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Kult-Regisseur Roland Emmerich

... über Donald Trump & „Independence Day: Wiederkehr"

"Trump wäre für die USA schlimmer als ein großes Erdbeben"

Der Göttervater des modernen Katastrophenkinos, Roland Emmerich, zeigt in „Independence Day: Wiederkehr“ (Kinostart 14. Juli) Schlachten, wie man sie noch nie auf der Leinwand sah. Die mächtigsten Gegner dieses Mannes aber sind real: seine Angst vor Flugzeugabstürzen, vor Waffen, vor rechter Gewalt und Demagogie

Roland Emmerich fläzt sich in der Suite des Frankfurter „Fleming’s Hotels“ in seinen Sessel und empfängt in gepflegtem Denglisch. Man hat den Eindruck, dass er ein echter Ami geworden ist. Allerdings hat der gebürtige Stuttgarter gerade auch ganz andere Dinge im Kopf, als sich auf seine Muttersprache zu konzentrieren. Das Produktionsende von „Independence Day: Wiederkehr“ (Kinostart: 14. Juli) steht kurz bevor, und der Regisseur ist im Stress, weil ein Großteil der Spezialeffekte noch nicht fertig ist.

Playboy: Eigentlich haben Sie gar keine Zeit, mit uns zu sprechen . . . Emmerich: Ich bin gerade unter extremem Druck, „Independence Day: Wiederkehr“ fertigzustellen. Es gibt noch so viel zu tun, und der Starttermin ist unverrückbar. Playboy: Woher kommt das? Können Sie nicht richtig planen? Emmerich: Das liegt daran, dass das Studio viel zu spät das grüne Licht gegeben hat. Ich habe den Chef angefleht: „Bitte, lass uns nicht auf die nächste Drehbuchfassung warten, das wird alles okay sein.“ Aber so dauerte das noch mal drei Monate, und wir standen von Anfang an unter Druck. Es gab nicht genügend Zeit für die Vorbereitung, der Dreh war relativ kurz, und jetzt muss ich mit zwölf großen Firmen die Spezialeffekte koordinieren. Normalerweise hast du immer nur mit drei, vier solcher Subunternehmer zu tun. Mein schwacher Trost ist, dass Kollegen von mir den gleichen Stress haben. Playboy: Sie wirken aber immer noch ziemlich ruhig . . . Emmerich: Das sieht so aus, aber manchmal wache ich in der Nacht auf, weil ich eine Panikattacke kriege. Dann schreibe ich E-Mails und mache alle anderen verrückt. Playboy: Glauben Sie denn wirklich, dass Sie mit dem Film scheitern könnten? Emmerich: Irgendwie wird das schon hinhauen. Der Film wird sicher fertig, denn irgendwann wird der Stecker rausgezogen, weil wir ihn bis zu einem bestimmten Datum abliefern müssen. Aber für mich ist eben die Qualität entscheidend. Das heißt, die Bilder müssen real aussehen. Wenn etwas nicht passt, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als das herauszuschneiden. Playboy: In den letzten Jahren haben Sie sehr persönliche Projekte realisiert - wie „Stonewall“ über die Anfänge der amerikanischen Schwulenbewegung. Warum kehren Sie jetzt ins übliche Blockbuster-Kino zurück? Emmerich: „Independence Day“ ist für mich auch ein persönlicher Film. Für den bringe ich genauso viel Leidenschaft auf. Das ist mein Baby. Mit dem hat sich alles für mich geändert. „Stargate“, den ich vorher gemacht habe, war ein Überraschungserfolg, aber „Independence Day“ war ein richtiges Monster. Danach konnte ich alles machen, was ich wollte. Und weil mir der Film viel bedeutet, habe ich mich schon vor fünf, sechs Jahren mit den Studiochefs zusammengesetzt, und wir haben gesagt: „Let’s do it.“

