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"The Nice Guys"-Star Russell Crowe

... über Kontrollverlust, Leidenschaft und Extra-Kilos

20 Fragen an Russell Crowe

Schlechte Drehbücher schmeißt er sofort weg. Und auch sonst verbirgt der australische Oscar-Preisträger selten seine Gefühle. Das macht ihn als Schauspieler, der jetzt mit 51 Jahren seine erste Komödie ins Kino bringt, so erfolgreich. Das brockt ihm privat aber auch einigen Mist ein

Die Verandatüren seiner Suite im „Beverly Hills Hotel“ sind weit geöffnet. Russell Crowe sitzt an einem zierlichen Sekretär vor einem überquellenden Aschenbecher und qualmt in den Durchzug. Natürlich ist Rauchen hier genauso verboten wie im Rest von Los Angeles. Aber das Hotel pflegt gute Beziehungen zu Stars, und der Australier Crowe residiert hier immer, wenn er in der Stadt ist. Der 51-Jährige trägt denselben Dreitagebart wie in seinem neuen Film „The Nice Guys“ (Kinostart: 2. Juni), ist nur etwas schlanker. In seiner ersten Komödie spielt er neben Ryan Gosling einen glücklosen Detektiv. Er lächelt und bietet eine Zigarette an.

1. Playboy: Hatten Sie nicht vor sechs Jahren mit dem Rauchen aufgehört? Russell
Crowe: Ich war voller guter Vorsätze, weil ich als Vater von zwei kleinen Kindern 60 Kippen am Tag nicht mehr verantworten konnte. Aber dann musste ich feststellen, dass Nichtrauchen meine Entscheidungsfähigkeit mindert.

2. Playboy: Es gibt sogar wissenschaftliche Untersuchungen, die den positiven Effekt von Nikotin auf die Konzentration bescheinigen. Wurden die von Philip Morris in Auftrag gegeben? Ich rauche jedenfalls weiter, bis jemand eine bessere Lösung findet - wenn auch nicht mehr so viel.

3. Playboy: Unter dem Einfluss von Nikotin haben Sie sich dafür entschieden, eine Komödie zu drehen. Ihre erste. Warum?
Crowe: Weil ich das Drehbuch mochte. Das ist mein einziges Barometer. Kein noch so genialer Schauspieler kann ein mieses Skript retten. Mir gefiel, dass das Drehbuch nicht nur lustig war, sondern auch Tiefgang hatte. Ryan Gosling und ich versuchen, den Tod eines Pornostars im L. A. der 70er-Jahre aufzuklären. Aber wenn man genauer hinschaut, geht es auch um die Ölkrise und die Folgen des Embargos der arabischen Exporteure.

4. Playboy: Sind Sie selbst überrascht, dass Sie überhaupt noch vor der Kamera stehen wollten, nachdem Ihr Regiedebüt „Das Versprechen eines Lebens“ letztes Jahr so erfolgreich war?
Crowe: Im Gegensatz zu einem Schauspieler hat man als Regisseur viel mehr Spaß bei der Arbeit. Jede Minute ist aufregend und eine fruchtbare Erfahrung. Wenn man dagegen nur eine Rolle spielt, sitzt man selbst auf den besten Sets stundenlang nichtsnutzig herum und wartet auf Licht oder Kameras.

5. Playboy: Sie verachten Schauspieler?
Crowe: Nein, nein, ich liebe das Filmemachen, und dazu gehört natürlich auch das Schauspielern. Wenn ich für einen Regisseur arbeite, mache ich alles, was er will, fertig. Es ist nicht mein Set.

6. Playboy: Fällt es Ihnen nicht schwer, sich unterzuorden?
Crowe: Es ist auf jeden Fall besser, das Heft in der Hand zu halten. Aber dennoch liebe ich den Job des Schauspielers. Es ist ganz simpel: Entweder du bist aus Leidenschaft dabei oder nicht. Manche Leute sind beim Film, weil sie hoffen, dadurch in anderen Bereichen ihres Lebens zu profitieren. Dieses andere Leben ist ihnen wichtiger als ihre Arbeit. Ich bin das Gegenteil davon. Mein Leben beginnt mit der Arbeit.

