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Joachim Löw

…über die EM, Stress und seinen Lieblingsfranzosen

"Der Titel von Rio zählt nicht mehr"

Auf diesen Mann schaut ab dem 10. Juni wieder ganz Fußball-Deutschland: Bundestrainer Joachim Löw. Das klare Ziel des Badeners: Der EM-Titel in Frankreich. Uns verriet Jogi, wie er seine Jungs zum Sieg führen will, was er gegen Stress tut und was am Spielfeldrand wirklich in ihm vorgeht.

PLAYBOY: Herr Löw, ist es leichter, eine EM zu gewinnen als eine WM?

LÖW: Es ist grundsätzlich schwierig, ein Turnier zu gewinnen, ob WM oder EM. Ein kleiner Unterschied liegt darin, dass man bei einer EM in der gewohnten Klima- und Zeitzone bleibt, da entfällt die Umstellung. Ansonsten ist der Modus bei beiden Turnieren gleich hart: Nach der Vorrunde ist immer Schluss, wenn du dir ein schwaches Spiel erlaubst. Genau darin liegt aber für mich auch der Reiz.

PLAYBOY: Sie haben es als Cheftrainer des DFB bislang bei jedem großen Turnier mindestens ins Halbfinale geschafft. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis für die K.-o.-Phase?

LÖW: Das ist recht unspektakulär: eine akribische Vorbereitung und volle Konzentration in jedem Spiel.

PLAYBOY: Wenn man mit dem WM-Titel den größten Triumph bereits erreicht hat, wie schafft man es dann, die Motivation im Team wieder so hochzufahren, wie es für einen EM-Sieg nötig ist?

LÖW: Alle, die in der WM-Nacht in Rio dabei waren, haben diesen Moment als etwas ganz Besonderes genossen. Es war so wunderbar, das möchte man wieder erleben. Erfolg zu haben, ein Turnier zu gewinnen und einen Pokal in den Himmel zu stemmen, dafür ist man Sportler und strebt das immer wieder von Neuem an.

PLAYBOY: Träumen Sie noch oft vom 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien?

LÖW: Träumen nicht, aber ich denke schon mal daran, denn das war ein ganz spezielles Spiel. Besonders in Erinnerung ist mir vor allem die Atmosphäre danach geblieben, als wir vorbei an den geschlagenen Brasilianern in unser Quartier zurückgefahren sind. Diese ehrliche Anerkennung
für uns von dieser großen, stolzen und an jenem Tag todtraurigen Fußballnation – diesen Respekt für uns, das werde ich nie vergessen.

PLAYBOY: Den damals amtierenden Weltund Europameister Spanien erwischte es bei der WM 2014 schon in der Vorrunde. Dasselbe ist den Franzosen bei der WM 2002 in Japan geschehen. Wie verhindert man so einen Absturz?

LÖW: In einem Turnier spielen die besten Mannschaften, die sich alle in einer langen Qualifikation durchgesetzt haben. Da bringt jede einzelne Mannschaft ihre besonderen Qualitäten ein. Wir werden uns auf jeden Gegner hochseriös und topprofessionell vorbereiten. Jeder startet bei null, auch wir. Der Titel von Rio zählt nicht mehr. In einem Turnier muss man auf den Punkt die Leistung bringen und darf sich keine Schwächen erlauben. Darauf werden wir die Mannschaft einstellen.

PLAYBOY: Ihnen bleiben zwischen dem Ende der Bundesliga-Saison und dem EMStart nur wenige Wochen, um mit dem Team zu arbeiten. Worauf legen Sie beim Trainingslager im Tessin besonderen Wert?

LÖW: Einerseits geht es um den Zusammenhalt, den besonderen Spirit, den du für ein Turnier brauchst. Den hatten wir vor der WM in Brasilien, und den wollen wir jetzt wieder erzeugen. Und natürlich geht es auch um die Feinarbeit in gewissen Abläufen und taktischen Varianten. Wir haben Top-Spieler, mit denen kann man auch in wenigen Wochen viel erreichen.

PLAYBOY: Sie scheinen die Neigung zu haben, Überraschungsspieler für große Turniere zu nominieren. Bei der WM zum Beispiel Shkodran Mustafi oder Christoph Kramer. Sind junge, frische Spieler wichtig fürs Mannschaftsgefüge?

LÖW: Für Außenstehende mag das überraschend aussehen, für uns als Trainerteam sind das alles keine Unbekannten. Wir beobachten viele Spieler, befassen uns intensiv mit ihnen. Was die Auswahl der Spieler für ein Turnier angeht: Manchmal kann ein Überraschungsmoment durchaus taktisch sinnvoll sein und Energie für das gesamte Mannschaftsgefüge freisetzen.

