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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Andreas Bourani & Sido

... über Gesichtstätowierungen und Abenteuer in der Playboy-Mansion

"Man ist nur erfolgreich, wenn man polarisiert"

Die Musiker-Freunde Sido und Andreas Bourani über Gesichtstätowierungen, Reisen ins All und Abenteuer in der Playboy-Mansion

Andreas Bourani erscheint zu unserem Treffen im Berliner „Michelberger Hotel“ ganz in Schwarz mit dunkler Sonnenbrille. Seit ihn „Auf uns“, die Hymne zur Fußball-WM 2014, berühmt gemacht hat, ist er lieber unauffällig unterwegs. Sido ist bereits da und begrüßt uns und seinen Kumpel Bourani per Handschlag. Der Ex-Maskenmann aus dem Märkischen Viertel, dank Platinplatten, eigenem „MTV Unplugged“ und „Popstars“-Jury-Tätigkeit längst eine starke – und eher laute – Marke, hat gerade sein sechstes Soloalbum „VI“ veröffentlicht. Darauf zu hören ist der Hit „Astronaut“, für den das ungleiche Paar gemeinsam ans Mikrofon trat. Zeit, über Gegensätze und Gemeinsamkeiten zu reden.

Playboy: Sido, bei Ihnen stürzen sich die Medien dankbar auf jeden Skandal. Herr Bourani, bei Ihnen geht es da deutlich ruhiger zu. Haben Sie nie das Bedürfnis verspürt zu rebellieren?
Sido: Genau, wann fängst du an, mal jemanden zu schlagen? (lacht)
Bourani: Ich bin niemand, der sich hinsetzt und sich einen Skandal überlegt. Ich bin in einem bayerischen Vorort aufgewachsen und habe in den 90ern 
Whitney Houston gehört. (Gelächter) Das war wirklich so! Ich hatte eine gute Kindheit und gar keinen Grund zu 
rebellieren.
Sido: Grundsätzlich bin ich ja auch nicht auf so was aus. Ich mache eben eine 
Musikrichtung, die so etwas leicht provoziert. Und deswegen werde ich eher mal angemacht als Andreas.
Bourani: Du behandelst in deinen Songs auch andere Themen als ich. Das ist oft sozialkritisch, oder es geht um Sachen, die in deinem direkten Umfeld passieren. Bei mir ist das weniger politisch. Bei mir geht es eher um Gefühle – das bietet weniger Reibungsfläche.

"Ich kenne einige Leute, die das, was ich mache, richtig kacke finden"

Andreas Bourani

Playboy: Während Sido also aneckt, finden Sie, Herr Bourani, scheinbar alle toll. Ein Vorteil?
Bourani: Ich kenne schon einige Leute, die das, was ich mache, richtig kacke finden.
Sido: Es ist auch scheiße, wenn jeder alles gut findet. Dann bist du nicht erfolgreich. Man ist nur erfolgreich, wenn man polarisiert.
Bourani: Vielleicht ist das ja auch eine Art von Polarisieren, so glatt zu sein. Wenn alle denken, was ist das für ein Typ, ey, das nervt ja richtig. Aber was waren denn deine größten Skandale?

"Es ist auch scheiße, wenn jeder alles gut findet"

Sido

Sido: Ach, das kann man in der Zeitung nachlesen. Da sind schon ein, zwei Sachen vorgefallen. Wenn Gerichts-
verhandlungen anstanden oder das Ding in Österreich . . .

Playboy: . . . als Sie den Boulevardjournalisten Dominic Heinzl niederschlugen. Sind Sie eigentlich noch auf Bewährung?
Sido: Ich bin jetzt gerade auf Bewährung, ja. Das erste Mal in meinem Leben. Für eine Sache, die aber schon vier Jahre her ist.

Playboy: Hat das Konsequenzen für 
Ihren Alltag?
Sido: Es gibt Menschen, die einfach frech sind. Und wenn ich in Streitsituationen komme, geht mir als Erstes durch den Kopf: „Pass auf, du bist auf Bewährung.“ Aber ansonsten hat das keine Konsequenzen für mich. Ich fühle mich deshalb nicht schlecht.

Playboy: Sido, was müsste Andreas Bourani auf jeden Fall sein lassen, wenn Sie ihn in Berlin ins Märkische Viertel mitnehmen würden?
Sido: Das Problem ist, wenn du genau mit so einem Gedanken ins Viertel kommst, bist du komisch. Und sobald du komisch bist, hast du ein Problem. Die Leute, die verängstigt aussehen, werden sofort gekrallt, die haben keine Chance. Aber 
Andreas ist locker, deswegen verstehen wir uns auch so gut. Du würdest überhaupt kein Problem haben.