7. Playboy: Als Regisseur braucht man eine gewisse menschliche Reife. Dauerte es deshalb so lange bis zu Ihrem ersten Werk?
Crowe: Kann gut sein. Ich hätte schon vor zwölf Jahren Regie führen können. Man bot mir ein australisches Independent-Filmprojekt an. Aber das ist nur passiert, weil ich zu der Zeit einer der größten Filmstars der Welt war. Und ich mochte es noch nie, wenn man mir Luft in den Arsch bläst. Ich lehnte ab, denn es war mir nicht klar, was meine Qualifikation sein sollte. Ruhm qualifiziert zu gar nichts. Hätte ich allerdings geahnt, dass es mich über zehn Jahre kosten sollte, so eine Gelegenheit noch einmal zu bekommen, hätte ich es gemacht.

8. Playboy: Als Regisseur hätten Sie auch nicht immer zwischen Sydney und L. A. hin- und herjetten müssen.
Crowe: Auch darum habe ich erfolgreiche Filmemacher immer beneidet. Gearbeitet wird an dem Ort, den sie für richtig halten. Als Schauspieler bist du ja nichts weiter als ein besserer Pendler. Ich habe kaum noch Lust auf einen Arbeitsweg von 12 000 Kilometern. Und ich will nicht mehr wochen- oder monatelang von meinen beiden Söhnen (Charlie, 13, und Tennyson, 10, d. Red.) getrennt sein.

9. Playboy: Schauspielerinnen über 40 müssen in Hollywood auf Großmutter-Rollen umsatteln oder sich liften lassen. Kriegen Sie mit über 50 noch alle Rollen, die Sie wollen?
Crowe: Als Schauspieler musst du immer geschmeidig bleiben. Ganz so, wie du als Jüngerer warst. Damals hat man alles für einen Statistenjob getan. Wenn du etwas liebst, dann setzt du dich auch dafür ein. Es gibt ein paar Berühmtheiten, die bilden sich ein, dass die Jobs von allein kommen. Dann wundern sie sich, wenn die Auswahl im Alter kleiner wird. So war ich nie. Selbst zu den Zeiten meiner größten Erfolge spielte ich in australischen Independent-Filmen mit.

10. Playboy: Haben Sie sich als junger Mann zu wichtig genommen, um in einer Komödie wie „The Nice Guys“ mitzuspielen?
Crowe: Ich hatte nie ein Angebot, das mich gereizt hätte. Jeder große Comedy-Macher wollte mit mir arbeiten. Aber ich reagiere nur auf das Skript. Selbst wenn mir „The Nice Guys“ vor 15 Jahren untergekommen wäre, hätte ich vielleicht die Qualität des Drehbuchs erkannt, aber mich nicht darin wiedergefunden. Es kommt auch darauf an, wo man im Leben gerade steht.

11. Playboy: In der Position eines Superhelden waren Sie offenbar nie.
Crowe: Ich sehe mich nicht im Latex-Anzug. Man hat mir zwar solche Jobs angeboten, aber erst die Rolle von Supermans Vater (Crowe spielte 2013 Supermans kryptonischen Vater in „Man Of Steel“, d. Red.) hat in mir etwas zum Klingen gebracht.

12. Playboy: Es ist auch sicherlich einfacher, eine Wampe zu züchten als einen Superhelden-Sixpack. Als Privatdetektiv in „The Nice Guys“ sind Sie jedenfalls gut im Futter!
Crowe: Das war Absicht. Ich habe es auf 121 Kilo gebracht, um auch optisch einen Gegenpol zu Ryan Gosling zu bilden.

13. Playboy: Und jetzt? Diät?
Crowe: 24 Kilo sind schon runter. Ich fahre ein paarmal in der Woche Fahrrad - ungefähr 50 Kilometer am Tag. Auch weil ich schlechte Laune kriege, wenn ich mich nicht bewege. Gestern waren es nur 37 Kilometer, weil es in Venice Beach einen Sandsturm gab.

