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Nico Scholze: "Bei manchen Stürzen bringt dir auch ein Schulterpolster nichts"

Der 22-Jährige Nico Scholze ist der aktuell beste Mountainbiker Deutschlands in der Kategorie "Slopestyle". Bei dieser Disziplin müssen die Fahrer Hindernisparcours mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auf speziellen Mountainbikes bewältigen. Dazu gehören auch spektakuläre Sprünge aus Rampen mit einer Höhe von bis zu zehn Metern (sog. Drops). Wir haben uns mit Nico über den Reiz und die Gefahren dieses bisher relativ unbekannten Extremsports unterhalten. 

Spätestens seit den spektakulären Videos von "Red Bull Rampage" wissen wir: Mountainbiken ist nichts für Zartbesaitete. Das Prinzip dieses Sports besteht prinzipell aus zwei Faktoren: Quälerei und Genuss – zuerst geht es qualvoll bergauf, dann genussvoll bergab. So war das zumindest bisher.

Doch in den letzten 20 Jahren hat sich der Mountainbike-Sport immer mehr spezialisiert. Unterschied man früher noch lediglich unter Cross-Country-Rennen (Olympische Disziplin) und Downhillrennen, so gibt heute fast ein Dutzend verschiedener Disziplinen, die sich teilweise überschneiden oder ineinander übergehen. Eine davon ist der noch relativ unbekannte "Slopestyle". Hierbei müssen die Fahrer Hindernisparcours mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden meistern und stürzen sich meterhohe Rampen hinunter. Auch die Fahrräder unterscheiden sich in dieser Extremsport-Disziplin von herkömmlichen Mountainbikes.

Nico Scholze gilt als deutsche Slopestyle-Hoffnung. Der 22-Jährige Extremsportler aus Filderstadt konnte bereits mehrere bedeutende Siege nach Hause fahren. So belegte er beim bekannten "Suzuki Nine Nights" in 2017 den 2. Platz, ebenso punktete er auf vielen großen Mountainbike-Contests wie dem "Swatch Prime Line Contest" in München, oder dem "Crankworx Rotorura" in Neuseeland. 

Wir wollten von Nico wissen, was ihn so sehr an diesem Sport reizt, ob er trotz seiner Erfolge davon leben kann und wie es sich anfühlt, sich mit einem Fahrrad in die Tiefe zu stürzen.

Playboy: Was reizt dich so sehr daran, dich mit einem Mountainbike eine über 10 Meter hohe Holzrampe hinunterzustürzen?
Nico: Mich reizt daran einfach der Gedanke, nie das Limit zu erreichen und zu wissen: egal wie oft ich es mache, es gibt immer einen Sprung der sich noch besser anfühlt.

Inwiefern besser? 
Nun ja, das kommt eben ganz darauf an. Manchmal empfinde ich ein reines Glücksgefühl, vergesse alles um mich herum und denke an absolut gar nichts mehr. Manchmal fühle ich aber auch Todesangst, wenn ich genau weiß, dass der Sprung in die Hose geht. Es ist wie eine Art Suchtgefühl, das dadurch befriedigt wird.

Wie gehst du dann mit dieser Todesangst um? Brichst du auch vorher den Sprung ab, wenn du ahnst, dass er nicht klappen könnte? 

Todesangst war vielleicht etwas überspitzt. Wenn ich weiß, dass der Sprung nicht klappt, ist es eigentlich zu spät zum Abbrechen. Aber mein gesunder Menschenverstand sagt mit vorher, was ich schaffen werde und was nicht. Deswegen trainiere ich ja auch jeden Tag. Routine ist das Sicherste bei diesem Sport.

Du fährst komplett ohne Schulterprotektoren, wie ich beim Nine Nights Video gesehen haben. Warum? 

Ich fahre gerne ohne diese dicken Polster am Oberkörper, da ich einige Tricks beherrsche, die niemand auf der Welt außer mir beherrscht und dabei brauche ich absolute Bewegungsfreiheit.

Ist das nicht fahrlässig?

Es ist auf jeden Fall nicht die sicherste Variante, das muss ich zugeben. Jedoch kann ich meinen Körper auch nicht in eine „Ritter-Rüstung“ stecken. Mit dem richtigen Training kann man Verletzungen sehr gut vorbeugen - aber bei manchen Stürzen bringt dir auch ein Schulterpolster nichts.

