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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Felix Neureuther

... über Freundschaft, Fußball und Schmerzen

"In jedem Mann steckt ein Playboy"

Deutschlands bester und beliebtester Skifahrer Felix Neureuther über Freundschaft, Fußball, Schmerzen, die Macht des Willens – und wie ihn frühe Übung und reife Überzeugung zu unserem Vorzeige-Mann machten

Er kommt in Jogginghose, Sweatshirt und Wollmütze auf dem Kopf. Nicht weil es im Garmischer Gasthof „Drei Mohren“ so kalt wäre. Aber ohne ein bisschen Tarnung würde jeder Gang des 33-Jährigen durch die Stadt Stunden dauern. Prince Charming plaudert nämlich auch ganz gern.

Playboy: Herr Neureuther, wer war die Titel-Lady auf dem ersten Playboy, an den Sie sich erinnern? 
Neureuther: Katarina Witt. An die kann ich mich richtig gut erinnern. 

Playboy: Da waren Sie 14. 
Neureuther: Davor gab es noch ein Heft mit der Mountainbike-Downhill-Weltmeisterin Regina Stiefl. Die stammt aus Grainau, nur ein paar Kilometer von Garmisch entfernt. Ihre Tochter ist mit mir Skirennen gefahren. Das war sozusagen mein Erstkontakt mit dem Playboy. Wenn ich im Flugzeug sitze oder eine lange Autofahrt vor mir habe, kaufe ich drei Zeitschriften: „Stern“, „Sport-Bild“ und den Playboy. 

Playboy: Vor allem wegen der Reportagen und Interviews . . . 
Neureuther: Es ist tatsächlich so. Okay, früher waren auch andere Beweggründe dabei, aber jetzt ist es einfach das ganze Heft. Eine Reportage, wie es in einem mexikanischen Gefängnis zugeht: finde ich total spannend! Oder all die Extremsport-Geschichten: genau mein Ding. 

Playboy: Was macht für Sie einen Playboy aus? 
Neureuther: In erster Linie ist er von vielen schönen Frauen umgeben und muss natürlich auch entsprechend aussehen. Ein Gentleman, kein Proll. Ein Mann mit Stil. Einer, bei dem man sich denken kann, was passiert, aber keiner weiß es genau. Er ist smart, gut gekleidet, strahlt Selbstbewusstsein aus, was er aber andere nicht so spüren lässt. Er kann sich jedoch auch in Szene setzen und einen guten Auftritt hinlegen. 

Playboy: Was gehört noch dazu? 
Neureuther: Ein exklusiver Lebensstil. Es gibt ja viele Interpretationen eines Playboys. Das kann auch einer sein, der Frauen durch seine Art, sich zu geben, beeindruckt. Oder der sie mit Worten um den Finger wickelt. Oder durch das äußere Erscheinungsbild. Andere schaffen es durch Kunst. Mozart war auch ein Playboy. Es kann aber auch ein braun gebrannter Skilehrer vom Arlberg sein. 

Playboy: Sie stehen auf Speed, Sport, schnelle Autos und schöne Frauen – sind Sie ein Playboy? 
Neureuther: Wenn man ehrlich ist, steckt in jedem Mann ein „kleiner Playboy“. Ist vielleicht biologisch. Aber ich bin keiner, der sich mit vielen Frauen zeigen will. 

"Welcher Mann wünscht sich nicht eine Freundin, die es auf das Playboy-Cover schafft?"

Felix Neureuther

Playboy: Stimmt. Vor Miriam Gössner war das Thema Freundin bei Ihnen tabu, Privatsache. 
Neureuther: Korrekt. Das ist mir immer noch wichtig. 

