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Wolfsburg-Manager Klaus Allofs

... über Transferverhandlung und Hoeneß-Lockrufe

"Man muss nicht diese Angst vor Fehler haben"

Vor genau 40 Jahren begann für Klaus Allofs das Abenteuer Bundesliga – heute kennt er das Geschäft wie kaum ein Zweiter. Der Manager des Bayern-Jägers VfL Wolfsburg über die Kunst der erfolgreichen Transferverhandlung, Lockrufe von Uli Hoeneß und was er auf der Galopprennbahn fürs Leben gelernt hat

Vor genau 40 Jahren begann für Klaus Allofs das Abenteuer Bundesliga – heute kennt er das Geschäft wie kaum ein Zweiter. Der Manager des Bayern-Jägers VfL Wolfsburg über die Kunst der erfolgreichen Transferverhandlung, Lockrufe von Uli Hoeneß und was er auf der Galopprennbahn fürs Leben gelernt hat.

Playboy: Herr Allofs, Sie sind vor 40 Jahren als 18-Jähriger bei Fortuna Düsseldorf in Ihre erste Bundesligasaison gestartet. Wissen Sie noch, welches Gehalt in Ihrem ersten Profivertrag festgeschrieben war? 

Allofs: Ich habe mir diesen Vertrag kürzlich erst wieder angesehen. Er ist in einem großen Leitz-Ordner abgeheftet, wie sich das gehört. Mein Grundgehalt war 1250 Mark. Dann gab es noch eine Prämie, wenn ich eine gewisse Anzahl von Spielen absolvierte, und die Siegprämien der Mannschaft, die aufgeteilt wurden. 


Playboy: Was kam da im Jahr zusammen?
Allofs: Etwa 35.000 bis 40.000 Mark. Das war damals mehr, als mein Vater als Arbeiter in der Gerresheimer Glashütte verdient hat. Als Fußballer war man schon damals ein Gutverdiener in Relation zur
normalen Bevölkerung.

Playboy: Wie ging Ihr Vater damit um, dass Sie plötzlich mehr verdienten als er? 

Allofs: Er hat sich für mich gefreut. Meine Eltern haben keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich mal so viel Geld verdienen könnte, dass mein Vater nicht mehr hätte arbeiten müssen. Heute werden die jungen Spieler sehr schnell zu Ernährern ganzer Familien, das führt zu einer immensen Drucksituation für die Jungs. 


Playboy: Sie haben sich mit dem ersten Geld ein Rennpferd gekauft. Warum?

Allofs: Ich habe es zusammen mit vier Freunden gekauft, mir gehörte also ein Fünftel eines Rennpferds. Die meisten Mitspieler haben ihre Träume in Form teurer Autos verwirklicht. Mein erster Wagen war ein gebrauchter Simca für 300 Mark, der dann ab und zu auf dem Spielerparkplatz nicht ansprang. Mich haben Autos nicht interessiert. Aber schon als kleiner Junge hatte ich eine Faszination für Rennpferde. Die Düsseldorfer Galopprennbahn lag in der Nachbarschaft, als Jugendlicher lernte ich viele Trainer und Jockeys kennen. Ich wollte ein gutes Pferd haben, das auf der Rennbahn auch gewinnt. 

Playboy: Heute sind Sie erfolgreicher Rennstallbesitzer. Ihr bestes Pferd im Stall, Wake Forest, gewann im Juli die Hamburg-Trophy.
Allofs: Vor fünf Jahren gab es eine gute Gelegenheit, mit Andreas Jacobs vom Gestüt Fährhof, dem größten Züchter in Deutschland, eine Partnerschaft einzugehen. Gemeinsam haben wir einige Pferde und sind mit ihnen ziemlich erfolgreich, das kann man sagen. Die Pferde waren in den vergangenen 40 Jahren immer mein Ausgleich. 


Playboy: Weil Sie da abschalten können?

Allofs: Es geht nicht um das totale Ausschalten der Gedanken, das geht in meinem Beruf ohnehin nicht mehr. Auch im Urlaub bin ich nie in einem Zustand, in dem ich alles vergessen kann. Entspannung ist für mich schon, wenn ich in einer Galopper-Zeitschrift blättere.

Playboy: Sie klingen wie ein Getriebener.