Playboy: Und wenn Sie Sido in Ihre Heimatstadt Augsburg mitnehmen würden, Herr Bourani?
Bourani: Für die Bayern wären als Erstes die Tattoos schwierig. Das Bayern, in dem ich aufgewachsen bin, ist viel konservativer als Berlin. Damals war auch meine Hautfarbe ein Thema. Da fällt man als Exot viel mehr auf als in der Großstadt.

Playboy: Könnte Sido Sie eigentlich zu einem Besuch in seinem eigenen Tattoo-Studio überreden?
Bourani: Ich hatte mal vor, mich tätowieren zu lassen. Aber dann habe ich eine komplett zutätowierte Frau getroffen und ihr von meinen Ideen erzählt. Sie hat mich unterbrochen und meinte, ganz ehrlich, das ist ja total langweilig. Du bist doch Musiker und kannst das alles in deine Songs packen. Das wird dich überleben. Sie meinte, eigentlich sei doch untätowiert zu sein das neue Tätowiertsein.
Sido: Wir tätowieren uns backstage auf der Tour, wenn uns langweilig ist. Wir haben immer eine Tattoo-Maschine dabei. Und wenn ich Bock habe, sag ich zu meinem DJ, komm mal her, mach mir mal schnell hier so ein Tattoo, und dann malt er mir schnell was Kleines. Ich glaube aber auch, was du sagst, Andreas: Untätowiert ist das neue Tätowiert. Es sei denn, man tätowiert sich an Stellen, wo sich sonst keiner tätowieren lässt. Das da . . . (zeigt auf die tätowierten Oberarme des Redakteurs) – das kannst du dir auch gleich sparen. (Gelächter)

Playboy: Vielen Dank!
Sido: Eine Tätowierung auf der Hand, auf den Fingern oder im Gesicht, das ist das neue Tätowiertsein. Weil es bei Leuten heute das auslöst, was früher eine Oberarmtätowierung ausgelöst hat.

Playboy: Ein Gesichts-Tattoo – haben Sie darüber tatsächlich mal nachgedacht?
Sido: Ja. Ich suche noch nach dem richtigen Motiv, aber ich mach das ganz sicher.

Playboy: Nach außen hin sind Sie beide zwei völlig unterschiedliche Typen – der Impulsive und der Besonnene, Kontrollierte. Worin sind Sie sich völlig gleich?
Sido: Ich bin auch total besonnen!
Bourani: So unterschiedlich sind wir gar nicht. Wir haben die gleichen Ziele: Man will eine Familie, ein Häuschen, eine Frau, einen Job, und am Ende seine Ruhe haben.
Sido: Wir würden uns nicht so gut verstehen, wenn wir uns nicht so ähnlich wären. Ich glaube, wir haben auch, abgesehen von der Musik, einen ähnlichen Blick auf die Welt und sehen die Dinge nicht so verbissen.

Playboy: Sido, was denken Sie, wenn jemand Sie Rüpel-Rapper nennt?
Sido: Schon wieder ein Idiot.

Playboy: Und Sie, Herr Bourani, wie re-agieren Sie, wenn man Sie als Schmusebarden bezeichnet?
Bourani: Das ist mir total egal. Die anderen Leute machen mich ja nicht zu dem, was ich bin. Ich bin genau das, was ich sein will, egal, was jemand anderer sagt.

Playboy: Sido, Sie waren schon einmal in der Playboy Mansion in Los Angeles zu Gast. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Sido: (lacht) Einiges!

Playboy: Zum Beispiel?
Sido: Wir waren einen Abend in der Mansion, wurden mit Maybachs abgeholt und hingefahren. Wir haben eine Führung durch das Haus bekommen, aber ich bin auch in Zimmer gegangen, die nicht zur Führung gehört haben. Ich gucke also durch so eine Tür – und dann sitzt da tatsächlich ein älterer Herr mit Anzug und hat drei Weiber auf sich . . .

Playboy: . . . Sie meinen unseren Boss, Hugh Hefner?
Sido: Auch auf den Tennisplätzen waren Leute im Gange! Also, das ist kein Gequatsche, was man da so hört. Meinen Kumpels war ganz wichtig, in die Grotte zu springen. Als der eine die gesehen hatte, hat es ihn nicht gehalten. Der ist sofort raus aus dem Schlüpper und hat eine Arschbombe gemacht.

