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"Wir brauchen Satire dringender als je zuvor"

Oliver Kalkofe im Interview

"Wir brauchen Satire dringender als je zuvor": Oliver Kalkofe im Interview

Beinahe 15 Jahre ist es her, dass die Edgar Wallace-Parodie "Der WiXXer" erstmals in den deutschen Kinos lief, seit dem 20. Juni gibt es den Film und seine Fortsetzung "Neues vom WiXXer" auf Netflix zu sehen. Jetzt plant Hauptdarsteller und Drehbuchautor Oliver Kalkofe die Streaming-Serie "WiXX-Akten", die in derselben parodistischen Welt spielen soll. Wir haben mit dem Satiriker über sein Vorhaben und die deutsche Medienlandschaft gesprochen. 

Playboy: Herr Kalkofe, was hat es mit der geplanten Serie "Die WiXX-Akten" auf sich? 

Oliver Kalkofe: Die WiXXer-Welt ist eine zeitlose. Mit der Serie wollen wir das an die nächste Generation weitergeben. Denn es ist ja nun schon fast 15 Jahre her, dass "Der WiXXer" in den Kinos lief! Jetzt ist die Zeit reif, eine Art "Reboot" oder Weiterführung zu machen. Wir haben ein fertiges Konzept, mit dem man sofort loslegen könnte – und wir sind gespannt, wie die Umsetzung ablaufen wird. 

An welches Publikum richtet sich die Serie? 

An ein sehr breitgestreutes Publikum. Als wir mit den WiXXer-Filmen angefangen haben, sind wir zwar parodistisch herangegangen, aber auch sehr nah an den Edgar-Wallace-Originalen geblieben. Damit haben wir unabsichtlich – ähnlich wie eben diese Originale – eine eigene Welt geschaffen. Das heißt, auch die jüngeren Zuschauer, die um die "Hexer"-Filme von Edgar Wallace gar nicht wussten, fanden die WiXXer-Filme lustig ohne den parodistischen Ansatz wirklich zu verstehen.

Die älteren Zuschauer haben mit dem Wissen um die Originale wieder eine andere Art von Spaß daran gehabt. Das funktioniert nur sehr selten, denn meistens nagelt man sich auf eine Sache fest, für die man die Vorlage kennen muss. Wir befinden uns aber in einer eigenen fiktiven Welt, in einer fiktiven Zeitblase, die heute noch genauso funktioniert wie damals. Die Serie ist eine fantastische Möglichkeit, diese Welt weiter zu erforschen.

Warum wird das Ganze eigentlich auf Netflix oder einem anderen Streamingdienst, und nicht im TV laufen?

Netflix & Co. tun der deutschen Fernsehlandschaft gerade richtig weh – das liegt daran, dass die Leute dort selbst entscheiden können, wann und wo sie Filme und Serien in guter Qualität anschauen wollen. Das Publikum wird durch das klassische Fernsehprogramm bevormundet – heute gibt es da andere Möglichkeiten, und die nehmen die Zuschauer gerne wahr. Alle TV-Sender hecheln bis heute einer ominösen Quote nach, die es in dieser Form gar nicht gibt, die aber trotzdem die einzige Währung ist. Statt mutig zu sein und Innovation voranzutreiben, haben sie alle Angst, irgendetwas falsch zu machen. 

Das ist ein schlimmes, deutsches Fernseh-Phänomen. In den USA ist dagegen die größte Aufgabe bei den Sendern, neue Ideen zu bringen und auszuprobieren. Fast jedes halbe Jahr gibt es dort neue Inhalte, Genres und Shows. In Deutschland lautet seit Jahrzehnten die Devise: Was ist gerade bei den anderen erfolgreich? Das müssen wir so ähnlich machen. Es fehlt nicht an Kreativität, aber der deutschen Medienlandschaft fehlt der Mut.  

Sie sind nicht nur Komiker, sondern auch Satiriker – hat die Serie auch einen gesellschaftskritischen Charakter?

In erster Linie ist das Unterhaltung, es gibt keine klare gesellschaftskritische Botschaft. Aber natürlich versuchen wir aktuelle Probleme aufzugreifen und satirische Elemente einzubringen und die auf diese alte Zeit zu transportieren. Das ist eine tolle Möglichkeit, Probleme von heute durch eine andere Brille zu betrachten. 

