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Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Travis Pastrana

...über fliegende Trucks, Ferraris ohne Motor und den Tod

"Mathematiker haben viele meiner Freunde ins Krankenhaus gebracht"

Bodenhaftung? Lange verloren. Travis Pastrana sprang ohne Fallschirm aus Flugzeugen, holte unzählige Motorsport-Titel – jetzt tourt er mit seiner Stunt-Show „Nitro Circus“ in Deutschland. Und spricht über misslungene Tricks, Playmates und den Tod

„Hyatt Regency“-Hotel, Köln. Zimmer 199. Klar, ist ja auch seine Glückszahl und Rennstart-Nummer. Travis Pastrana, 32, öffnet persönlich. „Du bist der Typ vom Playboy?“ Breites Grinsen. High five. Mehr Einleitung braucht es nicht. Der elffache X-Games-
Gewinner und Motorsportler ist vor seinen „Nitro Circus“-Shows auch verbal in Vollgas-Laune.


Playboy: Herr Pastrana, Ihre Krankenakte ist mittlerweile länger als ein Stephen-King-Roman. Bereuen Sie eigentlich einen Ihrer Stunts?  
Pastrana: Es gab sehr viele Momente, in denen es haarscharf für mich war. Trotzdem bereue ich nichts – außer vielleicht diese Sache mit dem Monster-Truck . . .

Playboy: Bitte, wir sind ja unter uns.
Pastrana: Manchmal gerate ich durch meine große Klappe unter Zugzwang. Obwohl ich noch nie wirklich einen Monster- Truck gefahren war, gab ich damit an, einen Rückwärtssalto damit springen zu können. Plötzlich sagte ein Typ aus der Runde: „Okay, ich leih dir meinen!“ Ich wusste, dass das eine ganz dumme Idee war.

Playboy: Haben Sie es trotzdem versucht?
Pastrana: Klar, Wort ist Wort! (lacht) Ich schoss mich senkrecht etwa neun Meter in die Luft. Noch während des Absprungs dachte ich: Fuck, hoffentlich lande ich nicht auf dem Dach. Monster-Trucks bieten sehr wenig Kopffreiheit, wissen Sie?
Ich schlug auf. Auf dem Dach. Der Truck brannte, ich war bewusstlos.

Playboy: Haben Sie nicht Mathematiker, die Ihre Stunts vorher durchrechnen?  
Pastrana: Mathematiker haben viele meiner Freunde ins Krankenhaus gebracht. Die Theorie gibt dir eine grobe Richtung vor. Verlassen kannst du dich aber nur auf deine Erfahrung und dein Bauchgefühl.

Playboy: Sie fuhren Rallye, Nascar, Motocross – und räumten überall ab. Sie gewannen elfmal die X-Games beim Motocross Freestyle. Jetzt konzentrieren Sie sich voll auf Ihre Stunt-Show „Nitro Circus“ – fehlt Ihnen der Wettkampftrubel nicht?
Pastrana: Extremsport bedeutet für mich primär Spaß. Ich bin ein Showman. Vor Publikum drehe ich auf. Aber stimmt schon: Meine Leidenschaft sind eigentlich die Rennen.

Playboy: Was genau vermissen Sie, wenn Sie daran zurückdenken?
Pastrana: Egal, welchen Action-Sport du machst: Da sind alle immer sehr nett zueinander. Und ich bin – nun ja, in gewisser Hinsicht ein Arschloch (lacht). Ich will sagen: Ich bin sehr kompetitiv und möchte zeigen, dass ich meinen Kontrahenten überlegen bin. Den äußeren Ansporn, die Konkurrenz vermisse ich.

"In gewisser Hinsicht ... bin ich ein Arschloch."

Travis Pastrana

Playboy: Sehr europäische Frage: Was finden US-Amerikaner an Nascar so spannend? Die fahren doch nur im Kreis!
Pastrana: (lacht) Das ist tatsächlich eine Mentalitätsfrage! Europäer unterhalten sich darüber, welche Fahrer, welche Autos, welche Teams die besten sind. Ein Fahrer dominiert die gesamte Saison? Umso besser!

Playboy: Und in den Vereinigten Staaten?
Pastrana: Da geht es ums pure Entertainment. Sechs Fahrer, die sich in schwer kontrollierbaren Autos während der letzten Runde von der Strecke schubsen: Das bringt die Zuschauer zur Ticket-Kasse.