Der Oberkracher

„Star Wars“ brachte den im schwäbischen Maichingen aufgewachsenen Münchner Filmstudenten 1977 auf den Sci-Fi-Geschmack. Mit seinem opulenten Abschlussfilm „Das Arche Noah Prinzip“ (1.) sorgte er für Aufsehen und empfahl sich für Hollywood. Seit 1985 arbeitet er mit Schwester Ute (2.) in der gemeinsamen Produktionsfirma. Sein Durchbruch: „Universal Soldier“, 1992, mit Jean-Claude Van Damme. Sein größter Wurf: „Independence Day“, 1996. Neben Katastrophenfilmen („The Day After Tomorrow“, “2012“) versuchte er sich aber auch im ernsten Fach („Der Patriot“, „Anonymus“). Emmerich lebt in einer Beziehung mit dem Sänger und Schauspieler Omar de Soto in Los Angeles, London und Berlin.

Playboy: Der erste Teil kam vor genau 20 Jahren ins Kino. Zieht man da ein Resümee seines eigenen Lebens? Emmerich: Sicher. Ich bin im November vorigen Jahres 60 geworden, und da habe ich schon gedacht: „Scheiße, wie viele Filme kann ich eigentlich noch machen?“ Meine Antwort lautet: „Ich drehe jetzt jedes Jahr einen.“ Das ist mir in den letzten Jahren im Großen und Ganzen gelungen. Ich bin auch bedeutend schneller geworden. „Stonewall“ habe ich in 42 Tagen gedreht, obwohl alle sagten: „Du schaffst das nicht. Du bist viel zu perfektionistisch dafür.“ Und das hat mir auch den Mut gegeben zu sagen: „Ich kriege ,Independence Day: Wiederkehr’ in 80 Tagen Drehzeit hin.“ Und es hat wieder geklappt.

„Mein Auto war der reinste Aschenbecher“

Roland Emmerich

Playboy: Sie sind also noch fit genug? Emmerich: Ja, immerhin rauche ich seit rund 15 Jahren nicht mehr. Das war auch dringend notwendig. Mein Auto war der reinste Aschenbecher. Und wenn überall, auch zu Hause, volle Aschenbecher herumstehen und es nach kaltem Rauch stinkt, dann ist das nur ekelhaft. Eine bestimmte Phase lang verlegte ich mich auf Zigarren. Ich war damals auch ein richtiges Arschloch, denn ich bestand darauf, die überall zu paffen. In den Studiobühnen, wo die Filme gedreht werden, ist das aber nicht erlaubt. Also wurde aus Sicherheitsgründen immer ein Feuerwehrmann angeheuert, der neben mir stand. Playboy: Mit den Kippen lässt sich eben Stress kompensieren. Brauchen Sie als Nichtraucher auch mal Pause von der Arbeit? Emmerich: Klar, die mache ich diesen Sommer auch. Da gehe ich mit meinem Lebensgefährten fünf, sechs Wochen auf meinen Dampfer. Wir legen in Griechenland ab, dann stößt meine Mutter dazu, mit ihr fahren wir den italienischen Stiefel hoch bis zur Cûte d’Azur. Da kommen alle unsere Freunde dazu, wir machen Party, und zusammen geht es dann nach Ibiza und Spanien. Playboy: Damit erfüllen Sie alle Klischees vom Luxusleben einer Hollywood-Größe. Emmerich: Tja, aber ich fand so ein Leben schon früher beeindruckend. Als ich elf oder zwölf war, machte ich mit meinen Eltern Urlaub auf Kreta. Wir waren in einem exklusiven Club mit kleinen Bungalows. Abends zum Essen musste ich mit Anzug und Krawatte antreten, und als wir so dasaßen, da legte plötzlich ein riesengroßer Segler an, und mit einem Beiboot kam Burt Lancaster an Land. Meine Mutter war ganz hin und weg. Ich musste dann hingehen, um für sie ein Autogramm zu holen. Ich selbst wusste damals gar nicht, wer das war. Playboy: Gibt’s dieses Autogramm noch? Emmerich: Wahrscheinlich hat sie eine Box, in der sie alles aufbewahrt - einschließlich der Babylocken von mir und meinen Geschwistern. Wobei es da ein noch spektakuläreres Autogramm geben müsste. Einmal saßen wir in der First Class im Flieger, da entdeckte mein Vater John Lennon und Yoko Ono. Er ging hin und sprach die beiden an. Playboy: Welcher Star beeindruckt Sie heute am meisten? Emmerich: Mel Gibson, mit dem ich „Der Patriot“ gedreht habe. Trotz aller Kontroversen und Skandale ist er für mich eine außerordentliche Person. Er hat halt so eine gequälte, dunkle Seite, die ich persönlich damals nicht gesehen habe. Bei fünf Schauspielern, mit denen ich gedreht habe, würde ich sagen: „Wow.“ Und er war einer davon. Als Regisseur bewundere ich ihn vielleicht noch mehr. „Apocalypto“ war vielleicht der beste Film, den er gemacht hat, auch wenn er nicht die verdiente Anerkennung gefunden hat.