14. Playboy: Sie haben darüber hinaus noch andere Hobbys - besitzen Anteile an einem australischen Rugby-Team, den „South Sydney Rabbitohs“. Zudem spielen Sie in einer Band, designen T-Shirts . . .
Crowe: Ja, aber das sind keine Hobbys, das ist alles Arbeit - leidenschaftliche. Ich fange nichts an, wofür ich nicht brenne. Und dann hänge ich mich voll rein, nur so kann man einen positiven Effekt erzielen. Mein Rugby-Team hat 2014 nach 43 Jahren zum ersten Mal die Meisterschaft gewonnen.

15. Playboy: Gratulation! Sind Sie mittlerweile eigentlich auch privat ein „Nice Guy“?
Crowe: Wer mir dumm kommt, kriegt eine passende Antwort. Ob das auf einer Party ist oder vor der Kamera. Wenn du rüde bist, werde ich verdammt noch mal auch rüde.
 

„Wer mir dumm kommt, kriegt eine passende Antwort. Ob das auf einer Party ist oder vor der Kamera“

Russell Crowe

16. Playboy: Sie haben da ja auch einen gewissen Ruf zu verteidigen!
Crowe: Ich habe ein paarmal in meinem Leben unter außergewöhnlichen Umständen extrem reagiert. (Beim letzten seiner legendären Wutausbrüche warf er 2005 ein Handy nach einem Angestellten eines New Yorker Hotels, d. Red.) Von Natur aus bin ich aber ein Mensch, der sich sehr bemüht, zuvorkommend zu sein. Tief drinnen bin ich eine liebenswürdige und mitfühlende Person. Aber ob ich ein „Nice Guy“ bin im Sinne eines dauergrinsenden netten Typen? Nö. Das halte ich nicht für erstrebenswert.

17. Playboy: „Nett“ kann ja auch eine Beleidigung sein.
Crowe: „Ganz reizend“ - ja, schlimm! Oft genug stellen sich sogenannte nette Menschen doch als die hinterhältigsten Kreaturen heraus, die jemals diesen Planeten heimgesucht haben. Unsere Gesellschaft mit ihren Regeln und Floskeln erlaubt nur einen begrenzten Blick auf die wahre Persönlichkeit von Menschen. Insofern habe ich kein Problem damit, mich hin und wieder ganz unverstellt zu zeigen. Ich bin, wie ich bin, kompliziert wie die meisten Menschen. Das akzeptiere ich. Es kommt auch meiner Arbeit zugute.

18. Playboy: Ist es ungerecht, dass Sie immer noch als telefonschmeißender Rüpel gelten?
Crowe: Das basiert auf wenigen Zwischenfällen, die ewig her sind und von den Medien aufgeblasen wurden. Jeder macht Fehler im Leben, sagt das Falsche, verliert mal die Kontrolle. Es war jedenfalls nie meine Absicht, jemanden zu verletzen. Wenn ich etwas falsch gemacht habe, weiß ich das und versuche, mich bei der betreffenden Person direkt zu entschuldigen. Man kann sich nicht beschissen benehmen und ein erfülltes Leben erwarten.

19. Playboy: Telefone zu werfen ist auch altmodisch im Zeitalter von Twitter. Neulich tweeteten Sie gegen Virgin Australia, weil die Fluglinie die Hoverboards Ihrer Söhne an Bord nicht erlaubte.
Crowe: Ich bin ein Social-Media-Enthusiast. Per Twitter kann man seinen Ärger oder seine Freude unmittelbar teilen. Was ist verkehrt daran?

20. Playboy: Nichts. Sehen Ihre Söhne das genauso? Die beiden sind ja mit dem Internet aufgewachsen.
Crowe: Die Jungs sind ziemlich ausgeglichen. Das ist doch der wichtigste Job von Eltern - Balance zu schaffen in dieser verrückten Welt. Egal, was für einer Arbeit man nachgeht. Natürlich ist es für Kinder von Prominenten extremer. Sie finden sich manchmal in privilegierten Situationen wieder. Dann möchte ich, dass sie dankbar sind. Meine Söhne müssen nie solche Gespräche mithören, wie meine Eltern sie führten. Bei uns war das Geld immer knapp. Mein wichtigstes Vermächtnis an meine Kinder ist die Arbeitsethik. Morgens um vier aufstehen, abends der Letzte sein.

Autor: Brigitte Steinmetz
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