Playboy: Der Playboy mit Ihrer Freundin Miriam Gössner war im Frühjahr 2014 eine der bestverkauften Ausgaben des Jahres. Das Shooting fand statt, als Sie gerade frisch zusammen waren. Wie fühlt man sich als Freund einer Titelschönen? 
Neureuther: Es macht einen schon stolz. Welcher Mann wünscht sich nicht eine Freundin, die es auf das Playboy-Cover schafft? Noch dazu, weil beim Playboy immer die Ästhetik im Vordergrund steht. Das ist schon eine sehr spezielle Herausforderung, aber auch eine Ehrung. Ich laufe aber weiß Gott nicht mit dem Heft rum und sage: „Hier, schau mal! Das ist meine Freundin!“ Es war ja ihre Entscheidung. 

Playboy: Sie hatten 2013 ebenfalls ein spektakuläres Shooting: mit nacktem Oberkörper vor Bergkulisse, für eine Rasiermarke. Nun haben Sie sich für den Playboy foto­grafieren lassen. Mögen Sie Shootings? 
Neureuther: Das macht schon Spaß. Es muss halt um Inhalte gehen, mit denen ich mich zu 100 Prozent identifizieren kann. Als Sportler ist es nie einfach, mit derartigen Shootings Aufmerksamkeit zu erzielen. Da heißt es immer gleich: „Der soll sich lieber auf den Sport konzentrieren!“ Ich bin keiner, der sich in den Vordergrund spielen will, laufe nicht gern über rote Teppiche. Als aber Gillette auf mich zukam, war das eine Ehre, gefragt zu werden. Beim Playboy ist es ähnlich: Es geht immer um Qualität, und wenn ich ein Teil davon sein kann, ist das gut so. 

Playboy: Aber Fotos wie Ihr Vorbild Alberto Tomba in Unterhosen: Das wäre nichts für Sie, oder? 
Neureuther: Hab ich schon gemacht. Ist im Frühjahr zu sehen. Tombas Unterhosen hießen „La Bomba“. Den Tomba hab ich verehrt als Junge. Der war mein Idol. 

Playboy: Haben Sie Kontakt zu ihm? 
Neureuther: Er schreibt ab und zu nach den Rennen, fragt, ob alles passt. Tomba ist eine Granate. Von den Skifahrern war er sicher einer der größten Playboys überhaupt. Bode Miller definitiv auch. Aber trotzdem zwei völlig unterschiedliche Charaktere: Tomba sehr extrovertiert, Bode in gewisser Weise auch extrovertiert, aber mit einem weichen Kern. Beide sehr authentisch. Die Frauen haben sie geliebt – und lieben sie nach wie vor. 

Playboy: Eine darstellerische Ader haben Sie auch, wenn man sich Ihre Facebook-Posts so ansieht . . . Das macht Ihnen Spaß, oder? 
Neureuther: Und wie! Sogar großen Spaß. 

Playboy: Wie viele echte Freunde haben Sie? 
Neureuther: Das sind schon ein paar. Ich weiß sehr gut abzuschätzen, wer ein wahrer Freund ist und wer nicht. Auf wen ich mich verlassen kann, wenn es hart auf hart kommt. Ich bin in der Hinsicht extrem vorsichtig. Wie ich als Mensch wirklich bin, wissen tatsächlich nur die wenigsten. 

Playboy: Reden Sie mit denen auch über Ihre ewigen Verletzungsprobleme und den damit verbundenen Frust? 
Neureuther: Wenig. Es wird kaum übers Skifahren geredet – das ist ja das Schöne. Dass man über ganz normale Sachen spricht. Das ist mit der Miri oder meinen Eltern das Gleiche. Meinen Kumpels ist es völlig egal, ob ich Skifahrer bin oder nicht. Bei denen kann ich Energie tanken und abschalten – weil es eben nicht ständig ums Skifahren geht. Wir machen viele witzige Sachen zusammen. Da bin ich einfach der Felix. 

Playboy: Ein anderer Kumpel ist Bastian Schweinsteiger. Den kennen Sie seit den Skirennen in der Jugend. Korrekt, dass Sie neidisch auf seine Skiklamotten waren? 
Neureuther: Wir vom Skiclub Partenkirchen hatten blau-weiße Rennanzüge, die vom Skiclub Oberaudorf rot-weiße: voll die Bayern-Farben! Das war schon imposant, wie die aufgetreten sind. Blau-weiß hat trotzdem dominiert!

