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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

John Cusack

... über betrunkene Fans und seinen Kampf um Freiheit

"Kickboxen ist eine gute Hilfe"

Schauspieler John Cusack feiert am 28. Juni 2016 seinen 50. Geburtstag. Mit uns hat er  über betrunkene Fans, aggressive Energie und seinen politischen Kampf um Freiheit gesprochen

Playboy: Wenn man Ihrem Film  „Maps To The Stars“ glauben darf, dann ist Hollywood von Halbwahnsinnigen bevölkert. Ist es das? Cusack: Ich könnte Ihnen schon etliche Leute aus der Branche zeigen, auf die das zutrifft. Nicht dass ich jetzt Namen nennen wollte. Aber Durchgeknallte gibt es genug. Playboy: Sie gehören nicht dazu? Cusack: Ich hoffe nicht. Aber ich will eben auch nicht berühmt sein. Playboy: Haben Sie sich dann nicht den falschen Beruf ausgesucht? Cusack: Ich gebe zu, darin liegt ein gewisser Widerspruch. Die Schauspielerei ist auch wie ein Akt der

"Du bist als Mensch von Bedeutungslosigkeit bedroht."

John Cusack

Aggression im Angesicht des Abgrunds. Will sagen: Du bist als Mensch von Bedeutungslosigkeit und Auslöschung bedroht. Du fragst dich: Weiß überhaupt jemand, dass ich hier bin? Und indem du spielst und etwas Kreatives machst, machst du auf dich aufmerksam. Wobei ich nie solche Aufmerksamkeit bekommen wollte, wie das heute in unserer celebritybesessenen Gesellschaft der Fall ist. Playboy: Sie mussten sich sogar mal einer Stalkerin erwehren, die zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt wurde. Cusack: Es gibt genügend unangenehme Erfahrungen. Zum Beispiel, wenn ich mich mit jemandem unterhalte, und eine Person kommt auf mich zu und stellt sich zwischen uns beide, um mit mir zu plaudern. Diese Leute nehmen sich alle möglichen Freiheiten heraus. Sie kennen keine Höflichkeit. Das Schlimmste ist aber, wenn ich von Besoffenen erkannt werde. Das schlägt alles. Playboy: Ein Berufswechsel kommt nicht in Frage? Sie können doch auch schreiben, haben schon einige Drehbücher verfasst. Cusack: Bekannt bleibe ich trotzdem. Ich kann mir ja nicht das Gesicht abschneiden. Abgesehen davon, gebe ich zu: Es ist cool, mit Regisseuren wie David Cronenberg zu arbeiten, den ich schon in meiner Jugend bewundert habe. Playboy: Sie haben sich auch, seit Sie Teenager waren, in dieser Branche behauptet. Woran liegt das? Cusack: Reine Sturheit. Ich hatte ein Ziel, und das habe ich hartnäckig verfolgt. Schon damals wollte ich gute, ernsthafte Filme drehen, anstatt die oberflächlich kommerzielle Bahn einzuschlagen. Playboy: Was ist mit Actionkrachern wie „Con Air“ oder “2012“? Cusack: Ich will nicht behaupten, dass ich um große Filme einen Bogen gemacht habe. Aber die Filme hatten gut geschriebene Charaktere, und außerdem dürfen Sie nicht vergessen: In „Con Air“ habe ich Filmgeschichte geschrieben - als erster Schauspieler seit Charlton Heston in seinen Bibelfilmen habe ich Sandalen getragen! Aber diese ganzen Franchise-Filme sind nichts für mich. Hollywood sieht seine Zukunft in „Iron Man“ - 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 und 20. Es wird immer schwerer, die Art von Filmen, die ich mag, auf die Beine zu stellen. Playboy: Sind Sie frustriert? Cusack: Gelegentlich ja. Playboy: Wie lassen Sie diesen Frust raus?

"Natürlich ist diese Branche verrückt und nervt mich gelegentlich."