Playboy: Herr Bourani, Ihre Songs über die Liebe klingen immer sehr poetisch. Sido, Sie lassen dagegen in Ihren Texten auch gerne mal den Macho raushängen. Was kommt bei Frauen besser an?
Bourani: Die Mischung macht’s. Frauen wollen einen Macho, der auch mal ein Weichei sein kann. Du kannst nicht jeden Tag Schnitzel essen, du musst auch mal Fisch essen. Das macht das Leben aus.
Sido: Ich mach mir darüber nicht so einen Kopf. Ich weiß nur, wenn man eine funktionierende Ehe haben möchte, bringt es ein Macho nicht weit.

Playboy: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pop- und Rap-Groupies?
Bourani: Weiß ich nicht. Da müssten wir mal Konzerte tauschen, damit ich mir einen Eindruck von deinen Fans verschaffen kann.
Sido: Ein Groupie ist ein Groupie. Das ist eine gewisse Art Frau. Man hat wahrscheinlich ein bisschen einen freieren Umgang mit Sexualität, wenn man ein Groupie ist . . . (Gelächter)

Playboy: Welche Halbwertszeit hat man als Rapper oder Popsänger, wie lange kann man das machen?
Sido: Für mich wäre es peinlich, als 35-jähriger Mann noch das Sprachrohr der Jugend zu sein, wie ich es mal war, oder zu versuchen, über deren Probleme zu reden. Das wird ab 35 schwer, um nicht zu sagen lächerlich. Deshalb bin ich mit meinem neuen Album gerade dabei, HipHop in eine erwachsenere Richtung zu schieben. Wenn das funktioniert, kann das noch eine Weile weitergehen. Ich glaube aber, zeitloser ist deine Musik, Andreas.
Bourani: Ja, aber das hängt einfach vom Künstler ab. Du kannst ja auch als Rapper deine Inhalte zeitlos gestalten.

Playboy: Gibt es Musik, die Sie zum Weinen bringt?
Sido: Es gibt Musik, die mich emotional macht. Größtenteils Balladen. „Mensch“ von Herbert Grönemeyer zum Beispiel. Aber weinen? Das ist ein bisschen ausgetrocknet bei mir.
Bourani: Bei mir sind das eher Instrumentalsachen. Sigur Rós zum Beispiel, wobei es da auch Vocals gibt. Oder klassische Stücke, mit Streichern.

Playboy: Wie war es für Sie, als Ihre gemeinsame Single „Astronaut“ auf Platz eins gegangen ist?
Sido: (zeigt mit dem Kopf in Richtung Andreas Bourani und lacht) Für ihn absolute Gewohnheit.
Bourani: Sido hat mir eine Nachricht geschrieben, in der stand einfach nur „Glückwunsch“. Da war für mich klar, dass es die Eins sein muss.
Sido: Mein Sohn hatte an dem Tag Geburtstag, und wir hatten die ganze Kita da, mit einer Hüpfburg. Ich hatte gerade zehn Kinder an meiner Hose hängen, während ich das erfahren habe. Ich habe das nicht realisiert, bis ich dann abends im Bett lag und dachte, warte mal, du bist auf eins. Krass.

Playboy: Sido, würden Sie auch gern mal eine Fußballhymne landen, so wie es Andreas Bourani mit „Auf uns“ gelungen ist?
Sido: Wenn, dann soll es bei mir so laufen wie bei Andreas. Eher durch Zufall. Ich würde nicht extra einen Song machen und hoffen, dass er eine Fußballhymne wird.
Bourani: Man macht ja auch einen Song nicht nur, weil er eine Nummer eins werden soll, sondern weil man etwas sagen möchte. Das war einfach ein Song über Freundschaft und Zusammenhalt. Darüber, den Moment zu genießen. Und das hat dann super zu dieser Zeit gepasst.

Playboy: Interessieren Sie sich überhaupt für Fußball?
Sido: Null. Ich war letztens beim Arzt, wegen meinem Knie, und der hatte schon eine Weinflasche in der Hand und wollte schnell los. Ich frage, was ist denn? Und er antwortet: Weißt du es nicht? Heute ist Auftakt der Bundesliga!
Bourani: Ich habe mit Fußball nie wirklich was zu tun gehabt. Hätte mich mein Vater mal ins Stadion mitgenommen, als ich zehn war, dann hätte ich wahrscheinlich ganz andere Berührungspunkte zu dem Sport. Mein Höhepunkt war tatsächlich die WM 2014.