Playboy: Wann waren Sie mit ihm mal beim Skifahren oder beim Kicken? 
Neureuther: Ein bisschen „gedantelt“ haben wir schon mal, aber so richtig Fußball gespielt? Ewig her. Auf der Piste waren wir vor zwei Jahren in Garmisch: am Gudi-Berg, ganz in Ruhe. 

Playboy: Kann er’s noch? 
Neureuther: A bisserl aufrecht, aber echt gut! Er ist lange Rennen gefahren, man sieht einfach, dass er von klein auf trainiert und eine richtig gute Ausbildung als Skifahrer genossen hat. Sein Bruder Tobi (beim FC Bayern München II unter Vertrag, d. Red.) fährt nach wie vor wahnsinnig gut. Mit Basti habe ich nach der Karriere noch genügend Zeit, Ski fahren zu gehen. 

Playboy: Vielleicht geht dann noch was beim Altherrenfußball. In der Jugend waren Sie ja ein richtig Guter. 
Neureuther: Mit 13, 14 war ich in der Bayern-Auswahl. Aber nur beim Training. Hat mir nicht getaugt. Man hat so weit fahren müssen, das war neben dem Skitraining sehr aufwendig. Einmal war ich mit der Mutter dort. Sie hat 300, 400 Meter weit weg gestanden, dass sie bloß nicht erkannt wird. Die anderen Eltern standen am Spielfeldrand und haben permanent reingeplärrt. Auf der Heimfahrt hab ich zur Mama gesagt: „Ich geh lieber Ski fahren.“ 

Playboy: Und dabei blieb’s?! 
Neureuther: Beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen hab ich noch voll in der Jugend gespielt, defensives Mittelfeld oder Libero. Den gab’s damals noch. Und dann bei den Herren, Bezirksoberliga. 

Playboy: Nicht übel! 
Neureuther: Na ja. Wenn man sieht, was da noch kommt, ist das ja pillepalle. Als ich erste Mannschaft gespielt habe, bin ich schon im Weltcup gefahren, war Top 30 und beim Weltcup-Finale dabei – da bin ich relativ schnell zum TSV Farchant gewechselt, in die A-Klasse. Wenn ich mal ein Tor gemacht hab, stand in der Lokalzeitung nicht mein Name, sondern ein anderer drin – damit es nicht so auffällt. Vor dem Papa habe ich immer versucht, das geheim zu halten. Der hätte mir das umgehend verboten und mir ziemlich deutlich klargemacht, welche Verletzungsrisiken ich da eingehe. 

Playboy: Wie lange haben Sie das Spielchen getrieben? 
Neureuther: Bis ich 23, 24 war. 

Felix Neureuther in Zahlen

2014 war trotz zahlloser Verletzungen sein bislang bestes Jahr: Platz zwei im Slalom-Weltcup, Platz fünf in der Gesamtwertung. Noch bevor er am 26. März seinen 30. Geburtstag feierte, fuhr er in den zwei Monaten davor vier Weltcup-Siege ein, darunter den ersten deutschen Triumph im Riesenslalom seit 40 Jahren. Insgesamt steht er nun bei neun Siegen – dreien mehr als Vater Christian in den 70er-Jahren. Während er bei Weltmeisterschaften schon Gold (2005 mit der Mannschaft), Silber (2013 im Slalom) und Bronze (2013 mit der Mannschaft) gewinnen konnte, stehen bei Olympia bislang nur zwei achte Plätze in der Statistik.

Playboy: Da hatten Sie bei der Ski-WM schon Gold mit der Mannschaft gewonnen! 
Neureuther: Heute weiß ich, dass das damals nicht so clever war. Aber für mich war der Teamgeist, dieses Gefühl, mit einer Mannschaft zu gewinnen oder zu verlieren, unheimlich wichtig. Das begleitet mich heute noch und ist ganz was anderes als immer nur rechts, links durch die Stangen zu fahren. 