PLAYBOY: Abgesehen von den fußballerischen Fähigkeiten: Welche Eigenschaften muss ein Spieler mitbringen, um einen Platz im Kader zu bekommen?

LÖW: Das Leistungsprinzip steht über allem, auch der Charakter ist enorm wichtig. Wir brauchen unterschiedliche Typen, die in der Lage sind, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Wenn man eine relativ lange Zeit miteinander verbringt und ein großes Ziel verfolgt, müssen sich alle zu unseren Werten bekennen, zu denen Teamgeist und Disziplin gehören.

PLAYBOY: Beim ersten Gespräch mit einem Kandidaten fürs Nationalteam – gibt es eine Frage, die Sie immer stellen?

LÖW: Nein, das läuft bei mir nicht nach Schema F ab, sondern situationsbedingt und individuell. Jeder Spieler ist ja ein anderer Typ, das weiß man auch schon vor dem vertiefenden Gespräch.

PLAYBOY: Gibt es ein Aufnahmeritual für neue Spieler bei der Nationalelf?

LÖW: Das ist eher eine Frage für die Spieler, denn wir Trainer sind ja nicht immer bei allem dabei (lacht).

PLAYBOY: Sie wirken am Spielfeldrand vergleichsweise ruhig, gestikulieren wenig, reichen keine Zettel rein. Wird der Einfluss, den der Trainer während des Spiels
hat, von der Öffentlichkeit überschätzt?

LÖW: Aus meiner Sicht bewertet das die fußballinteressierte Öffentlichkeit insgesamt schon sehr gut. Einfluss kann man immer nehmen. Und was den Auftritt am Spielfeldrand betrifft, ist eben jeder anders. Aber glauben Sie mir, auch wenn ich äußerlich ruhig bin, kann es in meinem Inneren ganz anders aussehen.

PLAYBOY: Nach dem taillierten Hemd, dem blauen V-Ausschnitt-Pulli und dem geknoteten Schal: Mit welchem modischen Accessoire werden Sie diese EM prägen?

LÖW: Das werde ich Ihnen doch jetzt nicht verraten . . . Aber im Ernst, darüber mache ich mir keine Gedanken, das sind Nebensächlichkeiten.

PLAYBOY: Der „New Yorker“ nannte Ihren Kleidungsstil mal „Bond-Bösewicht-Chic“. Treffende Beobachtung oder Frechheit?

LÖW: Ach, wissen Sie, es wird so viel geschrieben. Wenn ich mich jedes Mal damit intensiv auseinandersetzen würde . . . Das sollen andere beurteilen, die das besser können als ich.

PLAYBOY: Sie sind es ja mittlerweile gewohnt, für mehrwöchige Fußballturniere zu packen. Welche speziellen Jogi-Löw-Dinge, die nichts mit Fußball zu tun haben, dürfen im EM-Koffer nicht fehlen?

LÖW: Eine breite Musikauswahl und ein gutes Buch waren und sind mir immer wichtig.

PLAYBOY: Das Thema Terrorgefahr wird bei der EM eine gewisse Rolle spielen. Sie werden sicherlich mit der Mannschaft darüber gesprochen haben. Welche Punkte waren Ihnen dabei wichtig?

LÖW: Natürlich beschäftigen wir uns damit. Aber auch bei zurückliegenden Turnieren gab es das Sicherheitsthema, beispielsweise in Südafrika. Im Umgang mit der Mannschaft ist uns besonders wichtig zu vermitteln, dass wir Vertrauen in die für die Sicherheit zuständigen Stellen haben. Jeder wünscht sich ein friedliches, stimmungsvolles EM-Turnier in einem fußballverrückten Land. Frankreich und seine Menschen werden ein guter und herzlicher Gastgeber sein. Darauf freue ich mich.

PLAYBOY: Das Team, auf das Sie – abgesehen von Gastgeber Frankreich – auf keinen Fall vor dem Finale treffen wollen?

LÖW: So denke ich nicht, denn sonst würden wir negativ konditioniert in dieses Spiel gehen, wenn es tatsächlich kommt. Wer Europameister werden will, muss in der Lage sein, jeden Gegner zu schlagen. Und das sind wir.

PLAYBOY: Ihre Stress-Kompensation, falls es doch schon im Achtelfinale gegen Frankreich geht: Schokolade oder Kippe?

LÖW: Musik (lacht).

PLAYBOY: Sie gelten ja als Rotweinkenner. Verraten Sie uns zum Abschluss noch Ihren Lieblingsfranzosen?

LÖW: Ganz klar ein Bordeaux. Wo wir übrigens im Viertelfinale spielen könnten.

Autor: Alexander Neumann-Delbarre
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