Allofs: Mag sein, aber es gibt keinen Tag, an dem ich morgens keine Lust habe, arbeiten zu gehen. Es gibt auch nichts, das ich besser kann als meinen Job. Die langjährige Erfahrung, die ich im Fußball gesammelt
habe, könnte ich in einem anderen Beruf nicht mehr aufholen. Im Fußball hat man schnelle Entscheidungen, schnelle Ergebnisse, in jedem anderen Beruf muss man eine sehr viel größere Geduld entwickeln, die habe ich nicht. 


Playboy: Haben Sie durch den Umgang mit Rennpferden etwas für das Fußballgeschäft gelernt?

Allofs: Der Unterschied zwischen Vollblütern,die Hochleistung bringen, und Hochleistungssportlern ist in der Tat nicht so groß. Viele Erfahrungen lassen sich übertragen. Dazu gehört, dass man akzeptiert, wenn man ein weniger gutes Pferd im Stall hat, und dass man weiß, dass hinter einem Erfolg viel Arbeit und viele Menschen stecken. Und das Wettgeschäft natürlich: das Abwägen von Chancen und Risiken, das Treffen schneller Entscheidungen. Da gibt es schon Parallelen zum Fußball. Man muss beispielsweise bei Transfers
eine gewisse Risikobereitschaft haben, aber es hilft nichts, nur alles oder nichts zu spielen. Hinzu kommt beim Pferderennsport: Das Milieu ist sehr bunt. Man lernt verschiedenste Menschen kennen und macht eine Menge Erfahrungen. Die Rennbahn war für mich eine gute Schule fürs Leben.

Playboy: Das Fußballmilieu ist ja auch recht bunt. Wie darf man sich das vorstellen: Kommen täglich Anrufe von Leuten, die Ihnen vom vermeintlichen nächsten Jahrhunderttalent vorschwärmen?

Allofs: Manchmal ist es schon haarsträubend, was da für Angebote kommen. Aber im Laufe der Jahre kann man gut filtern, man weiß, welcher Berater mit interessanten Spielern kommt. Dazu haben wir eine Vorsichtung. Das heißt: Bei fast jedem Spieler, den man mir empfiehlt, kann ich am Computer auf einen Knopf drücken und schauen, wie unsere Scouts ihn bewerten. 


Playboy: Erkennen Sie ein Talent sofort?

Allofs: Vergessen Sie diese Mär, ich fahre raus aufs Land, und da springen zehn Schulkinder auf der Wiese herum, und dann erkennt man das Talent. Das gibt es nicht. Wir haben eine klares Raster: Aus welchem Land kommt der Spieler? Welche Vorgeschichte hat er? Wie alt ist er, wie sind seine körperlichen Voraussetzungen? Wir fangen nicht bei null an. Das ist eher in der Jugend so, die Kategorie Bundesligaspieler ist eine andere. Da geht es oft vor allem darum: Passt er zu uns? Kann er sich Weiterentwickeln? Ist der Marktwert gerechtfertigt? 


Playboy: Erklären Sie doch bitte mal am Beispiel von „Fußballer des Jahres“ Kevin De Bruyne, der jetzt zu Manchester City gewechselt ist, wie so ein Transfer abläuft. Sie holten ihn 2012 in die Bundesliga.

Allofs: Ein ehemaliger Spieler hatte mir erzählt, dass Belgien viele junge, gut entwickelte Spieler hat und in Genk sei einer, auf den viele achten. Das war Kevin De Bruyne. Wir haben unsere Werder-Scouts
hingeschickt und waren sofort begeistert. Er hatte was Besonderes. Er war noch nicht fertig, aber selbst wenn er mal nicht so gut spielte, hatte er oft den besonderen Moment. Und ihm war völlig egal, ob er einen Fehler macht, er spielte einfach immer weiter. Damals hatte aber Chelsea schon ein Auge auf ihn geworfen . . . 


Playboy: Und ein Transfer war damit erst mal erledigt?

Allofs: Ja. So ist das häufig, trotzdem behält man den Spieler im Auge. Und als es bei Chelsea dann für Kevin nicht so aussah, als würde er sofort spielen, habe ich ihn im Urlaub in Cannes besucht und mit ihm
darüber gesprochen, ob die Bundesliga eine Option für ihn ist, wenn es bei Chelsea nicht funktioniert. Es war noch eine komplizierte Hängepartie mit Chelsea, die ihn erst nicht abgeben wollten. In der letzten Transferwoche konnten wir ihn ausleihen, allerdings mit der klaren Maßgabe, dass er am Saisonende zurückgeht. Erst letztes Jahr haben wir ihn dann ganz nach Wolfsburg geholt. 


