten wegen der extremen Arbeitsbedingungen das Handtuch geworfen.
DiCaprio: Es gab ein paar Abspringer, aber der Großteil der Truppe blieb an Bord und hat mitgeholfen, einen der außergewöhnlichsten Filme in der Geschichte Hollywoods zu drehen. Jede Kontroverse, jedes Problem und jeder Fluch, den ich zwischendurch in den Wald geschrien habe, wird vergessen sein, wenn die Leute den Film sehen. Das ist ein neuartiges Stück Kino. Kein typischer Spielfilm, sondern fast eine Dokumentation. Ich spreche in der Rolle kaum. Die meiste Zeit bin ich ja allein in der Wildnis unterwegs und kämpfe ums nackte Überleben. 

6. Playboy: Können Sie jetzt auch ohne Streichhölzer Feuer machen?
DiCaprio: Nicht nur das, ich habe in einem Trapper-Camp auch gelernt, wie man Tierfallen baut und wie man sich im Wald ernährt. 

7. Playboy: Klingt wie eine Zeitreise zurück zu den Wurzeln der Männlichkeit, als die Jäger und Sammler noch ihre Familien in Höhlen ernährten.
DiCaprio: Genau das war es. Allerdings ist es ja so, dass es kaum Aufzeichnungen davon gibt, wie diese Männer früher gelebt haben. Es gibt auch keine Fotos. Der Trapper Hugh Glass existierte wirklich, aber sein Schicksal ist nur durch Erzählungen überliefert. Viele westliche Gebiete Nordamerikas glichen damals noch einem Urwald. Darin zu überleben war alles andere als leicht. Vor allem, wenn man wie Hugh Glass von einem Bären angefallen wurde und schwer verletzt allein in der freien Natur klarkommen musste. Menschen wie er waren eine ganz eigene Spezies und wirklich extreme Kerle. 

8. Playboy: Frauen finden derart raue Typen sexy, oder?
DiCaprio: Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich in der Wildnis überleben könnte, deshalb versuche ich auch gar nicht erst, damit zu punkten. 

9. Playboy: Haben Sie jetzt Blut geleckt und fahren mit der Freundin öfter zum Camping, um in der Natur zu sein?
DiCaprio: Nicht unbedingt, aber grundsätzlich bin ich ein ausgesprochener Naturliebhaber. Als Kind wollte ich immer Biologe werden, viel lieber als Schauspieler. 

10. Playboy: Wieso das?
DiCaprio: Ich bin in der Nähe von Downtown Los Angeles aufgewachsen, also mitten im Großstadtdschungel. Fernsehen und Kino haben mir dann vermittelt, dass es auch andere, natürliche Dschungellandschaften gibt. Und exotische Tiere, die ich noch nie gesehen hatte. Das hat mich schwer beeindruckt. Als diese Imax-Filme in Mode kamen, gab es da auch einen Film über den Amazonas. Danach war für mich klar, dass ich noch viel mehr über die Natur und ihre Vielfältigkeit erfahren wollte. Mittlerweile war ich auch mal im Amazonasgebiet - der bislang beeindruckendste Ort, den ich je gesehen habe. Leider sind wir Menschen drauf und dran, dieses Kunstwerk der Natur zu ruinieren. 

11. Playboy: Kommt er da jetzt wieder durch: Leo DiCaprio, der Umweltschützer?
DiCaprio: Dieses Thema bewegt mich einfach. Mit der Umwelt zerstören wir nun mal auch unsere Überlebenschancen auf diesem Planeten. 

"Ich weiß, dass meine Möglichkeiten begrenzt sind, aber ich glaube daran, dass man im Kollektiv etwas erreichen kann"

Leonardo DiCaprio

12. Playboy: Können Sie mit Ihrem Engagement für die Natur denn tatsächlich etwas erreichen? Oder stoßen Sie, wie viele Politiker und Aktivisten, an Grenzen, weil die Industrie und ihre mächtigen Lobbyisten eigentlich kein Interesse daran haben, Umweltschutz zu betreiben?
DiCaprio: Ich weiß, dass meine Möglichkeiten begrenzt sind, aber ich glaube daran, dass man im Kollektiv etwas erreichen kann. Und da haben wir schon einige wichtige Zeichen gesetzt. 