Befürchtest du nicht, dadurch eine falsche Botschaft an dein Publikum zu übermitteln? Insbesondere an deine jüngeren Fans, die das nachahmen könnten?

Ich denke, diese Botschaft gibt es bei uns nicht. Wir alle fahren mit Helm, Knie-, Schienbein- und Knöchelschutz. Ich persönlich zusätzlich mit Zahnschiene, Handschuhen und Brille. Die Leute wissen meistens, wie gut wir trainiert sind und dass Stürze eher eine Seltenheit sind. Jedoch möchte ich den jungen Leuten auf jeden Fall raten, adäquaten Schutz zu tragen und zumindest ohne Ausnahme IMMER mit Helm zu trainieren!

Slopestyle ist vor allem in Deutschland ein Exot unter den Sportarten Was fasziniert dich ausgerechnet an dieser Disziplin so sehr? 

Mich fasziniert die Einzelsportart - Ich habe meine eigenen Sprünge (Sprunghügel) daheim, kann mir meine Strecke so präparieren, wie ich möchte und habe keinen Trainer, der mir Trainingszeiten vorschreibt. Ich kann fahren, wann immer ich will und das ist das Geile. Wenn ich morgens aufstehe und einfach keinen Bock auf Radfahren habe, dann mach ich einen Tag Pause. Dazu kommt noch das ständig wachsende Potential an Tricks und dass man nie wirklich das Limit an Kreativität erreicht.

Du belegst derzeit den 9. Platz im FMB World-Ranking und bist dadurch Deutschlands Nummer Eins in diesem Sport. Dennoch findet man im Netz kaum Informationen über dich. Absicht oder Zufall?

Ich bin noch relativ neu in der Szene. In der Worldtour erst seit einem Jahr unterwegs. Vielleicht liegt es daran.  Aber wer sich für den Sport interessiert und meinen Namen im Netz eingibt, findet auf jeden Fall ein Video Namens "Initiation". Dort sieht man am besten, was ich auf meinem Rad alles anstellen kann. Alles andere ist Zufall, da ich jede freie Minute damit verbringe neue Tricks zu lernen und 100% fokussiert aufs Fahren bin.

Gerade Deutschland gilt als Schlusslicht was Sport-Sponsoring betrifft. Vor allem Randsportarten haben es extrem schwer. Wie hast du mit diesem Problem zu kämpfen?

Für mich ist Deutschland die Wüste des Sports  - in vielen Bereichen. Wenn man sich mal anschaut wie sportbegeistert andere Länder sind, finde ich Deutschland im Allgemeinen (außer Fußball) sehr schwach. Leider! Bis jetzt jedoch habe ich mich noch nicht mit diesem Thema befasst. Ich fahre nicht Mountainbike um reich zu werden. Ich möchte Leute inspirieren und ein Vorbild sein. Was die Sponsoren angeht, bin ich bis jetzt aber zufrieden.

Vielleicht nicht um reich zu werden, aber wenigstens um deinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ist das in diesem Sport überhaupt möglich?

Das ist auf jeden Fall ein Ziel. Deshalb habe ich dieses Jahr das erste Mal auch Unterstützung durch ein Management im Hintergrund. Das ist super spannend und neu für mich. Ich bin gespannt wie weit wir zusammen kommen mit dem Ziel, den Lebensunterhalt durch den Sport zu verdienen. Das zu schaffen ist definitiv möglich, aber keinesfalls leicht. Und es war bisher für mich auch noch nicht möglich. In diesen Sportarten zentriert sich aber oft viel auf ein, zwei Sponsoren die Gas geben und die dann jeder für sich gewinnen will.

Was war dein bisher größter Erfolg?

Mein größter Erfolg auf Wettkampfebene war der 6. Platz bei Swatch Prime Line in München. Ein Worldtour-Event der höchsten Kategorie. Aber der bisher größte Erfolg in meiner Karriere war das Projekt Dirt-Jump-Park in meiner Heimatstadt, den wir gemeinsam mit der Stadt und meinen Freunden auf die Beine gestellt haben.

Was erwartest du dir von der Zukunft?

Mein Plan ist es, definitiv noch so lange es der Körper zulässt Mountainbike zu fahren. Alles andere überlasse ich dem Zufall.

Mountainbiken bis ans Ende deiner Tage?

Videos drehen und Fotos schießen sind meine Leidenschaft. Da werden wir in naher Zukunft noch einiges zu sehen bekommen. 

Autor: Max Marquardt, Playboy
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