Playboy: Sie haben es in Ihrer Karriere oft geschafft, Spieler mit großen Namen für relativ kleine Vereine zu verpflichten. Einst holten Sie Johan Micoud und Diego nach Bremen, zuletzt André Schürrle aus Chelsea
nach Wolfsburg. Wie überzeugen Sie einen Spieler von sich und Ihrem Club?
Allofs: Wichtig ist zunächst einmal, ihm eine Perspektive aufzuzeigen: Das können wir bieten, damit wirst du ein besserer Fußballer, oder das ist förderlich für deine Karriere. Dabei hilft es natürlich, ein paar
Erfolgsgeschichten vorweisen zu können. Außerdem versuche ich zu vermitteln, wer ich bin und wofür ich stehe. Manche Profis stellen viele Detailfragen, andere wollen nur eine Stimmung aufnehmen, ein Gefühl
für die Person bekommen, mit der sie es zu tun haben: Komme ich mit demjenigen aus? Gibt es positive Schwingungen? Wichtig ist, sich nicht zu verstellen. Und man muss dem Spieler zeigen, dass man
ihn nicht nur als Investition sieht, sondern sich für den Menschen interessiert.

Playboy: Heute noch ein großes Fußballtalent entdecken zu können, von dem keiner etwas weiß, ist das auch eine Mär?

Allofs: Absolut. Egal, bei welchem Spiel Sie heute sind: Irgendeiner schaut immer zu. Und wenn einer einen Spieler sieht, ruft er beim passenden Club an. Oder die Eltern laden ein Video hoch. Der nächste
Schritt ist dann meist schon, dass so ein junger Spieler einen Berater bekommt. Die werben heute sehr aggressiv Spieler an.

Playboy: Dass Jugendliche, selbst Kinder, schon Berater haben und dann für Millionensummen transferiert werden: Ist das nicht grenzwertig?

Allofs: Nicht alle dieser ganz jungen Spieler haben einen Berater, aber wenn einer, sagen wir mal, an Nationalmannschaftslehrgängen teilnimmt, dann bleibt er nicht mehr lange ohne Berater. Wir leben in einer Welt, in der Beratung ein wichtiger Teil unseres Lebens ist, und wenn 18-Jährige sich eine Expertise einholen in Finanzdingen, ist das auch legitim. Aber Sie können sich vorstellen, was in einem begehrten jungen Spieler vorgeht, wenn das Umfeld Druck macht und die tollsten Möglichkeiten in Aussicht stellt, auch in finanzieller
Hinsicht. Ich bin nicht gegen Berater, aber insgesamt geht es natürlich viel zu früh los. 


Playboy: Was können Sie dagegen tun?

Allofs: Da muss man in meinem Job auch als Pädagoge wirken. Am Ende wird es ganz viele Spieler geben, die einen Berater haben, aber mit dem Fußball nie Geld verdienen werden. In unserem Internat werden die Spieler so erzogen, dass sie ihren Schulabschluss oder parallel eine Lehre machen sollen. Weil: Die Garantie, Profi zu werden, kann keiner geben. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Jungs dann eine bessere Chance haben, wenn sie vor allem den Traum haben, Fußballer zu werden und erst an zweiter Stelle reich. 


Playboy: Sie selbst haben es als Spieler vom Talent zum Europameister gebracht – und später als Manager vom unerfahrenen Neuling zum Meistermacher. Wie muss man ticken, um das zu schaffen?

Allofs: Man muss danach streben, immer besser zu werden. Immer zu gewinnen. Das macht den Unterschied aus zwischen einem sehr guten und einem wirklich außergewöhnlichen Spieler. Es ist der Unterschied zwischen guten und sehr guten Mannschaften. Nehmen Sie Bayern München: eine Anhäufung von Spielern, die diese Siegermentalität permanent leben müssen und nur nach diesen Kriterien ausgesucht
werden. 


Playboy: Trotz Ihrer Siegermentalität haben Sie schon vor Saisonbeginn gesagt, dass der VfL Wolfsburg nicht in der Lage sein wird, die nationale Dominanz der Bayern zu beenden. Warum so defensiv? Warum traut sich nicht einmal der VfL, der die finanzielle Unterstützung von VW im Rücken hat, dem FC Bayern zumindest
verbal auf Augenhöhe zu begegnen?