John Cusack

Cusack: Ich versuche es philosophisch zu nehmen. Natürlich ist diese Branche verrückt und nervt mich gelegentlich. Trotz allem kriege ich die Chance, Dinge zu tun, um die mich viele andere Leute beneiden. Und, ganz ehrlich, auf der Welt gibt es doch wesentlich heftigere Probleme. Playboy: Und wenn Ihnen das Ganze doch einmal zu viel wird? Cusack: Kickboxen ist eine ganz gute Hilfe. In Hollywood triffst du auf viel passiv aggressive Energie. Jeder säuselt: „Oh, es ist so schön, dich zu sehen!“ Dabei stehen wir alle im Wettbewerb miteinander. Wenn du schon in einem Kampf bist, dann ist es viel besser, das auch zuzugeben. Dann kannst du ganz ehrlich aufeinandereinhauen. Playboy: Werden Sie dabei auch verletzt? Cusack: Ich kriege Schläge ab. Playboy: Und das stecken Sie weg? Cusack: Es ist nicht schön. Aber ich hoffe eben, dass mich mein Gegner nicht erwischt. Wobei wir nicht hart auf hart kämpfen, das sind eher Sparring-Duelle. Und dabei wirst du alle deine angestauten Gefühle und Frustrationen los. Playboy: Sie lassen sich aber auch noch mit viel mächtigeren Gegnern ein. Sie sitzen im Vorstand der Freedom of the Press Foundation, die für die Stärkung von Presse- und Meinungsfreiheit kämpft. Einer Ihrer Vorstandskollegen ist Edward Snowden... Cusack: Wir setzen uns für die Rechte von Journalisten ein, helfen ihnen bei Verschlüsselungstechniken und versuchen, die NSA zurückzudrängen. Es kann nicht sein, dass Journalisten ins Gefängnis gesteckt oder eingeschüchtert werden, dass ihre Quellen nicht mehr sicher sind. Du brauchst eine Privatsphäre. Wie gelang es, die Sklaverei abzuschaffen? Es fing damit an, dass sich die Gegner in privaten Zirkeln getroffen haben. Aber nehmen wir an, diese Unterhaltungen würden abgehört - wenn du nicht mehr normal kommunizieren kannst, ist das das Ende der Freiheit. Playboy: Warum sind es ausgerechnet die USA, die jetzt diese Freiheit bedrohen? Cusack: Weil es da einen Spionage-Paragrafen aus dem Jahr 1914 gibt, mit dem du Journalisten

"„Terrorismus“ ist eben das magische Wort"

John Cusack

einschüchtern kannst. Natürlich würden die Behörden vor dem Obersten Gerichtshof verlieren, aber bis dahin können sie die Konten von Leuten einfrieren und sie ins Gefängnis stecken. Das ist der Zustand, in dem sich die USA derzeit befinden. Dabei haben die Leute ein Recht, die Wahrheit zu erfahren, sie haben das Recht auf eine aggressive Presse, die die Machthaber herausfordert und alles berichtet, was sie verdammt noch mal will. Man kann nicht einfach „Terrorismus“ und „nationale Sicherheit“ brüllen und uns unsere verfassungsmäßigen Rechte wegnehmen. Und „Terrorismus“ ist eben das magische Wort - sag es, und du kannst dir heutzutage alles erlauben. Ich könnte jetzt viel dazu sagen, aber lassen Sie uns lieber wieder über „Maps To The Stars“ sprechen. Playboy: Den Film, in dem Sie einen Psychoguru spielen. Bei Ihren Interessen dürfte Ihnen die Figur ja eher fremd sein. Cusack: Nicht ganz. Ich beschäftige mich sehr mit solchen Themen, habe zum Beispiel viel C. G. Jung gelesen. Und ich bin von der spirituellen Welt zwischen Leben und Tod fasziniert. Wo endet unsere Realität, wo beginnen Träume? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Was ist mit Geistern? Playboy: Und was sind Ihre Antworten? Cusack: Dazu müssten wir uns länger unterhalten. Ich kann nur sagen, dass ich nicht an Zahlen glaube. Die Wissenschaft erklärt nicht alles. Auch Einstein war von der Existenz eines Gottes überzeugt. Die größten Wissenschaftler begegnen sich mit den Mystikern. Ich gehöre keiner institutionellen Religion an, aber Atheismus ist völlig einfallslos. Wir sind nicht nur Kohlenstoff. Playboy: Woher nehmen Sie diese Gewissheit? Cusack: Völlige Gewissheit gibt es nicht. Aber haben Sie schon mal jemanden sterben sehen? Ich habe es mal bei einem Familienmitglied erlebt. Erst siehst du eine Person mit einem Körper, der einen Geist in sich trägt, dann tut sie den letzten Atemzug, aber du spürst immer noch ihre Präsenz, und der Körper ist nur wie ein Anzug, den sie abgelegt hat. Playboy: Fürchten Sie sich vor dem Moment, wenn es bei Ihnen so weit ist? Cusack: Natürlich, denn ich vermag nicht zu sagen, ob das so etwas wie ein freier Fall wird. Doch ich kann es mir ja nicht aussuchen. Das ist ein heiliger Raum, den jeder von uns betreten muss, ohne zu wissen, was ihn erwartet. Aber etwas anderes macht mir viel mehr Angst - Menschen, die so etwas wie dunkle Energie ausstrahlen. Die habe ich zur Genüge kennen gelernt. Auch in Hollywood.

 

Autor: Rüdiger Sturm
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