Playboy: Ihre Skiclub-Kollegin Maria Höfl-Riesch hat vor ihrem Rücktritt mit ihrer Autobiografie für Aufsehen gesorgt: mit ein paar Sätzen zum Porno-Zirkus im Ski-Weltcup, in dem fast jeder mit jeder ins Bett springt. Was ist da dran?
Neureuther: Männer und Frauen sehen sich im Weltcup ja nie, außer in Sölden, Levi und beim Saisonfinale sowie alle paar Jahre bei WM und Olympia. Dieser Begriff ist schon sehr unglücklich gewählt. Da hat sie total überzogen. Den Skisport mit Porno- Zirkus zu vergleichen ist Schwachsinn. 

Playboy: Mit ein paar Kumpels haben Sie sich in den vergangenen Jahren die skifreie Zeit während der Sommertrainingslager in Neuseeland mit „car jumps“ vertrieben: mit 500-Dollar-Autos so lange über eine Schanze heizen, bis die Karre auseinanderfällt. 
Neureuther: Eine Riesengaudi! Aber die letzten beiden Jahre war ich leider nicht mehr dabei. Letztes Jahr war ich verletzt, und in diesem Sommer haben wir in Argentinien trainiert. Aber wenn ich mit Ted in Neuseeland gewesen wäre, hätten wir uns ganz sicher wieder eine Schanze gebaut und ein Auto geschrottet. 

Playboy: Ihr neuer Dienstwagen, ein Audi RS4, hat 450 PS. Wie geht der so? 
Neureuther: Traumauto! Diesen Wunsch wollte ich mir mal erfüllen. 

Playboy: Ein anderer Wunsch: einmal die Streif fahren, das härteste Abfahrtsrennen der Welt. 
Neureuther: Das war schon als Kind immer ein Traum. Das würde mich schon reizen. Vielleicht ganz am Schluss der Karriere, wenn’s schon wurscht ist. Das müsste aber mehr oder weniger aus der Situation entstehen. 

Playboy: Im Februar wollen Sie zur Ski-WM nach Vail/Beaver Creek. Ist Olympia 2018 auch noch ein Ziel? 
Neureuther: Das will ich schon unbedingt, nur gibt es halt keine Garantie. Aber das, was ich unbedingt wollte, ist mir meist auch ganz gut gelungen. 

Playboy: Sie sind ja ein Schmerzensmann, seit vielen Jahren schon. Wie gehen Sie damit um? Wie schaffen Sie es immer wieder, die Schmerzen zu überwinden? 
Neureuther: Das ist alles nur Wille. Ich versuche nicht, mein Gehirn so zu beeinflussen, dass es irgendeine Schmerzfunktion ausschaltet. Wenn du etwas hundertprozentig willst und auf eine Sache völlig fokussiert bist, dann kannst du verdammt viele Schmerzen ausschalten. Das ist vielen gar nicht bewusst, was der Wille alles bewirken kann. Es ist jedes Mal irre herauszufinden, was man bei optimaler Betreuung doch schaffen kann. 

Playboy: Setzen Sie sich ein bestimmtes Ziel, oder heißt es nur „wieder Ski fahren können“? 
Neureuther: Es ist mehr so ein „Come on, baby! Da musst du jetzt durch!“, dieses „Den Schritt nach vorn gehen, nicht nach hinten“, ein stetiges Sich-selbst-Pushen. Dieses Aktivsein, das dich so unter Spannung setzt, dass du rundherum alles vergisst. Immer nur diesen einen Gedanken im Kopf zu haben, das kostet Kraft ohne Ende. 

Playboy: Irgendwann hat man doch keine Lust mehr auf diese Quälerei. 
Neureuther: Skifahren ist meine große Leidenschaft und deshalb keine Quälerei.

 

Autor: Thomas Becker
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