13. Playboy: Zum Beispiel?
DiCaprio: Ich war Produzent der Dokumentation “11th Hour - 5 vor 12“, in der wir Experten zum Thema Klimaveränderung zu Wort kommen ließen, unter anderem auch Stephen Hawking. Und ich unterstütze andere Aktivisten wie den ehemaligen Vize-Präsidenten Al Gore bei dem Bemühen, das Thema in die Köpfe der Menschen zu bringen.

14. Playboy: Ist Al Gore denn mit seinem Umweltschutz- Engagement erfolgreich?
DiCaprio: Seine Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“ legt 20 Jahre Forschungsarbeit offen, die beweist, wie unser Lebensraum auf Grund des klimatischen Wandels systematisch zerstört wird. Das ist ein Pflichtfilm für alle, die noch immer denken, der Klimawandel sei ein Hirngespinst von Wissenschaftlern. 15.

15. Playboy: Wie schlimm ist es aus Ihrer Sicht denn wirklich?
DiCaprio: Von allen Experten sind sich 99,9 Prozent darin einig, dass die Klimabedrohung real ist. Mir geht es auch nicht nur darum, die Politiker zum Umdenken zu bewegen. Aber so wie bisher können wir nicht weitermachen. Wir müssen endlich handeln, wenn dieser Planet auch in Zukunft noch unsere Heimat sein soll. 16.

16. Playboy: Was soll der Einzelne tun, was stellen Sie sich vor?
DiCaprio: Ich zum Beispiel fahre ein Hybridauto, recycle meinen Müll, nutze Energiesparlampen, und jedes Mal, wenn ich fliege, zahle ich einen Emissionszuschlag, mit dem neue Bäume gepflanzt werden können. Es gibt viele kleine Dinge, die jeder machen kann. Im Internet gibt es zahlreiche Websites, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. 

17. Playboy: Warum gehen Sie nicht einfach selbst in die Politik, um etwas zu ändern? Sie wären ja nicht der erste Hollywood-Star, der in ein politisches Amt gewählt wird.
DiCaprio: Dafür bin ich zu sehr Realist. Und ich kann in der jetzigen Position viel mehr erreichen als innerhalb des politischen Systems. 

18. Playboy: Ihr Erfolg in Hollywood dauert fast 25 Jahre an. Sind Sie so früh Schauspieler geworden, weil Sie Frauen beeindrucken wollten?
DiCaprio: Ich habe als Teenager davon geträumt, so zu sein wie die Helden aus meinen Comics. Die waren meist auch Außenseiter wie ich, aber dank ihrer Superkräfte haben sie ihre Peiniger besiegt und bekamen am Ende die besten Frauen ab. Also bin ich als Schauspieler angetreten - in der Hoffnung, wenigstens einmal einen Superhelden spielen zu können. Angefangen hat ja alles mit Werbefilmen. Als Teenager habe ich das alles sehr locker genommen und es nicht wirklich als Arbeit betrachtet. Es war ein cooler Job, mit dem man Geld verdienen konnte. Seitdem hat sich meine Arbeitsauffassung geändert. Gute Filme zu drehen ist eine Kunstform. Das hat Alejandro Iñárritu mit „The Revenant“ eindrucksvoll bewiesen. Es ist wirklich ein Privileg, dass ich mittlerweile in der Lage bin, mir die spannendsten Rollen aussuchen zu können. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich in Hollywood. 

19. Playboy: Sie haben Martin Scorsese, mit dem Sie fünf Filme gedreht haben, einmal als Ihren wichtigsten Mentor bezeichnet. Was hat er Ihnen beigebracht?
DiCaprio: Marty hat mir geholfen, den Beruf des Schauspielers neu zu definieren. Er hat mich ermutigt, risikofreudiger zu sein und öfter die eigene Komfortzone zu verlassen. Das habe ich dann getan. Auch in „The Revenant“. Und dadurch bin ich als Schauspieler definitiv gereift. Marty hat mich in jedem der Filme, bei denen wir gemeinsam gearbeitet haben, ein ganzes Stück weiter nach vorn gebracht.

20. Playboy: Welche Rolle spielt in Ihrem Leben die deutsche Verwandtschaft? Ihre mittlerweile verstorbene Großmutter wohnte im westfälischen Oer-Erkenschwick - wie wichtig war sie für Sie?
DiCaprio: Sie war eine tolle Frau und ein bedeutender Mensch in meinem Leben. Sie hat mir beigebracht, auch die kleinen Dinge des Lebens zu genießen. An diese Tugend und an viele andere Lebensweisheiten von ihr erinnere ich mich heute noch gerne. Im Hollywood-Alltag hilft das definitiv.

Autor: Andreas Renner
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