 

„Ich bin ein totales Weichei“

Roland Emmerich

Playboy: Ein ziemlich brutaler Film. Haben Sie eine zerstörerische Ader? Emmerich: Nein. Ich bin eher ein totales Weichei, das sich vor allem Möglichen fürchtet. Wenn ich ein Flugzeug betrete, dann denke mich mir: Das wird abstürzen. Bei jedem kleinen Geräusch frage ich die Stewardess: „Haben Sie das auch gehört?“ Ich mag auch keine Gewalt. Und bin ein starker Verfechter der Waffenkontrolle. Playboy: Trotzdem machen Sie Filme, in denen es heftig zur Sache geht. Emmerich: Das heißt ja nicht, dass ich Gewalt unterstütze. Die Leute wollen eben solche Filme sehen. Filme handeln traditionell von Konflikten, und wir leben nun mal in einer gewalttätigen Welt. Aber das sind eben nicht meine Neigungen. Wenn ich als Kind Ameisen gesehen habe, dann habe ich die nie zertreten, sondern bin darüber hinweggestiegen. Ich bin superfriedlich und strebe immer nach Harmonie. Playboy: Immer? Emmerich: Wie ich schon gesagt habe, ich bin extrem geduldig. Aber wenn bei mir der Geduldsfaden reißt, dann reißt er. Dann werde ich zwar nicht laut, aber sehr ehrlich. Playboy: Und mit so einer Haltung kann man in Hollywood überleben? Emmerich: Offenbar schon. Zum Glück bin ich weder Alkoholiker, noch mag ich Drogen. Das hat mich vielleicht gerettet. Playboy: Nie mal was probiert? Emmerich: Sicher. Aber das war nicht so mein Ding. Playboy: Sie kamen nie auf den Geschmack? Emmerich: Doch, beim Rotwein. In Maßen braucht man den schon. Playboy: Privat geht’s bei Ihnen harmonisch zu. Seit sieben Jahren leben Sie in einer festen Beziehung mit Ihrem Freund Omar de Soto -, und Sie sprechen heute offener über Ihre Homosexualität als früher. Was hat sich geändert? Emmerich: Gegenüber meinen Freunden und meiner Familie war ich immer offen, nur nicht gegenüber der Öffentlichkeit. Das war vor allem am Anfang meiner Karriere so. Ich wollte einfach nicht als schwuler Regisseur eingestuft werden, denn meine Filme wirkten ja auch nicht schwul. Jetzt zerbreche ich mir deshalb nicht mehr den Kopf. Playboy: In Teilen der USA ist Homophobie noch stark ausgeprägt. Wie stark haben Sie die kennen gelernt? Emmerich: Diese hässliche Seite erlebst du immer wieder. Zum Beispiel wenn ein Bekannter betrunken ist und sich dann als Schwulenhasser entpuppt. Bei einem jungen Freund von mir aus Kansas wussten die Eltern nicht, dass er schwul ist. Und er kann es ihnen nicht sagen, sonst kämen die wahrscheinlich mit der Knarre. Ich kann mich auch noch an die Dreharbeiten zu „Der Patriot“ erinnern. Wir waren da in South Carolina, also im konservativen „Bible Belt“, und hatten Superschwierigkeiten, da wir als die Hollywood-Liberalen galten. Die Fanatiker dort versuchten immer wieder, uns Steine in den Weg zu legen. Playboy: Würden Sie sich als Linksliberalen bezeichen? Emmerich: Ja, das war ich immer schon. Meine Geschwister