Was macht Ihnen mehr Spaß – diese Art der Unterhaltung oder Satire, wie Sie sie in "Kalkofes Mattscheibe" betreiben?

Das kann ich sehr schwer sagen. Mit Schrecken habe ich neulich festgestellt, dass ich nächstes Jahr 25-jähriges Jubiläum mit der Mattscheibe habe. Trotzdem hatte ich noch keinen Moment Langeweile, weil ich immer unterschiedliche Dinge gemacht habe – wenn ich all die Jahre nur Satire gemacht hätte, wäre ich wahrscheinlich schon lang wahnsinnig geworden. Solche Projekte wie die WiXXer-Filme haben da Abwechslung reingebracht – das Schöne ist aber das Gesamtpaket, es ist von allem etwas dabei. 

Glauben Sie, Satire kann die Gesellschaft verändern? 

Oh ja, und ich glaube, wir brauchen sie gerade dringender als je zuvor. Weltweit greift ein gesellschaftliches Phänomen um sich, das von maßloser Selbstüberschätzung und fehlgeleitetem Patriotismus geprägt ist. Das gab es vorher auch schon, aber da hat es sich nicht so formieren können. Aber egal, ob man in die anderen Länder oder in unser eigenes schaut: In der Politik läuft laute Dummheit Gefahr, die leise Ironie zu übertonen. Das darf nicht passieren. Satire und Humor sind die besten Waffen dagegen. Denn durch Argumente und Reden allein kommt man da nicht durch. Weil ein Großteil immer nur "Fake News" und "Lügenpresse" brüllt und sich der Diskussion verweigert. Wenn die Leute dann plötzlich durch Satire vorgeführt werden, ist das viel wirkungsvoller als man denkt. 

Haben diese Leute überhaupt die Fähigkeit zur Selbstreflexion?

Ja, die haben sie. Viele verweigern das aber einfach bewusst und werden dann wütend. Ich glaube nicht, dass man die Extreme überzeugen kann – also die, die gar nicht nachdenken wollen und nur mit dem Strom mitlaufen. Wenn ich etwas Politisches auf Facebook poste, zum Beispiel gegen die AfD, da habe ich schon 200 Hasskommentare, bevor ich beim "D" angekommen bin. Das sind Leute, die mich aus Prinzip als "Judenschwein", "Fettsau" oder "links-grün versifften Merkel-Bückling" bezeichnen. Von denen wird man einfach nur beschimpft.

Wie reagieren Sie auf solche Hasskommentare? 

Ich mache immer Screenshots davon und die besten, beleidigendsten poste ich dann selbst. Die Verfasser sperre ich aber – sich von denen zu verabschieden ist reinigend für die Seele. Gleichzeitig gebe ich diesen Idioten die Öffentlichkeit, die sich eigentlich ja haben wollten. Wenn sie dann merken, dass sie für Deutschland sprechen wollen, der Sprache aber überhaupt nicht mächtig sind und sich dadurch regelrecht lächerlich machen: das ist mein Erfolg. 

An wen richtet sich Ihre Satire dann?

An die große, unsichtbare Masse, die unentschlossen ist. Die meisten von uns denken ja: 'Ich bin mit dem, was gerade passiert, auch nicht zufrieden, aber ich möchte mich nicht diesen Idioten anschließen, die unser Land kaputt machen und das ganze in eine vollkommen geisteskranke Richtung lenken wollen, die es zum Glück seit einigen Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr gegeben hat:' Da ist Satire ein gutes Mittel, um in diesem großen Mittelfeld zu agieren. Ich will die Leute mit meiner Satire zum diskutieren und reden anregen, denn momentan geht es nur darum, wer am lautesten schreit und am Ende die Schlagzeile kriegt. 

"Der WiXXer" und die Fortsetzung "Neues vom WiXXer" gibt es seit dem 20.06.2018 auf Netflix zu sehen.

Die Serie "Die WiXX Akten" ist in Planung. 

Autor: Lisa Carbonaro, Playboy.de
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