Allofs: Das ist nicht defensiv, das ist realistisch. Wenn Sie nächsten Sommer wiederkommen, und der VfL hat die Saison wieder als Zweiter beendet, dann nehme ich den Mund voll und sage: „Jetzt greifen wir die Bayern an!“ Versprochen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt fehlt uns noch ein Jahr der Bestätigung. Ich will keine Ziele ausgeben, die schön wären, aber unmöglich sind. Das käme hier auch nicht gut an.  


Playboy: Das heißt?

Allofs: Das Erste, was die Leute mir vor zweieinhalb Jahren gesagt haben, als ich hierher kam, war: „Bitte jetzt nicht wieder von der Champions League reden.“ Wolfsburg hatte gerade so den Abstieg vermieden.
Die Menschen hier registrieren ganz genau, wenn wir größenwahnsinnig werden würden. 


Playboy: Aber ist es nicht geschäftsschädigend für die Liga, wenn der Meister immer schon zur Winterpause feststeht?

Allofs: Dauerhaft ist das nicht toll. Schöner wären drei, vier Clubs auf Augenhöhe, aber der Fußball in Deutschland wird deshalb keine Depression bekommen. Außerdem sind uns durch das Financial Fairplay 
(UEFA-Reglement zur Begrenzung der finanziellen Unterstützung von Vereinen durch Investoren; d. Red.) klare Regeln vorgegeben. Selbst wenn VW wollte – aber sie wollen nicht, um das klar zu sagen –, könnten
wir nicht mehr Geld ausgeben und sagen: „Jetzt greifen wir die Bayern an, koste es, was es wolle.“ 


"Junge Spieler haben bessere Chancen, wenn sie den Traum haben, Fußballer zu werden und erst an zweiter Stelle reich"

Klaus Allofs

Playboy: Zuletzt schien es aber, als hätte der Konzern schon großzügig die Schatulle aufgemacht: 30 Millionen für André Schürrle, zwölf Millionen für Max Kruse, 18 Millionen für Luiz Gustavo.

Allofs: Wir haben keine Carte blanche. Wir müssen wirtschaftlich denken, aber wir können unsere sportlichen Ambitionen ausleben. Luiz Gustavo ist ein gutes Beispiel: Er war unser Wunschspieler, er fühlte
sich bei Bayern nicht mehr wohl, und so einen Transfer dann umsetzen zu können, ist ein Privileg. Aber wir schmeißen die Spieler nicht mit Geld zu, und dann kommen alle. Das ist Unsinn. 


Playboy: Sie waren vor Wolfsburg fast 13 Jahre beim wirtschaftlich klammen Werder Bremen. Mehr Geld ausgeben zu können macht in diesem Millionenspiel Bundesliga einfach mehr Spaß, oder?

Allofs: Das kann ich so nicht sagen. Ich weiß zum Beispiel gar nicht, ob es immer so viel Spaß macht, bei Bayern zu arbeiten. Erfolg ist doch relativ. Nehmen Sie die letzte Saison der Bayern: ganz früh Deutscher
Meister, Halbfinale in der Champions League und im DFB-Pokal. Aber gefühlt? Eine verlorene Saison. Die Latte wird einfach immer höher gelegt. Das ist menschlich. Aber gestatten Sie mir noch einen Hinweis zu Werder: Werder war über viele Jahre hinweg auch wirtschaftlich ein Erfolgsmodell. 


Playboy: Wie genau müssen Sie als Geschäftsführer Sport eigentlich dem VWKonzern Bericht erstatten?

Allofs: Wir haben einen intensiven Kontakt. Aber ich habe totale Freiheit, was sportliche Entscheidungen angeht. Wenn wir uns innerhalb unseres Budgets bewegen, müssten wir uns das vom Aufsichtsrat nicht absegnen lassen – eigentlich. Aber das wäre die falsche Vorgehensweise, ich muss die Menschen ja mitnehmen. Martin Winterkorn (der Vorstandsvorsitzende von VW; d. Red.) hat beim VfL Wolfsburg keine
Funktion, aber ich weiß, dass ihn unser Aufsichtsratsvorsitzender Garcia Sanz regelmäßig informiert. Und natürlich tausche ich mich auch mit Martin Winterkorn aus, wenn er unsere Spiele besucht. 