auch, während mein Vater für die CDU war. Da gab es am Esstisch immer lebhafte Gespräche. Playboy: Politische Zerwürfnisse gibt es auch auf der großen politischen Bühne in den USA. In „Independence Day: Wiederkehr“ beschwören Sie dagegen das Bild einer vereinten Welt . . . Emmerich: Ja, ich wollte zeigen, dass es auch anders geht. Wobei diese Einheit durch eine Bedrohung von außen, also die Aliens, entsteht. Und ich habe das Gefühl, dass uns auch in der Wirklichkeit nur so eine äußere Bedrohung zusammenführen würde. Andererseits verstehe ich das alles nicht. Wir haben keine großen Konflikte, nur viele kleine. Wir könnten doch wunderbar in Harmonie leben. Was läuft bloß falsch? Darüber rede ich oft mit Freunden. Playboy: Jetzt könnte Ihnen auch noch ein Präsident Trump drohen. Wäre das ein Grund, die USA zu verlassen? Emmerich: Nein, jetzt fängt man wirklich an zu kämpfen. Wir müssen die Demokraten unterstützen. Playboy: Was wäre, wenn Trump gewinnt? Emmerich: Das will ich mir gar nicht vorstellen. Es wäre für die USA schlimmer als ein großes Erdbeben. Das könnte wirklich die größte Katastrophe sein, die Amerika je erlebt hat. Der Mann ist ein Demagoge, und das ist das Gefährliche an ihm. Playboy: Können Sie sich seine Popularität erklären? Emmerich: Das Phänomen Trump ist eine Gegenreaktion zur politischen Korrektheit. Heute kannst du in den Medien überhaupt nichts mehr sagen, ohne jemandem auf die Füße zu treten. Da kommt dieser Mann daher mit seinem komischen Haar und sagt, was er sich so denkt, und die Leute finden es gut. Playboy: Was finden Sie selbst an Amerika besonders gut? Emmerich: Den hemmungslosen Optimismus. Was immer auch passiert, die Amerikaner bleiben hoffnungsvoll. Diese Haltung ist manchmal erschreckend, mir gefällt sie aber, weil ich selbst ein Optimist bin. Dagegen ging mir der deutsche Pessimismus schon immer auf die Nerven. Playboy: In Deutschland gibt es wegen der Flüchtlingssituation auch große Spannungen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung in Ihrer alten Heimat? Emmerich: Ich bin eigentlich stolz auf Deutschland und darauf, dass wir hier so viele Flüchtlinge aufgenommen haben. Das sage ich auch zu meinen amerikanischen Freunden: „Was macht Obama? Was macht ihr?“ Wir in Deutschland als viel kleineres Land nehmen Hunderttausende auf, und die Amerikaner sprechen von Zahlen um die 10.000. Und wenn man sich das genauer anschaut, dann sind es nicht mal die. Playboy: Nicht alle Deutschen sehen das so positiv. Emmerich: Natürlich ist das mit bestimmten Nachteilen verbunden, trotzdem muss man als Deutscher froh sein, dass wir so handeln und nicht anders. Ich führe da auch Diskussionen mit einer Mutter. Die sagt: „Wie viele Flüchtlinge können wir denn noch aufnehmen?“ Ich sage: „Hoffentlich noch mal so viele.“

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