Playboy: Tauschen Sie deswegen auch mal das Motocross-Bike gegen ein Kinder-Dreirad? Als Publikums-Schmankerl?
Pastrana: Wir präsentieren den Zuschauern die gefährlichsten und anspruchsvollsten Tricks. Und ernten damit manchmal nur Gähnen. Aber zeig den Leuten einen fetten Typen, den du eine überdimensionierte Wasserrutsche hinunterschießt, und sie flippen aus. Dazu haben Sie einen Bezug. Jeder ist selbst schon mal Dreirad gefahren. Aber wir springen damit Doppel-Salti. Wir denken, dass zehn Prozent unseres Publikums tatsächlich extremsportbegeistert sind, und wissen, was wir tun. Doch der Großteil des Publikums muss auch unterhalten werden.

Playboy: Sie gehen extrem weit, um die Show zu einem Spektakel zu machen. Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen „Jackass“ und „Nitro Circus“?
Pastrana: Die „Jackass-Jungs“ und wir haben nicht viel gemein. Sie sind eine Truppe unbegabter Kerle, die sich absichtlich vor der Kamera wehtun, um ihre Fans zu erreichen. Wir sind eine Truppe professioneller Athleten, die sich unabsichtlich wehtun, um ihre Fans zu erreichen (lacht). Okay, es kommt aufs Gleiche heraus, hat aber unterschiedliche Wurzeln. Wir schieben uns keine Feuerwerkskörper in den Hintern oder baden in Klärwerken. Wir wollen auch Grenzen überschreiten. Die Ekel-Grenze gehört nicht dazu.

Playboy: Doch das Risiko ist ähnlich hoch. Im vergangenen Jahr verunglückte Erik Roner, einer Ihrer besten Freunde, tödlich. Ließ Sie das Ihre Arbeit hinterfragen?
Pastrana: Sein Tod hat mich wachsamer gemacht. Besonders im Alltag.

Playboy: Inwiefern?
Pastrana: Erik starb nicht während einer Show, sondern bei einem Routine-Fallschirmsprung. Evel Knievel starb, als er mit seiner Harley eine Straße entlangfuhr. Bei gefährlichen Tricks bist du extrem fokussiert. Das stumpft uns Extremsportler für alltägliche Gefahren ab. Wenn du zu lange auf Rampen und Rennstrecken gefahren bist, unterschätzt du die Gefahr, dass dir jemand auf dem Freeway die Vorfahrt nehmen könnte.


Playboy: Er war Familienvater wie Sie. Hat die Geburt Ihrer Töchter Sie ruhiger werden lassen?
Pastrana: Nein, das kann ich nicht behaupten. Es ist eher andersherum. Ich schlage manchmal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn mich meine Älteste (Sie ist zwei Jahre alt, Anm. d. R.) weckt, aufs Motorrad zeigt und bettelt: „Daddy, Ich fahren, ich fahren!“

Playboy: Kein Wunder, Sie haben ja auch bereits mit drei Jahren Ihre erste Yamaha geschenkt bekommen! Wünschen Sie sich, dass Ihre Töchter auch mal ins Business einsteigen?
Pastrana: Kein Vater will, dass seine Töchter ihr Leben aufs Spiel setzen. Egal, ob beim Reiten, Basejumpen oder auf dem Motorrad. Trotzdem: Wenn sich die beiden für unseren Sport interessieren und später dafür entscheiden, kann ich es ihnen nicht verbieten. Das käme bei mir ziemlich unglaubwürdig rüber.

Playboy: Und was sagt Ihre Frau dazu?
Pastrana: Was eine dreifache X-Games-Siegerin im Skateboarding eben so dazu sagt (lacht). Sie ist selbst Teil der Show und denkt genau wie ich. Wir versuchen ja schon, den Mädels Ballett nahezubringen. Bis jetzt erfolglos. Und ehrlich gesagt, finde ich das auch stinklangweilig.

Playboy: Noch kurz in eigener Sache: Können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie Ihre erste Playboy-Ausgabe gekauft haben?
Pastrana: Ich kann mich daran erinnern, wie ich das erste Mal von meinem Vater erwischt wurde, als ich Playboy gelesen habe. Da war ich etwa sieben Jahre alt (lacht). Mein Vater hatte eine große Sammlung. Stimmt es eigentlich, dass der US-Playboy keine nackten Frauen mehr abdruckt?

Playboy: Ja, das stimmt. Finden Sie das richtig?
Pastrana: Mir ist das egal. Ich lese nur die Artikel (lacht). Nein, im Ernst: Playboy ohne Aktfotografie ist wie ein Ferrari ohne Motor. Schön anzuschauen. Aber irgendwie fehlt das Kribbeln.

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Autor: Sebastian R. Tromm
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