Direkt zum Inhalt
Wir laden schonmal das nächste Girl für Sie!

Erster deutscher Playboy-Chef ist tot

Nachruf auf Raimund le Viseur von Playboy-Chefredakteur Florian Boitin

Nachruf auf Raimund le Viseur

1972 ist ein außergewöhnliches Jahr. Deutschland wird erstmals Fußball-Europameister, mit der für viele noch immer besten Nationalelf aller Zeiten. Heinrich Böll erhält in Oslo den Nobelpreis für Literatur. McDonalds eröffnet in München Giesing sein erstes deutsches Restaurant. Die „Watergate-Affäre“ nimmt mit dem Einbruch in die Parteizentrale der Demokraten ihren Lauf, der zum Rücktritt des US-Präsidenten Richard Nixon führen soll. Captain Kirk und sein „Raumschiff Enterprise“ landen erstmals im deutschen Vorabendprogramm. Schwimm-Legende Mark Spitz erringt bei den Olympischen Spielen in München sieben (!) Goldmedaillen. Und: Im Juli erscheint die erste deutschsprachige Ausgabe des Playboy.

Was wenige wissen: Mit dem deutschen Playboy kommt weltweit die erste Nicht-amerikanische Ausgabe auf den Markt. Und was vermutlich heute noch weit weniger Menschen wissen: Erster Redaktionsleiter des deutschen Playboy wird der 1937 in Berlin geborene und zum Deutschland-Start 34 Jahre junge Journalist Raimund le Viseur.

Ich traf meinen Vor-vor-vor-vor-vor-vor-vor-vorgänger erstmals 2012, bei den Vorbereitungen zu unserer 40-Jahres-Ausgabe. Ich lernte einen gesundheitlich schon schwer gezeichneten, aber überaus angenehmen, bescheidenen und interessierten Menschen kennen, der mit großer Begeisterung von den Anfängen des deutschen Playboy zu berichten wusste. Ich bat ihn, seine Erinnerungen an den deutschen Urknall für unser Jubiläumsheft aufzuschreiben.

Wie das größte Männermagazin der Welt den Weg nach Deutschland fand, was für ein prickelndes Abenteuer die Grundsteinlegung des Playboy Made in Germany war – und warum sich die deutschen Playboy-Pioniere auf ihrer ersten Bildungsreise in Hefners Chicagoer Playboy-Mansion eine blutige Nase holten, schilderte der Gründungs-Chefredakteur le Viseur eindrucksvoll unter dem Titel „40 Bunnys in Netzstrümpfen und ein braunes Buch – Der erste deutsche Playboy-Chef erinnert sich“ in der Playboy-Jubiläumsausgabe – ganz bequem und einfach nachzulesen auch online hier.

Raimund le Viseur war zwar nur zwei Jahre redaktionell für den deutschen Playboy verantwortlich, blieb dem Magazin aber über Jahre hinweg eng verbunden. So führte er in den 1980er-Jahren zahlreiche Playboy-Interviews mit Größen und Legenden aus Sport, Kultur und Wirtschaft, ob nun mit Franz Beckenbauer, Bernhard Langer, August Everding, Mario Adorf, Justus Frantz oder Lothar-Günther Buchheim. Ein echter Interview-Klassiker ist sein Gespräch mit dem Großmeister des deutschen Humors, Vicco von Bülow alias Loriot, aus dem Jahre 1988, nachzulesen hier im vollen Wortlaut.

Vom „Spiegel“ einst als „Boulevard-Poet“ bezeichnet, arbeitete le Viseur noch bis ins hohe Alter als Buch-Autor und freier Journalist für verschiedene deutsche Zeitungen und Magazine.

Am vergangenen Freitag verstarb Raimund le Viseur im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit in der Nähe seines Wohnorts Wolfratshausen. Wir trauern um einen echten Playboy-Pionier und großen Autor – und einen großartigen Menschen.

Autor: Florian Boitin
Newsletter

Jede Woche neu:
die spannendsten Themen,
die schönsten Frauen

Jede Woche neu: die spannendsten Themen, die schönsten Frauen

The was an error. Please try again later.