Playboy: Martin Winterkorn sitzt ja auch im Aufsichtsrat des FC Bayern, zu dessen größten Sponsoren der VW-Ableger Audi gehört. Deshalb hat Dortmunds Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke die These aufgestellt, die Bayern könnten Wolfsburg nie die besten Spieler so abwerben
wie dem BVB, weil Winterkorn das zu verhindern wüsste. Hat der VW-Konzern ein bisschen zu viel Einfluss auf die Liga? 
Allofs: Ich schätze Hans-Joachim Watzke sehr, nur seine öffentlichen Äußerungen werden entweder falsch dargestellt, oder er macht sie so populistisch und bewusst falsch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass
er wirklich so denkt. Es gibt kein Agreement, keinerlei Einfluss von Seiten VWs, was unsere sportlichen Dinge angeht. Wenn die Bayern einen Spieler von uns wollen, dann werden sie wenig Rücksicht auf Befindlichkeiten anderer nehmen.

Playboy: Muss man in Ihrem Job eigentlich mal beim FC Bayern gewesen sein, um das ganz große Rad drehen zu können?

Allofs: Nicht zwingend. Ich habe keine Liste von Clubs, die ich noch abhaken muss. Da wird man nur zu oft enttäuscht. Ich bin hier in Wolfsburg total glücklich, mehr kann ich nicht verlangen.

"Es kam häufiger vor, dass Hoeneß mich fragte, ob ich mir vorstellen kann, das beim FC Bayern zu machen"

Klaus Allofs

Playboy: Wie oft hat Uli Hoeneß schon versucht, Sie nach München zu holen?

Allofs: In den letzten Jahren nicht mehr. 


Playboy: Und davor?

Allofs: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, das auf großer gegenseitiger Achtung beruht. Auch wenn wir über Spieler verhandelt haben, also eigentlich Gegner waren, lief das immer sehr respektvoll ab. Und bei diesen Gelegenheiten kam es schon häufiger vor, dass er fragte, ob ich mir nicht vorstellen könnte, das mal beim FC Bayern zu machen. Aber entweder gab es dann bei Bayern nicht die Gelegenheit, oder bei mir ging es nicht, jedenfalls kam es nie so weit, dass wir in Verhandlungen getreten wären. 


Playboy: Von Hoeneß weiß man, dass er Spieler wie Franck Ribéry auch mal bei sich zu Hause auf der Couch sitzen hat. Wie viel Nähe lassen Sie zu Ihren Spielern zu?

Allofs: Viele Spieler waren schon bei mir zu Hause, als wir erste Gespräche geführt haben oder während ihrer ersten Wochen im Verein, aber allzu oft mache ich das nicht. Ich möchte nicht, dass da eine Erwartungshaltung entsteht oder Spieler sich fragen: „Warum war der jetzt schon zweimal bei ihm und ich noch gar nicht?“ 


Playboy: Anfang des Jahres verunglückte Ihr Profi Junior Malanda, gerade 20, bei einem Autounfall tödlich. Wie sind Sie damit umgegangen? Sie haben selbst schon einige persönliche Schicksalsschläge erlebt.

Allofs: Ja, ich habe in meiner Familie einige Todesfälle gehabt, zum Teil sehr früh (Mutter Maria beging Selbstmord; Lebensgefährtin Claudia Rehmann starb an Krebs; d. Red.). Am Anfang sucht man nach einem
solchen Verlust noch nach einer Erklärung, aber eine schlüssige gibt es nicht. Zumindest habe ich sie nicht gefunden. Ich glaube, man muss es einfach hinnehmen, akzeptieren, in all seiner Ungerechtigkeit. Für einige der jungen Spieler war es das erste Mal, dass sie mit dem Tod konfrontiert wurden. Ich denke, es war wichtig, dass wir mit dem Thema offen, aber behutsam umgegangen sind und uns professionelle Hilfe ins Team geholt haben. 


Playboy: Haben die Schicksalsschläge Sie in irgendeiner Weise philosophischer, religiöser, atheistischer gemacht?

Allofs: Weder noch. Aber sie haben mich vielleicht verändert, was das Fällen von Entscheidungen angeht. Ich denke, dass man nicht diese große Angst haben muss vor Fehlern. Man muss Dinge ausprobieren
und darf nicht den Anspruch haben, immer alles richtig machen zu müssen. Denn selbst wenn man alles vermeintlich richtig macht, kann dennoch etwas passieren. Das sind die Momente, in denen man erkennt, wie gut es einem geht und dass man bei allem Streben nach Siegen wissen muss: Eine Niederlage ist nicht das Ende der Welt.

Autor: Alexander Neumann-Delbarre
Autor: Thilo Komma-Pöllath
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