Playboy: Sind Sie mit manchen Spielern noch in Kontakt?
Bourani: Ja, das Ereignis hat uns ja auch miteinander verbunden. Die Spieler kannten den Song, und mir haben einige erzählt, dass sie ihn irgendwann dogmatisch auf dem Weg zu den Spielen im Bus gehört haben, weil er einmal vor einem Sieg lief und sich daraus dann bei manchen eine Art Aberglaube entwickelt hat. Von dem Zeitpunkt am Brandenburger Tor an haben wir uns öfter gesehen. Zum Beispiel im Schloss Bellevue oder mit Per Mertesacker und Sami Khedira bei der Goldenen Henne.

Playboy: Im Schloss Bellevue haben Sie auch Angela Merkel kennen gelernt. Sido, wenn Sie die Bundeskanzlerin einmal treffen würden, was hätten Sie ihr zu sagen?
Sido: Ich hätte nichts Wichtiges mit ihr zu besprechen.

Playboy: Warum nicht?
Sido: Ich bin mir sicher, dass sie mich nicht ernst nimmt. Und wenn, dann tut sie so, wie sie es bei allen tut. Die hat ganz andere Probleme, als sich mit dem auseinanderzusetzen, was Sido sagt.
Bourani: Du hättest wahrscheinlich auch gar nicht die Möglichkeit, mit ihr über wirkliche Probleme zu diskutieren. Aber ich finde es auch schwierig, sich (als Künstler d. Red) über Politik zu äußern, weil das ein sehr komplexes Thema ist. Zum Beispiel die Flüchtlingsthematik: Es ist natürlich wichtig zu sagen, diese Menschen brauchen Hilfe. Und es ist ein Gräuel, wenn man sieht, dass sich Leute vor brennende Flüchtlingsheime stellen. Oder die Kommentare dieser ganzen Rassisten in den sozialen Netzwerken. Dieses „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber . . .“. Ich habe mich dazu bisher immer zurückgehalten, aber ich finde, wir sind in einem Land, wo uns allen klar sein müsste, dass Rassismus der absolut falsche Weg ist.
Sido: Die Herrschaften definieren das aber tatsächlich nicht als Rassismus. Für die ist Rassismus: „Wir gehen heute Schwarze schlagen.“ Deswegen meinen die diesen Satz tatsächlich ernst: „Ich bin kein Nazi, aber . . .“ Wie ich auf 
„Astronaut“ auch sage: „Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt.“ Das ist das Problem, dass die Leute zu sehr an sich selber denken.

Playboy: Mit „Astronaut“ haben Sie nicht nur die aktuelle Flüchtlingsdebatte beschrieben, sondern offenbar auch das All recht gut getroffen. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hat neulich getwittert, dass ihm der Song aus der Seele spreche . . .
Bourani: Was gibt es Schöneres, als dieses Kompliment von jemandem, der tatsächlich im All war? Ich war nie da und du wahrscheinlich auch nicht, oder?
Sido: Nein – und ich hab da auch keine Ambitionen.
Bourani: Also, ich fände das wunderbar, mal die Erde von oben zu sehen. Da wird einem plötzlich wieder klar, um was es eigentlich geht. In diesem Vakuum zu sein, diese absolute Ruhe da zu haben, ich glaube, dass das schon was mit einem macht.
Sido: Ich muss nicht da oben sein. Das würde mich bedrücken.
Bourani: Weil du denkst, da gehören Menschen nicht hin?
Sido: Nee, nicht deswegen. Es ist mir zu hoch, zu weit. Das ist zu viel Eindruck für mein kleines Gehirn.
Bourani: Dort oben ist man da, wo alles entstanden ist. Dann könnte man auch sterben.
Sido: Vielleicht, ja. Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass scheißegal ist, was da unten dann in dem Moment abgeht.
Bourani: Überleg mal, das ist so rein da oben, so pur . . .
Sido: . . . bis irgendwelche Satellitentrüm-mer vorbeigeflogen kommen! (Gelächter)

Ungleiche Kumpels

Das erste Mal treffen sich Paul Würdig alias Sido (l.), der Berliner Rapper aus dem Märkischen Viertel, und Andreas Bourani, der Sänger aus dem beschaulichen Augsburg, 2007 bei Leslie Mandoki im Studio (Foto). Sido ist damals schon eine öffentliche Figur, während Bourani noch auf den großen Erfolg wartet. 2014 veröffentlicht er mit „Auf uns“ die Hymne zur Fußball-WM, sein Album „Hey“ erhält Platin, und die beiden treffen sich in der deutschen Jury des „Eurovision Song Contest“ wieder. Für Sidos neues Album „VI“ haben sie jetzt den Song „Astronaut“ aufgenommen. Aktuelle Tourtermine unter: www.bourani.de und www.sido.de

Autor: Tim Geyer, Redakteur
Autor: Mareike Opitz
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