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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Max Giermann

Deutschlands Chefparodist über Raab, Beckmann & Co.

"Wenn ich auf der Bühne ein Jackett anhabe, neige ich dazu, ähnlich daran zu fummeln wie Stefan Raab"

Happy Birthday, Max Giermann! Deutschlands Chefparodist Max Giermann wird am 24. Oktober 2015 40 Jahre alt. Wir feiern ihn mit seinem Playboy-Interview über Beckmann, Raab, Lagerfeld & Co.

Playboy: Herr Giermann, der „Tagesspiegel“ schrieb in einem Porträt über Sie: „Parodist, das klingt so schäbig wie Afterkünstler.“ Sehen Sie das auch so?
Giermann: Ich frage mich, was man sich unter einem Afterkünstler vorzustellen hat. Ich sehe mich eher als Schauspieler - und Parodien sind eine Spielart davon. Aber dass ein Parodist so etwas Schäbiges sein soll, das finde ich nicht ganz fair. Weil es tatsächlich eine sehr schwierige Disziplin ist. Das ist wie ein Korsett mit ganz klaren Vorgaben, was man machen kann und was nicht.

Playboy: Und jeder kann es überprüfen.
Giermann: Ja, das ist der Druck, unter dem man steht. Wenn etwas nicht gelingt, kann man nicht sagen: „Na gut, das verspielt sich.“ Die Leute haben einen direkten Vergleich, und im YouTube- und Facebook-Zeitalter gibt jeder seinen Senf dazu.

Playboy: Eigentlich sind Sie doch so etwas wie ein moderner Hofnarr - der den Mächtigen der Medienwelt ungestraft an den Karren fahren darf.
Giermann: Auf jeden Fall. Wobei das viele auch als Ritterschlag empfinden. Die denken: „Der Hofnarr macht sich über mich lustig? - Geil, ich hab’s geschafft!“

Playboy: Es gibt keine Beschwerden?
Giermann: Eigentlich sind alle Rückmeldungen, die ich bekommen habe, positiv. Wobei man sich natürlich fragen muss, ob die nur in der Öffentlichkeit den Schulterschluss suchen. Aber bei vielen habe ich das Gefühl, dass das ehrlich gemeintes Lob ist. Bei Tim Mälzer, Stefan Raab, Johann Lafer oder Markus Lanz zum Beispiel.

Playboy: Wenn einer unserer Leser im Privaten mal jemanden nachmachen möchte - was haben Sie da für einen Tipp?
Giermann: Ich würde sagen: Gib’s auf. Das ist so viel Fleißarbeit, das muss man wirklich wollen. Ich selbst gehe da sehr handwerklich ran. Am Anfang nehme ich ein oder zwei prägnante Sätze mit meinem Diktiergerät auf, schaue genau, wo die Pausen und die Betonungen sind. Und dann versuche ich über Tage oder Wochen, diese Stimme nachzusprechen, bis sie so klingt wie das Original. Gestik und Mimik kommen erst am Schluss dazu.

Playboy: Wie bekommt man einen Beckmann hin?
Giermann: Da ist es immer hilfreich, wenn ein Tisch da ist, über den man sich in das Gegenüber reinlehnen kann. Sprachlich wird alles langgezogen, der markante Satz ist: „Lass uns daaa mal drüber reeeden.“ Das Meiste geht über diese investigative Haltung: in den anderen reinkriechen und dabei eigentlich nur sich selbst genießen.

Playboy: Einen Hugo Egon Balder?
Giermann: Da ist es dieses versoffene, verrauchte Grundgefühl. Textlich hilft es, über die typischen „Genial daneben“-Fragen zu gehen: “500 Euro! Gratulation! Für diese schöne Frage aus Dortmund!“

Playboy: Oliver Kahn?
Giermann: Den Unterkiefer vorschieben und die Zunge an die Unterlippe legen, damit man so ein bisschen ein affiges Gesicht bekommt. Dann natürlich der Dialekt, das Lufteinziehen und Sichwichtigmachen. Früher, als er noch gespielt hat, war es einfacher - da war er extremer. Da hat er zum Beispiel sein Gegenüber beim Sprechen nicht angeguckt.

Playboy: Karl Lagerfeld?
Giermann: Bei ihm ist die Parodie schwierig, weil sie sehr vielschichtig ist. Er ist ja ein sehr kluger und belesener Mensch, die Sprache ist sehr schnell. Es gibt ein paar Füllsel wie das „Doch-doch-doch“ oder das „Bilde ich mir ein“. Ich trage bei Lagerfeld immer eine Sonnenbrille und merke oft, dass ich die Augen ganz zu habe, weil die keine Rolle spielen.

Playboy: Vielleicht macht er das selbst ja auch so.
Giermann: Ja, vielleicht, man kann sich da besser auf sich selbst konzentrieren, und er ist ja sehr egozentrisch.

Playboy: Sind Sie auch schon mal an einer Figur gescheitert?
Giermann: Für die Harald-Schmidt-Show habe ich mit Karl-Theodor zu Guttenberg angefangen, aber damit war ich nach zwei Tagen Üben noch nicht ganz zufrieden. Er hat immer so etwas Joviales, dieses betont Lässige, wenn er am Rednerpult steht, einen Fuß über den anderen. Aber wie man das genau umsetzt, das weiß ich noch nicht.

Playboy: An wem arbeiten Sie aktuell?
Giermann: Adolf Hitler.

Playboy: Das ist dankbar, oder?
Giermann: An sich schon. Aber das Bild, das die Leute von Hitler haben, beruht auf bestimmten Reden . . .

Playboy: . . . in denen er sich selbst bereits parodiert?
Giermann: Genau, das ist das Problem. Aber es soll auch keine Parodie, sondern eine ernsthafte Darstellung werden.

Playboy: All die verschiedenen Rollen: Machen die mit der Zeit nicht schizophren?
Giermann: Nein, ein paar Sachen gewöhnt man sich vielleicht ein bisschen an. Wenn ich auf der Bühne ein Jackett anhabe, neige ich dazu, ähnlich daran zu fummeln wie Stefan Raab. Oder ich rutsche im Privaten mal in einen Tonfall, den ich gerade übe.

Playboy: Aber Sie vergessen nicht ab und zu, wer noch mal dieser Max Giermann war?
Giermann: Nee, da bin ich immer ziemlich klar.

Autor: Mareike Opitz
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